AutotechnikMehr Sicherheit kostet kaum Kraftstoff

Erhöhen Assistenzsysteme mit ihrem Gewicht den Spritverbrauch? Ein Zulieferer hat nachgerechnet – und kommt zum Ergebnis: Das Mehrgewicht kann man vernachlässigen. von Hanne Lübbehüsen

Verkehrsschild-Erkennung in einem VW

Verkehrsschild-Erkennung in einem VW  |  © Volkswagen

Beim Versuch der Autohersteller, den Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge zu senken, spielt das Gewicht des Wagens eine entscheidende Rolle. Autos sollen leichter werden – gleichzeitig erhalten sie aber immer mehr Assistenzsysteme. Die erhöhen zwar Komfort und Sicherheit, aber auch das Fahrzeuggewicht.

Allzu groß ist das Plus auf der Waage allerdings nicht, wie der Autozulieferer Bosch jetzt ermittelt hat. Um maximal rund zehn Kilogramm erhöhen die Assistenzsysteme demnach das Gewicht eines modernen Fahrzeugs der Kompaktklasse, im Vergleich zu einem zehn Jahre alten Auto, das außer dem Schleuderschutz ESP und einer E-Servolenkung nichts an technischen Helfern an Bord hatte.

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Ins Gewicht fallen bei den heutigen Assistenzsystemen vor allem die Sensoren, denn die meisten Systeme greifen letztlich in Technik ein, die im Fahrzeug schon vorhanden ist: die Bremse, den Antriebsstrang, der von der Motorsteuerung gelenkt wird, oder die elektrische Servolenkung. Alle drei Systeme gehören mittlerweile nahezu durchgängig auch bei Fahrzeugen ohne jegliche Assistenz zur Serienausstattung, erläutert Bosch.

Damit die technischen Assistenten Funktionen wie das Spurhalten oder die Geschwindigkeitskontrolle übernehmen können, müssen Umfeldsensoren ins Fahrzeug gebaut werden. Die Bosch-Ingenieure rechneten diese daher zum vorhandenen Fahrzeuggewicht dazu. Ein gut ausgestattetes neues Modell hat heute einen Radarsensor, einen Videosensor sowie eine Einparkhilfe – damit verfügt es über die technische Grundlage, um umfassende Assistenzfunktionen anbieten zu können.

Weniger als ein Prozent

Der Radar- und der Videosensor wiegen laut Bosch jeweils bis zu ein Kilogramm. Von jedem gibt es meist einen pro Fahrzeug. Für die Einparkhilfe benötigt der Wagen einige Ultraschallsensoren – in der Regel acht – sowie ein Steuergerät. Insgesamt wiegt das nach Angaben des Zulieferers weniger als ein Kilogramm. Eine hochwertige Multimediaeinheit wiegt rund 2,5 Kilogramm und damit rund 1,5 Kilo mehr als ein Einfachradio von vor zehn Jahren. Addiert bringen die Sensoren weniger als 4,5 Kilogramm an Mehrgewicht ins Auto.

Darüber hinaus ist für ein besonders aufwändiges ESP noch zusätzliches Gewicht zu berechnen. Das Basisgerät, das auch in einem zehn Jahre alten Auto steckt, wiegt 1,6 Kilogramm, ein leistungsfähiges System mit allen Sensoren höchstens 2,4 Kilogramm mehr. Hinzu kommt noch das Zusatzgewicht für angepasste Scheinwerfer. Hier schätzt Bosch ein Mehrgewicht von rund einem Kilogramm pro Scheinwerfer. Auch zusätzliche Kabel wiegen. Hier fällt die Abgrenzung schwer, doch die meisten Geräte hängen heute an leistungsfähigen Bussystemen. Dadurch hält sich die Gewichtszunahme in Grenzen.

Maximal stecken also rund zehn Kilogramm an zusätzlichem Gewicht aufgrund von Assistenzsystemen in einem Fahrzeug der Kompaktklasse. Bei vollausgestatteten neuesten Oberklasselimousinen wiegen die Assistenzsysteme vermutlich noch ein bisschen mehr.

Doch um wie viel steigt dadurch der Spritverbrauch? Nimmt man den gängigen Volkswagen Golf 1.6 TDI (105 PS) mit 1,3 Tonnen Gewicht als Beispiel, dann tragen die Assistenzsysteme weniger als ein Prozent zur Gesamtmasse bei. Der Spritverbrauch, den das Gewicht der Assistenzsysteme beeinflusst, ist dementsprechend gering – und zu vernachlässigen. Viel mehr zu Buche schlägt da zum Beispiel die eigene Fahrweise.

