Stiftung WarentestViele Elektrofahrräder sind lebensgefährlich

Die Stiftung Warentest hat 16 City-Elektroräder auf Reichweite und Sicherheit geprüft. Neun fielen durch, etwa weil ihre Bremsen versagten. von Andrea Reidl

Im Prüfstand wurde die Reichweite des Akkus getestet.

Im Prüfstand wurde die Reichweite des Akkus getestet.  |  © Stiftung Warentest

Ihre Bremsen versagen, die Rahmen zerbrechen, die Lenker gehen ebenfalls kaputt: Viele Elektrofahrräder sind nicht sicher. 16 Citybikes hat die Stiftung Warentest in einem aktuellen Test geprüft. Neun davon fielen durch. Die teuren Räder sind dabei nicht unbedingt sicherer als billige Exemplare. Unter den Verlierern des Tests sind auch Modelle, die mehr als 2.000 Euro kosten.

Damit stellen die Prüfinstitute den Rädern ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Einer der Prüfer, Ernst Brust vom Prüfinstitut Velotech in Schweinfurt, fordert deutliche Nachbesserungen. Künftig solle jedes Elektrofahrrad standardmäßig ein GS-Siegel (Geprüfte Sicherheit) tragen.

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Die Testsieger der Stiftung Warentest sind nun die ersten, die dieses Siegel erhalten können. Es sind das Stevens E-Courier SX (Note 2,4) und das Kettler Obra RT (Note 2,5). 

Die zum Test ausgewählten Elektrofahrräder besitzen alle einen tiefen Durchstieg. Sie fahren nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde und beschleunigen nur, wenn der Fahrer selbst in die Pedale tritt. Ihre Hersteller tragen bekannte Namen, etwa Stevens, Kettler, Kalkhoff oder Flyer. Auf einer 20.000 Kilometer langen Teststrecke, beobachtet von fünf Prüfinstituten, sollten sie alltäglichen Belastungen widerstehen, die etwa einer Nutzungsdauer von acht bis zehn Jahren entsprechen. Eigentlich ist das keine Lebensdauer für ein Rad. Doch das Ergebnis fiel erschreckend aus: Neun Elektroräder wurden am Ende mit "mangelhaft" bewertet – das bedeutet: durchgefallen.

Lenkerbruch nach 9.000 Kilometern

Die Ursachen dafür sind zum Teil lebensgefährlich. Bei acht Modellen gab es Risse oder Brüche in Rahmen, Lenker oder Gabel. Der Lenker des Kreidler-Modells brach nach 9.000 Kilometern, beim kostspieligsten Rad im Test sackte die Aufhängung des Hinterrads weg und blockierte das Rad. Auch beim Bremsentest fielen drei Räder durch. Sie waren mit sogenannten V-Brakes mit Seilzug ausgestattet. Das ist eine Technik, die man laut Stiftung Warentest eher bei preiswerten Trekking- und Cityrädern findet und bei hochpreisigen Elektrorädern nicht erwartet.

Viel zu hoch waren außerdem die Messwerte zur  elektromagnetischen Verträglichkeit, kurz EMV. Dahinter verbergen sich Störwellen, die Elektromotoren aussenden, und die andere Produkte beeinflussen können. Im Test entpuppten sich manche als mächtige Störsender. Sie legten den Polizeifunk im Umkreis von 100 Metern lahm, störten den Fernsehempfang oder wurden selbst von den Wellen eines CB-Funkers ausgebremst. Vier Modelle lagen gar oberhalb von EU-Grenzwerten. Sie dürfen nun nicht mehr verkauft werden. 

Die schlechten Ergebnisse prüften die Institute immer doppelt. Das heißt, sie wiederholten den Test mit einem zweiten Rad gleichen Typs. In sämtlichen Fällen bestätigte die Wiederholungsprüfung die Ergebnisse des ersten Durchlaufs.

Leserkommentare
  1. Gerade bei den E-Bikes kann es sehr schnell um Leben und Tod gehen. Aber hier gibt es noch nicht einmal eine Helmpflicht.

