Es klingt einfach: "Schnell und legal zum EU-Führerschein" oder "Führerschein ohne MPU". So und ähnlich werben Agenturen um Autofahrer, die in Deutschland ihre Fahrerlaubnis verloren haben. Das klingt unseriös – und ist es vielfach auch. Die Folgen eines nicht legal erworbenen Führerscheins sind nicht unerheblich: Im schlimmsten Fall muss der Autofahrer mit einem Strafverfahren gegen ihn rechnen.

Die Angebote der Agenturen ähneln sich und klingen verkürzt so: den Wohnsitz in ein EU-Land wie Tschechien ummelden, die Führerscheinprüfung bestehen und dort die Fahrerlaubnis beantragen – fertig. Wird man jedoch in Deutschland mit einem so erworbenen EU-Führerschein angehalten, kann es Probleme geben. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden: Wurde der neue Führerschein innerhalb der Sperrfrist der entzogenen Fahrerlaubnis in Deutschland gemacht? Oder ist die Sperrfrist bereits abgelaufen?

Stellt ein Polizist bei einer Kontrolle in seinem Computer fest, dass der Autofahrer den EU-Führerschein erworben hat, obwohl noch eine Sperrfrist lief, gibt es Ärger. Die Polizei zieht den Führerschein ein und stellt Strafanzeige – denn das Fahren ohne Fahrerlaubnis ist strafbar. Auch vor Gericht hat man kaum eine Chance, den EU-Führerschein zu erstreiten: "Deutsche Gerichte erkennen den Führerschein in diesem Fall so gut wie nie an", sagt Jörg-Matthias Bauer, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Nürnberg.

Anders liegt der Fall, wenn die Sperrfrist schon vorüber ist. "Ist der Führerschein nicht innerhalb der Sperrfrist erworben, funktioniert es in der Regel", sagt Bauer. Das gilt aber natürlich nur, wenn die Fahrerlaubnis tatsächlich legal erworben wurde. Die entscheidende Hürde: Rund ein halbes Jahr muss man seinen Erstwohnsitz in das Land der Wahl verlegen. "Das muss man im Zweifel dem Gericht auch nachweisen können, zum Beispiel mit einer Abmeldebescheinigung", sagt der Verkehrsjurist.

Angeboten, die eine schnelle Abwicklung innerhalb weniger Tage oder Wochen versprechen, ist also mit Vorsicht zu begegnen. "Es gibt in diesem Bereich sehr viele schwarze Schafe", sagt Bauer. Geht es schief, ist am Ende der Autofahrer der Leidtragende – zum einen, weil er oft mehrere Tausend Euro für die Abwicklung an die Agentur bezahlt hat, zum anderen, weil er das Risiko trägt, erwischt zu werden.