Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) legt viel Wert auf Begrifflichkeiten: "Feldversuch mit Gigalinern? Gigaliner gibt es in Deutschland nicht. Sie meinen den Versuch mit den Lang-Lkw", sagt ein Sprecher. Er spricht von den umstrittenen, bis zu 25,25 Meter langen Lkw, die im Rahmen eines Feldversuchs seit Anfang 2012 in einigen Bundesländern getestet werden.

Die Fahrzeuge bringen maximal 44 Tonnen auf die Waage, und der Verband will sie als "Lang-Lkw" bezeichnet wissen. Mit dem Etikett "Gigaliner" wollten die Gegner der Groß-Transporter diese nur "dramatisieren", heißt es beim BGL. Nach Ansicht des Verbandes sollten lediglich 60-Tonner mit dem Etikett belegt werden: Fahrzeuge, die hierzulande nicht, auch nicht im Rahmen des Versuchs, zugelassen sind.

Der Streit um Begriffe zeigt, wie tief die Gräben im Streit um die Zulassung der extralangen Transporter sind. Für die einen – allen voran die Verkehrsexperten von den Grünen und vom Verkehrsclub von Deutschland (VCD) – sind sie der Schrecken der Straße. Die XL-Laster seien nicht nur gefahrenträchtig, sondern auch als "falsches Signal" kontraproduktiv für das Ziel, mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Die Gigaliner würden Unternehmen immer stärker dazu animieren, die Straße als "rollendes Warenlager" zu benutzen. Autohersteller reduzieren Lagerhaltung seit Jahren. Immer mehr Zulieferkomponenten lassen sie per Lkw just in time, also im Rhythmus ihrer Produktionsabläufe anliefern.

Auch die Verkehrspolitiker der SPD lehnen die extralangen Trucks ab. Sie führen dabei vor allem ins Feld, dass bundesdeutsche Straßen und Brücken, aber auch Rastplätze an Autobahnen nicht für Fahrzeuge mit diesen Dimensionen ausgelegt sind.

Unterstützer loben die CO2-Bilanz

Die Befürworter – Verkehrspolitiker von Union und FDP sowie die Speditionsverbände – finden den Einsatz von extralangen Lkw richtig, weil die den Unternehmern Kostenvorteile bringen. Aber auch der Nutzen für Umwelt- und Klimaschutz wird immer wieder gern betont: Zwei Lang-Transporter könnten drei herkömmliche Sattelzüge ersetzen und hätten damit eine bessere CO2-Bilanz. Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) preist die 25-Meter-Trucks deshalb gar als "Öko-Laster" an.

Seit gut einem Jahr dürfen im Rahmen des Feldversuchs in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Thüringen, Hessen und Bayern auf ausgewiesenen Strecken Sattelzüge fahren, die die ansonsten zulässige Maximallänge um sechseinhalb Meter überschreiten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte den auf fünf Jahre angelegten Feldversuch per Ausnahmeregelung durchgesetzt, also ohne die Zustimmung des Bundesrates einzuholen. In der Länderkammer, in der die SPD-geführten Länder die Mehrheit haben, hätte Ramsauers Vorstoß scheitern können.

Im März 2012, kurz nachdem der Feldversuch nach jahrelanger Diskussion angerollt war, hatten die Fraktionen von SPD und Grünen gegen die Ausnahmeregelung Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Das Urteil steht noch aus.