Weil ein Kombi widerrechtlich auf dem eigentlichen Ladeparkplatz stand, musste unser Autor ebenfalls widerrechtlich auf dem Fußweg parken und dort den Smart electric drive aufladen. © Christoph M. Schwarzer

Nach ein paar Runden raus aus dem Smart electric drive und rein in den car2go-Smart mit Benzinmotor. Und nach kurzer Ausfahrt wieder zurück. Der Kontrast ist scharf. Er fällt auch denen auf, die sich für Autos sonst nicht interessieren: Hier die kontinuierliche, kraftvolle und leise Fahrt im Strommodell, dort der Verbrennungsmotor, dessen Geräusch unkultiviert klingt und bei dem die Beschleunigung von zähen Schaltpausen unterbrochen wird.

Wenn allein der Antriebsstrang entscheiden würde: Kaum jemand würde noch zur Standardmaschine greifen. 7.395 neue Smart Fortwo wurden in diesem Jahr bis inklusive März in Deutschland zugelassen. Davon fuhren 536 elektrisch. Das entspricht einem Anteil von 7,2 Prozent. Vielleicht wären es noch mehr, doch die Jahresproduktion des Smart electric drive von 6.000 Stück für alle Märkte ist nach Angaben von Daimler bereits ausverkauft.

Für einen Autohersteller gibt es schlimmere Probleme als die Lieferzeit. Der Kunde muss sich gedulden: In Internetforen ist von mehr als neun Monaten die Rede. Nostalgiker im Daimler-Konzern fühlen sich möglicherweise an die seligen Zeiten des Mercedes SL R129 erinnert, bei dem die Enthusiasten 1989 Schlange standen.

Der offizielle Grund für die Verzögerung beim Smart electric drive: Die Produktion ist in kleinerem Umfang angelaufen als bei konventionellen Fahrzeugen – Fachleute sprechen von einer flacheren Anlaufkurve. Branchenkenner bestätigen das und nennen als Hintergrund den unbedingten Willen, jedes noch so klein erscheinende Problem sofort auszumerzen. Man legt hohen Wert darauf, dass das erste batterieelektrische Auto einer deutschen Marke keinen Imageschaden erleidet.

Geld spielt für Smart-Käufer eine untergeordnete Rolle

Vielleicht hatte Smart auch einfach die Nachfrage unterschätzt. Der Preis von mindestens 23.680 Euro inklusive Batterie oder alternativ 18.910 Euro plus 65 Euro monatlicher Batteriemiete schreckt die Käufer offensichtlich nicht ab. Zwar gibt es den preisgünstigsten Smart Fortwo schon für 10.335 Euro. Ein Blick auf die Straße aber zeigt: Viele Smarts sind üppig ausgestattet, es gibt Cabrios mit Ledersitzen und sportliche Brabus-Versionen. Dieses Modell wird also nicht nach dem Motto "viel Auto für wenig Geld" gekauft, sondern als komfortables Auto für alle, die den Cent nicht zwei Mal umdrehen müssen.

Es fällt schwer, eine mit dem Elektro-Smart direkt vergleichbare Verbrennerversion zu finden. Das immense Spurtvermögen macht den electric drive zum Stadtkönig. Er beschleunigt in 4,8 Sekunden auf 60 km/h, in weiteren 6,7 Sekunden sind 100 km/h erreicht. Um ähnliche Fahrleistungen zu erreichen, müsste man mindestens zum Smart mit 62 kW (84 PS) starkem Turbobenziner greifen, der inklusive Klimaanlage ab 13.870 Euro zu haben ist. Das angenehm mühelose Gummibandgefühl, mit dem der Smart electric drive schon bei leichtem Pedaldruck nach vorne zieht, ist ein Mehrwert, für den die Kunden offenkundig zu zahlen bereit sind.