Benzinverbrauch : Die Lügen der Autoindustrie

Eine Studie zeigt: Die Verbrauchsangaben der Autohersteller stimmen immer seltener. Dabei wäre das leicht zu ändern.
Der Golf mit Zylinderabschaltung verbraucht bei zurückhaltender Fahrweise 6,4 Liter Benzin – 36 Prozent mehr als der Normwert von 4,7 Litern. © Volkswagen AG

Wie viel Benzin verbraucht ein Auto? Die Autohersteller sind verpflichtet diese Information genau anzugeben. Dass die Werte in den meisten Fällen etwas optimistisch waren, wussten viele Autofahrer. Nun aber zeigt eine groß angelegte Studie erst mal, wie groß die realen von den offiziellen Werten der Autohersteller abweichen.

Die Untersuchung stammt vom Council on Clean Transportation (ICCT), einer Organisation mit Hauptsitz in Washington. Die Forscher fanden heraus, dass die Lücke zwischen den offiziellen Angaben der Hersteller und dem realen Verbrauch seit Jahren wächst. Anders gesprochen: Die Autofahrer zahlen seit Jahren etwas mehr als ihnen versprochen wird. Auch der Staat büßt Steuereinnahmen ein. Wie kann das sein? Und wie kamen die Forscher zu ihrem Ergebnis?

Anders als Autozeitschriften basiert die Studie nicht auf einzelnen Stichproben, sondern auf einer breiten Datenbasis. Dabei verwendete die Organisation zwei Hauptquellen: Zum einen Daten von LeasePlan Germany, einem großen Unternehmen in der Branche des Fuhrparkmanagements. Die Firma stellte Verbrauchswerte von rund 15.000 Autos pro Jahr zur Verfügung. Zum anderen flossen Daten des Portals www.spritmonitor.de ein, die Werte von 5.000 Autos beisteuerten. Die Datensammlung ermöglicht auch einen internationalen Vergleich.

Der Studie zufolge lag der Unterschied zwischen den Herstellerwerten im Jahr 2006 noch bei 22 Prozent. Bereits fünf Jahre später betrug die Lücke hingegen schon 33 Prozent. Ein Auto, das eigentlich nur sechs Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll, brauchte also in Wahrheit acht Liter. Zugleich sind die Autos in Wahrheit viel weniger sparsam geworden, als von den Herstellern behauptet. Im Durchschnitt sank der Verbrauch zwischen 2001 und 2011 offiziell um 1,4 Liter. In Wahrheit aber waren es den Daten des ICCT zufolge nur 0,5 Liter.

© ZEIT ONLINE

"Wir unterstellen den Autoherstellern nicht, illegal zu handeln", sagt Peter Mock, einer der Autoren der Analyse. Der Fehler im System liege beim Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), einer Methode, mit der seit 1996 in Europa der Spritverbrauch gemessen wird. Viele Autohersteller hätten mittlerweile viele Technologien eingebaut, die sich auf der Messtour positiv auf den Spritverbrauch auswirkten. Auf der Straße aber kämen diese nicht zum Tragen.

Ein Beispiel dafür ist die Start-Stopp-Automatik, die an einer roten Ampel automatisch den Motor abschaltet. Während der offiziellen Messtests gibt es mehrere dieser Stillstandsphasen. Eine Start-Stopp-Automatik aber arbeitet nicht, wenn die Temperatur zu niedrig ist oder die Batterie aufgeladen werden muss. Und wer auf der Autobahn unterwegs ist, benutzt die Technik ebenfalls nicht.

Autokäufer sind den NEFZ-Werten aber nicht hilflos ausgeliefert. "Wir empfehlen, in unseren EcoTest zu schauen", sagt Sonja Schmidt vom ADAC Technik Zentrum Landsberg. Der EcoTest wird zum Beispiel immer mit eingeschalteter Klimaanlage und Licht gefahren. 

Verhandlungen über neue Methode

Der Messzyklus des ADAC berücksichtigt unter anderem den geplanten weltweiten Standard WLTP (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure), der die Werte verfeinern soll. Die Verhandlungen über die neue Methode sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Hinter den Kulissen wird noch  verhandelt, mit einer Einführung ist nicht vor dem Jahr 2020 zu rechnen "Wie dicht der WLTP an die Realität kommt, wird erst das Ergebnis zeigen", sagt Sonja Schmidt. Auch Peter Mock vom ICCT glaubt zwar, dass die neuen Werte genauer sein werden. Bereits jetzt ließen sich aber Schwächen, zum Beispiel bei Elektroautos, erkennen. "Generell herrscht in der Branche Einigkeit, dass sich etwas ändern muss."

