Verkehrskonzepte Nachhaltige Mobilität hilft auch der Konjunktur

Investitionen in Radwege, Busse und Züge rechnen sich nicht – so lautet das Vorurteil. Eine Studie des Umweltbundesamts zeigt jetzt das Gegenteil. von 

Ein ökologischer Umbau des Verkehrs würde sich für die deutsche Volkswirtschaft auszahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Umweltbundesamt jetzt vorgelegt hat. Im Auftrag der Behörde untersuchten das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) verschiedene Maßnahmen im Mobilitätsbereich, um die Treibhaus- und Schadstoffemissionen zu senken.

Dazu zählen die Stärkung des Fuß- und Radverkehrs, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Güterverkehrs auf der Schiene. Die CO2-Emissionen ließen sich um 40 Prozent reduzieren, wenn Autofahrer zehn Prozent weniger Strecke fahren würden – der höchste Einspareffekt überhaupt.    

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All diese Maßnahmen haben unterm Strich einen positiven Effekt auf das Wirtschaftswachstum, glauben die Autoren. Bei vier von fünf Maßnahmen liege das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2030 etwas höher als in einem Referenzszenario, in dem sich nichts ändert, schreiben die Autoren.

Allzu groß ist der Effekt allerdings nicht: Im besten Fall wachse die Wirtschaft bis zum Jahr 2030 durch die Mobilitätsinvestitionen um 2,2 Prozent, so die Wissenschaftler. Claus Doll, Leiter des Studienprojekts am Fraunhofer ISI, nennt die Ziele ambitioniert, aber durchaus erreichbar. "Sinnvoll ist es, mehrere dieser Maßnahmen parallel in Angriff zu nehmen, da die Ziele der einzelnen Maßnahmen eng miteinander zusammenhängen", sagt er.

Spannend ist, dass der Umbau der Mobilitätsstrukturen der Konjunktur unterm Strich nicht schadet. Damit widerlegen die Forscher die gängige These, umweltfreundliche Verkehrskonzepte wären zu teuer und hätten in Deutschland negative Folgen für Wachstum und Beschäftigung. Tatsächlich schaffen sie Arbeitsplätze und kurbeln die Konjunktur an. Zudem müssen sie nicht zwangsläufig den Staatshaushalt belasten. Im Idealfall würden die Investitionen überwiegend mit Gebühren und Mauteinnahmen finanziert.    

Allerdings muss erst einmal kräftig investiert werden. Die Forscher kalkulieren mit fünf bis zehn Milliarden Euro jährlich, um etwa Fahrziele in der näheren Umgebung attraktiver zu machen und so die Fahrwege zu reduzieren. Von den Milliardeninvestitionen würden vor allem der Bausektor, aber auch die Hersteller von Bussen, Straßenbahnen und Zügen profitieren. Die Automobilhersteller müssten zwar mit dem Umstieg vom Auto auf alternative Mobilitätsformen mit Umsatzeinbußen rechnen. Gesamtwirtschaftlich gesehen würde der Umbau des Verkehrssystems allerdings diese negativen Effekte ausgleichen.


Leserkommentare
  1. Logische Konsequenz: Der Automobillobby den Kampf ansagen!

    6 Leserempfehlungen
    • kaila
    • 02. Mai 2013 10:50 Uhr

    Wenn ich die täglichen Pendlerstaus sehe, bei denen die mitarbeiter täglich mind. 30Min Arbeitszeit auf der Straße verlieren, muss doch klar sein, dass sparsamere Autos hier genausowenig eine Lösung wären, wie mehr Parkplätze. hier helfen nur clevere Strukturlösungen. Diese werden aber nur angenommen, wenn sie zeitliche Ersparnis bringen und sich dem Bedarf anpassen! Auch der Arbeitgeber kann hierzu beitragen und Warum haben KiTa und Schulen eigentlich so selten Garage/ Unterstand für Fahrradanhänger und Kinderfahrräder?

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    Was ich auch immer wieder feststelle, ist, dass Supermärkte grundsätzlich mehr als tausend Quadratmeter Parkplatz zubetonieren, sich aber selten mehr als einen kippligen Fahrradständer leisten. Dabei geben Radfahrer sogar etwas mehr Geld für gutes Essen aus, sie müssen ja schließlich sich selbst füttern und nicht ihr Auto... ;-)

    Entfernt. Verzichten Sie auf unterstellende Äußerungen. Die Redaktion/mak

  2. der Wahnsinn. 2,2 Wachstum bis 2030. Das ist ja atemberaubend.
    Ironie off.
    Wenn ich massiv in die Verkehrsinfrastruktur investiere (egal ob in Schiene oder Radweg) bringt das den beschriebenen Nutzen. Das ist eine banale Erkenntnis. Dies jetzt wieder mit grünem Geschwurbel zu mischen, zeugt von dem Niveau, dass das Bundesumweltamt seit der Zeit von Rot/Grün hat. Wenn es in Deutschland bereits ein Lobbyisten-Register gäbe, würde das Bundesumweltamt darein gehören.

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    Also Wachstum bis ins Jahr 2030 vorausrechnen zu wollen und dann Prozentzahlen hinter dem Komma anzugeben, sollte einem ehrbaren Statistiker eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben. Aber das nur nebenbei.

