Škoda RapidEin cleverer Spießer

Kompaktlimousinen mit Stufenheck sind in Deutschland nicht gerade beliebt. Der Škoda Rapid kann seinen Designnachteil aber auf anderen Gebieten ausgleichen. von Holger Holzer

Škoda Rapid

Škoda Rapid  |  © Hersteller

Ist das noch clever oder schon spießig? Škoda hat mit dem Rapid eine Kompaktlimousine im Programm, die ein großes Platzangebot zum Preis eines Kleinwagens bietet – aber mit ihrem Stufenheck hierzulande nur wenig Käufer unterhalb der Pensionsgrenze finden dürfte. Das ist schade, denn auch für junge Familien ist der Tscheche eine interessante Option.

Mit festem Kofferraumabteil wirkt ein knapp 4,50 Meter langer Wagen heutzutage wie geschrumpft, wie Businessklasse für Arme. Der Rapid ist von der vorderen bis zur hinteren Stoßstange gerade einmal so lang wie ein Opel Astra mit Steilheck. Allerdings haben die Škoda-Designer das Beste aus der Karosseriekonzeption gemacht: Der Rapid ist zwar keine Schönheit, wirkt aber sachlich, nüchtern und aus der richtigen Entfernung und dem passenden Winkel sogar durchaus hochwertig.

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Die Stufe im Heck tut allerdings nur so, als wäre sie ein Kofferraumdeckel. In Wahrheit schwingt beim Rapid eine große Klappe inklusive Heckscheibe auf und gibt ein großzügiges Gepäckabteil frei. 550 Liter passen dort bei voll besetztem Wagen hinein, mehr als in manchen Mittelklasse-Kombi. Zusätzlich können die Lehnen der Rückbank umgeklappt werden. Dann entsteht ein wirklich riesiger Stauraum mit 1.490 Litern Volumen, der dank niedriger Ladekante und breitem Zuschnitt auch noch leicht zu füllen ist.

Vertraut, aber trist

Um die Kosten zu senken und die Listenpreise möglichst niedrig zu halten, hat sich Škoda für den Rapid aus dem gut gefüllten Volkswagen-Konzernlager bedient. Die Vorderachse etwa ist aus fast jedem anderen Škoda-Modell bekannt, die Hinterachse stammt vom VW Polo. Auch die Teile dazwischen sind oder waren schon bei anderen Konzernmodellen im Einsatz. Das muss kein Nachteil sein, haben die Komponenten doch in der Regel Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit schon unter Beweis gestellt.

Im Innenraum erweckt die Gleichteilestrategie sofort das Gefühl von Vertrautheit. Allerdings nicht das von Heimat, dafür strahlt das Cockpit doch zu viel Sparsamkeit aus. Selbst in den höheren Ausstattungsversionen, in denen mehrfarbige Kunststoffe wenigstens für ein bisschen Lebendigkeit sorgen, bleibt der Gesamteindruck eher trist, zumindest wenn man den Innenraum am hohen Standard der übrigen Konzernmodelle misst. Wer aber nur einmal im Jahrzehnt ein neues Auto kauft – und das dürfte bei der Mehrheit der Rapid-Zielkundschaft der Fall sein – wird sich daran vielleicht gar nicht stören.

Auch sonst fährt mit dem Škoda gut, wer keine übertriebenen Ansprüche an sein Fortbewegungsmittel stellt. Der Rapid schlägt sich auf allen Straßenarten ordentlich, ohne zu glänzen. So federt er etwas steifer, brummt unter der Motorhaube etwas lauter und reagiert auf Seitenwind etwas empfindlicher als etwa ein VW Golf oder Jetta. Die präzise Lenkung, das handliche Fahrverhalten und die exakte Gangschaltung teilt er sich aber mit den Wolfsburger Geschwistern. Und das sind nicht die schlechtesten Vorbilder.

Golf-Größe zum Polo-Preis

Beim Preis lässt der Rapid den VW-Modellen allerdings gern die Vorfahrt. Die günstigste Variante der Limousine kostet 13.990 Euro, also nur wenig mehr als der 50 Zentimeter kürzere Polo. Wie so oft bei Einstiegsmodellen eignet sich der Basis-Rapid mit seinen 55 kW (75 PS) allerdings nur für eisenharte Puristen. Er hat zudem einen stolzen Normverbrauch von 5,8 Litern je 100 Kilometer.

Wer einigermaßen flott vorankommen will, sollte schon den deutlich moderneren und sparsameren 1,2-Liter-Turbobenziner wählen. Škoda bietet ihn in zwei Leistungsstufen an: mit 63 kW (86 PS) oder 77 kW (105 PS). Der Preis beginnt bei 15.110 Euro. Unser Testwagen war mit dem 77 kW starken 1,6-Liter-Diesel ausgestattet, der den Preis auf 18.410 Euro treibt, dafür aber auch souveräne Fahrleistungen mit geringem Verbrauch kombiniert. Im Normzyklus verbraucht der Diesel 4,4 Liter auf 100 Kilometer, im Test waren es 5,3 Liter.

