Die Formel ist einfach und doch immer wieder wirkungsvoll. Man nehme einen fünftürigen Kompaktwagen, lasse zwei Türen weg und verringere die Höhe – fertig ist das Kompakt-Coupé. So hat es Opel beim Astra vorgemacht, und so macht es nun Kia mit dem cee'd. Die Koreaner nennen die dynamischer wirkende Variante pro_cee'd: Der Dreitürer ist genauso breit wie der Fünftürer, duckt sich aber vier Zentimeter tiefer. Dadurch ist die Windschutzscheibe auch flacher. Außerdem wurde die B-Säule um 22 Zentimeter nach hinten versetzt. Die Juroren des Design-Zentrums Nordrhein-Westfalen belohnten das Design des pro_cee'd mit dem Design-Award "Red dot" in der höchsten Kategorie "Best of the Best".

Was die sportliche Optik verspricht, hält das Fahrzeug auf der Straße aber nur begrenzt. Das Fahrwerk ist durchaus sportlich-straff abgestimmt, was sich bei größeren Schlaglöchern schon mal bemerkbar macht. Doch im Großen und Ganzen lässt es sich im Kia pro_cee'd durchaus komfortabel reisen. Das Coupé hat allerdings eine Tendenz zum Untersteuern. Die Antischleudertechnik ESP hilft dann aber schnell und nachdrücklich aus.

Die elektrische Servolenkung bietet drei Modi an. Der Komfort-Modus ist zu leichtgängig, und für den Sport-Modus braucht man einige Stunden im Fitnessstudio, wenn es auf einer kurvenreichen Strecke schnell hin- und hergeht. Die beste Einstellung ist damit "Normal". Da ist die Steuerung einigermaßen direkt, sie gibt aber wenig Rückmeldung über den Zustand der Straße und fühlt sich auch künstlich an.

Der 94 kW (128 PS) starke Dieselmotor wird dem sportlichen Anspruch aber nicht ganz gerecht. Ihm fehlt trotz eines Drehmoments von 260 Newtonmetern der letzte Kick für eine Fahrdynamik, die der athletischen Optik entspricht. Immerhin ist der Selbstzünder sparsam: Mit dem Start-Stopp-System soll er nur 3,8 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Mit 17-Zoll-Rädern ist es ein halber Liter mehr – und im Alltag sowieso.

Auf der Rückbank Kopf einziehen

Im Innenraum des pro_cee'd fühlt man sich sofort wohl. Wer schon mal in einem Kia neueren Datums saß, findet alles auf Anhieb wieder. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet. Die Verarbeitung ist ebenfalls gewohnt passabel, Kia setzt auf weiche, aufgeschäumte Kunststoffe und Klavierlack-Applikationen. Allerdings findet der Fahrer hinter dem Lenkrad keine ganz optimale Sitzposition, weil die längs verstellbare Säule des Volants etwas zu kurz geraten ist.

Das Platzangebot dagegen ist wirklich in Ordnung. Schließlich ist der pro_cee'd mit 4,31 Meter genauso lang wie sein fünftüriger Bruder. Die Vordersitze lassen sich weit nach vorn klappen, sodass Mitfahrer ohne größere Verrenkungen in den Fond einsteigen können. Dort hat man ebenfalls genug Platz – nur wirklich Großgewachsene müssen den Kopf etwas einziehen, schließlich ist der pro_cee'd etwas flacher. Auch der Kofferraum ist alltagstauglich. Er bietet Platz für 380 Liter Gepäck, bei umgelegten Rückbanklehnen sind es bis zu 1.225 Liter. Nur die zu hohe Ladekante stört.

Der pro_cee'd mit dem getesteten 128-PS-Diesel ist ab 19.890 Euro zu haben – allerdings nur in weiß. Andere Lackierungen, ausnahmslos in Metallic, kosten 530 Euro Aufpreis. Das Basismodell mit einem 135-PS-Benziner beginnt bei 18.490 Euro. Damit ist der Coupé-cee'd günstiger als vergleichbar motorisierte Coupés wie der eingangs erwähnte Opel Astra GTC oder der VW Scirocco. Serienmäßig sind im pro_cee'd unter anderem ein Leder-Lenkrad mit Fernbedienungssatelliten, sechs Airbags, ESP mit Berganfahrhilfe, 16-Zoll-Alufelgen, eine manuelle Klimaanlage, CD-Radio mit USB-Anschluss und beim Diesel das gut funktionierende Start-Stopp-System.

Optional ist unter anderem ein Einpark-Assistent: Er funktioniert bei Parklücken, die bis zu 80 Zentimeter länger sind als der pro_cee'd. Er ist aber nur in einem Paket erhältlich, zusammen mit weiteren Annehmlichkeiten wie beheizbarem Lenkrad und Sitzheizung. Alles in allem sieht der Kia-Kompaktcoupé nicht nur schick und athletisch aus, sondern ist auch praktisch. Der Motor dürfte sportliche Fahrer allerdings nicht ganz überzeugen. Wer mehr Dynamik will, sollte auf den 204 PS starken cee'd GT warten, der ab Juni dem Golf GTI Konkurrenz machen soll.