Die Zahl der Assistenten in Neuwagen wird in den kommenden Jahren signifikant steigen – nicht nur, weil sich Automobilhersteller mit ihnen von Wettbewerbern unterscheiden wollen. Ein entscheidender Treiber ist auch die Organisation Euro NCAP, die für ihre Crashtest-Bewertungen von neuen Automobiltypen bekannt ist. Sie stellt ihr Rating-Schema um: Autohersteller, die für ihr Modell die begehrte Höchstwertung von fünf Sternen bekommen wollen, müssen von 2014 an mindestens ein Assistenzsystem an Bord haben. Von 2016 an ist zudem ein umfassender Fußgängerschutz Pflicht.

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Leserkommentare
  1. ... die wollen das Zueg schließlich verkaufen. Manchmal sind die "Assistenzsysteme " mehr hinderlich als nützlich.

    Obwohl fast jedes Auto inzwischen eine Servolenkung hat, ist es üblich z.B. beim rechts abiegen erst einmal nach links auszuholen.

    Wenn ich ohne Servolenkung das Lenkrad bewege weiß ich ob zu wenig Luft in den Reifen ist, dann weis ich im Winter auch ob es glatt ist.

    Wer fährt als ob der Sprit nichts kostet, bei dem nützen auch die ganzen Sicherheits- und Assistenzsysteme nichts.

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    • Hainuo
    • 31. Mai 2013 20:56 Uhr

    Wenn ich ohne ABS voll durchtrete, weiß ich ob es rutschig ist.

  2. 2. Und...

    womit laufen diese Systeme? Mit Luft und Liebe? Nein mit Strom und der kommt nun mal vom Sprit.

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  3. Die Komfortfunktionen kommen ja noch hinzu.
    Mehrere Motoren in den Sitzen, in den Spiegeln, für die Heckklappe, Ansaugfunktion für die Türen, Heizung in der Frontscheibe, den Spiegel und den Sitzen, acht Lautsprecher, dann muss alles gummiert werden, auch wenn es sich blöd anfühlt und grabbelig wird (schönen Gruß an VW), gekühltes Handschuhfach, Monitore in den Kopfstützen, Standheizung und noch viel mehr.
    Das Ganze wird verkabelt und zentral gesteuert, da kommt ein bisschen mehr zusammen, als nur die 10kg der Assistenzsysteme. Dazu kommt, dass dafür Lichtmaschine und Batterie größer dimensioniert werden müssen, und passend dazu der Motor die Zusatzleistung bringen muss.

    Da ist man schnell bei 100 kg mehr.

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  4. Vergessen wird dabei aber die erhöhte Belastung der Fahrzeugelektronik durch immer mehr Verbraucher.

    Der ADAC hat in einer seiner letzen Ausgaben die Vermehrung von Pannen und Schäden gerade im Winter und Kurzstreckenbetrieb berechtigt bemängelt.Konkret häufen sich die Fälle von Fahrzeugen,die wegen entleerter Batterien liegenbleiben und die immer kürzere Lebensdauer von Komponenten wie Batterien und Lichtmaschinen.

    Diese Tendenz kann ich aus eigener Erfahrung durchaus bestätigen,ein Lichtmaschinenschaden nach unter 100000 Km Laufleistung ist heute keine Seltenheit mehr.

    Vermeiden kann man so eine Tendenz nur durch stärker dimensionierte Lichtmaschinen und stärkere Batterien,solche Mehrgewichte werden hier natürlich nicht genannt.
    Ebenso wenig,das durch die größere Dimensionierung und Leistungsfähigkeit der Verbrauch ebenso wie durch Mehrgewicht
    ansteigt,sogar noch stärker , was man sehr gut an einem
    Vergleich Winter/Sommerbetrieb ermessen kann.

    Selbst bei einem vergleichsweise mit wenig Elektronik ausgestattetem
    Wagen wie meinem Astra 1.7 DTI ergeben sich je nach Nutzung der
    im Winter üblichen Verbraucher einschl.Heizung Unterschiede bis
    zu 2 L auf hundert Kilometer bei gleicher Streckennutzung und identischer
    eher sogar ein wenig passiverer Fahrweise gegenüber dem Sommerbetrieb.

    Natürlich kann man diese Tendenz nicht an EINEM Assistenzsystem mehr oder weniger festmachen, es ist einfach eine schleichende Geschichte durch immer mehr elektronische Verbraucher.

  5. Bei allem schuldigen Respekt: Die reine Elektronik der Assistenzsysteme wiegt natürlich nicht viel. Aber zu Sicherheit zählt doch wohl die Stabilität der Zelle, die Airbags, die Sicherheitstechnik in die Sitzen etc. Addiert man das alles zusammen, kommt doch einiges zusammen.

