Renault CapturAußen SUV, innen Van

Vans sind praktisch, SUV beliebt, Kleinwagen günstig. Renault hat alles zusammengepackt und pfiffige Details ergänzt. Der Clou im Captur: eine Schublade. von Elfriede Munsch

Renault Captur

Renault Captur  |  © Hersteller

Ist der Captur nun ein vanartiges SUV oder ein SUV-artiger Van? Gute Frage, soll der neue Renault doch Anhänger beider Marktsegmente überzeugen. Von außen erinnert der fünftürige Clio-Ableger eher an einen Geländewagen. Sein fast schon bulliger Auftritt mit großen Rädern, markanten Radlaufverbreiterungen, Schutzleisten sowie einer Bodenfreiheit von 17 Zentimetern greift SUV-Stilelemente auf. Doch spätestens wenn man die Türen geöffnet hat, kommen Zweifel an der Gattung SUV: Innen ist der Captur ein Van mit richtig viel Platz.

Außen gelingt es den Designern, das Fahrzeug größer wirken zu lassen, als es tatsächlich ist. Trotz aller Design-Kunst: Der robuste und schöne SUV-Schein trügt – für den 4,12 Meter langen Kleinwagen gibt es keinen Allradantrieb. Stattdessen bietet Renault mannigfache Möglichkeiten zur Individualisierung: Zweifarben-Lackierung, bunte Zierblenden an den Leuchten, am Kühlergrill sowie an der Kofferraumklappe oder farbige 17-Zoll-Felgen und Aufkleber fürs Dach.

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Bei der Gestaltung des Innenraums haben sich die Designer an den Vorgaben eines Vans orientiert. Man sitzt angenehm hoch auf bequemem Gestühl, die große Armaturentafeleinheit ist vantypisch weit herausgezogen. Das Testfahrzeug kommt in der höchsten Ausstattungsstufe Luxe daher und verfügt somit über zur Außenfarbe farblich abgestimmte Kunststoffrahmen um die Lüftungsdüsen und um die Bedienkonsole der Mediaeinheit. Das Lenkrad wartet mit Verzierungen auf, die Sitzpolsterbezüge können leicht abgezogen und dann gewaschen oder gegen Neue getauscht werden.

Schublade statt Handschuhfach

Der Clou ist jedoch das Handschuhfach. Wobei Fach nicht die korrekte Bezeichnung ist – es ist eine elf Liter fassende, herausziehbare Schublade. Bis zu 30 Kilogramm Druck soll sie problemlos aushalten. Im Test ließ sich die Schublade leichtgängig in ihren Führungsschienen hin und her bewegen. Auch sonst bietet das Fahrzeug praktische Ablagen.

Für Variabilität sorgt die um 16 Zentimeter in Längsrichtung verschiebbare Rückbank. So variiert das Standard-Kofferraumvolumen zwischen 377 und 455 Liter, entsprechend liegt der Abstand des Knies der Fond-Passagiere zur Rückenlehne der Vorderleute zwischen OK und komfortabel. Legt man die Rückenlehne um, passen bis zu 1.235 Liter in den Kofferraum. Praktisch ist auch der Wende-Gepäckraumboden, den Renault ab der zweiten Ausstattungsstufe beilegt. Auf der einen Seite ist er mit Teppich bezogen, die andere Seite besteht aus einer abwaschbaren Gummibeschichtung.

Für den Vortrieb stehen drei Motoren zur Wahl. Die Basisversion des Captur ist mit einem 0,9 Liter großen Dreizylinder ausgestattet, der 66 kW (90 PS) Leistung bietet. Der Turbo begnügt sich mit durchschnittlich fünf Litern auf 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von 115 Gramm je Kilometer entspricht. Mit einem Verbrauch von 5,4 Litern Super liegt der neue 1,2-Liter-Direkteinspritzer mit 88 kW (120 PS) nur knapp darüber. Er feiert im Captur sein Debüt. Einziger Diesel im Angebot ist der bekannte 1,5-Liter-Motor mit 66 kW (90 PS), der für 100 Kilometer laut Norm 3,6 Liter aus dem Tank nimmt.

Leserkommentare
    • ikstej
    • 22. April 2013 8:54 Uhr

    Meine persönliche Meinung lautet: es ist bitter und traurig, wie sich das Automobildesign in den letzten zehn Jahren restlos von den intelligent-eleganten Prinzipien der Formgebung verabschiedet hat, wie sich im Automobilbereich erstmals in den 70ern (Golf I, Giorgio Giugiaro usw.) gezeigt hat und glücklicherweise mehr oder weniger bis in die Anfang 2000er (natürlich mit Ausnahmen) anhielt.

    Was uns heutzutage herstellerübergreifend präsentiert wird, hätte mir nicht mal als 5-jährigem mehr gefallen. Das ist Gestaltung für Leute, die in Eskapismus-Welten geflüchtet sind und dort anscheinend auch bleiben möchten.
    Da fragt man sich, wie die zugehörige Wohnung dazu aussieht.

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    • greuel
    • 22. April 2013 10:20 Uhr

    Ich muss gestehen, ich kann Ihre Kritik nicht nachvollziehen. Das Design ist doch ein selbstironisches Statement zu unseren Zivilisationskrankheiten.

    So wülstig, aufgeblasen und aufgeplustert wie das Design dieses und vieler anderer Autos gestaltet ist, sind auch deren Fahrer. Wenn ich diese Wammen und Wülste des Renaults sehe, sehe ich ihre übergewichtigen Fahrer, die darin sitzen.

    • greuel
    • 22. April 2013 10:20 Uhr

    Ich muss gestehen, ich kann Ihre Kritik nicht nachvollziehen. Das Design ist doch ein selbstironisches Statement zu unseren Zivilisationskrankheiten.

    So wülstig, aufgeblasen und aufgeplustert wie das Design dieses und vieler anderer Autos gestaltet ist, sind auch deren Fahrer. Wenn ich diese Wammen und Wülste des Renaults sehe, sehe ich ihre übergewichtigen Fahrer, die darin sitzen.

  1. Per Bild könnte man auf die Idee kommen die Schublade ist ein Kühlfach. Das hätte dann praktischen Nutzwert.

    Ansonsten, über Geschmack läßt sich untrefflich streiten. Mir gefällt es per Bild nicht - aber ich weiß, dass ich kein Maßstab bin.

    Das beste scheint zu sein: "Assistenzsysteme offeriert Renault keine."

    @#1 "Da fragt man sich, wie die zugehörige Wohnung dazu aussieht." muskulös als atrappe und bunt?

  2. "Bis zu 30 Kilogramm Druck soll sie problemlos aushalten."

    Gemeint ist wohl die Beladung. Bleibt sie damit auch zu, wenn mal einer ins Heck rauscht?

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