VerkehrsdeliktAgenturen werben mit dubiosem Führerschein-Neuerwerb

"Lappen weg? Dann holen Sie sich doch Ihren EU-Führerschein!" Was nach unseriösem Angebot klingt, kann im schlimmsten Fall vor Gericht landen, warnen Experten. von Hanne Lübbehüsen

Es klingt einfach: "Schnell und legal zum EU-Führerschein" oder "Führerschein ohne MPU". So und ähnlich werben Agenturen um Autofahrer, die in Deutschland ihre Fahrerlaubnis verloren haben. Das klingt unseriös – und ist es vielfach auch. Die Folgen eines nicht legal erworbenen Führerscheins sind nicht unerheblich: Im schlimmsten Fall muss der Autofahrer mit einem Strafverfahren gegen ihn rechnen.

Die Angebote der Agenturen ähneln sich und klingen verkürzt so: den Wohnsitz in ein EU-Land wie Tschechien ummelden, die Führerscheinprüfung bestehen und dort die Fahrerlaubnis beantragen – fertig. Wird man jedoch in Deutschland mit einem so erworbenen EU-Führerschein angehalten, kann es Probleme geben. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden: Wurde der neue Führerschein innerhalb der Sperrfrist der entzogenen Fahrerlaubnis in Deutschland gemacht? Oder ist die Sperrfrist bereits abgelaufen?

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Stellt ein Polizist bei einer Kontrolle in seinem Computer fest, dass der Autofahrer den EU-Führerschein erworben hat, obwohl noch eine Sperrfrist lief, gibt es Ärger. Die Polizei zieht den Führerschein ein und stellt Strafanzeige – denn das Fahren ohne Fahrerlaubnis ist strafbar. Auch vor Gericht hat man kaum eine Chance, den EU-Führerschein zu erstreiten: "Deutsche Gerichte erkennen den Führerschein in diesem Fall so gut wie nie an", sagt Jörg-Matthias Bauer, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Nürnberg.

Anders liegt der Fall, wenn die Sperrfrist schon vorüber ist. "Ist der Führerschein nicht innerhalb der Sperrfrist erworben, funktioniert es in der Regel", sagt Bauer. Das gilt aber natürlich nur, wenn die Fahrerlaubnis tatsächlich legal erworben wurde. Die entscheidende Hürde: Rund ein halbes Jahr muss man seinen Erstwohnsitz in das Land der Wahl verlegen. "Das muss man im Zweifel dem Gericht auch nachweisen können, zum Beispiel mit einer Abmeldebescheinigung", sagt der Verkehrsjurist.

Angeboten, die eine schnelle Abwicklung innerhalb weniger Tage oder Wochen versprechen, ist also mit Vorsicht zu begegnen. "Es gibt in diesem Bereich sehr viele schwarze Schafe", sagt Bauer. Geht es schief, ist am Ende der Autofahrer der Leidtragende – zum einen, weil er oft mehrere Tausend Euro für die Abwicklung an die Agentur bezahlt hat, zum anderen, weil er das Risiko trägt, erwischt zu werden.

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Leserkommentare
    • H.v.T.
    • 21. April 2013 8:36 Uhr

    beim Neuerwerb zu sein, denn offenbar gibt es im EU-Ausland so etwas nicht.

    Im Abgleich mit anderen EU-Ländern hat Deutschland noch ein paar Besonderheiten, wie die MPU, beibehalten.

    Ich kann schon verstehen, wenn auch der Deutsche seinen Vorteil in der EU wahr nimmt; hier beim Neuerwerb des Führerscheins. (Ohne bestehende Sperrfrist natürlich).

    Die MPU ist, ohne je selbst betroffen gewesen zu sein, offenbar durch das Votum eines einzigen Psychologen ein nicht einfacher Gang. Unterwerfungsritualen gleich sollen da Anhörungen stattfinden.

    Wem ist es zu verdenken, wenn er/sie so etwas legal umgehen kann ?

    2 Leserempfehlungen
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    Wer sich so schwer damit tut, sich an die Verkehrsregeln zu halten und nach wiederholten Belehrungen, Ermahnungen und Bußgeldern schließlich den Führerschein verliert, der sollte eigentlich dankbar dafür sein, dass er mal mit einem Psychologen reden kann.

    • Lyaran
    • 21. April 2013 9:38 Uhr

    Man kann ja auch einfach auf seinene Führerschein verzichten. Es wurde ja zu genüge gezeigt dass man scheinbar nicht dazu fähig ist sich in den Verkehr einzugliedern. Also ich würde die MPU nicht als Drangsalierung sehen sondern eher als letzte Chance.

    Wer mehr als 8 Punkte hat, hat offensichtlich ein ernsthaftes psychologisches Problem und ist offensichtlich nicht Reif genug ein Auto zu fahren.

    Ich bin ein Vielfahrer, habe seit über 30 Jahren einen Führerschein und hatte noch nie einen Punkt in Flensburg.

