Techno Classica20 Messehallen voll Garagengold

Die Techno Classica in Essen hat sich zur weltgrößten Oldtimermesse gemausert. Die 25. Auflage feiert einen Ausstellungsrekord – die Zielgruppe wächst. von Jürgen C. Braun

Oldtimer auf der Techno Classica 2013

Oldtimer auf der Techno Classica 2013  |  © Jürgen C. Braun/SP-X

Ein Theater der Träume oder ein Börsenparkett? Ein Spielplatz für das Kind im Manne oder doch nur das kalte Szenario für knallhartes Verhandlungspoker? Vielleicht ist die Techno Classica ja eine Melange aus all dem. Und noch ein wenig mehr: ein Schuss unbefriedigter Sehnsucht, die Erfüllung des großen, seit Jahrzehnten gehegten Traumes oder die Jagd nach dem begehrten Garagengold, das nun bitte schön auch ebensolche Eier legen soll.

Fest steht: Die Oldtimermesse in Essen hat sich seit ihrer Premiere Ende der achtziger Jahre nicht nur einen Namen als weltweit bedeutendster Umschlagplatz für Fahrzeuge dieses Genres gemacht. Die Techno Classica mit teilweise unvorstellbar wertvollen Exponaten ist auch in ihrer 25. Auflage, die bis zum Sonntag läuft, gleichermaßen Börse und Budenzauber für historische Automobile.

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Wie stark die Verbindung zwischen Auto-Emotionen und nüchternem Kalkül in Essen ist, zeigte schon der erste Tag der Techno Classica 2013. Alfa Romeo etwa nutzt die Messe nicht nur, um seinen Gästen einen tiefen Blick in die Schätze des Scudetto-Museums zu gewähren. Der italienische Hersteller vollzog am Eröffnungstag gleich auch die Deutschland-Premiere des neuen Sportwagens 4C.

Rekord an zum Verkauf stehenden Fahrzeugen

Auch wenn die Messe vom Sportwagenbauer Porsche dominiert wird – vor allem wegen des 50-jährigen Jubiläums des 911: Mit 25 Fahrzeugmarken sind in diesem Jahr so viele Hersteller wie noch nie in den 20 Messehallen vertreten. Viele Hersteller haben mit ihren hauseigenen Klassik-Abteilungen inzwischen Essen zum Pflichttermin zur Wahrung historischer Marken-Identität erklärt. Bei Mercedes-Benz etwa steht die neue S-Klasse im Mittelpunkt – in Essen zeigen die Stuttgarter alle bisherigen Generationen. Ein weiteres Geburtstagskind ist die britische Traditionsmarke Aston Martin, die anlässlich des 100. Wiegenfestes erstmals in Essen vertreten ist.

Die versammelte Haute Couture des Automobilbaus präsentiert in diesem Jahr mehr als 2.500 Sammlerfahrzeuge – auch das eine bisher nie erreichte Zahl. Die Aussteller kommen aus Deutschland, aus Europa, aus Übersee; sie zeigen das blitzende Panoptikum von gestern und vorgestern. In Essen hat das Kunstvolle, das Prunkvolle ebenso seinen Platz wie geheimnisvolle, teils schwülstige Kreationen von Delahaye oder Duesenberg.

Aber die Techno Classica lockt eben nicht nur Zaungäste, die sich an der Schönheit des Dargebotenen erfreuen. Sie ist auch Schauplatz von Geschäften. Mit alten Autos ist Geld zu machen. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg und des Verbandes der Automobilindustrie betrug im vergangenen Jahr der Gesamtwert aller verkauften Oldtimer (älter als 30 Jahre) mit H-Kennzeichen 147 Millionen Euro. Etwa 230.000 Fahrzeuge, die diese Auszeichnung als historisches Fahrzeug-Kulturgut tragen, sind derzeit in Deutschland angemeldet. Das sind rund 0,5 Prozent des gesamten Fahrzeugbestandes.

Der demografische Wandel könnte bewirken, dass der Kreis der Oldtimer-Besitzer wachsen wird. Schließlich ist die Generation Ü-60 längst zur Zielscheibe von Werbestrategen geworden. Ihre Mitglieder verfügen oft über das nötige Kleingeld, sich Autoträume erfüllen zu können – vor allem die Autos ihrer Jugend, die heute als Oldtimer gelten.

