Alternativer AntriebInteresse an Elektroautos schwindet

Die deutschen Autofahrer verlieren das Interesse am Elektroantrieb. Das Konzept, das sie befürworten, lehnen die Autohersteller hingegen ab.

Die deutschen Autofahrer interessieren sich weniger für alternative Antriebe. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle repräsentative Umfrage der Organisation der freiberuflichen Kfz-Sachverständigen KÜS. Lediglich 20 Prozent der Befragten sagten, dass sie sich konkret mit alternativen Antrieben beschäftigen – vor einem Jahr waren es noch 26 Prozent. Ähnlich sieht es beim Hybridantrieb aus. Hier sind es 18 Prozent, fünf Prozentpunkte weniger als 2012. Der gleiche Trend zeigt sich auch bei Erd- und Autogas sowie der Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wird.

Gleichwohl sehen die Befragten – 1.000 repräsentativ ausgewählte Autofahrer in Deutschland – sehr große Zukunftschancen für die neuen Antriebsarten. Für den Hybridantrieb sehen 72 Prozent die größten Zukunftschancen, für den Elektroantrieb 62 Prozent und für die Brennstoffzelle 34 Prozent. Zugleich zeigt die Umfrage, dass die Autofahrer bereit sind, mehr Geld auszugeben, wenn sie dafür den Ausstoß von Klimagasen reduzieren können. 47 Prozent würden mehr bezahlen, wenn sie zehn Prozent CO2 einsparen könnten. Bei einer Ersparnis von 20 Prozent der Klimagase würden sogar 60 Prozent der Befragten mehr Geld ausgeben.

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Kaum einer kennt konkrete Modelle

Allerdings können sich auch nur 23 Prozent der befragten Autofahrer vorstellen, als nächstes ein Elektrofahrzeug zu kaufen. 2012 waren es noch 25 Prozent, 2011 sogar 29 Prozent. Entscheidend für den Kauf bleibt, wie weit eine Ladung reicht: Jeder zweite verlangt die gleiche Reichweite wie die eines Benziners, für weitere 30 Prozent müssten es wenigstens 200 Kilometer sein. Mit 100 Kilometern gäben sich nur 13 Prozent zufrieden.

Zugleich nimmt das Interesse an Mobilitätskonzepten zu, in denen Elektrofahrzeuge integriert sind. Jeder vierte Befragte zeigt sich bereit, ein Elektroauto mit einer Reichweite bis 100 Kilometer zu kaufen, wenn im Kauf die Nutzung eines Mietwagens für einige Wochen im Jahr enthalten wäre. Fast jeder zweite würde zuschlagen, wenn man für dieses Elektroauto an speziellen Stationen die leere Batterie tauschen könnte – ein Konzept, das die deutschen Autohersteller bis heute ablehnen. Vor einem Jahr lagen die Zustimmungsraten zu solchen Konzepten noch deutlich niedriger.

Immerhin 49 Prozent fühlen sich gut über das Thema Elektromobilität informiert, im vergangenen Jahr sagten hier 47 Prozent ja. Allerdings ist der Bekanntheitsgrad von existierenden Elektroautos ziemlich gering. Gerade einmal sechs Prozent kennen den Smart electric drive, vier Prozent den Opel Ampera und zwei Prozent den Renault Twizy. Den Renault Zoe und Mitsubishi i-Miev kennen nur ein Prozent der Befragten.

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Leserkommentare
  1. Brennstoffzelle – Elektromobilität mit großer Reichweite
    In einem Artikel bei Daimler heisst es:"
    Brennstoffzellenautos eignen sich dank ihrer größeren Reichweite und ihrer kurzen Betankungszeiten auch für Langstrecken, da sie den Fahrstrom mithilfe von Wasserstoff selbst an Bord erzeugen."
    Dies ist eine Loesung die von Deutschen aktzeptiert wuerde, da sie auch die
    das Todschlagargument beerdigt, Elektroautos waeren unattraktiv weil die Reichweite so gering waere.

