Mobilität : Elektroautos bleiben hinter Erwartungen zurück

Zu teuer, zu lange Ladezeiten: Eine Umfrage zeigt, wie skeptisch die Bürger gegenüber Elektroautos sind. Politik und Wirtschaft geben sich gegenseitig die Schuld.

Für Verkehrsminister Peter Ramsauer ist die Sache klar: "Die Autos müssen begeistern", sagte er zur Zukunft der Elektromobilität in Deutschland. Aktueller Umfragewerte zufolge können Elektroautos allerdings bislang nur wenig überzeugen. So haben die Autokäufer hohe Anforderungen an die Autos, die diese aber nur teilweise erfüllen.

Laut der Umfrage – der ADAC befragte hierzu rund 1.000 Autofahrer – sind fast die Hälfte von ihnen (43,7 Prozent) nicht bereit, für ein Elektroauto mehr zu bezahlen als für einen Wagen mit Benzin- oder Dieselantrieb. Rund 15 Prozent der Befragten wären bereit zu einem Aufpreis von bis zu 1.000 Euro. Rund 22 Prozent würden Mehrkosten von bis zu 2.500 Euro in Kauf nehmen.


Auch bei den Ladezeiten für die Batterien der E-Autos wachsen die Anforderungen der Autofahrer. Mehr als ein Drittel (33,5 Prozent) hält demnach eine Ladezeit von maximal zwischen einer und zwei Stunden für akzeptabel. Vor zwei Jahren waren es noch 22 Prozent, die eine Ladedauer auf diesem Niveau akzeptierten.

Zahlen kaum realisierbar

Diese Zahlen dürften auch die Vertreter von Politik, Autoindustrie, Wissenschaft und Gesellschaft interessieren, die bis zum morgigen Dienstag auf einer Konferenz in Berlin über die Zukunft des Elektroautos in Deutschland beraten. Vor drei Jahren hatten Regierung und Autobranche die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) gegründet. Ziel ist es, Deutschland zum Leitmarkt und die heimische Industrie zum Leitanbieter für Elektroautos zu machen.

Davon ist man aber noch weit entfernt, Skeptiker halten die anvisierten Zahlen – die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße bringen – für kaum realisierbar. Anfang des Jahres rollten auf Deutschlands Straßen rund 7.100 Elektroautos und knapp 65.000 Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Benzinmotor.

Probleme bei Steuern und Steckern

Wirtschaftsminister Philipp Rösler machte dafür vor allem die Industrie verantwortlich, die ihre Zuverlässigkeit erst noch beweisen müsse. "Unsere Ziele bei der Elektromobilität werden wir letztlich nur erreichen, wenn die Industrie ihre Zusagen einhält", sagte der FDP-Politiker der Rheinischen Post. Neue Fahrzeugmodelle mit elektrischem Antrieb müssten, wie zugesagt, zügig auf den Markt gebracht werden. "Zugleich hat die Industrie angekündigt, 17 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben in Deutschland zu investieren. Dabei muss es bleiben."

Die Autoindustrie verlangte ihrerseits, dass die Politik ihre Hausaufgaben macht. So sei die zugesagte Verbesserung bei der Dienstwagen-Besteuerung für Elektroautos noch nicht umgesetzt, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Er drängte zudem erneut darauf, dass Elektroautos bei den EU-Zielvorgaben für den CO2-Ausstoß stärker gewichtet würden. Als weiteres Problem machte Zetsche die fehlende Standardisierung etwa von Ladesteckern aus. "Es ist wichtig, eine Zerstückelung des europäischen Marktes mit verschiedenen Standards zu vermeiden", mahnte er.

Kommentare

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Nichts begriffen

daß die Leute eben _nicht_ bereit sind, sich auch nur wenige Meter in einer zugigen Klapperkiste ohne passive Sicherheit, ohne Klimaanlage und ohne Radio fortzubewegen.

Vielleicht begreifen ja auch Sie irgendwann, dass die Fahrzeuge die Sie sich da in Ihrer E-Angst zusammenphantasieren gar keine E-Autos sind.
Und wenn das nächste Grüne bei Ihnen mehrere 100km entfernt ist, sollten Sie umziehen.

Ein Kleinst-E-Wagen zum Einkaufen wird höchstens als Zweitgefährt akzeptiert - wenn er neu unter 2500 Euro kostet.
Wenn E-Fahrzeuge akzeptiert werden wollen, dann müssen sie in jeder Hinsicht so gut sein wie heutige Verbrenner

Akzeptiert von wem?
Den Kunden, die Monate auf ihren bestellten Smart ed warten, scheinen Ihre Ansichten jedenfalls völlig egal zu sein.

energetischer Supergau

"H2 bzw. "Windgas" sind geeignet als Zwischenspeicher und sollten bei Bedarf wieder in einem GUD-Kraftwerk mit >60% Wirkungsgrad + evtl. noch Wärmenutzung verstromt werden.
Sie in einem Ihrer 500 Millionen Knattermotörchen mit 15-20% Wirkungsgrad im realen Fahrbetrieb zu verheizen ist ein energetischer Super-GAU."

nicht dass die Speicherung in Akkus viel besser wäre....
H2 oder Akku-Speicherung sind beides Konzepte, die schlicht und ergreifend genau dann sinnvoll werden, wenn wir mehr Energie produzieren als wir verbrauchen. Dann sind die Verluste von vielleicht 70-80% in Summe immernoch weniger als der Totalverlust bei Nichtnutzung oder der Verkauf der Energie so, dass ich noch Geld dazu gebe, damit mein Netz nicht kippt. Ein richtig gutes Patentrezept zur Speicherung gibt es halt nicht. Selbst Benzin ist - über alles betrachtet - ja auch nicht besser. Wir haben nur das Glück, dass ein großer Teil der Verluste in der Erdgeschichte liegt.

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"Der Wirkungsgrad bei Wasserstoffmotoren ist viel zu niedrig und daran wird man auch nicht mehr viel ändern können."

Der Wirkungsgrad ist zweitrangig, wenn die Kosten und andere Eigenschaften stimmen.

"Wasserdampf, der bei Wasserstoffmotoren entsteht, ist ein weitaus größeres Treibhausgas als CO2."
Nur wenn er in die Atmosphäre gelangt und dort als Dampf verbleibt. Da sie sicherlich Phänomene wie Regen, Schnee, Nebel, Tau usw. kennen lassen sie die Effekte beim CO2-Ausstoß nicht einfach auf den Ausstoß von Wasserdampf übertragen.

Wir müssen an die Konsumgesellschaft ran...

Der Anteil der CO2 Bilanz pro Bundesbürger liegt beim sonstigen Konsum bei etwa 25% und bei Mobilität bei 23%.

Eine signifikante Erhöhung der Nutzungsdauer vieler Konsumprodukte dürfte das Klima weitaus mehr entlasten als es die Einführung der Elektromobilität wohl je könnte, sofern man sich von der individuellen Mobilität nicht verabschieden möchte.

Die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Smartphones beträgt aktuell etwa 2,5 Jahre. Die Herstellung verursacht etwa 300kg CO2. Um einmal ein Beispiel zu nennen.