Tesla Model SKaliforniens elektrische Kampfansage

Das Tesla Model S erobert mit überragendem Antriebskomfort das Herz von Fahrer und Passanten. Das Elektroauto lässt deutschen Hightech alt aussehen. von 

Tesla Model S

Tesla Model S  |  © Christoph M. Schwarzer

Das Tesla Model S beschleunigt nicht, es springt aufs nächste Geschwindigkeitslevel. In einer Baustelle auf der Autobahn A1 von Hamburg nach Bremen darf maximal 60 km/h gefahren werden. Danach ist Tempo 130 erlaubt. Ein Tritt aufs Pedal, und die Kilowattanzeige des Elektromotors zuckt auf 320 – das sind 435 PS, die direkt an die Hinterräder gehen. Im Magen verursacht der Vollstromschub eine kurze Unruhe, doch bei Richtgeschwindigkeit und mit Tempomat setzt souveräne Entspanntheit ein. Der luxuriöse Antriebskomfort ist einmalig und überragend.

Das kalifornische Team um Elon Musk hat es tatsächlich geschafft. Während der Sportwagen Tesla Roadster nur rund 2.500 Mal und weitgehend per Hand gebaut wurde, wird die Limousine Model S in Serie produziert. Jeder, der es bezahlen kann – im Fall der von ZEIT ONLINE bewegten Version namens Performance rund 100.000 Euro – bekommt dieses Elektroauto. Tesla liefert etwa 500 Exemplare pro Woche aus, die Nachfrage ist höher.

Anzeige

Was am Model S fasziniert, ist der Mut zur Tat: Tesla verbannt den Verbrennungsmotor komplett. Bei deutschen Premiumautos regieren dagegen geballte Langeweile und Gleichmacherei; formale Unterschiede sind selten, und Vorsprung durch Technik sucht der Kunde vergebens. Oft gleichen sich bei Audi, BMW und Mercedes in der jeweiligen Fahrzeugklasse von A3 bis A8, 1er bis 7er und A- bis S-Klasse Hubraum, Zylinderzahl und Motorleistung. Vielleicht weicht der Normverbrauch in der ersten Nachkommastelle ab, und wahrscheinlich hat die aktuellste Konstruktion ein Assistenzsystem, das der Konkurrent erst mit dem nächsten Facelift bekommt. Das Rezept ist äußerst erfolgreich, und dieser Erfolg gibt den deutschen Autobauern Recht – die Revolution aber bleibt aus.

Der Elektroantrieb schafft Platz

Die Form des Tesla Model S erinnert an einen Aston Martin Rapide. Trotz knapp fünf Metern Außenlänge und inklusive Rückspiegel fast 2,20 Meter Breite wirkt das Auto elegant, kompakt und geduckt. Dabei ist es, dem Platz sparenden Elektroantrieb sei Dank, sehr alltagstauglich. Unter der vorderen Haube gibt es einen Kofferraum, und unter der weit öffnenden Schrägheckklappe einen zweiten. Beim Testwagen waren im Heck die beiden Kindersitze gegen die Fahrtrichtung verbaut, was das Model S zum Siebensitzer macht. Mercedes-Kunden kennen das aus dem T-Modell.

Mercedes-Nutzer werden sich auch auf dem Fahrersitz schnell heimisch fühlen, denn die Hebel am Lenkrad stammen aus dem Stuttgarter Teileregal. Daimler hält – neben Toyota – Anteile von Tesla Motors; die jüngst für die USA vorgestellte elektrische Mercedes-Benz B-Klasse bekommt sogar den kompletten Antriebsstrang von Tesla. Bei Daimler und Toyota hat man das Potenzial der relativ kleinen US-Firma erkannt.

Deren eigentliches Know-how ist die Batteriesteuerung. Tesla greift für den Lithium-Ionen-Speicher auf gewöhnliche Zellen zurück, wie man sie in ähnlicher Form in Notebooks oder Smartphones findet. Mehrere Tausend davon sind im Wagenboden verbaut. Um den Besitzern wirklich jede Angst vor Verschleiß und Abnutzung zu nehmen, gewährt Tesla acht Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Sie gilt sogar, wenn der Kunde nicht regelmäßig bei den Inspektionsterminen auftaucht.

