Detroit ElectricInteresse an Elektroautos belebt eine alte US-Marke wieder

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts baute Detroit Electric Autos mit E-Motor. Nach über 70 Jahren kehrt das Unternehmen zurück – mit einem Elektro-Sportwagen. von Walther Wuttke

Elektro-Sportwagen SP:01 von Detroit Electric

Elektro-Sportwagen SP:01 von Detroit Electric  |  © Hersteller

Aus Motown wird E-Motown – zumindest, wenn man dem Elektroauto-Hersteller Detroit Electric glaubt. Er trägt die US-Autometropole schon im Namen und ist an sich ein Elektroauto-Pionier: Detroit Electric produzierte zwischen 1907 und 1939 insgesamt 12.348 batteriegetriebene Fahrzeuge. Nach mehr als sieben Jahrzehnten Pause ist das Unternehmen wiedererweckt worden, es will mit einem Strom-Sportwagen der darbenden US-Autohauptstadt zu neuem Glanz verhelfen.

Das Modell SP:01 feiert Ende April auf der Automesse in Shanghai Premiere. Mit dem Zweisitzer setzt das Unternehmen aus Michigan auf eine ähnliche Strategie wie der kalifornische E-Sportwagen-Pionier Tesla: die Verbindung von Umweltfreundlichkeit und Fahrspaß. Der 150 kW (201 PS) starke SP:01 braucht für den Sprint von 0 auf 100 km/h gerade einmal 3,7 Sekunden. Von Beginn an steht dem Piloten ein Drehmoment von 225 Newtonmetern zur Verfügung, was sich bei einem Gewicht von knapp 1.100 Kilo in einen rasanten Start übersetzt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 249 km/h.

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Wie Tesla bei seinem Roadster setzt Detroit Electric bei seinem Coupé auf eine Plattform von Lotus. Die leichten und kleinen Sportwagen der Briten drängen sich als Basis für die Elektrifizierung geradezu auf. Tesla wählte die Lotus Elise, Detroit Electric nutzt nun den geschlossenen Ableger Exige. Das ist kein Zufall, immerhin besteht die Verbindung zwischen Detroit Electric und dem Lotus-Eigentümer Proton bereits seit dem Jahr 2009.

Damals wurden Pläne für die Entwicklung eines Elektromobils zum ersten Mal veröffentlicht. Danach hörte man nichts mehr von dem Unternehmen – bis jetzt, da im Stadtzentrum von Detroit das neue Modell erstmals noch vor der offiziellen Messepremiere gezeigt wurde.

Auch E-Autos dürfen aufregend sein

Detroit Electric plant nach dem Produktionsstart im kommenden August zunächst eine Serie von 999 Exemplaren, die weltweit über ein exklusives Händlernetz angeboten werden sollen. Später sollen dann noch weitere Modelle folgen. Bis Ende des kommenden Jahres sind zwei weitere Hochleistungsversionen geplant.

Der E-Sportwagen zeigt – wie zuvor schon der Tesla Roadster – wie sehr sich das amerikanische Verständnis von Elektromobilität von den europäischen Auffassungen unterscheidet. Während in Europa vor allem ökologische und daher nicht sonderlich aufregende Modelle im Vordergrund stehen, galt für die Entwicklung des SP:01 der Slogan "Pure Electric Excitement". Das Design und die technischen Daten bestätigen das durchaus.

Auch wenn die Karosserie auf den ersten Blick wie ein elektrifizierter Lotus wirkt, so zeigt ein genauer zweiter Blick die Unterschiede. Die Karbon-Karosserie ist maßgeschneidert für den SP:01 und übernimmt nur einige Details vom ursprünglichen Lotus Exige. Die Kraft des Mittelmotors wird über das auf vier Gänge reduzierte Exige-Getriebe an die Hinterräder übertragen. Als Alternative soll gegen Aufpreis auch ein Doppelkupplungsgetriebe lieferbar sein. Das weitgehend vom Exige übernommene Fahrwerk sollte für ein problemloses Handling sorgen. Federn und Stoßdämpfer wurden der neuen Gewichtsverteilung entsprechend angepasst.

