Wie viel Benzin verbraucht ein Auto? Die Autohersteller sind verpflichtet diese Information genau anzugeben. Dass die Werte in den meisten Fällen etwas optimistisch waren, wussten viele Autofahrer. Nun aber zeigt eine groß angelegte Studie erst mal, wie groß die realen von den offiziellen Werten der Autohersteller abweichen.

Die Untersuchung stammt vom Council on Clean Transportation (ICCT), einer Organisation mit Hauptsitz in Washington. Die Forscher fanden heraus, dass die Lücke zwischen den offiziellen Angaben der Hersteller und dem realen Verbrauch seit Jahren wächst. Anders gesprochen: Die Autofahrer zahlen seit Jahren etwas mehr als ihnen versprochen wird. Auch der Staat büßt Steuereinnahmen ein. Wie kann das sein? Und wie kamen die Forscher zu ihrem Ergebnis?

Anders als Autozeitschriften basiert die Studie nicht auf einzelnen Stichproben, sondern auf einer breiten Datenbasis. Dabei verwendete die Organisation zwei Hauptquellen: Zum einen Daten von LeasePlan Germany, einem großen Unternehmen in der Branche des Fuhrparkmanagements. Die Firma stellte Verbrauchswerte von rund 15.000 Autos pro Jahr zur Verfügung. Zum anderen flossen Daten des Portals www.spritmonitor.de ein, die Werte von 5.000 Autos beisteuerten. Die Datensammlung ermöglicht auch einen internationalen Vergleich.

Der Studie zufolge lag der Unterschied zwischen den Herstellerwerten im Jahr 2006 noch bei 22 Prozent. Bereits fünf Jahre später betrug die Lücke hingegen schon 33 Prozent. Ein Auto, das eigentlich nur sechs Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll, brauchte also in Wahrheit acht Liter. Zugleich sind die Autos in Wahrheit viel weniger sparsam geworden, als von den Herstellern behauptet. Im Durchschnitt sank der Verbrauch zwischen 2001 und 2011 offiziell um 1,4 Liter. In Wahrheit aber waren es den Daten des ICCT zufolge nur 0,5 Liter.

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"Wir unterstellen den Autoherstellern nicht, illegal zu handeln", sagt Peter Mock, einer der Autoren der Analyse. Der Fehler im System liege beim Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), einer Methode, mit der seit 1996 in Europa der Spritverbrauch gemessen wird. Viele Autohersteller hätten mittlerweile viele Technologien eingebaut, die sich auf der Messtour positiv auf den Spritverbrauch auswirkten. Auf der Straße aber kämen diese nicht zum Tragen.

Ein Beispiel dafür ist die Start-Stopp-Automatik, die an einer roten Ampel automatisch den Motor abschaltet. Während der offiziellen Messtests gibt es mehrere dieser Stillstandsphasen. Eine Start-Stopp-Automatik aber arbeitet nicht, wenn die Temperatur zu niedrig ist oder die Batterie aufgeladen werden muss. Und wer auf der Autobahn unterwegs ist, benutzt die Technik ebenfalls nicht.

Autokäufer sind den NEFZ-Werten aber nicht hilflos ausgeliefert. "Wir empfehlen, in unseren EcoTest zu schauen", sagt Sonja Schmidt vom ADAC Technik Zentrum Landsberg. Der EcoTest wird zum Beispiel immer mit eingeschalteter Klimaanlage und Licht gefahren. 

Verhandlungen über neue Methode

Der Messzyklus des ADAC berücksichtigt unter anderem den geplanten weltweiten Standard WLTP (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure), der die Werte verfeinern soll. Die Verhandlungen über die neue Methode sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Hinter den Kulissen wird noch  verhandelt, mit einer Einführung ist nicht vor dem Jahr 2020 zu rechnen "Wie dicht der WLTP an die Realität kommt, wird erst das Ergebnis zeigen", sagt Sonja Schmidt. Auch Peter Mock vom ICCT glaubt zwar, dass die neuen Werte genauer sein werden. Bereits jetzt ließen sich aber Schwächen, zum Beispiel bei Elektroautos, erkennen. "Generell herrscht in der Branche Einigkeit, dass sich etwas ändern muss."

Die Lösung des Problems könnte einfach aussehen. Viele Autos haben bereits heute einen Bordcomputer, der den Benzin- oder Dieselverbrauch mit großer Präzision angibt. Technisch wäre es leicht, diese Echtzahlen zu speichern, auszulesen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das wäre zwar wissenschaftlich nicht lupenrein, weil der durchschnittliche Fahrer eines Toyota Prius vielleicht schonender mit dem Gaspedal umgeht als der eines BMW 330d. Aber es wäre ein guter Anhaltspunkt für Autokäufer – damit niemand mehr eine Überraschung an der Tankstelle erlebt.