    Davon abgesehen gibt es auch eine weitere sehr banale Erkenntnis: Total egal ob es nun zur Klimakatastrophe kommt, oder nicht, und ob jetzt SUVs oder Fahrradwege mehr Wachstum (oh heiliges Wachstum...) bringen:

    Tonnenweise Material zu bewegen um Einzelpersonen von A nach B zu bringen und dafür endliche Rohstoffe aufzubrauchen deren Reste (vulgo Abgase, bzw. Abfallstoffe bei Produktion etc) man dann einatmet und trinkt und isst - das KANN auf Dauer weder gesund, noch für Alle möglich sein, besonders bei steigender Weltbevölkerugszahl.

    Der motorgetriebene Individualverkehr ist kein Naturgesetz und auch kein Grundrecht, er ist ein eher junges Phänomen der Moderne. Und genauso wie man Heute keine Aquädukte mehr baut weil es sinnvollere Lösungen gibt, wird sich in ein paar Jahrzehnten auch die Arbeitswelt und der Verkehr weiter geändert haben - müssen.

    Sich darauf frühzeitig einzustellen ist nur folgerichtig und offenes Nachdenken wie lange wir liebe Gewohnheiten noch beibehalten können gehört dazu.
    Das können sie jetzt grünes Geschwurbel nennen, ich nenne es Realität.

  3. Was ich auch immer wieder feststelle, ist, dass Supermärkte grundsätzlich mehr als tausend Quadratmeter Parkplatz zubetonieren, sich aber selten mehr als einen kippligen Fahrradständer leisten. Dabei geben Radfahrer sogar etwas mehr Geld für gutes Essen aus, sie müssen ja schließlich sich selbst füttern und nicht ihr Auto... ;-)

    4 Leserempfehlungen
  4. Also Wachstum bis ins Jahr 2030 vorausrechnen zu wollen und dann Prozentzahlen hinter dem Komma anzugeben, sollte einem ehrbaren Statistiker eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben. Aber das nur nebenbei.

    Davon abgesehen gibt es auch eine weitere sehr banale Erkenntnis: Total egal ob es nun zur Klimakatastrophe kommt, oder nicht, und ob jetzt SUVs oder Fahrradwege mehr Wachstum (oh heiliges Wachstum...) bringen:

    Tonnenweise Material zu bewegen um Einzelpersonen von A nach B zu bringen und dafür endliche Rohstoffe aufzubrauchen deren Reste (vulgo Abgase, bzw. Abfallstoffe bei Produktion etc) man dann einatmet und trinkt und isst - das KANN auf Dauer weder gesund, noch für Alle möglich sein, besonders bei steigender Weltbevölkerugszahl.

    Der motorgetriebene Individualverkehr ist kein Naturgesetz und auch kein Grundrecht, er ist ein eher junges Phänomen der Moderne. Und genauso wie man Heute keine Aquädukte mehr baut weil es sinnvollere Lösungen gibt, wird sich in ein paar Jahrzehnten auch die Arbeitswelt und der Verkehr weiter geändert haben - müssen.

    Sich darauf frühzeitig einzustellen ist nur folgerichtig und offenes Nachdenken wie lange wir liebe Gewohnheiten noch beibehalten können gehört dazu.
    Das können sie jetzt grünes Geschwurbel nennen, ich nenne es Realität.

    16 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Das ist ja "
  5. @3
    Ohne Argumente merkt und denkt es sich leichter, oder?

    Das Ergebnis, dass Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur nicht aufs Wachstum schlagen, war so von vornherein *nicht* klar. Und klar sind die 2,2% Wachstum bis 2030 allein kein Grund etwas zu machen, aber wenn's neben den positiven Umwelt und Verkehreeffekten auch noch der Konjunktur eher nützt als schadet ist das doch eine klare Sache.

    Eine Leserempfehlung
  6. Allein der Zuwachs an Lebensqualität würde diese Maßnahmen rechtfertigen.
    Dieses Wachstum zählt mehr, als das reine BIP-Wachstum. In Wahrheit ist es das einzige Wachstum, was überhaupt zählt.

    10 Leserempfehlungen
    • Alaric
    • 02. Mai 2013 11:50 Uhr

    "...finanziert mit Gebühren und Mauteinnahmen."
    Ah ja.
    Wie wäre es mit Maßnahmen die attraktiv genug sind, dass man diese freiwillig wählt, wie es sich in einer freien Marktwirtschaft gehört? A bissl Subvention ist i.O., aber wenn ein Konzept über irgendwelche Zwangsabgaben finanziert werden muss, hat man schon bei mir verloren.
    Wie so oft, im Prinzip gut, aber in der Durchführung schlecht.

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    2 Leserempfehlungen
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    • W4YN3
    • 02. Mai 2013 15:47 Uhr

    Wer hat eigentlich die ganzen Straßen in Deutschland gebaut und finanziert? Der Staat, also alle Steuerzahler, in Ihren Augen hat also der Individualverkehr mit Auto auch schon verloren, weil er ebenso zwangsfinanziert wurde. Sorry, aber das Argument war einfach Scheiße!

    Wenn man jetzt noch mit einberechnet, dass viele Autobahnen unter Hitler mit Zwangsarbeitern gebaut wurden, kann man gleich alle Autofahrer als Mittäter einbuchten.

    Hier muss erstmal Geld aufgebracht werden, die Baubranche wird sich freuen, aber schließlich fließt das Geld auch wieder an Mitarbeiter und beteiligte Firmen. Ob Merkel das mit ihrer Zu-Tode-Spar-Vorschrift macht, ist fraglich, würde aber die Wirtschaft ankurbeln.

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  • Schlagworte Konjunktur | Umweltbundesamt | Mobilität | Bruttoinlandsprodukt
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