Ein wirkliches Schnäppchen – verglichen etwa mit dem 7.000-Euro-Auto Dacia Logan – ist der Rapid letztlich nach absoluten Zahlen nicht. Wer aber das gute Raumangebot und den großzügigen Kofferraum mit in die Rechnung aufnimmt, wird kaum einen günstigeren Konkurrenten finden. Letztlich ist der Škoda daher durchaus eine clevere Wahl. Zumindest für Menschen, denen egal ist, was andere möglicherweise spießig finden.

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Leserkommentare
  1. Das Stufenheck ist eben die unpraktischste Karosserieform; und verdankt sein Überleben nur der konservativen Schicht.

    Skoda hat dies erkannt und tarnt letztlich nur ein Schrägheck in alter Form. Was aber den Design-Grundsatz "Form followas function" auf den Kopf stellt.

    Schade. Mit Steilheck wäre der Wagen ein Raumwunder zum Supersparpreis. So aber bleibt er ein Außenseiter. Fehlt Skoda der Mut?

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    "Das Stufenheck ist eben die unpraktischste Karosserieform"

    Die unpraktischste Karosserieform ist das Schrägheck. Hier wird nur toter Raum erzeugt und die Heckscheibe braucht zwingend einen Wischer. Abgesehen davon ist der "Sedan" quicklebendig. Das Konzept des "Kombis" oder des Kompakten Steilhecks a la Golf ist in Nordamerika, Osteuropa und was weiss ich wo nicht noch einfach nicht angenommen worden (Ausnahme SUVs). Und Cadillac, BMW, Lexus, Mercedes und Konsorten sehen als Stufenheck einfach am besten aus - und sind bei umklappbarer Rückbank (gerne mit Aufpreis) auch noch recht praktische Gesellen.

    "Das Stufenheck ist eben die unpraktischste Karosserieform; und verdankt sein Überleben nur der konservativen Schicht.

    ...

    Schade. Mit Steilheck wäre der Wagen ein Raumwunder zum Supersparpreis. So aber bleibt er ein Außenseiter. Fehlt Skoda der Mut??"

    Hauptsache an den Konservativen rumgemosert oder wie? Kaufen Sie halt einen Skoda Yeti, wenn Sie einen Skoda zum "Supersparpreis" wollen und eine große Klappe brauchen:

    http://de.wikipedia.org/w...Škoda_Yeti

  2. Mit gleicher Karosse wie der Rapid ist auch der neue Seat Toledo auf dem Markt. Gibt es über das andere Markenlogo hinaus Unterschiede? (Vielleicht ist ja der Seat innen etwas weniger "trist" als der Seat?) Kein Wort darüber in Ihrem Text. Schade.

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  3. "Das Stufenheck ist eben die unpraktischste Karosserieform"

    Die unpraktischste Karosserieform ist das Schrägheck. Hier wird nur toter Raum erzeugt und die Heckscheibe braucht zwingend einen Wischer. Abgesehen davon ist der "Sedan" quicklebendig. Das Konzept des "Kombis" oder des Kompakten Steilhecks a la Golf ist in Nordamerika, Osteuropa und was weiss ich wo nicht noch einfach nicht angenommen worden (Ausnahme SUVs). Und Cadillac, BMW, Lexus, Mercedes und Konsorten sehen als Stufenheck einfach am besten aus - und sind bei umklappbarer Rückbank (gerne mit Aufpreis) auch noch recht praktische Gesellen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mutloses Stufenheck"
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    Ersteinmal hat man beim Sedan doch viel Spaß beim Beladen. Da ist die Luke manchmal halt viel zu klein. Da darf dann der Rücksitz als Transportfläche herhalten. Das dem Scheibenwischer ist ebenfalls Käse. Ich hätte manchmal auch gerne bei den Sedans einen Scheibenwischer gehabt. Aber dann hat man komplett verloren. (Irgendeine Reisschüssel hatte sogar mal einen Wischer.)

    Ein gut konstrierter Kombi oder Fließhecklimousine braucht den Scheibenwischer ebenfalls nur recht selten. Sind die allerdings schlecht konstruiert, wie z.B. der Polo, dann saut man sich bei nasser Straße das Fahrzeug hinten komplett zu.

    In den USA und der dritten Welt sind Sedans allerdings recht beliebt, dies liegt zum Einen an der räumlichen Trennung von Kofferraum und Fahrkabine. Gerüche vom Reserve-Kanister dringen dann nicht so schnell zum Fahrer.
    Der Hauptgrund ist aber die etwas höhere Verwindungssteifigkeit. Wer mit billigen Möhren über schlechte Pisten fährt, merkt schnell den Unterschied.

    "Und Cadillac, BMW, Lexus, Mercedes und Konsorten sehen als Stufenheck einfach am besten aus"

    Das ist nur Gewohnheit. Es gab auch Zeiten, da fand man einen Wagen ohne Pferde komisch. Würde man einen Außerirdischen bitten, ein Auto zu entwickeln, es käme mit Sicherheit kein Stufenheck bei raus.

