Ihre Bremsen versagen, die Rahmen zerbrechen, die Lenker gehen ebenfalls kaputt: Viele Elektrofahrräder sind nicht sicher. 16 Citybikes hat die Stiftung Warentest in einem aktuellen Test geprüft. Neun davon fielen durch. Die teuren Räder sind dabei nicht unbedingt sicherer als billige Exemplare. Unter den Verlierern des Tests sind auch Modelle, die mehr als 2.000 Euro kosten.

Damit stellen die Prüfinstitute den Rädern ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Einer der Prüfer, Ernst Brust vom Prüfinstitut Velotech in Schweinfurt, fordert deutliche Nachbesserungen. Künftig solle jedes Elektrofahrrad standardmäßig ein GS-Siegel (Geprüfte Sicherheit) tragen.

Die Testsieger der Stiftung Warentest sind nun die ersten, die dieses Siegel erhalten können. Es sind das Stevens E-Courier SX (Note 2,4) und das Kettler Obra RT (Note 2,5). 

Die zum Test ausgewählten Elektrofahrräder besitzen alle einen tiefen Durchstieg. Sie fahren nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde und beschleunigen nur, wenn der Fahrer selbst in die Pedale tritt. Ihre Hersteller tragen bekannte Namen, etwa Stevens, Kettler, Kalkhoff oder Flyer. Auf einer 20.000 Kilometer langen Teststrecke, beobachtet von fünf Prüfinstituten, sollten sie alltäglichen Belastungen widerstehen, die etwa einer Nutzungsdauer von acht bis zehn Jahren entsprechen. Eigentlich ist das keine Lebensdauer für ein Rad. Doch das Ergebnis fiel erschreckend aus: Neun Elektroräder wurden am Ende mit "mangelhaft" bewertet – das bedeutet: durchgefallen.

Lenkerbruch nach 9.000 Kilometern

Die Ursachen dafür sind zum Teil lebensgefährlich. Bei acht Modellen gab es Risse oder Brüche in Rahmen, Lenker oder Gabel. Der Lenker des Kreidler-Modells brach nach 9.000 Kilometern, beim kostspieligsten Rad im Test sackte die Aufhängung des Hinterrads weg und blockierte das Rad. Auch beim Bremsentest fielen drei Räder durch. Sie waren mit sogenannten V-Brakes mit Seilzug ausgestattet. Das ist eine Technik, die man laut Stiftung Warentest eher bei preiswerten Trekking- und Cityrädern findet und bei hochpreisigen Elektrorädern nicht erwartet.

Viel zu hoch waren außerdem die Messwerte zur  elektromagnetischen Verträglichkeit, kurz EMV. Dahinter verbergen sich Störwellen, die Elektromotoren aussenden, und die andere Produkte beeinflussen können. Im Test entpuppten sich manche als mächtige Störsender. Sie legten den Polizeifunk im Umkreis von 100 Metern lahm, störten den Fernsehempfang oder wurden selbst von den Wellen eines CB-Funkers ausgebremst. Vier Modelle lagen gar oberhalb von EU-Grenzwerten. Sie dürfen nun nicht mehr verkauft werden. 

Die schlechten Ergebnisse prüften die Institute immer doppelt. Das heißt, sie wiederholten den Test mit einem zweiten Rad gleichen Typs. In sämtlichen Fällen bestätigte die Wiederholungsprüfung die Ergebnisse des ersten Durchlaufs.