ElektromobilitätAudi bremst seine Elektrofahrzeuge aus

Von Audis Offensive für alternative Antriebe ist wenig übrig. Der Autobauer beweist Journalisten zwar, dass er reine Elektroautos bauen kann – gefertigt werden sie nicht. von Peter Eck

Audi wird seinen A1 e-tron doch nicht in Serie bauen.

Audi wird seinen A1 e-tron doch nicht in Serie bauen.  |  © Hersteller

Der Termin ist clever gewählt: Zeitgleich zum Elektromobilitätsgipfel der Bundesregierung und der deutschen Automobilindustrie hat Audi in dieser Woche ebenfalls in Berlin Medienvertretern seine Elektrostrategie präsentiert. Die Journalisten konnten auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof den Kleinwagen A1 e-tron und den Supersportwagen R8 e-tron testen. Beide haben allerdings einen gravierenden Nachteil: Sie werden nicht gebaut.

Audi hat seine hoch fliegenden Elektropläne deutlich eingedampft. Verantwortlich dafür ist Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer, der im Herbst 2012 von Porsche kam. Er strich das Programm im Winter zusammen. "Wir müssen mit jedem Auto Geld verdienen", verteidigt Dürheimer die Neuausrichtung. "Nicht unbedingt von Anfang an, aber es muss ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein."

Anzeige

Darum fiel der A1 e-tron, ein Elektrofahrzeug mit zusätzlichem Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer, genauso durch wie das reine Elektrofahrzeug R8 e-tron. Der Audi-Manager sieht in beiden Fällen keine Chance auf ein finanziell erfolgreiches Geschäftsmodell. Technisch präsentieren sich beide Fahrzeuge ausgereift: der elektrische A1 als sauberes Stadtauto, der elektrische R8 als Racer mit unglaublichem Spaßfaktor.

Audi verzichtet auf reine Elektroautos

Doch die Batteriepreise waren zumindest für den Stopp des R8 e-tron ausschlaggebend. "Wir brauchen einen Durchbruch in der Speichertechnologie", sagt Dürheimer. Ein solcher sei im Moment nicht in Sicht.

Audi setzt auf Geheiß des Konzern-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn und des Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch nun zunächst ausschließlich auf den Plug-in-Hybrid. Bei dem darf die Batterie deutlich kleiner und damit billiger ausfallen. Immerhin haben die Ingolstädter mit dem Audi A3 e-tron hier ein Produkt vor dem Marktstart – von Anfang 2014 an soll er tatsächlich zu haben sein, mit der gleichen Technik wie der kommende E-Golf.

Im stromernden A3 kombiniert Audi einen 1,4 Liter großen Benzinmotor und einen Elektroantrieb. Gemeinsam leisten die beiden Aggregate 150 kW (204 PS) und bieten ein Drehmoment von bis zu 350 Newtonmetern. Die vor der Hinterachse platzierte Lithium-Ionen-Batterie speichert so viel Energie, dass damit immerhin 50 Kilometer rein elektrisch zurückgelegt werden können. Danach muss der Benzinmotor ran.

Leserkommentare
  1. Die ganze Elektromobilität wurde gewaltig von Medien und Politik gehypt. Jeder Automobilhersteller stellte daraufhin ein Modell mit Elektromotor vor um zu zeigen "hey wir sind dabei" und jetzt flaut das Interesse langsam ab. Die Technik ist einfach noch nicht so weit und wenn sich das ändert werden solche Autos ganz von allein für Käufer interessant. Gas ist momentan einfach die bessere Alternative.

    6 Leserempfehlungen
    • Vibert
    • 30. Mai 2013 10:02 Uhr

    Ölreserven sind noch für ein paar Jahrzehnte da.
    Die "Klima"Politik ist eh ein Witz.
    Und drittens: Was kümmert "uns" die nächsten Generationen?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...nicht auf die üblichen Klima Disskussionen ein, da ich einsehe das die meisten Menschen nuneinmal in dieser Bezieung nicht bereit sind sich sachkundig zu informieren....

    "Was kümmert "uns" die nächsten Generationen?"

    Aber sind die Menschen schon so unglaublich abgestumpft, das sie es nicht interesiert was mit ihren Kindern passiert und in was für einer Welt sie leben? Kann das jemand ernsthaft als Kommentar empfohlen haben?