    Ürbigens interessant, dass Begriffe wie "Limousine", "Sedan", "Coupé" allesamt von der Pferdekutsche stammen! Ein Hinweis, wie viel historischen Ballast das Hightech-Produkt Auto mit sich rumschleppt.

  4. Ersteinmal hat man beim Sedan doch viel Spaß beim Beladen. Da ist die Luke manchmal halt viel zu klein. Da darf dann der Rücksitz als Transportfläche herhalten. Das dem Scheibenwischer ist ebenfalls Käse. Ich hätte manchmal auch gerne bei den Sedans einen Scheibenwischer gehabt. Aber dann hat man komplett verloren. (Irgendeine Reisschüssel hatte sogar mal einen Wischer.)

    Ein gut konstrierter Kombi oder Fließhecklimousine braucht den Scheibenwischer ebenfalls nur recht selten. Sind die allerdings schlecht konstruiert, wie z.B. der Polo, dann saut man sich bei nasser Straße das Fahrzeug hinten komplett zu.

    In den USA und der dritten Welt sind Sedans allerdings recht beliebt, dies liegt zum Einen an der räumlichen Trennung von Kofferraum und Fahrkabine. Gerüche vom Reserve-Kanister dringen dann nicht so schnell zum Fahrer.
    Der Hauptgrund ist aber die etwas höhere Verwindungssteifigkeit. Wer mit billigen Möhren über schlechte Pisten fährt, merkt schnell den Unterschied.

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    Antwort auf "Nö....."
  5. "Das Stufenheck ist eben die unpraktischste Karosserieform; und verdankt sein Überleben nur der konservativen Schicht.

    ...

    Schade. Mit Steilheck wäre der Wagen ein Raumwunder zum Supersparpreis. So aber bleibt er ein Außenseiter. Fehlt Skoda der Mut??"

    Hauptsache an den Konservativen rumgemosert oder wie? Kaufen Sie halt einen Skoda Yeti, wenn Sie einen Skoda zum "Supersparpreis" wollen und eine große Klappe brauchen:

    http://de.wikipedia.org/w...Škoda_Yeti

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    Antwort auf "Mutloses Stufenheck"
  6. Mein lieber Herr Holzer, wie definieren Sie denn Spießigkeit? Glauben Sie wirklich, man könnte eine Geisteshaltung am Konsumverhalten festmachen?

    Mit Verlaub, das ist Yuppieismus: weil die Marketingleute uns erzählen, BMW usw. seien sexy, sind die nicht-Premiummarken nur was für Spießer. Ganz schön traurig.

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    Dieser Skoda ist die blechgestanzte Version des Kirchentagmottos: „So viel Du brauchst“ Das kann man angemessen, oberbrav, spießig oder bei Laune gern klever finden. Zum Zeitpunkt der Bestellung ist man besser schon verheiratet, halt ein Auto zum Ankommen mit dem Prestige einer LIDL-Tüte.

    Wird der Rapid dem Logan in der Zulassungsstatistik das Wasser reichen können? Schwierig, denn sein Stern strahlt in der Kernperformance Einkaufspreis deutlich matter. Vielleicht entscheiden sich in drei Jahren mehr Käufer für das Modell, wenn die bis dahin ausgelieferten Rapid bei ADAC-Pannen- und TÜV-Statistik sich keine Schnitzer erlauben.

  7. Dieser Skoda ist die blechgestanzte Version des Kirchentagmottos: „So viel Du brauchst“ Das kann man angemessen, oberbrav, spießig oder bei Laune gern klever finden. Zum Zeitpunkt der Bestellung ist man besser schon verheiratet, halt ein Auto zum Ankommen mit dem Prestige einer LIDL-Tüte.

    Wird der Rapid dem Logan in der Zulassungsstatistik das Wasser reichen können? Schwierig, denn sein Stern strahlt in der Kernperformance Einkaufspreis deutlich matter. Vielleicht entscheiden sich in drei Jahren mehr Käufer für das Modell, wenn die bis dahin ausgelieferten Rapid bei ADAC-Pannen- und TÜV-Statistik sich keine Schnitzer erlauben.

    Antwort auf "Spießig?"
  8. "Und Cadillac, BMW, Lexus, Mercedes und Konsorten sehen als Stufenheck einfach am besten aus"

    Das ist nur Gewohnheit. Es gab auch Zeiten, da fand man einen Wagen ohne Pferde komisch. Würde man einen Außerirdischen bitten, ein Auto zu entwickeln, es käme mit Sicherheit kein Stufenheck bei raus.

    Ürbigens interessant, dass Begriffe wie "Limousine", "Sedan", "Coupé" allesamt von der Pferdekutsche stammen! Ein Hinweis, wie viel historischen Ballast das Hightech-Produkt Auto mit sich rumschleppt.

    Antwort auf "Nö....."
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    Sie können abermillionen Autokäufern dieser Karosserieform erzählen, dass diese die Ihrer Meinung nach falsche Form gewählt haben, aber das wird die Leute sicher nicht die Bohne interessieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
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