  1. Bei allem Respekt vor den Notwendigkeiten, echte Verkehrsrowdys von den Straßen und vom Steuer fernzuhalten, scheint es, dass die MPU nach dem was ich davon gehört habe und was darüber berichtet wird, keine sonderlich sachlichen oder nachvollziehbaren Hintergründe hat. Es soll sogar Fälle geben, wo sie gezielt zu schikanösen Umständen führt. Insofern werden Umgehungsstrategien herausgefordert. Abgesehen davon, dass es bei zunehmender EU-Integration und steigender Anzahl von auswärtigen EU-Führerscheinen nicht sehr gerecht und wenig zielführend is ist, nur die Deutschen mit solchen Methoden zu überziehen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Wer sich so schwer damit tut, sich an die Verkehrsregeln zu halten und nach wiederholten Belehrungen, Ermahnungen und Bußgeldern schließlich den Führerschein verliert, der sollte eigentlich dankbar dafür sein, dass er mal mit einem Psychologen reden kann.

    16 Leserempfehlungen
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    • H.v.T.
    • 21. April 2013 9:40 Uhr

    Die Häufigkeit von Fehlern im Straßenverkehr als Autofahrer hängt ganz sicher auch davon ab, ob man Vielfahrer (insbesondere mit weiten Strecken und/oder in der Großstadt) ist oder nicht.

    Wer aus beruflichen Gründen gezwungen ist, sehr häufig mit dem Auto unterwegs zu sein, der begeht natürlich auch eine Vielzahl von Verstößen gegen Verkehrsregeln.

    Selbst auf solch einen einfachen Umstand wird in der Ahndung und Sanktionierung nicht Rücksicht genommen.

    Vielleicht sollten Sie mal in der Gesamtbetrachtung berücksichtigen, wie
    "wiederholten Belehrungen, Ermahnungen und Bußgeldern" zustande kommen.

    • Lyaran
    • 21. April 2013 9:38 Uhr

    Man kann ja auch einfach auf seinene Führerschein verzichten. Es wurde ja zu genüge gezeigt dass man scheinbar nicht dazu fähig ist sich in den Verkehr einzugliedern. Also ich würde die MPU nicht als Drangsalierung sehen sondern eher als letzte Chance.

    2 Leserempfehlungen
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    • H.v.T.
    • 21. April 2013 9:41 Uhr

    "Man kann ja auch einfach auf seinene Führerschein verzichten."
    ---

    Soll das wirklich ein Argument sein ?

    • H.v.T.
    • 21. April 2013 9:40 Uhr

    Die Häufigkeit von Fehlern im Straßenverkehr als Autofahrer hängt ganz sicher auch davon ab, ob man Vielfahrer (insbesondere mit weiten Strecken und/oder in der Großstadt) ist oder nicht.

    Wer aus beruflichen Gründen gezwungen ist, sehr häufig mit dem Auto unterwegs zu sein, der begeht natürlich auch eine Vielzahl von Verstößen gegen Verkehrsregeln.

    Selbst auf solch einen einfachen Umstand wird in der Ahndung und Sanktionierung nicht Rücksicht genommen.

    Vielleicht sollten Sie mal in der Gesamtbetrachtung berücksichtigen, wie
    "wiederholten Belehrungen, Ermahnungen und Bußgeldern" zustande kommen.

    Antwort auf "Unterwerfung?"
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    ... eine Vielzahl von Verstößen begeht.
    Für mich passt diese Personengruppe nicht in die Opferrolle. Die Opfer sind die Toten oder die, die in der Reha versuchen wieder in ihr altes Leben zu finden, während die Täter nach einer Bewährungsstrafe den Führerschein brauchen, um ihr altes Verhalten wieder aufzunehmen.

    Das soll ja wohl ein Witz sein! Wenn Sie Ihre Karre nicht im Griff haben, dann sollten Sie damit überhaupt nicht auf die Straße. Dass mal ein Fehler passieren kann, ist normal, aber zum Führerscheintzug braucht es davon schon eine ganze Menge oder besonders schwerwiegende. Mal gelegentlich ein bisschen zu schnell gefahren reicht da noch lange nicht aus.
    Wir sagen ja auch nicht: "Der hat als Banker viel mit Geld zu tun, da begeht er natürlich eine ungleich größere Zahl an Verstößen gegen das Steurrecht, darauf sollte man Rücksicht nehmen!"

    Sie schreiben: "Wer aus beruflichen Gründen gezwungen ist, sehr häufig mit dem Auto unterwegs zu sein, der begeht natürlich auch eine Vielzahl von Verstößen gegen Verkehrsregeln."
    Wie bitte?
    Ich glaube, hier wäre eine MPU angebracht ...

    Wer als Vielfahrer "natürlich auch eine Vielzahl von Verstößen gegen Verkehrsregeln begeht", ist völlig ungeeignet, ein Fahrzeug zu führen und sollte umgehend von der Straße geholt werden. Die MPU ist noch viel zu lasch in solchen Fällen, durch gezielte Vorbereitung (und mehrere Versuche!) kommen solche Leute ja trotzdem noch durch!

