ElektromobilitätMogelpackung Plug-in-Hybrid

Plug-in-Hybride verbinden das Beste von Verbrennungs- und Elektromotor – aber auch deren Nachteile. Sinnvoll ist der Kombi-Antrieb nur in Ausnahmen. von 

Audi A3 e-tron

Audi A3 e-tron  |  © Hersteller

Die Idee hinter Plug-in-Hybridautos ist bestechend: Kurz- und Pendelstrecken fahren sie elektrisch mit Strom aus der Steckdose; geht die Kapazität der Batterie zur Neige, springt der Benzinmotor an. Der Versuch, das Beste aus zwei Welten zu verbinden, trägt aber automatisch das Risiko in sich, Fehler und Nachteile zu vereinen. Etwa das Gewicht und die Kosten des Elektroantriebs mit dem Teileaufwand und den Abgasen des Verbrennungsmotors. In sich stimmig oder gar besonders effizient sind diese Autos nur in Ausnahmefällen.

Dass Plug-in-Hybridautos in der Kritik stehen, liegt zuerst an der Verschleierungstaktik und mangelnden Transparenz bei der Verbrauchsangabe durch die Hersteller. Aus den Pressestellen tönt ein Rekordwert nach dem nächsten. Der Audi A3 e-tron kommt demnach auf 1,5 Liter Benzin je 100 Kilometer. Der Opel Ampera auf 1,2 Liter. Und der künftige Porsche 918 Spyder, dessen Systemleistung Gerüchten zufolge bei fast 900 PS liegt, mutiert zum Drei-Liter-Auto.

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Fakt ist: Wer immer innerhalb der elektrischen Reichweite bleibt, benutzt überhaupt kein Benzin. So ein Null-Liter-Auto verbraucht aber Strom, und der muss bezahlt werden. Damit jeder Autofahrer für sein individuelles Streckenprofil eine Wirtschaftlichkeitsrechnung anstellen kann, braucht er drei Werte: die maximale Reichweite im reinen Elektrobetrieb, den Stromverbrauch in Kilowattstunden pro 100 Kilometer und den Benzinverbrauch pro 100 Kilometer bei leerer Batterie.

Doppelte Technik macht den Wagen schwer

Der letzte Wert hat immer wieder zu Unmut geführt, weil er deutlich über dem unrealistischen Gesamtwert nach ECE R 101 liegt. Audi nennt dafür auf Nachfrage von ZEIT ONLINE bis zum Serienstart des A3 e-tron einen vorläufigen Wert von 4,5 Liter auf 100 Kilometer – unter den Laborbedingungen des Normfahrzyklus NEFZ. Durch die Anrechnung der Stromfahrt mit null Litern sinkt der Wert auf die von Audi angegebenen 1,5 Liter Benzin. Alle Hersteller nehmen diese Verzerrung billigend in Kauf, statt durch Transparenz Klarheit zu schaffen.

Der Audi A3 e-tron zeigt darüber hinaus exemplarisch ein Grundproblem von Plug-in-Hybridautos: das Übergewicht. Er wiegt 1.570 Kilogramm, rund 300 Kilogramm mehr als ein gewöhnlicher A3. Damit darf er noch als Schmalhans gelten. Der Opel Ampera kommt auf 1.732 Kilogramm, der Fisker Karma auf 2.404 Kilogramm. Zugleich schrumpft der Kofferraum auf Kleinwagenformat: im Fall des A3 e-tron auf 280 und beim Ampera auf 310 Liter. Doppelte Technik bedeutet neben mehr Ballast eben auch mehr Platzbedarf.

Der hohe Preis – derzeit günstigster Anbieter ist Toyota mit dem Prius Plug-in Hybrid ab 36.550 Euro – schreckt den Durchschnittskäufer ab. Und für all jene, die zwei oder mehr Autos haben, dürfte es spannender sein, ein batterieelektrisches Auto wie einen VW e-up! oder einen Renault Zoe im Alltagsbetrieb einzusetzen. Für die längeren Strecken über die Autobahn steht dann zum Beispiel ein Wagen mit hocheffizientem Dieselantrieb in der Garage. Diese Möglichkeit, Autos gezielt für bestimmte Zwecke einzusetzen, dürfte den Plug-in-Hybridautos als scheinbaren Alleskönnern zu schaffen machen. Ihnen erwächst weitere Konkurrenz durch Mobilitätskonzepte wie dem Carsharing und anderen Mietmodellen.

