Autotechnik : Mehr Sicherheit kostet kaum Kraftstoff

Erhöhen Assistenzsysteme mit ihrem Gewicht den Spritverbrauch? Ein Zulieferer hat nachgerechnet – und kommt zum Ergebnis: Das Mehrgewicht kann man vernachlässigen.
Verkehrsschild-Erkennung in einem VW © Volkswagen

Beim Versuch der Autohersteller, den Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge zu senken, spielt das Gewicht des Wagens eine entscheidende Rolle. Autos sollen leichter werden – gleichzeitig erhalten sie aber immer mehr Assistenzsysteme. Die erhöhen zwar Komfort und Sicherheit, aber auch das Fahrzeuggewicht.

Allzu groß ist das Plus auf der Waage allerdings nicht, wie der Autozulieferer Bosch jetzt ermittelt hat. Um maximal rund zehn Kilogramm erhöhen die Assistenzsysteme demnach das Gewicht eines modernen Fahrzeugs der Kompaktklasse, im Vergleich zu einem zehn Jahre alten Auto, das außer dem Schleuderschutz ESP und einer E-Servolenkung nichts an technischen Helfern an Bord hatte.

Ins Gewicht fallen bei den heutigen Assistenzsystemen vor allem die Sensoren, denn die meisten Systeme greifen letztlich in Technik ein, die im Fahrzeug schon vorhanden ist: die Bremse, den Antriebsstrang, der von der Motorsteuerung gelenkt wird, oder die elektrische Servolenkung. Alle drei Systeme gehören mittlerweile nahezu durchgängig auch bei Fahrzeugen ohne jegliche Assistenz zur Serienausstattung, erläutert Bosch.

Damit die technischen Assistenten Funktionen wie das Spurhalten oder die Geschwindigkeitskontrolle übernehmen können, müssen Umfeldsensoren ins Fahrzeug gebaut werden. Die Bosch-Ingenieure rechneten diese daher zum vorhandenen Fahrzeuggewicht dazu. Ein gut ausgestattetes neues Modell hat heute einen Radarsensor, einen Videosensor sowie eine Einparkhilfe – damit verfügt es über die technische Grundlage, um umfassende Assistenzfunktionen anbieten zu können.

Weniger als ein Prozent

Der Radar- und der Videosensor wiegen laut Bosch jeweils bis zu ein Kilogramm. Von jedem gibt es meist einen pro Fahrzeug. Für die Einparkhilfe benötigt der Wagen einige Ultraschallsensoren – in der Regel acht – sowie ein Steuergerät. Insgesamt wiegt das nach Angaben des Zulieferers weniger als ein Kilogramm. Eine hochwertige Multimediaeinheit wiegt rund 2,5 Kilogramm und damit rund 1,5 Kilo mehr als ein Einfachradio von vor zehn Jahren. Addiert bringen die Sensoren weniger als 4,5 Kilogramm an Mehrgewicht ins Auto.

Darüber hinaus ist für ein besonders aufwändiges ESP noch zusätzliches Gewicht zu berechnen. Das Basisgerät, das auch in einem zehn Jahre alten Auto steckt, wiegt 1,6 Kilogramm, ein leistungsfähiges System mit allen Sensoren höchstens 2,4 Kilogramm mehr. Hinzu kommt noch das Zusatzgewicht für angepasste Scheinwerfer. Hier schätzt Bosch ein Mehrgewicht von rund einem Kilogramm pro Scheinwerfer. Auch zusätzliche Kabel wiegen. Hier fällt die Abgrenzung schwer, doch die meisten Geräte hängen heute an leistungsfähigen Bussystemen. Dadurch hält sich die Gewichtszunahme in Grenzen.

Maximal stecken also rund zehn Kilogramm an zusätzlichem Gewicht aufgrund von Assistenzsystemen in einem Fahrzeug der Kompaktklasse. Bei vollausgestatteten neuesten Oberklasselimousinen wiegen die Assistenzsysteme vermutlich noch ein bisschen mehr.

Doch um wie viel steigt dadurch der Spritverbrauch? Nimmt man den gängigen Volkswagen Golf 1.6 TDI (105 PS) mit 1,3 Tonnen Gewicht als Beispiel, dann tragen die Assistenzsysteme weniger als ein Prozent zur Gesamtmasse bei. Der Spritverbrauch, den das Gewicht der Assistenzsysteme beeinflusst, ist dementsprechend gering – und zu vernachlässigen. Viel mehr zu Buche schlägt da zum Beispiel die eigene Fahrweise.

Die Zahl der Assistenten in Neuwagen wird in den kommenden Jahren signifikant steigen – nicht nur, weil sich Automobilhersteller mit ihnen von Wettbewerbern unterscheiden wollen. Ein entscheidender Treiber ist auch die Organisation Euro NCAP, die für ihre Crashtest-Bewertungen von neuen Automobiltypen bekannt ist. Sie stellt ihr Rating-Schema um: Autohersteller, die für ihr Modell die begehrte Höchstwertung von fünf Sternen bekommen wollen, müssen von 2014 an mindestens ein Assistenzsystem an Bord haben. Von 2016 an ist zudem ein umfassender Fußgängerschutz Pflicht.

Kommentare

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Die Hälfte der Wahrheit

Vergessen wird dabei aber die erhöhte Belastung der Fahrzeugelektronik durch immer mehr Verbraucher.

Der ADAC hat in einer seiner letzen Ausgaben die Vermehrung von Pannen und Schäden gerade im Winter und Kurzstreckenbetrieb berechtigt bemängelt.Konkret häufen sich die Fälle von Fahrzeugen,die wegen entleerter Batterien liegenbleiben und die immer kürzere Lebensdauer von Komponenten wie Batterien und Lichtmaschinen.

Diese Tendenz kann ich aus eigener Erfahrung durchaus bestätigen,ein Lichtmaschinenschaden nach unter 100000 Km Laufleistung ist heute keine Seltenheit mehr.

Vermeiden kann man so eine Tendenz nur durch stärker dimensionierte Lichtmaschinen und stärkere Batterien,solche Mehrgewichte werden hier natürlich nicht genannt.
Ebenso wenig,das durch die größere Dimensionierung und Leistungsfähigkeit der Verbrauch ebenso wie durch Mehrgewicht
ansteigt,sogar noch stärker , was man sehr gut an einem
Vergleich Winter/Sommerbetrieb ermessen kann.

Selbst bei einem vergleichsweise mit wenig Elektronik ausgestattetem
Wagen wie meinem Astra 1.7 DTI ergeben sich je nach Nutzung der
im Winter üblichen Verbraucher einschl.Heizung Unterschiede bis
zu 2 L auf hundert Kilometer bei gleicher Streckennutzung und identischer
eher sogar ein wenig passiverer Fahrweise gegenüber dem Sommerbetrieb.

Natürlich kann man diese Tendenz nicht an EINEM Assistenzsystem mehr oder weniger festmachen, es ist einfach eine schleichende Geschichte durch immer mehr elektronische Verbraucher.