    Leider sind die Folgen von Verkehrsdelikten in Deutschland lächerlich niedrig, bis solche Subjekte ihren Führerschein verlieren, muss zu viel passieren und selbst die finanziellen Strafen sind grotesk niedrig. Alles im Sinne der Autofahrer - aber ausgerechnet derjenigen, die nie eine Fahrerlaubnis hätten bekommen dürfen, gerade nicht im Sinne der Allgemeinheit und der umsichtigen Fahrer.

    • Burts
    • 21. April 2013 19:04 Uhr

    auch immer um den Schutz der anderen, Sie halten Vergehen im Strassenverkehr für normal, gefährden damit aber andere.

    Ein MPU ist auch ganz häufig Folge von mehrfachem Verlust des Führerscheins wegen Alkohol am Steuer, da ist es schon sinnvoll, dass ein Fachmann prüft ob hier villeicht ein Alkoholproblem vorliegt und das führt dann eben sehr schnell zur Gefährdung von anderen.

    ... für seine Mitmenschen. Wer beruflich auf seinen Führerschein angewiesen ist, muss eben besonders vorsichtig ein.

    Ich rede hier nicht über kleinere Geschwindigkeitsüberschreitungen oder ein paar Parkverstöße, die mit 10, 20 oder 30 Euro zu Buche schlagen. Es muss schon viel passieren, dass man 1. den Führerschein verliert und 2. eine MPU für nötig befunden wird.

    • H.v.T.
    • 21. April 2013 9:41 Uhr

    "Man kann ja auch einfach auf seinene Führerschein verzichten."
    ---

    Soll das wirklich ein Argument sein ?

    Antwort auf "@1 Muss man ja nicht"
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    • Oyamat
    • 21. April 2013 9:57 Uhr

    Wissen Sie, Sie müssen das einfach im Kontext sehen. Es wird in Deutschland ja niemand gezwungen, sich um seinen Broterwerb zu kümmern. Ob man eine Wohnung haben will, Kleidung, Nahrung und soziale Kontakte, das ist doch jedem ganz frei selbst überlassen. Man kann soooo einfach darauf verzichten, das ist üüüberhaupt kein Problem, man wird wirklich zu gar nichts gezwungen, ehrlich jetzt. Nichtmal so Dinge wie Krankenversicherungen sind schließlich verpflichtend, nicht wahr? Und wenn man einfach auf alles verzichtet, was Geld kostet, kann man naütrlich auch darauf verzichten, Geld zu verdienen, etwa mit einer Tätigkeit, die einen Führerschein erfordert. Gar kein Problem.

    MGv Oyamat

    P.S.: Uhm, war eigentlich Ironie in diesem Land noch gleich kennzeichnungspflichtig? O.

  3. ... eine Vielzahl von Verstößen begeht.
    Für mich passt diese Personengruppe nicht in die Opferrolle. Die Opfer sind die Toten oder die, die in der Reha versuchen wieder in ihr altes Leben zu finden, während die Täter nach einer Bewährungsstrafe den Führerschein brauchen, um ihr altes Verhalten wieder aufzunehmen.

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ Salzwassermann"
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    • H.v.T.
    • 21. April 2013 10:02 Uhr

    Es gibt also Bürger, die die einfachsten Faktoren für mögliches menschliches Versagen im Straßenverkehr nicht kennen ?

    Um beim Thema zu bleiben:

    Das sieht man im EU-Ausland wohl anders, oder wie erklärt es sich sonst, dass dort eine MPU nicht existiert ? Und dennoch gibt es dort auch Verkehrsregeln, die greifen. Und komischerweise greifen sie ohne MPU.

    Selbstverständlich passieren auch dort Unfälle; haben aber die EU-Länder ohne MPU nun kein Verantwortungsgefühl gegenüber den Opfern von Verkehrsverfehlungen ?

    • Oyamat
    • 21. April 2013 9:57 Uhr

    Wissen Sie, Sie müssen das einfach im Kontext sehen. Es wird in Deutschland ja niemand gezwungen, sich um seinen Broterwerb zu kümmern. Ob man eine Wohnung haben will, Kleidung, Nahrung und soziale Kontakte, das ist doch jedem ganz frei selbst überlassen. Man kann soooo einfach darauf verzichten, das ist üüüberhaupt kein Problem, man wird wirklich zu gar nichts gezwungen, ehrlich jetzt. Nichtmal so Dinge wie Krankenversicherungen sind schließlich verpflichtend, nicht wahr? Und wenn man einfach auf alles verzichtet, was Geld kostet, kann man naütrlich auch darauf verzichten, Geld zu verdienen, etwa mit einer Tätigkeit, die einen Führerschein erfordert. Gar kein Problem.

    MGv Oyamat

    P.S.: Uhm, war eigentlich Ironie in diesem Land noch gleich kennzeichnungspflichtig? O.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ Lyaran"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Agentur | Autofahrer | Führerschein | Gericht | Computer | Euro
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