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    • Xarx
    • 19. April 2013 0:38 Uhr

    Problematisch bleibt letztendlich aber die Wasserstofferzeugung, zum Teil auch die Lagerung also der Transport innerhalb des Autos sowie die Brennstoffzelle selbst. Zweiteres ist in sofern gelöst, dass man die aktuellen Composittanks 700 bar aushalten und dadurch passable Reichweiten möglich sind. Der Flüssigtransport ist im Grunde energetisch nicht sinnvoll bzw. verbunden mit erheblichen Mehrkosten und auch andere Speichermöglichkeiten wie Carbazol oder Feststoffspeicher sind momentan noch nicht ausreichend entwickelt.

    Das Problem sehe ich bei einer großen Anzahl von Brennstoffzellen wie gesagt in der Bereitstellung des Wasserstoffes und den Brennstoffzellen selbst. Aktuell wird sämtlicher Wasserstoffbedarf durch Steamreforming von Methan und Wasser bereitgestellt. Eine erhöhter H2-Verbrauch würde somit automatisch den CH4-Bedarf drastisch ansteigen lassen, was durch Importe ausgeglichen werden müsste. Ideen mit Hochtemperatur-Elektrolyseuren(Wirkungsgrad über 90%) sind zwar interessant aber noch nicht ausgereift. Dazu kommt, dass Brennstoffzellen sich schwer tun mit der Flexibilität die in einem Auto gefordert ist. Auch hier ist meines Wissens nach die Technik noch nicht weit genug für einen flächendeckenden Einsatz insbesondere was dabei die Lebenszeit der Elemente betrifft.

    Das Problem sehe ich überhaupt nicht. Ich sehe das Problem wie folgt begründet:
    1. Die Öl-Lobby wird ein Teufel tun und den Verkauf, den Ausbau eines Tankstellennetzes und die Entwicklung eines mit lokalen Ressourcen zu betankenes Auto zuzulassen.
    2. Der Staat braucht ein Gut mit geringer Preiselastizität, da ist Öl und Strom
    schon mal super geeignet sofern es nicht dezentral, d.h. unkontrolliert produziert werden kann
    3. Für RWE, E-On, Vattenfall und EnBW wäre die Wasserstoffwirtschaft ein Dorn im Auge, dass sie Stromspeicherung und dezentrale Energie-Lösungen ermöglicht.

    Folglich gibt es mehr Feinde als Freunde, ein mit Wasserstoff zu betreibendes Auto und das zugehörige Tankstellennetz könnten wir schon seit vielen Jahrzehnten bauen.

    Auch ein Brennstoffzellenauto ist ein Elektroauto. Akku, Elektromotor, fehlender Verbrennungsmotor - alles Merkmale eines Elektroautos.

    Vielleicht sollte man sich mal von diesen Entweder-Oder verabschieden. Die Brennstoffzelle ein wenig kleiner, der Akku ein wenig grösser, dazu einen Stecker für's Ladekabel und schon hat man die Vorteile von Beiden vereint.

    • lufkin
    • 18. April 2013 18:04 Uhr

    Wundert mich kaum.
    E-Autos haben einfach zu viele Nachteile und zu wenige Vorteile.
    Relativ kurze Reichweite, deutlich höhere Preis (von Ersatzbatterien gar nicht zu reden, die halten ja auch nicht ewig) und schlicht fehlenden Infrastruktur.

    E-Autos machen derzeit eigentlich nur als Stadtautos Sinn und da fehlen die Ladesäulen in den städtischen Wohngebieten. Was bringt ein E-Auto, wenn ich es nicht vor meiner Wohnung oder zumindest in der Nähe aufladen kann. Selbst wenn ich ein regulären Parkplatz vor meinem Wohnhaus finde, kann ich ja schlecht ein Verlängerungskabel aus dem Küchenfenster hängen. In den Städten haben die Wenigsten ein Haus mit Grundstück oder auch nur einen festen Parkplatz in einer Garage oder einem Hof, wo ggf. Strom zur Verfügung steht.
    Auf der andere Seite sind die Städte pleite und wollen natürlich auch keine flächendeckende Infrastruktur für zig Mio Euro schaffen, wenn der Erfolg fraglich ist.