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  6. Autos von vor 10 Jahren ist auch die falsche Referenz. 20 Jahre wären angebrachter, um das Problem zu verdeutlichen. Selbst vor 10 Jahren gab es schon wesentlich mehr als nur ESP. Und eine Auto-Variante ohne zusätzlichen Schnickschnack hatte mit Sicherheit schon diverse bautechnische Vorbereitungen. Dass da ein Gewichtsvergleich nicht mehr so ins Gewicht fällt, ist offensichtlich.
    Aber der Vergleich mit vor 20 Jahren wäre mal interessanter, ohne verstärkten Seitenaufprallschutz, wenn überhaupt nur 1-2 Airbags, wesentlich weniger Kabelbäume, etc.

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  7. Die verhindert das wir bei 30 kmh tod oder für immer behindert sind.

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    das wir bei einem unfall mit 30 kmh NICHT tod oder behindert sind

    • DDW
    • 31. Mai 2013 10:41 Uhr

    Im besonderen das Bussystem.

    Das ist das dümmste was ich mir vorstellen kann in ein Auto einzubauen. Der einzige Vorteil ist der Preis und die Modularität der Komponenten, die daran hängen.

    Bereits vor Jahren sind Experten über einen Radiosender durch das Autoradio, dass auch an diesem BUS hängt in die Systeme eines Autos eingedrungen und haben dort elementare Sicherheitskritische Einstellungen vorgenommen. Zu einer Zeit an dem an diesem BUS im hochpreisigen Segment auch noch ein Internetanschluss hängt, ist überhaupt nicht auszudenken was das für die Sicherheit bedeutet. Bis heute wurde jedes, aber auch ausnahmslos jedes System, dass am Internet hängt kompromittiert. Und mit einem BUS-System hängt man ESP und Airbag ans Internet. Wie gesagt, ein Radiosender reicht schon um die Sicherheit auszuhebeln.

    Und der Gewichtsnachteil von 10 kg erschließt sich mir auch nicht. Das Leergewicht des Fahrzeugs erhöht sich zwar, allerdings ist es damit auch technisch möglich auf einen Fahrer der durchschnittlich 80 kg auf die Waage bringt zu verzichten. Dieser setzt sich auch nicht mehr der Gefahr aus in einen Verkehrsunfall zu verwickeln, wenn er überhaupt nicht mehr am Steuer sitzt, was einem deutlichen Gewinn an Sicherheit entspricht. Da auf einen Fahrer verzichtet werden kann, benötigt man auch viele weitere Dinge nicht, die da wären: Fahrersitz, Lenkrad, Fahrerairbags.

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    angucke. Dann graut es mir.
    Die Dinger sind der reinste Störsender, und dann schön in der Nähe von anfälliger Fahrzeugelektronik.

    Autsch. Du bist zwar ein schlechter Troll, aber eventuell hält irgendjemand den ersten Teil für wahr, darum hier eine kleine Gegendarstellung.

    "Im besonderen das Bussystem."

    "Das Bussystem" klingt wie "Das Fahrzeugauto". Was Sie meinen ist wohl ein gemeinsames Bus. Aber in vielen Autos stecken sogar mehrere und unterschiedliche Buse.

    "Der einzige Vorteil ist der Preis und die Modularität der Komponenten, die daran hängen."

    Und noch ein "einzige Vorteil" ist Gewicht und noch ein einziger ist Zuverlässigkeit. Z.B. eine Tür von heute hat zwei Motoren und fünf Kontakte; da macht es schon einen Unterschied, ob man 12 Drähte durchziehen muss oder drei.

    "Bereits vor Jahren sind Experten..."
    Also in der Steinzeit, vor etwa 12-15 Jahren, als man noch aus Kostengründen alles an einen Bus-Strang gehängt hat. Die Wahrheit dazu: seit Jahren kriegen Sicherheitsrelevante Systeme einen eigenen!

    "über einen Radiosender durch das Autoradio... Sicherheitskritische Einstellungen vorgenommen"

    Klingt nach einer RTL-Pseudo-Reality-Soap. Also Peanuts zum größten Hack verklärt.

    "Zu einer Zeit an dem an diesem BUS im hochpreisigen Segment"

    Welchen Bus nun? Und gerade hochpreisige haben viele Buse drin.

    "noch ein Internetanschluss hängt"

    Und gerade Unterhaltungssysteme hängen am eigenen Bus, auch aus anderen technischen Gründen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bosch AG | Volkswagen | Auto | Zulieferer
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