  2. Die ganze Veranstaltung war ein reiner Marketing-Gag. Erst einmal "zeigen", dass man ja technologisch auf der Höhe der Zeit ist und dann so tun, als ob das nicht funktioniert. Der deutsche Michel fällt sicher darauf rein.

    Das Ganze erinnert doch an den Growian. Damals sollte auch gezeigt werden, das Stromerzeugung aus Windenergie kein realistisches Szenario ist.

    Komisch ist nur, das die ausländische Konkurrenz die Teile mittlerweile in Serie baut. Aber die können ja alle nicht rechnen.

    Das eigentliche Problem ist doch, dass energiesparende Fahrzeuge das ganze Geschäftsmodell des VW-Konzerns zum Scheitern bringt. Vielleicht sollten die ja erst einmal ihr Geschäftsmodell überdenken.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 29C3
    • 30. Mai 2013 11:29 Uhr

    Ihre Beiträge in dieser Rubrik sind, sobald das Wort VW egal in welchem Kontext erwähnt wird (und sogar ohne diesen initialen Anreiz), dermaßen SPON-mäßig vorhersehbar, dass der Leser sich nur noch über eins wundern kann: Wieso kommen Sie nicht selber darauf? Schließlich bedarf es nur klein bißchen Sebstreflexion, zumal das, was Sie penetrant nur bei VW anprangern... eben keine VW-Besonderheit ist, sondern - mehr oder weniger ausgeprägt - nachwievor eine systemische Eigenschaft der Autoindustrie ist. Denn kein Wirtschaftsunternehmen investiert heute bei der globalen Konkurenz zig Milliarden in etwas, was - leider - immer noch derart ungeklärt, und dazu noch mit Tätigkeiten außerhalb des eigenen Kern-Geschäftsfeldes verbunden ist (Lade-Infrastruktur, Akku-Austauschstationen, Service, ...). Und selbst wenn, dann bleibt es bei Nischenprodukten, die auch als solche schon gewaltige Summen gekostet haben.

    Mit freundlichen Grüßen

    ps: http://www.heise.de/autos...

    "Das Ganze erinnert doch an den Growian. Damals sollte auch gezeigt werden, das Stromerzeugung aus Windenergie kein realistisches Szenario ist."

    Das stimmt nicht. Der Growian ist an einer falschen Materialkombination gescheitert. Holmgurt und Schale hatten unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten.

  3. so tun, als würde uns die Autoindustrie etwas vorenthalten. Wenn Elektroautos gegenüber Benzinern einen Vorteil hätten, dann würde irgendein Hersteller den Markt dafür bedienen. Da das aber nicht der Fall ist ist es doch eindeutig so, dass E-Autos nicht nachgefragt werden bzw. nicht ausgereift oder sogar unsinnig sind.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Petka
    • 31. Mai 2013 10:17 Uhr

    Unsinn. Die meisten unserer Mitspieler in den Märkten bedienen nur die einfachen Mehrheiten und reagieren kaum bis nicht auf aufgeklärte Konsumenten, weil der Profit dort erstmal geringer ist: die Devise ist, das Kaufpotential so lange wie möglich ohne Investitionen im eigenen Bereich abzuschöpfen.

    Erst wenn ein neuer Mitspieler die Regeln ändert, ändern die alten ihre Spielweise auch - es ist aber immer schwerer, neu in einen Markt einzusteigen. Märkte sind träge und das liegt auch an den Mitspielern. Wenn dann die Politik die Trägheit noch belohnt (siehe Merkels neueste Initiative für die arme Automobilwirtschaft), kann man als mündiger Konsument nur noch ohnmächtig aufstöhnen und nochmal zehn Jahre warten.

    Beispiel für so einen Neueinsteiger gefällig? Tesla. Genau so ein Nischenprodukt und dabei unglaublich erfolgreich: die erste Automobilfirma seit 100 Jahren, die vorzeitig staatliche Subventionen zurückzahlt.

    • Hans B
    • 30. Mai 2013 10:58 Uhr

    Die Solarlobby hat gezeigt wie man das macht. Man muss nur ca. 1000% Subventionen zahlen , dann wird auch der grösste wirtschaftliche Unsinn als Grün deklariert und in den Markt gedrückt. Die Medien legen dann auch noch fast kostenlos eine Extraschicht Jubeln ein (etwas Lobbyismus für die Journalisten erleichtert das dann natürlich)
    Bei Solar hat man Zufallsstrom im Wert von ca 3 cent/kWh mit 40 cent subventioniert. Wenn man das Elektroauto ähnlich mit ca 5 Euro pro gefahrenen Kilometer subventionieren würde , dann wäre das sofort ein Renner und die grüneb Journalisten würden jubeln.
    Die dummen Bürger zahlen dann auch gerne auch eine entsprechende Elektroauto-Abgabe , die dafür nötigen zusätzlichen Braunkohlekraftwerke müssen ja auch finanziert werden .
    Oder glaubt vielleicht wirklich noch jemand das Märchen von der Energiewende die angeblich die CO2 Emission reduziert?