    Warum eigentlich, die sind doch noch schneller als Mofas. Selbst die kleinen Roller kann man damit abhängen. Und dann noch solche Risiken wie brechende Lenker etc.

    Manches ist für mich einfach nicht mehr nachvollziehbar.

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    • Hagane
    • 28. Mai 2013 18:20 Uhr

    Hier zeigt sich ein Problem der E-Bikes. Welcher Helm?

    Fuer Radhelme gibt's keine ordentlich Norm, die Hersteller, die ueberhaupt Aussagen zur Crash-Sicherheit machen, sagen das die Helme eigentlich max. die Kraft aufnehmen koennen, die beim Umfaller aus dem Stand auftritt.

    Ein Motorradhelm? Sieht nicht nur sehr seltsam aus, sondern duerfte auch fuer diverse Herz-/Kreislaufanfaelle im Sommer sorgen.

    Dazu kommt, das diese Raeder oftmals von aelteren bewegt werden, die oftmals noch nie, auch nicht in jungen Jahren, mit konstant 25km/h unterwegs waren. Oftmals wissen diese Leute noch nichtmal wie ein Fahrrad korrekt gebremst wird (zur Info: Ein Normalrad entwickelt seine max. Bremskraft ausschliesslich ueber die Vorderradbremse)

    Ne, die E-Bikes sollten auf max. 20km/h begrenzt werden und ein entsprechendes Pruefsiegel sollte her. Generell find ich die Dinger eigentlich nicht verkehrt, bringt es doch gerade die aeltere Generation wieder zum Fahrrad (und ein wenig unterstuetztes Strampeln und an der frischen Luft sein, ist allemal besser als hintern Fenster zu versauern oder mit dem Bus fahren).

    Man muß das auch verstehen:

    Die getesteten Räder ... fahren nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde ...

  2. Und ich sehe bei meinen täglichen radfahrten zur Arbeitstelle oder anderweitig immer mehr Senioren auf diesen Schleudern, die zum Teil bis zu vierzig(!) Km/h laufen. Geht's noch? Also aufgemerkt auf den Radwegen!
    Hallo Herr Ramsauer, da besteht dringender Handlungsbedarf!

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    "Schnelle Pedelecs (S-Pedelecs) sind hingegen versicherungspflichtig und es wird ein Mofa-Führerschein, aber kein Helm benötigt. Fahrradwege dürfen mit diesen Fahrzeugen nur genutzt werden, wenn die Wege auch für Mofas freigegeben sind (durch Zusatzzeichen „Mofas frei“ und stets außerorts). Fahrräder mit unlimitierter Tretunterstützung sind im engeren gesetzlichen Sinne des Begriffes Kleinkrafträder mit geringer Leistung."
    Quelle: http://de.wikipedia.org/w...

    • oannes
    • 28. Mai 2013 18:13 Uhr

    Hier geht es, wie inzwischen überall, um schnelle Profite.
    Man möchte, im Goldgräberstil, ganz vorne mit dabei sein. Sch... auf Qualität, Hauptsache Geld...

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    • jagu
    • 29. Mai 2013 14:44 Uhr

    Ja ich glaube auch, dass es um den Profit geht, den Profit des Testers, der mit einem solchen Test sein GS-Testgeschäft ankurbeln möchte und der Autolobby, die ihre Kunden ungerne auf eBikes davonfahren sieht.

    Dem auferksamen Leser dürfte auch aufgefallen sein, dass derzeit Eletroautos runtergeschrieben werden - obwohl der Tesla gleichzeitig eine unerwartete Erfolgsgeschichte liefert und sich die genutze Elektrotechnik stetig verbessert.

    Wieso bei Rädern mit nur 10-15 KG Mehrgewicht plötzlich die bewährten V-Brakes nicht mehr funktionieren sollen, fragt sich der Fachmann vergebens.

    Auch die ganzen Theorien, wo denn der Motor am besten untergebracht ist, lassen fahrzeugtechnische Grundkenntnisse vermissen.

    Dass einige wenige Räder nicht entsprechend funkentstört sind, dürfte für den Fahrer nicht wirklich lebensgefährlich sein und die leidige Helmpflicht-Diskussion hat hier nun gar nichts zu suchen.

