Eine gewisse Freude über das Erreichte ist sogar dem zurückhaltenden Akademiker Achim Kampker anzumerken. "Wir liegen voll im Zeitplan und werden, wie wir es vor zwei Jahren angekündigt haben, die Serienfertigung des Streetscooter nächstes Jahr beginnen", sagt der Professor für Produktionsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen.

Der Streetscooter, das ist ein kantiger Wagen in VW-Polo-Größe, rein elektrisch angetrieben und vor allem für den Stadtverkehr konzipiert. Das E-Mobil basiert auf einem modularen Baukastenprinzip: So lässt sich ein Streetscooter mal als kleiner Zweisitzer, mal als Kombi oder auch als Kleintransporter bauen. Hinter dem Projekt steht ein Konsortium aus rund 80 Unternehmen unter der Leitung der RWTH Aachen. Dafür wurde eine eigene Firma gegründet, die Streetscooter GmbH. Kampker zeigte ein Vormodell schon auf der IAA 2011.

Einige renommierte Autohersteller haben mittlerweile bei reinen Elektroautos einen Rückzieher gemacht und setzen jetzt in erster Linie auf Plug-in-Hybride. Vom Zaudern von Audi oder Jaguar lassen sich Kampker und sein Team nicht beeindrucken. "Alle Tests sind bisher optimal verlaufen", sagt der Aachener Professor.

Post testet Streetscooter-Transporter

Die nächste Stufe auf dem Weg zur Serienreife wird im Juli 2013 gezündet. Dann beginnt die Deutsche Post mit dem sukzessiven Einsatz einer Streetscooter-Flotte in der sogenannten Verbundauslieferung, bei der Briefe und Pakete in der Stadt und im nahen Umland zum Kunden gebracht werden.

Die E-Mobile müssen also eine Reichweite von etwa 80 Kilometern am Tag bewältigen – an 300 Tagen im Jahr, bei Wind und Wetter, Sommer wie Winter. Außerdem müssen die Post-Streetscooter rund 200 Mal pro Tag anhalten. Dieses Stop-and-Go belaste die Akkus aber nicht zu stark, sagt Achim Kampker – ganz im Gegenteil. "Wenn Batterien nicht genutzt werden, altern sie."

Die Lade-Infrastruktur ist ebenfalls kein großes Problem. Die Post nutzt bereits eine E-Flotte in der Auslieferung: den Iveco Electric Daily in München, den Iveco E-Cell in Berlin und den Renault Kangoo Z.E. in Köln. Der große Logistiker ist bei den Autoherstellern als Partner beliebt, weil in der etwa 80.000 Fahrzeuge umfassenden Flotte alle Gattungen vorhanden sind, vom Kleintransporter bis zum Lkw. Und für die Post ist das Elektro-Engagement ein weiterer Schritt, das selbstgesteckte Umweltziel zu erreichen: den CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 2007 um 30 Prozent zu senken.