Leserkommentare
  1. Wie wäre es anstatt viel "BlahBlah" im Artikel mit einer konkreten Verbrauchs-Kostenrechnung über 10km, 50km, 80km, 100km, 150km, 200km, ... über verschiedene Modelle? Und die Gegenüberstellung zu einem konventionellen Antrieb? MfG M. Wittig

    3 Leserempfehlungen
  2. Das E-Tron Projekt sollte für Elektroautos stehen und nicht für Hybride.

  3. ...bekommt wohl der Diesel wieder eine beste Chance, wenn der Treibstoff quasi biologisch ohne Resourcenverbrauch und in beliebiger Menge hergestellt werden kann, vgl.

    http://www.n-tv.de/wissen...

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    • Karl63
    • 23. April 2013 11:33 Uhr

    nur - wie immer - was im Labormaßstab funktioniert, muss nicht zwingend praxistauglich sein.
    Leider ist die Realität im "Hier und Heute" immer noch, dass in Indonesien ganze Regenwälder abgeholzt werden, um Palmölplantagen Platz zu machen. Selbst wenn es gelingen sollte Verfahren alltagstauglich zu machen, die für die Herstellung von Biokraftstoffen keinerlei Ausgangsstoffe benötigen die direkt mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln konkurrieren, bleibt immer noch die Frage ob denn jemals genügend produziert werden kann. Kraftstoff in einem Verbrennungsmotor zu konsumieren ist nun einmal grundsätzlich eine relativ ineffektive Form der Nutzung.
    Was der Autor in seinem Artikel dokumentiert, ist nicht zuletzt das Resultat dessen, was mit den momentan verfügbaren Akkus technisch machbar ist.
    Keine Frage, die Akkus müssen einfach leichter, leistungsfähiger und preiswerter werden. Wobei, der erste "Motorwagen" von Carl Benz ähnelte noch sehr einer Pferdekutsche und anhand dessen wäre wohl kaum vorhersehbar gewesen, wo die Entwicklung heutiger Fahrzeuge angelangt ist.
    Ein denkbares Szenario für die (mittelfristige) Zukunft wäre, in den Innenstädten unserer Ballungsgebiete so etwas wie "Null-Emissions-Zonen" zu etablieren, wo nur noch abgasfrei gefahren werden darf. Ja gewiss, solche Überlegungen werden momentan noch auf wenig Gegenliebe stoßen, aber das war ja schon immer so.

  4. Wir brachen keine SUVs, und Plug-In-Hybriden gehört die Zukunft. Nur ist es nicht sinnvoll, diese in große Autos zu packen. Vielmehr brauchen wir kleinere Fahrzeuge, die elektrisch laufen, aber mit einem konv. Motor als "range extender" (zur Erweiterung der Reichweite) ausgestattet sind. Damit wäre das Problem der Reichweite hinfällig, und der Verbrauch sinkt, weil der viel kleinere Motor (10 PS?) immer nur im optimalen Bereich läuft und nur um Strom zu erzeugen.

    Habe mich gestern abend beim Passieren eines Taxi-Stands gefragt, wie lange wir noch so doof sein wollen -- 12 Taxis starten alle paar Minuten kurz, um eine Autolänge vorwärts zu fahren... und Die Zeit wettert am nächsten Tag gegen Hybride...

    9 Leserempfehlungen
  5. Das ist die Zukunft. Da fallen so viele klassische Komponenten weg, das macht das Produkt Auto um einiges wartungsfreundlicher und einfacher.

    5 Leserempfehlungen
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    Aber bis das sich lohnt, und zwar ohne Elektro-Coolness-Bonus und ohne Subventionen, muss der Ölpreis noch einiges nach oben gehen. Und der Gaspreis auch. Denn Erdgasautos gibt es ja auch noch.