Die Lösung des Problems könnte einfach aussehen. Viele Autos haben bereits heute einen Bordcomputer, der den Benzin- oder Dieselverbrauch mit großer Präzision angibt. Technisch wäre es leicht, diese Echtzahlen zu speichern, auszulesen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das wäre zwar wissenschaftlich nicht lupenrein, weil der durchschnittliche Fahrer eines Toyota Prius vielleicht schonender mit dem Gaspedal umgeht als der eines BMW 330d. Aber es wäre ein guter Anhaltspunkt für Autokäufer – damit niemand mehr eine Überraschung an der Tankstelle erlebt.

Kommentare

126 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Irgendwie habe ich keine Antwort erhalten

Aber die Fahrzeuge verbrauchen nicht wirklich nur der Optik wegen
mehr Treibstoff, sie bieten auch definitiv mehr an Komfort und Sicherheit, verglichen zu einem normalen Wagen der Kompaktklasse. (das eine Folge der simplen Physik und Crash-Geometrie im sogenannten Partner-Crash)

Und das ganz im Unterschied zu Millionen tonen an dämlichen Pumps, die weltweit hergestellt, verkauft und entsorgt (...) werden, und nebenbei für Knöchel- und Knieverletzungen sorgen.

Die paar hundert Tausend SUVs weltweit machen den Kohl auch nicht fett. Das Klima wird nicht an SUVs zugrunde gehen. Außerdem können Sie SUVs als Hybrid kaufen, die verbrauchen dann genau soviel wie ein stärker motorisierter Wagen der Kompaktklasse. Und verkaufen sich wie geschnitten Brot.

Warum nur...

Warum vergleichen Sie den Hubraum, auch den 2008er Astra gab's mit kleineren Motoren. Bis 2005 mit 80PS, danach "nur" noch mit 90 PS. Den 90er kenne ich sogar und den kann man sparsamer fahren als ihr altes Auto. Abhängig ist das natürlich vom Fahrstil des Fahrers (!) und vom Fahrprofil.
Und selten dürfte Elektronik allein für 250 kg Gewichtsunterschied verantwortlich sein. Vergleichen Sie evtl. auch mal die Crashwerte der Autos. Da hat sich die letzten Jahrzehnte auch einiges getan.
Dann noch zu den Reifen: Die meisten Autohändler die ich kenne waren bereit auf wunsch kleinere Reifen ohne Mehrpreis draufzuziehen.

Kfz-Steuer abschaffen und auf die Mineralölsteuer umlegen ...

... und genau da möchte ich meinen uralten Vorschlag nochmals vorstellen:
Die Bordelektronik ( jedes einigermaßen "moderne" Fahrzeug hat heute sowas ) ermittelt den Verbrauch Liter/100 km. Dieser Wert wird durch 10 geteilt und dieser Faktor wird beim Tanken mittels Blauzahn verschlüsselt an die Zapfsäule übertragen. Die Zapfsäule zeigt a) den Einheitsverrechnungspreis an und b) den mit dem Faktor multiplizierten so ermittelten aktuellen Spritpreis, den der Kunde zu löhnen hat. Jeder möge sich selbst ausrechnen, was das bei einem Verbrauch von 5 L/100km bedeutet oder bei 15 L/100km. Und jeder hat es im eigenen Fuß ( beim Motorrad in der eigenen Hand ), ob sein persönlicher Faktor höher oder niedriger ist. Wer mit einem Kanister ( also ohne Faktor ) kommt, kriegt einfach den default "5" angerechnet - damit sind auch die Rasenmäher bald nur noch elektrisch. Und komme bitte keiner mit "Hacker" - sowas kann jede Elektronik merken und dann steht der Faktor bei "10", nur so zur Belohnung.

@Max-Musterfrau

Bitte ,bitte nichts zu danken , aber mit Verlaub und das merkt man an ihrem jetzigen Beitrag auch wieder , sind sie von Fachwissen unbelastet , da hilft auch Wiki nicht , wenn man einfach nicht versteht , was Vergleichbarkeit bedeutet .