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    E-Autos machen derzeit eigentlich nur als Stadtautos Sinn

    Genau das Gegenteil ist richtig: E-Autos sind Landautos.
    In den Städten wollen und brauchen viele gar kein eigenes Auto mehr, es gibt einen gut ausgebauten ÖPNV und immer mehr Mietwagen/Carsharing - Anbieter.

    Auf dem Land dagegen sind die Wege länger, der ÖPNV auch nicht mehr so dicht aber dafür gibt es wesentlich mehr Haus- und Garagenbesitzer.

    Entgegen einem offenbar weit verbreiteten Aberglauben liegt außerhalb deutscher Stadtgrenzen keine menschenleere Ödnis mit mindestens 500km zwischen jeder menschlichen Behausung. Die Reichweiten heutiger E-Autos sind also auch dort schon in vielen Fällen ausreichend, wo der nächste Laden oder Bahnhof mal 5km statt 50m entfernt ist.

  2. Die ganze Diskussion über alternative Mobilität ist die übliche von den Medien gefeuerte Blase.
    In der Bundesrepublik entspräche der Strombedarf für eine Flotte von E-auto 50% der aktuelle Stromproduktion. Zur Zeit geht man in der Bundesrepubik davon aus, dass der Stromverbrauch um 10~20% reduzieren sollte.
    Für das Brennstoffzellenauto fehlt die Wasserstoffwirtschaft, würde es sie geben, könnte man heute schon Benzinmotoren auf Wasserstoff umstellen.
    Aber, wer traut sich die notwendigen Wasserstoffspeicher zu planen und sich mit den Ängsten des Volkes zu plagen?

    In übrigem, man kann die Welt auch zu Fuß retten.

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    woher beziehen Sie diese Zahl? Da muss ich Ihnen widersprechen. Selbst bei sehr hoher Verbrauchsannahme für die Elektroautos, kommt man bei gleichbleibender Jahresfahrleistung auf nur ca. 20% der aktuellen Stromproduktion. 50% ist hier eindeutig zu hoch angesetzt.

    dass 50% wohl zu viel wären (da auch in der Reaktion Quellen fehlen, möchte ich das nicht überbewerten), müsste Ihnen doch klar sein, dass in diesem Fall gleichzeitig der Import von Primärenergien schlechtestenfalls konstant bleibt, denn alles, was mehr an Elektroenergie verfahren wird, wird zwangsweise weniger an konventionellem Öl und Benzin verfahren. Insofern muss man Ihre Aussage wohl als Polemik werten

  3. woher beziehen Sie diese Zahl? Da muss ich Ihnen widersprechen. Selbst bei sehr hoher Verbrauchsannahme für die Elektroautos, kommt man bei gleichbleibender Jahresfahrleistung auf nur ca. 20% der aktuellen Stromproduktion. 50% ist hier eindeutig zu hoch angesetzt.

    • UP
    • 18. April 2013 19:19 Uhr

    Die "deutsche" Automobilindustrie ist fokussiert auf übertechnisierte und überteuerte "Premium-Fahrzeuge".

    Auf maroden Strassen, im Verhalten untereinander, in Werkstätten, an Tankstellen und Raststätten bleiben Premium-Werbebotschaften im Verkehrsinfarkt "auf der Strecke".

    Staatliche Anreize zum Umstieg auf neue Technologien und Lösungen?

    Das Land erfolgreich zersiedelt.

    Nah- und Fernverkehr schlecht vernetzt, rückständig, Bahnhöfe seit Jahrzehnten vernachlässigt, Netz und Instandhaltungswerke zu Tode gespart, Zulieferer lieferunfähig, Eisenbahnbundesant reformbedürtig. Bahnfahren für Pendler und Umsteiger unzumutbar.

    Städte mobilitätsfeindlich mit Verkehrsüberwachungs- und reinen "Geldeinnahme-Werkzeugen" übersät. Kosten für Autofahrer seit Jahren stark steigend. Verkehrsminister, dessen Vorzeigeprojekte allesamt scheitern oder wie "der neue Bussgeldkatalog" reiner Populismus sind.

    Ziehen wir gesellschaftlich noch an einem Strang, damit "der Karren wieder aus dem Dreck" kommt?