    Jede ehrliche Kalkulation mit elektroautos zeigt das es eine absolut überteuerte variante ist.

    Ich sage nicht das E-Autos nicht kommen. Aber es wird noch dauern. Mehr als den Elektroautofans im Blätterwald und in der Grünen-Parteizentrale lieb ist.

  6. ...einen SUV. Aber viele wollen einen, ob zur Repräsentation, oder weil die KIddys hinten sitzen, gleichviel, selbst ohne Kofferraum verkaufen sich die Dinger wie geschnitten Brot, sonst würden sie die Hersteller nicht verstärkt ins Programm nehmen, vgl.

    http://www.welt.de/motor/...

    Macht also keinen Sinn, den Leuten in sozialistischer Manier, oder wenn sie auf dem Berg wohnen, Mißgeburten zwischen Tretbooten und Jahrmarktselelektrofahrzeugen anzubieten, der Markt kauft, und der Markt entscheidet.

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    hat ja auch niemand verlangt, SUVs gesetzlich zu verbieten.

    Heftig den Kopf schütteln wird man ja wohl noch dürfen. Die Leute kaufen ja auch Zigaretten, Zungenpiercings und... (ach egal, hab keine Zeit mir noch was sinnlioses mit Z auszudenken).

    Fällt Ihnen nichts anderes ein als die 'Ideologie'-Keule?

    Im übrigen regelt 'der Markt' gar nichts, da der Kunde nun mal nur das kaufen kann, was der Hersteller anbietet. Wenn Fa. XYZ (und der in Frage kommende Konkurrent ebenfalls) halbwegs geräumige Familienkutschen nur im adipösen 'SUV'-Format anbietet, dann wird das aufgrund fehlender Alternativen eben gekauft - nicht viel anders wie bei Sachsenring Zwickau.

  7. Den Toyota Yaris Hybrid gibt es ab Euro 16 950,-
    Zwar nur die ersten 1,5 -3 km auf Strom und ohne Netzanschluss,
    aber schon mal ein preisgünstiger Anfang.

    Der Audi A3 Etron ist seit Jahren angekündigt,
    er war zuletzt für 2012 angekündigt,
    und was gibt es nun? Gerüchte, dass es ihn nie geben wird.

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    ... ist kein Plug-In-Hybrid, und um die geht es in diesem Artikel.
    Gerade die Plug-In-Hybriden sind sehr teuer, wie am Vergleich zwischen Toyota Prius in seinen Varianten zu sehen ist.

  8. hat ja auch niemand verlangt, SUVs gesetzlich zu verbieten.

    Heftig den Kopf schütteln wird man ja wohl noch dürfen. Die Leute kaufen ja auch Zigaretten, Zungenpiercings und... (ach egal, hab keine Zeit mir noch was sinnlioses mit Z auszudenken).

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    ... Zigaretten, Zungenpiercings und Zombiefilme?

    @topic: Der Markt, der Markt... verbieten muss man die Biester nicht gleich, aber diese unsinnigen Großraumpanzer mit ihrem enormen Flächen- und Ressourcenverbrauch mit kräftigen Strafsteuern belegen würde evtl. etwas regulierend in den Markt eingreifen. Oder andersherum kleine niedliche Ökoautos von der Kfz-Steuer befreien. Zumal die SUVs quasi als Einmann-Massenvernichtungswaffe unterwegs sind. Mir wird immer ganz anders, wenn mich so ein Panzer in einer engen Nebenstraße (Tempo 30) mit 50/50 (50 Sachen, 50 cm "Abstand") überholt.

    Kiddys auf der Rückbank... und dann mit dem SUV in den 1,5 km entfernten Kindergarten. "Bei dem Verkehr wär Laufen/Fahrrad viel zu gefährlich!" Manche haben eben den Schuss noch nicht gehört.

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  • Schlagworte Audi | BMW | Mitsubishi | Toyota | Benzin | Carsharing
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