Ich habs für SIE schon zweimal gesagt , das ich ganz bewusst 1,7 L Dieselmotoren verglichen haben , jetzt kommen sie mit der kleineren 1,3 L Maschine an .
Schnallen sie das wirklich nicht , daß es wohl idiotisch wäre , wenn ich meinen älteren 1,7 L Motor mit einem neueren 1,3 L Motor vergleichen würde , wenn ich eine Entwicklung kritisiere .

DAS KLAPPT NICHT , wenn ich so einen Vergleich anstelle dann natürlich mit Motoren die auch problemlos vergleichbar sind , weil das neuere Motorenmodell eben ein WEITERENTWICKELTER 1,7 L Motor ist .

Lesen sie doch einfach mal , bevor sie reagieren und wenn sie was nicht verstehen , dann fragen sie einfach nach , dann bleibt auch alles nett und freundlich .
Genau das ist auch das Problem beim Artikelthema , es fällt das Schlagwort "Lüge" und ein Großteil reagiert ohne hinterfragen wie die Lemminge künstlich empört , obwohl den meisten gar nicht klar ist worüber sie sich eigentlich aufregen und das eine Überschrift in der Presse nicht immer wortwörtlich aufgefasst werden muß , sondern oft auch absichtlich provoziert um zum nachdenken anzuregen .

Lustige Idee

Ihre Idee hat charme, im ersten Augenblick auch was gerechtes oder zumindest pädagogisch wertvolles an sich.
Leider ist natürlich die Missbrauchsgefahr riesig - man denke nur daran, wie einfach es es lt. der Presse sein soll den KM-Stand an einem Auto zu manipulieren.
Von daher finde ich meine Variante auch charmant: Man zahlt einfach mehr für das was man verbraucht -> hohe Spritpreise.
DENN: Der Umwelt ist's ja eigentlich egal, ob sie 50l Kraftstoff auf möglichst energiesparende Weise ausgereizt haben oder auf der Autobahn bei Tempo 250km/h verblasen haben. In der Luft ist's dann sowieso, die Atmosphäre ist belastet. Natürlich können Sie jetzt noch zurecht einwenden, dass gewisse Autos bessere Emmissionswerte/l haben, auch Partikelfilter u.s.w.

Sorry sie haben es immer noch nicht begriffen

Aber das wird mir jetzt dann doch zu dumm , mich weiter über ihren Sachverstand auszulassen .

Vergleichen sie mal hübsch weiter aber vollkommen unsinnig unterschiedliche Motorenkonzepte , ich werde weiterhin Motoren vergleichen , die man auf Grund identischer Grundeckdaten auch wirklich vernünftig vergleichen kann .

Die meisten Leute verstehen sowas auch und können dann mit einem Vergleich auch was anfangen .

Was die angebliche Optimierung angeht , verwechseln sie da mal nicht Behauptungen mit Fakten , einen solchen Betrug , wenn ihn sich EIN einzelner Hersteller zur Vorteilsgewinnung leistet , sollte man erstmal beweisen können .
Machen das aber alle auf gleichem Niveau , ist die Vergleichbarkeit und damit der einzige wirkliche Sinn dieser Zahlen auch wieder gegeben .

Wenn ich problemlos über den Fahrstil und die Nutzung eines Fahrzeuges , Verbrauchsunterschiede von weit über 50 % erzeugen kann , dann ist eine Annäherung an Praxiszahlen schlicht nicht möglich und die nackten Verbrauchszahlen nicht relevant , weil von keinem allgemein nutzbaren Wert.

Naja, da wir inzwischen wissen, wie leicht ...

... elektronische Kilometerzähler manipuliert werden können, sollte man schon wenigstens ein bisschen Hirnschmalz in die Manipulationssicherheit der entsprechenden Systeme einbauen - wir sind doch Weltspitze, oder?
Die einige Verbindung zum Fahrzeug wäre +/- 12V und ein inkrementeller Wegstreckenimpuls ( der Wert wird beim Tanken zurückgesetzt ), also nur ein Speicher für temporäre Werte. Der Verbrauch ergibt sich aus der von der Zapfsäule gesendeten Literzahl. Kein Signal bzw keine Antwort = Faktor 10! Vielleicht brauchen wir noch diese oder jene Idee, aber es sollte doch machbar sein. Aus Befürchtungen, dass Hacker das System entern könnten, nichts zu machen kommt doch dem Selbstmord aus Angst vor dem Tod gleich.

