ElektromobilitätDie Post kommt elektrisch

Die Post testet ab Sommer Elektroautos in der Auslieferung. Der Flottenversuch ist auch für den Hersteller entscheidend: Die Wagen stammen von einem Uni-Konsortium. von Wolfgang Gomoll

Das für die Deutsche Post entwickelte Streetscooter-Fahrzeug

Das für die Deutsche Post entwickelte Streetscooter-Fahrzeug   |  © press-inform/Hersteller

Eine gewisse Freude über das Erreichte ist sogar dem zurückhaltenden Akademiker Achim Kampker anzumerken. "Wir liegen voll im Zeitplan und werden, wie wir es vor zwei Jahren angekündigt haben, die Serienfertigung des Streetscooter nächstes Jahr beginnen", sagt der Professor für Produktionsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen.

Der Streetscooter, das ist ein kantiger Wagen in VW-Polo-Größe, rein elektrisch angetrieben und vor allem für den Stadtverkehr konzipiert. Das E-Mobil basiert auf einem modularen Baukastenprinzip: So lässt sich ein Streetscooter mal als kleiner Zweisitzer, mal als Kombi oder auch als Kleintransporter bauen. Hinter dem Projekt steht ein Konsortium aus rund 80 Unternehmen unter der Leitung der RWTH Aachen. Dafür wurde eine eigene Firma gegründet, die Streetscooter GmbH. Kampker zeigte ein Vormodell schon auf der IAA 2011.

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Einige renommierte Autohersteller haben mittlerweile bei reinen Elektroautos einen Rückzieher gemacht und setzen jetzt in erster Linie auf Plug-in-Hybride. Vom Zaudern von Audi oder Jaguar lassen sich Kampker und sein Team nicht beeindrucken. "Alle Tests sind bisher optimal verlaufen", sagt der Aachener Professor.

Post testet Streetscooter-Transporter

Die nächste Stufe auf dem Weg zur Serienreife wird im Juli 2013 gezündet. Dann beginnt die Deutsche Post mit dem sukzessiven Einsatz einer Streetscooter-Flotte in der sogenannten Verbundauslieferung, bei der Briefe und Pakete in der Stadt und im nahen Umland zum Kunden gebracht werden.

Die E-Mobile müssen also eine Reichweite von etwa 80 Kilometern am Tag bewältigen – an 300 Tagen im Jahr, bei Wind und Wetter, Sommer wie Winter. Außerdem müssen die Post-Streetscooter rund 200 Mal pro Tag anhalten. Dieses Stop-and-Go belaste die Akkus aber nicht zu stark, sagt Achim Kampker – ganz im Gegenteil. "Wenn Batterien nicht genutzt werden, altern sie."

Die Lade-Infrastruktur ist ebenfalls kein großes Problem. Die Post nutzt bereits eine E-Flotte in der Auslieferung: den Iveco Electric Daily in München, den Iveco E-Cell in Berlin und den Renault Kangoo Z.E. in Köln. Der große Logistiker ist bei den Autoherstellern als Partner beliebt, weil in der etwa 80.000 Fahrzeuge umfassenden Flotte alle Gattungen vorhanden sind, vom Kleintransporter bis zum Lkw. Und für die Post ist das Elektro-Engagement ein weiterer Schritt, das selbstgesteckte Umweltziel zu erreichen: den CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 2007 um 30 Prozent zu senken.

Leserkommentare
    • wd
    • 19. April 2013 20:40 Uhr

    dann wurden schon 1955 Pakete der Post mit Elektroautos herumgefahren. Bei den Autos sah man eine Zahnkette zum Antrieb der Hinterachse.
    Hoffentlich sind die Wagen im Winter beheizt, sonst haben die Postangestellten manchmal ein hartes Los.
    Bei Eckkneipen wurde übrigens das Bier mit Pferdefuhrwerken geliefert. Heute würde man sagen: Alles Bio. Aber damals wurde wahrscheinlich das Bier noch im Ort gebraut und nicht 500km in der Gegend herumgefahren.

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  1. Vorwärts in die Zukunft.Das ist der richtige weg.Die Abgase aus der Luft verbannen.Die Generationen nach uns werden es uns danken.

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    • Kauri
    • 20. April 2013 11:27 Uhr

    Die Abgase werden dann an anderer Stelle erzeugt und in die Luft geblasen!

