AutoklassikerDer Opel Kapitän bot große Klasse für kleines Geld

Lange bevor die Mercedes S-Klasse die Vorstandsparkplätze okkupierte, wies der Kapitän den erfolgreichen Unternehmer aus. Vor 65 Jahren begann Opel die Produktion. von Wolfram Nickel

Über drei Jahrzehnte war der Opel Kapitän das deutsche Wohlstandssymbol schlechthin. Die Limousine erzielte massenhafte Verbreitung unter Vorständen und Wirtschaftsführern, aber auch bei selbstständigen Handwerker und Kaufleuten. In seinen besten Zeiten schaffte es der Opel im Format eines Straßenkreuzers sogar bis auf Rang drei der Zulassungsstatistik, davon konnten andere Luxusliner aus Stuttgart oder München nur träumen.

Sechs Zylinder waren Standard, aber auch ein V8-Motor amerikanischer Abstammung arbeitete ab 1965 unter der lang gestreckten Motorhaube des Rüsselsheimer Spitzenmodells. Abgelöst wurde der Kapitän 1970 durch zwei Nachfolgemodelle, die aber nicht den Nimbus des Vorgängers erreichten – sodass sich Opel später sogar ganz aus der Oberklasse verabschiedete.

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Was war das Geheimnis des nach Ansicht seiner Fans besten Opels aller Zeiten? Der Kapitän ließ kaum eine Komfort-Annehmlichkeit vermissen und kostete dennoch keinen Premiummarken-Aufpreis. Nie gab es mehr Opel fürs Geld. Der Kapitän mit 2,5 Liter großem Reihensechszylinder und der ersten Pontonkarosserie im automobilen Oberhaus kostete damals relativ günstige 3.575 Mark. Dagegen berechnete Mercedes für den Typ 230 bereits 5.875 Mark und BMW für den 326 mit kleinerem 2,0-Liter-Motor 5.500 Mark.

Modellwechsel 1958 fiel bei der Kundschaft durch

Der Kapitän war 1948 der erste deutsche Nachkriegssechszylinder. Die hergestellten Fahrzeuge werden zunächst ausschließlich an die Besatzungsmächte verkauft, erst 1949 startet der Vertrieb auch an Privatkunden. Überarbeitet startete der Kapitän ab 1951 richtig durch. Mit einer Länge von 4,72 Metern erreichte die Limousine ein Gardemaß, gegen das sich der Mercedes 220 (4,51 Meter) oder der wenig später lancierte Borgward Hansa 2400 (4,46 Meter) geradezu kompakt ausnahmen.

Viel Glanz, kombiniert mit großer Zuverlässigkeit machten das Opel-Flaggschiff zur festen Größe unter den global erfolgreichen Luxusautos. Zeitweise wurden mehr als zwei Drittel der Rüsselsheimer Produktion exportiert. Am 9. November 1956 rollte der zweimillionste Opel mit vergoldeten Zierteilen vom Band und krönte die Kapitän-Serie vorläufig.

Zu Gold wurde aber nicht alles, was Opel in den fünfziger Jahren mit dem Kapitän anstellte. Bisweilen musste der Hersteller heftige Kritik ertragen. Zunächst galt diese dem amerikanisch weich ausgelegten Fahrwerk. Darum führte Opel zum Modelljahr 1951 eine geänderte Vorderradaufhängung nebst strafferer Abstimmung ein. 1953 ersetzte eine modische Pontonform das inzwischen überlebte Vorkriegsdesign. Der Kühlergrill mit amerikanischem Dollargrin – vom deutschen Volksmund wegen der auffälligen Chromspange Haifischmaul genannt – zeugte vom Einfluss aus Detroit.

Tatsächlich folgten nun typisch amerikanische, jährliche Designmodifikationen, die 1958 im Kapitän P 2,5 kulminierten. Die vom US-Mutterkonzern General Motors vorgegebene Formensprache machte den Kapitän zu einer fünf- bis sechssitzigen Limousine mit Panorama-Frontscheibe und ebenso weit heruntergezogenem Rückfenster. Zum Problem wurden die dadurch vor allem hinten zu schmal geratenen Einstiegsöffnungen. Nicht nur als Chauffeurlimousine enttäuschte dieser Kapitän seine Stammkundschaft so sehr, dass er bereits ein Jahr später durch den Kapitän P 2,6 ersetzt wurde.

Leserkommentare
  1. Opel hatte Mitte der 30er Jahre bereits einen sog. Super-Sechs im Angebot. Dieses Auto wurde gründlich renoviert und dann 1938 als Kapitän angeboten und relativ erfolgreich abgesetzt. Dieser wagen sah genau so aus, wie der in der Bilderreihe gezeigte Kapitän von 1948. Der wurde einfach mit den Werkzeugen der Vokriegszeit "neu aufgelegt" nicht mehr. Der Kapitäne hatte auch schon vor dem Krieg mit dem Admiral einen "großen Bruder"! Im ersten Admiral werkelte im Grunde der gleicheMotor , wie im Kapitän - nur eben von 2.5l auf 3.6 l Hubraum gebracht! Diese Motoren waren legendär in ihrer Laufruhe und Zuverlässigkeit. Die Motoren wurden in diversen Militärkraftwagen eingesetzt - darunter im meistgebauten LKW Deutschlands, dem Opel-Blitz! Zigtausende von Landsern wurden damit durch Europa gekarrt! Opel profitierte nach dem Krieg (wie schon in den 30er Jahren) von der Großserien-Routine der Amerikaner. Für Opel hat es als Schicksalsschlag erwiesen die KAD-Serie aufzugeben. Die Erbsenzähler von GM hatten nicht den Sogeffekt von Oberklasse-Fahrzeugen auf das Image der kleineren Typen bedacht. Ach den unumstrittenen Opel-Blitz hat man später im Rahmen von Badge-Engineering gegen ein engl. Fahrzeug ausgetauscht. Diese unzuverlässige Kiste hat Opels Nutzfahrzeug-Image innerhalb eines jahres zerstört. Sprinter und Co. hätte es so nicht gegeben, wenn der Blitz in seiner ursprünglichen Bauweise lediglich evolutionär verbessert geworden - aber beibehalten wäre. Wäre, wenn...

    3 Leserempfehlungen
  2. Redaktion

    Ja, der Kapitän wurde 1938 eingeführt - aber mit dem Krieg endete die Produktion frühzeitig wieder. Richtig groß wurde der Kapitän erst nach dem Krieg.

  3. ...war mit einer Holleyspinne inkl Vergaser ein richtig heisses Eisen.
    Über den Verbrauch sag ich lieber nix, Chevy Smallblock halt. Aber eine S-Klasse hatte keine Chance, ebensowenig wie der BMW 3,5L.

    • gn42
    • 11. April 2013 21:46 Uhr

    Opel sollte einen neuen Omega bauen.

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  • Schlagworte Opel | Max Schmeling | Autoklassiker | Bot
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