1993 erarbeitet Töpfers Ministerium eine Verordnung, die Autohersteller zur Rücknahme der Altfahrzeuge verpflichtet; die Kosten für Entsorgung und Recycling sind von der Industrie zu tragen, nicht vom letzten Fahrzeughalter. Die Automobilbranche protestiert vehement. Die Entsorgungskosten müsse sie sich durch höhere Neuwagenpreise reinholen – Preiserhöhungen aber würden den ohnehin schwächelnden Absatz noch weiter bremsen, warnen die Hersteller.

Als Buhmann am Pranger zu stehen, kann sich die Autoindustrie angesichts des zunehmenden Umweltbewusstseins in der Gesellschaft aber auch nicht leisten. Am Ende einigen sich Politik und Industrie: Die Hersteller verpflichten sich, Altautos ihrer Marke zurückzunehmen und die Kosten für die Entsorgung zu übernehmen. Dafür betrifft die Verordnung zunächst nur Autos, die maximal zwölf Jahre alt sind – das Gros der Pkw ist 13 Jahre und älter.

Um Ökonomie und Ökologie zu vereinen, suchen die Hersteller heute nach immer neuen Möglichkeiten, die Altmaterialien in neuen Produkten wiederzuverwerten. Als geeignete Einsatzorte für rezyklierte Kunststoffe haben Autobauer und Zulieferindustrie beispielsweise Radlauf- und Unterbodenverkleidungen entdeckt. Bei der aktuellen Mercedes A-Klasse etwa sind die Radlaufverkleidungen aus aufgearbeiteten Starterbatterien und ehemaligen Stoßfängerverkleidungen, die Batteriehalterung besteht aus aufbereiteten Abfällen aus der Produktion von Instrumententafeln. Beim BMW i3 concept besteht ein Viertel aller im Innenraum eingesetzten Kunststoffe aus rezykliertem Material.

Durcheinander bei Scheinwerfern

Aktuell tüfteln die Forschungsabteilungen der Autohersteller an Recyclingkonzepten für die neuartigen Komponenten von Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Batterien könnten nach dem Einsatz im Fahrzeug beispielsweise als Zwischenspeicher für Photovoltaikanlagen verwendet werden, heißt es bei BMW.

Derweil kommen bei den Altautoentsorgern zunehmend Fahrzeuge mit alternativem Antrieb an: Erdgas- und Hybridautos. Beide Varianten stellen die Betriebe vor neue Herausforderungen. Für die Zerlegung von Erdgasfahrzeugen brauchen sie gut belüftete Räume, für die Demontage von Autos mit Hochvoltbatterie besonders geschultes und mit Spezialkleidung ausgestattetes Personal.

Kleine, völlig unspektakuläre Maßnahmen könnten den nachhaltigen Umgang mit Altauto-Komponenten verbessern, sagt Markus Geisbauer vom Verband Deutscher Ingenieure (VDI). Dieser unterstützt Entsorger seit Inkrafttreten der Altfahrzeugverordnung mit einer Reihe von Richtlinien bei der korrekten Umsetzung. "Gut wäre zum Beispiel eine exakte Kennzeichnung von Scheinwerfern", sagt Geisbauer.

Der Grund: Zur Kostenoptimierung setzen Hersteller mitunter in einer Fahrzeugbaureihe innerhalb weniger Jahre immer wieder andere, billiger herzustellende Scheinwerfer ein, wie der VDI-Experte schildert. Dann hätten Gebrauchtteileverkäufer große Mühe, Passendes zuzuordnen. "Daran scheitert die Zweitverwendung, die ja immer noch die nachhaltigste Variante der Müllvermeidung ist."