  2. Beobachte ich so unsere Postzusteller hier, bekommt man den Eindruck, dass der Anlasser jeden Tag mehr Betriebsstunden als der eigentliche Motor sammelt. Ist natürlich übertrieben, doch mehr als 100 Meter pro Motorstart dürften, von der An- und Abfahrt mal abgesehen, die Ausnahme sein. Bedingungen, bei denen ein Elektroauto ideal seine Vorteile ausspielen kann.

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    • wd
    • 19. April 2013 22:23 Uhr

    Der Postzusteller liefert dann wahrscheinlich Briefe und Pakete gleichzeitig. Wenn Sie aber in extremen Wintern Ware verschicken die Temperaturen unter -10°C nicht so richtig vertragen und das Auto eventuell nicht geheizt ist, dann werden Sie sich nach dem Empfang irgendwann wundern.

  3. Der kleinste Motor eines alten Vito von Mercedes-Benz hatte schon 79 PS. Und heutzutage bekommt man keinen Transporter mehr mit weniger als 100PS.

    Könnte mir vorstellen, dass man mit 61PS bei einem voll beladenen Transporter Mühe hat zu beschleunigen, insbesondere wenn es bergauf geht.

    Aber ansonsten natürlich sehr interessantes Projekt.

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    Dann ist ja gut, dass beim Anfahren oder Beschleunigen, auch bergauf, nicht die maximale Leistung sondern das Drehmoment des Motors ausschlaggebend ist.

    Während Verbrennungsmotoren eine relativ hohe Drehzahl benötigen um ihr maximales Drehmoment zur Verfügung zu stellen, ist es bei Elektromotoren schon bei niedrigen Drehzahlen verfügbar.
    Was eine bessere Beschleunigung auch bei potentiell niedererem Drehmoment und Leistung zur Folge hat.

    Siehe:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Drehmoment
    http://de.wikipedia.org/wiki/Elektromotor

    Ein Piaggio Ape (bitte nicht englisch aussprechen) beschleunigt 500 kg mit 7 kW auf Stadtgeschwindigkeit. Das soll natürlich kein Maßstab für einen modernen Transporter sein, aber 20 kW (ca 30 PS) pro Tonne Gesamtgewicht reichen für einen solchen Lieferwagen locker aus. Das hier vorgestellte Modell hat etwa das doppelte an Leistung, das ist ganz sicher nicht 'wenig'. Zumal ein Elektromotor schon beim Anfahren die volle Leistung bringt.

    • wd
    • 19. April 2013 22:23 Uhr

    Der Postzusteller liefert dann wahrscheinlich Briefe und Pakete gleichzeitig. Wenn Sie aber in extremen Wintern Ware verschicken die Temperaturen unter -10°C nicht so richtig vertragen und das Auto eventuell nicht geheizt ist, dann werden Sie sich nach dem Empfang irgendwann wundern.

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    Auch Akkus liefern im Betrieb Abwärme, wenn auch lange nicht so viel wie ein Verbrennungsmotor. Reicht das nicht, gibt's immer noch eine Standheizung.

    • Kauri
    • 20. April 2013 11:33 Uhr

    Obwohl ich sonst seit 8 Jahre der erklärte Skeptiker in Bezug auf E-Autos bin: In diesem Einsatzfall macht es Sinn , weil die Postauslieferung extremes Stop und Go ist! Das Heizungsproblem sollte Webasto oder Eberspächer lösen! Standheizungen laufen auch mit Bioäthanol ! Das Problem ist und bleiben die teuren , zyklenbeschränkten Batterien!

    Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte mal von einem Paketboten "warme" Ware im Winter bekommen hätte. Diese ganzen Kastenwagen sind auf der Ladefläche praktisch niemals beheizt.

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    • wd
    • 19. April 2013 23:33 Uhr

    Die Wagen waren größer. Suchen Sie bitte weiter.

  5. Auch Akkus liefern im Betrieb Abwärme, wenn auch lange nicht so viel wie ein Verbrennungsmotor. Reicht das nicht, gibt's immer noch eine Standheizung.

    3 Leserempfehlungen
    • wd
    • 19. April 2013 23:33 Uhr

    Die Wagen waren größer. Suchen Sie bitte weiter.

    Antwort auf "Sie irren nicht."

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  • Schlagworte Post | Audi | Autohersteller | Deutsche Post | IAA | Jaguar
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