    Deutsche haben einst Autos erfunden, Bahn aufgesetzt, Zeppelin gebaut, Flugboot entwickelt, Raketenantrieb marktfähig gemacht, Schiffe für Weltmeere gebaut, Telematik vorangetrieben.

    Kuba oder Schweiz? Deutschland hat entschieden, wohin "die Reise (womit auch immer) geht". Und entfernt sich immer weiter von den Menschen.

    via ZEIT ONLINE plus App

    7 Leserempfehlungen
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    • socal
    • 19. April 2013 9:42 Uhr

    re UP: "Deutsche haben einst Autos erfunden, Bahn aufgesetzt, Zeppelin gebaut, Flugboot entwickelt, Raketenantrieb marktfähig gemacht, Schiffe für Weltmeere gebaut, Telematik vorangetrieben.

    Kuba oder Schweiz? Deutschland hat entschieden, wohin "die Reise (womit auch immer) geht". Und entfernt sich immer weiter von den Menschen."

    Sie sprechen mir aus der Seele.

    Man kommt nach langen Jahren aus dem Ausland zurück und reibt sich bei all dem hier verwundert die Augen und fragt sich wie lange es denn noch bergab gehen kann mit unserem einstmals so innovativen Land.

    Gier, Geiz, Neid, Feigheit, Verdummung, Unfähigkeit (BER, S21, TollCollect, Bahn, Infrastruktur...) und neue Tugenden wie "Fremdschämen" herrschen allgemein vor...

    Da war doch mal mehr gewesen in diesem Land, oder ?
    Da muß doch mal mehr gewesen sein!

    fehlt noch in Ihrer Auflistung. Verantwortungsverweigerung füge ich noch hinzu. Da haben wir aktuell eine Ministerin, durch Zeitgeist, Quote, Protegierung (so hies das anno) ins Amt gespült. Die sich in Zukunft lieber ihrer einzigen Tochter widmen möchte. Genug gespielt. Nun für sie spricht das sie wohl in Erkenntnis ihrer Grenzen nicht allzu viel Schaden angerichtet hat.

  4. geht für wärme drauf, als dafür, dass unsere Wohnungen und das Wasser zu Duschen angenehm warm sind( ca 5000PJ von 9000 im Jahr 2011). Für den Verkehr verbrauchen wir ca 2200PJ davon 789PJ für Ottokraftstoffe, also wohl eher für den privaten Individualverkehr.
    Quelle: http://www.ag-energiebila...

    Deutschlans hat 2012 12,3 Terawattsunden exportiert, das sind ca. 44.28PJ, also nicht etwas mehr als 5%, die man vielleicht für E-Autos nutzen könnte.

    Wirklich wichtig wäre es jedoch den hohen Verbrauch bei der Wärme zu reduzieren. Wenn man dort 10% einspart ist das dopplet so viel wie beim gesamten Verkehr. Bei der Wärme gibt es häufig keine alternative zu fossilen Brennstoffen.

    3 Leserempfehlungen
    • YaelS
    • 18. April 2013 19:37 Uhr

    Brennstoffzelle hin, Tretmobil her.....

    Die einzige vernünftige Alternative ist eine, die funktioniert, eine die sich technisch umsetzen läßt und zuverlässig betrieben werden kann.

    Und da ist die Brennstoffzelle noch weit davon entfernt!

    Für Unternehmen wie BMW stellt sich die Frage, ob sie für ihre i-Serie einen anhaltenden Hype erzeugen können.

  5. 617 Terawattstunden Strom erzeugt, dass entspricht 2221,2PJ, also soviel wie der gesamte Verkehr Straße und Schiene 2012 verbraucht hat.
    Quelle: http://ag-energiebilanzen... (letze PDF auf der Seite)

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    zum einen sind beim Verkehr die Nutzfahrzeuge mit drin, die nicht unerheblich PRIMÄRENERGIE verbrauchen und zum anderen Muß man den Effizienzunterschied berücksichtigen und dakommt dann ein erheblicher Unterschied zustande, wie man zB hier auf Seite 21 nachlesen kann http://ag-energiebilanzen...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, mbr
  • Schlagworte Opel | Mitsubishi | Renault | Autofahrer | Autohersteller | CO2
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