    3 Leserempfehlungen
  4. Wenn ich ein Auto hätte/bräuchte, wär's nicht deutsch. Unter anderem auch deswegen. Mein Beitrag zum Thema.

    Eine Leserempfehlung
  5. Bei der derzeitigen Infrastruktur an Ladestationen und dem derzeitigen Verhalten der Akkus ist ein Elektroauto für Viele Autofahrer einfach unnütz. Lediglich dem Kurzstreckenfahrer(oder öffentliche Verkehrsmittel) mit eigener Garage könnte hier ein Vorteil entstehen und auch der ist durch unseren Strommix eher gering. Sicher ein Elektroauto mag am Nutzungsort keinen Schadstoffausstoß haben, ändert global gesehen aber nicht ob die Abgase nun aus dem Auto oder dem Braunkohlekraftwerk kommen.

    5 Leserempfehlungen
    • rt
    • 30. Mai 2013 11:15 Uhr

    Dazu noch künstlich hergestellt aus überschüssiger Windenergie - das klingt doch schlüssig.
    Wenn sich dahinter kein weiterer Pferdefuß verbirgt, scheint dieses Konzept doch zukunftsfähig zu sein.
    Wenn die Fahrzeuge dann noch mit moderaten Motorenleistungen daher kommen, kann man dem Ziel, mit Ressourcen (und nicht nur mit fossilen Energieressourcen) verantwortungsvoll umgehen zu wollen, doch ein großes Stück näher kommen.
    Batteriebetriebene Fahrzeuge haben sicherlich auch ihre Anwendungsgebiete, allerdings sollte man deren Einsatz ausschließlich auf diese beschränken.
    Wenn dann im innerörtlichen Verkehr noch das Fahrrad als schnelles, leises, abgasfreies, Bewegung förderndes, preiswertes ... Verkehrsmittel die ihm gebührende Beachtung in der Verkehrsplanung findet, bleiben fast keine Wünsche mehr offen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • socal
    • 30. Mai 2013 16:24 Uhr

    Wie im Artikel geschrieben kommt der gtron auf Basis des A3 1.4 TSI. Das ist dann ein Ergasauto, dessen Kraftstoff mittels Windkraft synthetisch hergestellt wird.

    Das wär doch was.

    Dazu noch künstlich hergestellt aus überschüssiger Windenergie - das klingt doch schlüssig.
    Wenn sich dahinter kein weiterer Pferdefuß verbirgt, scheint dieses Konzept doch zukunftsfähig zu sein.

    Leider nein, denn der Pferdefuß ist der extrem schlechte Gesamtwirkungsgrad dieser Kette.

    Wenn das mit EE-Strom hergestellte Methan in einem GuD-Kraftwerk mit >60% Wirkungsgrad oder in einem BHKW wieder verstromt wird, kommt man auf einen Gesamtwirkungsgrad von 20-40% (je nach Wärmenutzung bei KWK).

    Verheizt man es stattdessen in einem Automotor mit gerade mal 15-20% Wirkungsgrad im realen Fahrbetrieb, kommt von der ursprünglich eingespeisten Energie so gut wie nichts mehr auf der Straße an.

    Wenn Sie wirklich so viele Windräder aufstellen wollen, um auch nur einen Teil der heutigen Fahrzeugflotte so zu betreiben, könnten Sie mit Ihrem schnellen, abgasfreien, ... Fahrrad keine 5 Meter mehr geradeaus fahren ohne gegen einen WKA-Mast zu prallen.

    Batteriebetriebene Fahrzeuge haben sicherlich auch ihre Anwendungsgebiete, allerdings sollte man deren Einsatz ausschließlich auf diese beschränken.
    Welche sollen denn das angeblich sein, und warum wollen Sie durch Verbote den Einsatz von E-Autos künstlich beschränken?
    Das riecht stark nach Auspuffdiktatur...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Audi | Elektroantrieb | Gas | Windenergie | Elektromobilität
Service