Inzwischen kostet in Deutschland ein Oldtimer im Schnitt 13.000 Euro, so die aktuellen KBA-Zahlen. In solchen Preisregionen kann sich mancher Auto-Liebhaber ohne Bauchschmerzen bewegen. Der preiswerteste und gleichzeitig auch einer der liebenswertesten Oldtimer seiner Art, den wir zum Auftakt der Techno Classica gesehen haben, war eine BMW Isetta für 7.000 Euro. Wem das nicht genügt: Es steht auch ein Duesenberg für 900.000 Euro zum Verkauf. Falls das gute Teil – was uns nicht wirklich wundern würde – inzwischen nicht doch schon "vergriffen" sein sollte.

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Leserkommentare
    • FLH80
    • 12. April 2013 20:38 Uhr

    Es ist ja nun nicht so, dass die Ü50 und Ü60 erst plötzlich ins Visier der Werbestrategen oder des Marktes überhaupt gekommen wären. Nein, sie waren es seit jeher! Das sind die Babyboomer, die zeitlebens den Markt aufgerollt haben. Nach Scout-Schulranzen, Pelikan/Geha, Walkman, CD, DVD ... sind jetzt Oldtimer (das sind vor allem die Jugendträume der Babyboomer) dran.
    Die Youngtimer werden nicht nur wegen ihrer viel zu beliebigen Technik, ihrer viel zu leichten Erreichbarkeit und ihrem kommerziellen Design nicht zu Oldtimern werden, selbst wenn sie 40 Jahre alt sind. Nein, diese Autos haben einfach viel zu wenig den Charakter von Kindheits-/Jugendträumen der Babyboomer!!
    Wir (ich bin Jahrgang 63) bestimmen den Markt bis zu unserem sicheren Tod. Und selbst dann werden wir zuletzt noch dafür sorgen, dass die Bestatter einen ungeahnten Boom erleben (der bereits begonnen hat)...

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    ... sich mal von einem 1952er sagen, daß Ihr Beschrieb zwar auf Euch zutreffen mag, aber wenn ich meine Rente noch erlebe, kaufe ich mir einen 1997er Mitsubishi Galant 2,5 V6 Automatik und baue ihn wie neu auf. Außerdem hatte ich nie weder einen Geha- noch einen Pelikan-Füller, sondern habe seit jeher immer mit Lamy geschrieben. Und das tu' ich heute noch, wenn's um das händische Schreiben geht, meistens mit einem meiner drei "cp1". Und Scout-Schulranzen gab's zu unserer Schulzeit noch nicht, sondern nur richtige aus Leder. Und nein: "Oldtimer", wie Sie sie wohl verstehen, waren nie meine Jugendträume. Ich schau' sie mir hin und wieder ganz gern an, aber dann kommt die Erinnerung an das Fahren damit. Und das reicht dann meistens. Also: Etwas weniger pauschalisieren, bitte.

    Ich verstehe ja nicht so viel von Autos, aber ich finde, diese Oldtimer haben schon einen ganz besonderen Charme. Mein Mann war von der Ausstellung total begeistert. [...]

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  1. ... sich mal von einem 1952er sagen, daß Ihr Beschrieb zwar auf Euch zutreffen mag, aber wenn ich meine Rente noch erlebe, kaufe ich mir einen 1997er Mitsubishi Galant 2,5 V6 Automatik und baue ihn wie neu auf. Außerdem hatte ich nie weder einen Geha- noch einen Pelikan-Füller, sondern habe seit jeher immer mit Lamy geschrieben. Und das tu' ich heute noch, wenn's um das händische Schreiben geht, meistens mit einem meiner drei "cp1". Und Scout-Schulranzen gab's zu unserer Schulzeit noch nicht, sondern nur richtige aus Leder. Und nein: "Oldtimer", wie Sie sie wohl verstehen, waren nie meine Jugendträume. Ich schau' sie mir hin und wieder ganz gern an, aber dann kommt die Erinnerung an das Fahren damit. Und das reicht dann meistens. Also: Etwas weniger pauschalisieren, bitte.

    Antwort auf "Baby-boomers rule!!"
  2. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, gab es auch zur Schulzeit der Babyboomer keine Scoutranzen. Bin Jahrgang 62 und hatte während meiner gesamten Schulzeit einen Lederranzen. Meine jüngeren Brüder ebenso.

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  3. Ich verstehe ja nicht so viel von Autos, aber ich finde, diese Oldtimer haben schon einen ganz besonderen Charme. Mein Mann war von der Ausstellung total begeistert. [...]

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    Antwort auf "Baby-boomers rule!!"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Mercedes-Benz | Alfa Romeo | Aston Martin | Essen | Euro
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