Detroit Electric verspricht 300 Kilometer Reichweite

Im Innenraum dominiert das von Detroit Electric entwickelte Smartphone Application Managed Infotainment System (SAMI). Mit ihm kann der Nutzer den Ladezustand der Batterie, die Reichweite sowie Telemetrie- und Systemdaten – wie der Name verrät – über das Smartphone abrufen und regulieren. Die Reichweite des Elektro-Sportlers von rund 300 Kilometern kann sich sehen lassen. Die beiden Lithium-Ionen-Batteriepakete lassen sich je nach Ladegerät in viereinhalb oder acht Stunden aufladen.

Detroit Electric verlangt für den SP:01 rund 135.000 Dollar (rund 104.360 Euro) und gewährt seinen Kunden eine Garantie von drei Jahren oder 30.000 Meilen, die gegen Aufpreis auf fünf Jahre beziehungsweise 50.000 Meilen für die Batterie ausgedehnt werden kann. Das wiederbelebte Unternehmen plant eine Jahresproduktion von 2.500 Fahrzeugen.

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Leserkommentare
  1. ... Matellllll ...

  2. ... kann mir bitte jemand den Sinn einer Tesla-Kopie erklaeren? Und auch NOCH teurer? Ich meine, ich liebe knackige Sportwagen, aber wenn ich eine Elise will, dann kaufe ich mir eine fuer die Haelfte des Preises.

    Und ob das Ding wirklich 300Km bei artgerechter Bedienung durchhaelt, wage ich dann doch sehr zu bezweifeln. Der Tesla-Lotus kann es mal definitiv nicht.

    Na ja, fuer Leute, die zuviel Geld haben bestimmt interessant. Aber einer echten Elise/Exige kann das Ding speziell im Kurvenhandling bestimmt nicht das Wasser reichen (da zu schwer).

    • gw1200
    • 08. April 2013 15:13 Uhr

    "Die Reichweite des Elektro-Sportlers von rund 300 Kilometern kann sich sehen lassen."
    Mit... Radio? Heizung (Winter)? Klimaanlage (Sommer)? Tempo 130? Gebirge?
    Benötige ich dann im Winter 2 Tage bis zu meinen Eltern (500 km) anstatt 5 h?

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    • fx66
    • 19. Juli 2013 3:58 Uhr

    So ein Käse. E-Autos sind schon ganz nützlich für die regionale Wirtschaft. Und ob Sie 500km von Ihren Eltern weg wohnen, interessiert mich persönlich nicht. Fahren Sie halt Bahn.

    Interessante Doku: "Warum das Elektroauto sterben musste"

    https://www.youtube.com/w...

    Mit reinen E-Autos ist es so wie mit der Energiewende: Die großen Industrien (Auto, Öl) würden Verluste machen und kämpfen erbittert um den Erhalt der konventionellen...

  3. Das ist eben auch ein Unterschied zwischen den USA und Europa/Japan in Sachen E-Mobil.

    Eine Garantie für 10.000 km im Jahr ist halt dann doch eher bescheiden und im Alltag für den Durchschnittsfahrer eines Kompaktwagen bereits deutlich zu wenig. Bringt man das mit dem Preis im Zusammenhang, so wird - leider - klar, dass die US Variante (wie auch der Tesla Roadster) Leutturmprojekte sind, denen der Bezug zur Alltagstauglichkeit nicht wichtig ist.

    Das trennt auf vielen Ebenen...

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    10.000 Meilen sind etwas anderes als 10.000 Km. Gleichwohl bleibt eine Garantie für ein ca 100.000 € Vehicle bescheiden.

  4. Bei der kleinen Serie kann man kein eigenes Auto entwickeln. So irre ist der Preis auch nicht. Die machen das schon richtig. Wer wuerde ein Kleinserien Familien Auto fuer so einen Preis kaufen, niemand.....

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    ... nur meine Meinung. Ich finde das Auto relativ sinnlos. Aber das ist natuerlich nur meine Meinung. ;)

  5. ... nur meine Meinung. Ich finde das Auto relativ sinnlos. Aber das ist natuerlich nur meine Meinung. ;)

    Antwort auf "nur mal so"
  6. Tesla, Fisker, Detroit Electric. Das Elekroauto wird das große Comeback der amerikanischen Automobilindustrie. Wenn auch mit vielleicht vielen neuen Herstellern.

  7. 10.000 Meilen sind etwas anderes als 10.000 Km. Gleichwohl bleibt eine Garantie für ein ca 100.000 € Vehicle bescheiden.

    Antwort auf "Im Alltag 10.000 km"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Lotus | Automesse | Detroit | Elektromobilität | Proton | Smartphone
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