    Wer täglich mit eBikes zu tun hat, kann die Testergebnisse kaum nachvollziehen, solche Hiobsbotschaften müsste der dann ja täglich hören - tut er aber nicht.

    Stattdessen verbreiten sich die Pedelecs imer mehr, es gibt immer mehr begeisterte Nutzer (und damit weniger Autos, Abgase und Lärm auf den Straßen).

    Ganz sicher mag an dem Test etwas dran sein, aber die Lobbyarbeit der Autoindustrie bzw. der Geschäftssinn des Testern sind nicht zu übersehen.

  3. Mir reicht ja schon ein Blick auf die Bremsanlage, die eigentlich nichts weiter sind als normale Fahrradbremsen.

    Obwohl soein Pedelec das doppelte Gewicht auf die Waage bringt und zumeist bei Maximalgeschwindigkeit von 25km/h bewegt wird. Ein Geschwindigkeitsbereich, den die normalen Fahrräder dieser Piloten eher selten erreichen.

    Sowohl Geschwindigkeit als auch Gewicht gehen mit dem Quadrat in die Energieberechnung fürs bremsen ein. Bei doppeltem Gewicht muss man also die vierfache Bremsleistung loswerden, um auf denselben Bremsweg zu kommen oder man hat den vierfachen Bremsweg. Dasselbe gilt für die Geschwindigkeit.

    Und das alles mit dieser Bremsensimulation...

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    Mein Physikleistungskurs liegt schon eine Weile zurück, aber die kinetische Energie wird über
    E_kin = 1/2 * m * v²
    berechnet. Die Reibungsarbeit ist
    E_R = m * g * μ * s
    Damit erhält man für den Bremsweg

    sondern ganz einfach nach: E = 1/2 m v²
    noch viel Vergnügen

    Selbst wenn das E-Fahrrad doppelt so schwer ist, das Gesamtgewicht ist es bei weitem nicht! Denn der Fahrer/in trägt ungleich mehr zum Gesamtgewicht bei.;)

    Und es sollte niemand glauben, dass es bei Fahrrädern nicht zu Rahmenbrüchen, durch gebremsten Felgen, etc. kommt.

    Die durchgeführten Tests sind wichtig, damit die schwarzen Schafe gefunden werden. In Zukunft bitte aber, bevor sie auf die Menschheit losgelassen werden.

    Drei nebeneinanderfahrende Autos haben also zusammen neunmal soviel kinetische Energie wie jedes einzelne Auto? Das ist ja praktisch.

    • 29C3
    • 29. Mai 2013 7:55 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/ls

    • 29C3
    • 29. Mai 2013 14:48 Uhr

    Zitat: "Sowohl Geschwindigkeit als auch Gewicht gehen mit dem Quadrat in die Energieberechnung fürs bremsen ein. Bei doppeltem Gewicht muss man also die vierfache Bremsleistung loswerden, "

    Aufgrund eines redaktionellen Hinweises bin ich dazu angehalten, Ihnen auf die aller freundlichste Art und Weise folgende Fakten zu Ihrer, oben zitierten und von anderen Usern ebenso kommentierten Aussage mitzuteilen:
    Falsch. Nur die Geschwindigkeit geht in zweiter Potenz in die Energiegleichung ein, die Masse bleibt darin linear vertreten, d.h. doppelte Masse bei gleicher Geschwindigkeit bedeutet doppelte Energie.

    MfG

    ps. Das alles ist m.W. heute Stoff aus der 8. Schulklasse.

    • Hagane
    • 28. Mai 2013 18:20 Uhr

    Hier zeigt sich ein Problem der E-Bikes. Welcher Helm?

    Fuer Radhelme gibt's keine ordentlich Norm, die Hersteller, die ueberhaupt Aussagen zur Crash-Sicherheit machen, sagen das die Helme eigentlich max. die Kraft aufnehmen koennen, die beim Umfaller aus dem Stand auftritt.