Na, bitte ...

Wenn Sie Ihre Kreditkarte auf den Tisch legen, steht sogar Ihr Name in Klarschift drauf, und der ist nicht "purple-bee" wie ich vermute. Also kann die aufmerksame Verkaufskraft Sie demnächst lautstark mit "5 Kondome, Herr/Frau ....?" an der Kasse begrüßen. Die von mir vorgeschlagenen verschlüsselten Datentransfers beinhalten nur anonyme Daten ( =Zahlen ) zur Ermittlung des Preises.

Appell an den Sachverstand

Als Sachverständiger sollten Sie sich nochmals ein Beispiel anschauen:
Den BMW 320i - nehmen wir den E46, E90 und F30.
Jetzt schauen Sie von allen Modellen den Hubraum und die PS-Zahl an.
Es schwankt immer zwischen 150 und 170 PS und Hubraum und Verbrauch werden immer geringer.
Die meisten Kunden denken wie sie, sie wollen weiter den "3er mit 2-Liter Motor", nur ist der von 2,2l auf 1,6l "geschrumpft" worden. Die 6 Zylinder hat er natürlich auch schon lange abgeben müssen.
Warum? Weil's mit vergleichbarer Leistung und Fahrdynamik bei gleichzeitig deutlich weniger Verbrauch geht.
Ich hoffe, dass sie mit ihrem Expertensachverstand jetzt erkennen konnten, dass wegen des Downsizings es keinen Sinn mehr macht ein Motor mit gleichem Hubraum von vor 10-20 Jahren mit heutigen Modellen zu vergleichen.

Liegt sogar noch etwas unter den Hersteller-Angaben

Volvo V70 Turbo (Benziner) 225 PS. Die 8,2 Liter liegen sogar noch etwas unter den Hersteller-Angaben. Aber das war nicht das was ich gemeint habe. Wenn jeder der von den Randgebieten Frankfurt morgens zur Arbeit in die Innenstadt fährt und abends wieder zurück .... dann möchte ich gerne wissen ob da irgendetwas mit irgendetwas vergleichbar ist.

Mein Eindruck...

.. ist, dass man den angegebenen Verbrauch nie erreicht, ausser man schiebt das Auto kilometerweit.
Die Herstellerangabe ist für kombiniert bei 5,9l/100km. Der Bordcomputer (und über eigene Rechnung) komme ich nur bei Autobahnfahrten auf diesen Wert.
(Und das auch nur, wenn man den aktuellen Verbrauch mit dem Bordcomputer überwacht und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100km/h fährt).
Somit liege ich ca. 15% über dem Sollwert.
Aber natürlich macht die Fahrweise den größten Anteil an der Diskrepanz zwischen Herstellerangabe und realem Verbrauch aus.
(Zum 1. Kommentar: Die Litanei habe ich mir abgewöhnt, wenn man sich immer im Hinterkopf behält, dass die Autofahrt knapp 1€ pro 10km kostet, fängt man an die dargebotenen Alternativen zu evaluieren und auch zu nutzen.)

Vergleichen mit was?

Ob wir es zugeben wollen oder nicht, wir haben es mit einem komplexen System zu tun und da vergleichbare Werte auf den Markt zu werfen, ist nun mal für den Hersteller gefährlich. Sollte man sich dazu entscheiden Laborbedingungen herzustellen um an Verbrennungsmotoren den Verbrauch zu messen, kann es noch genügend Abweichungen im Altagstest geben. So könnte man als Hersteller ein testkonformes Setup erstellen welches dann aber vom Kunden vielleicht gar nicht akzeptiert. Weniger Beschleunigung, geringe Elastizität usw. Und Alltagsbedingungen sind schwer vergleichbar. Es macht einen Unterschied ob ich in Berchtesgaden oder in Bremen wohne. Steigungen, Wind, Zuladung und natürlich der Mensch sind schlecht miteinander vergleichbar. Ich habe Jahrelang Zugriff auf verschiedene Passats 2.0 TDI gehabt und sie haben alle erheblich unterschiedliche Verbrauchswerte angezeigt. Trotz gleicher Baureihe.