Škoda Rapid © Hersteller

Ist das noch clever oder schon spießig? Škoda hat mit dem Rapid eine Kompaktlimousine im Programm, die ein großes Platzangebot zum Preis eines Kleinwagens bietet – aber mit ihrem Stufenheck hierzulande nur wenig Käufer unterhalb der Pensionsgrenze finden dürfte. Das ist schade, denn auch für junge Familien ist der Tscheche eine interessante Option.

Mit festem Kofferraumabteil wirkt ein knapp 4,50 Meter langer Wagen heutzutage wie geschrumpft, wie Businessklasse für Arme. Der Rapid ist von der vorderen bis zur hinteren Stoßstange gerade einmal so lang wie ein Opel Astra mit Steilheck. Allerdings haben die Škoda-Designer das Beste aus der Karosseriekonzeption gemacht: Der Rapid ist zwar keine Schönheit, wirkt aber sachlich, nüchtern und aus der richtigen Entfernung und dem passenden Winkel sogar durchaus hochwertig.

Die Stufe im Heck tut allerdings nur so, als wäre sie ein Kofferraumdeckel. In Wahrheit schwingt beim Rapid eine große Klappe inklusive Heckscheibe auf und gibt ein großzügiges Gepäckabteil frei. 550 Liter passen dort bei voll besetztem Wagen hinein, mehr als in manchen Mittelklasse-Kombi. Zusätzlich können die Lehnen der Rückbank umgeklappt werden. Dann entsteht ein wirklich riesiger Stauraum mit 1.490 Litern Volumen, der dank niedriger Ladekante und breitem Zuschnitt auch noch leicht zu füllen ist.

Vertraut, aber trist

Um die Kosten zu senken und die Listenpreise möglichst niedrig zu halten, hat sich Škoda für den Rapid aus dem gut gefüllten Volkswagen-Konzernlager bedient. Die Vorderachse etwa ist aus fast jedem anderen Škoda-Modell bekannt, die Hinterachse stammt vom VW Polo. Auch die Teile dazwischen sind oder waren schon bei anderen Konzernmodellen im Einsatz. Das muss kein Nachteil sein, haben die Komponenten doch in der Regel Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit schon unter Beweis gestellt.

Im Innenraum erweckt die Gleichteilestrategie sofort das Gefühl von Vertrautheit. Allerdings nicht das von Heimat, dafür strahlt das Cockpit doch zu viel Sparsamkeit aus. Selbst in den höheren Ausstattungsversionen, in denen mehrfarbige Kunststoffe wenigstens für ein bisschen Lebendigkeit sorgen, bleibt der Gesamteindruck eher trist, zumindest wenn man den Innenraum am hohen Standard der übrigen Konzernmodelle misst. Wer aber nur einmal im Jahrzehnt ein neues Auto kauft – und das dürfte bei der Mehrheit der Rapid-Zielkundschaft der Fall sein – wird sich daran vielleicht gar nicht stören.

Auch sonst fährt mit dem Škoda gut, wer keine übertriebenen Ansprüche an sein Fortbewegungsmittel stellt. Der Rapid schlägt sich auf allen Straßenarten ordentlich, ohne zu glänzen. So federt er etwas steifer, brummt unter der Motorhaube etwas lauter und reagiert auf Seitenwind etwas empfindlicher als etwa ein VW Golf oder Jetta. Die präzise Lenkung, das handliche Fahrverhalten und die exakte Gangschaltung teilt er sich aber mit den Wolfsburger Geschwistern. Und das sind nicht die schlechtesten Vorbilder.

Golf-Größe zum Polo-Preis

Beim Preis lässt der Rapid den VW-Modellen allerdings gern die Vorfahrt. Die günstigste Variante der Limousine kostet 13.990 Euro, also nur wenig mehr als der 50 Zentimeter kürzere Polo. Wie so oft bei Einstiegsmodellen eignet sich der Basis-Rapid mit seinen 55 kW (75 PS) allerdings nur für eisenharte Puristen. Er hat zudem einen stolzen Normverbrauch von 5,8 Litern je 100 Kilometer.

Wer einigermaßen flott vorankommen will, sollte schon den deutlich moderneren und sparsameren 1,2-Liter-Turbobenziner wählen. Škoda bietet ihn in zwei Leistungsstufen an: mit 63 kW (86 PS) oder 77 kW (105 PS). Der Preis beginnt bei 15.110 Euro. Unser Testwagen war mit dem 77 kW starken 1,6-Liter-Diesel ausgestattet, der den Preis auf 18.410 Euro treibt, dafür aber auch souveräne Fahrleistungen mit geringem Verbrauch kombiniert. Im Normzyklus verbraucht der Diesel 4,4 Liter auf 100 Kilometer, im Test waren es 5,3 Liter.

Ein wirkliches Schnäppchen – verglichen etwa mit dem 7.000-Euro-Auto Dacia Logan – ist der Rapid letztlich nach absoluten Zahlen nicht. Wer aber das gute Raumangebot und den großzügigen Kofferraum mit in die Rechnung aufnimmt, wird kaum einen günstigeren Konkurrenten finden. Letztlich ist der Škoda daher durchaus eine clevere Wahl. Zumindest für Menschen, denen egal ist, was andere möglicherweise spießig finden.