    Ein Motorradhelm? Sieht nicht nur sehr seltsam aus, sondern duerfte auch fuer diverse Herz-/Kreislaufanfaelle im Sommer sorgen.

    Dazu kommt, das diese Raeder oftmals von aelteren bewegt werden, die oftmals noch nie, auch nicht in jungen Jahren, mit konstant 25km/h unterwegs waren. Oftmals wissen diese Leute noch nichtmal wie ein Fahrrad korrekt gebremst wird (zur Info: Ein Normalrad entwickelt seine max. Bremskraft ausschliesslich ueber die Vorderradbremse)

    Ne, die E-Bikes sollten auf max. 20km/h begrenzt werden und ein entsprechendes Pruefsiegel sollte her. Generell find ich die Dinger eigentlich nicht verkehrt, bringt es doch gerade die aeltere Generation wieder zum Fahrrad (und ein wenig unterstuetztes Strampeln und an der frischen Luft sein, ist allemal besser als hintern Fenster zu versauern oder mit dem Bus fahren).

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Unverständnis"
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    Auf Basis welcher Erkenntnis respektive Untersuchung sind Sie denn zu diesem Ergebnis gekommen?

    Beim Radeln ohne Batterieantrieb auf Diamantrahmen wird eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht. Beim Liegerad liegt diese bei etwa 35 km/h. (Die Rede ist selbstverständlich von trainierten Radlern.) Für diese Geschwindigkeiten müssten die Fahrräder ohnehin ausgelegt sein.

    Rahmenbrüche bei Mittelmotorpedelecs sind für mich VIELLEICHT noch nachvollziehbar, bei Nabenmotoren überhaupt nicht mehr. Da lastet das Gewicht des Motors auf dem Laufrad, die Akkus sind zumeist unter dem Gepäckträger montiert. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass hier Beschleunigungs- und/oder Bremskräfte die Verursacher sind.

    Wenn ein Lenker bricht, dann liegt das sicher erst einmal am minderwertigen Material des Lenkers.

    Wenn da eine Hinterradaufhängung wegsackt, dann würde sie das früher oder später auch dann tun, wenn das Rad mit schweren Gepäcktaschen gefahren wird, oder nicht?

    Was der Helm mit der Sicherheit eines Pedelecs zu tun haben soll, entzieht sich übrigens auch meinem Verständnis. Der Radler selber allerdings würde durch Tragen eines Helms sicher mehr Sicherheit erfahren. Aber das wäre ein Thema auf einem anderen Forum zum entsprechendem Thema.

    Na ja, Hauptsache, man hat mal wieder etwas reglementiert ... Wie würden wohl die Österreicher auf Ihre geforderte Geschwindigkeitsbegrenzung reagieren?

    und am besten regeln wir auch direkt noch, welche Schutzausrüstung Fußgänger zu tragen haben, wenn sie die Zebrastreifen benutzen wollen!
    Nebenbei: ist Ihnen der Begriff "Überregulierung" vertraut?

  4. 6. […]

    Entfernt. Kommentare, die die Moderation betreffen, richten Sie bitte direkt an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jp

  5. Man muß das auch verstehen:

    Die getesteten Räder ... fahren nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde ...

    Antwort auf "Unverständnis"
    • Lefty
    • 28. Mai 2013 19:06 Uhr

    Sehe ich diese schweren,unförmigen "Klumpen",fahre ich schnell vorbei.Sie stören jeden sportlichen Radfahrer.
    Ich habe ein Stahl-MTB von 1995,fahre damit im Winter mit Spikes.es ist fast wie neu,und wiegt ca.12 kg.Mein Carbon-Rennrad wiegt 8,76kg.ich fahre es nun schon mehr als 1000.000km.Kaufpreis:Weniger als ein E-Bike.Pflegen muss man sie schon.
    Doch für Leute,die vielleicht lange nicht gefahren sind,muss die Sicherheit aller Komponenten ganz besonders sicher gewährleistet sein.Rahmen-oder gar Lenkerbrüche sind lebensgefährlich!!!

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    ich denk amol Sie meinen 100.000km
    in 18 jahren im durchsnitt 150km/tag schein zu hoch gegriffen

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