Leserkommentare
  1. DAS ist Vorsprung durch Technik. Die Amerikaner sind zurück und wie!! Anstatt sich die ganze Zeit irgendwelchen abstrakten Zukunftsvisionen und Studien hinzugeben, bringen sie das, was geht, direkt auf die Straße. Und das ist schon eine ganze Menge!!

    18 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • RGFG
    • 08. Mai 2013 20:13 Uhr

    Das ist gerade mal eine Firma. Sind im September dann auch *die* Deutschen vorneweg, wenn BMW ein Elektrofahrzeug in wirklicher Großserie mit wirklich innovativer Fertigungstechnologie auf den Markt bringt? Oder ist es nicht in beiden Fällen einfach eine einzelne Firma?

    • matbhm
    • 09. Mai 2013 0:30 Uhr

    ... den Artikel nicht gelesen zu haben. Ein Auto, mit dem ich noch nicht einmal von Hamburg nach Berlin komme? Wofür das? Und der Artikel verschweigt einiges, was jeder persönlich bei privaten akkubetriebenen Geräten einschließlich Handy ausprobieren kann. Das Akku-Verhalten bei kalten Temperaturen. Im Winter wird's eng für alle Elektroantriebe. Und natürlich, es wäre nicht schlimm, wenn ich nicht in einem Rutsch von Berlin nach Hamburg käme, wenn ich denn schnell auf's Tankstellengelände fahren könnte und nach wenigstens 15 Minuten die Fahrt fortsetzen könnte. Nur: Geht leider nicht. Auch mit Schnellladetankstellen dauert's Stunden.

    Und für den Stadtverkehr, wo man am Ende des Tages die Nacht über auftanken kann, braucht's kein Zwei-Tonnen-Fahrzeug, und schon gar nicht für 100.000,- €.

    Die Zukunft liegt in der Brennstoffzelle - und vielleicht sogar doch noch im Wasserstoffantrieb, wenn man nur die Flüchtigkeit des Wasserstoffs in den Griff bekäme.

  2. Man hätte vielleicht auch mal die Frage nach der Ökobilanz eines solchen 2-Tonners stellen können. Diese Frage ist doch weitaus interessanter als Beschleunigung und Reichweite. Könnte es vielleicht sein, dass ein moderner Verbrennungsmotor dann gar nicht mehr so schlecht dastehen würde?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in der Klasse.

    <em>Man hätte vielleicht auch mal die Frage nach der Ökobilanz eines solchen 2-Tonners stellen können. Diese Frage ist doch weitaus interessanter als Beschleunigung und Reichweite.</em>
    Die Frage interessiert Otto NormalSUVkäufer offensichtlich überhaupt nicht.

    <em>Könnte es vielleicht sein, dass ein moderner Verbrennungsmotor dann gar nicht mehr so schlecht dastehen würde?</em>
    25kWh sind ziemlich genau der Energieinhalt von 2,5l Benzin.
    Könnte es vielleicht sein, dass selbst deutsche Premiumhersteller kein Auto mit Größe und Leistung des Tesla S anbieten, das selbst bei sportlicher Fahrweise nur 2,5l/100km verbraucht?

    Etwas weniger performance-orientiert läßt sich der Tesla S auch mit 15-18kWh/100km fahren, aber das ist den Testern sicher schwergefallen ;-)

    Sie dürfen gerne die Quelle-Rad-Gesamtökobilanz von Verbrennern und E-Autos vergleichen, sollten dabei aber nicht vergessen dass der Sprit nicht aus der Zapfsäule kommt.

    Ein Verbrenner müßte unter 4l/100km verbrauchen, um in der Gesamtbilanz inkl. Akkuherstellung besser zu sein als ein E-Auto:
    http://www.empa.ch/plugin/template/empa/*/99073/---/l=1
    Die Studie basiert allerdings auf dem EU-Strommix von (vermutlich) 2008, inzwischen ist gerade in Deutschland der EE-Anteil deutlich gewachsen.

    Premium-Limousinen mit einem Benzinverbrauch von 4l/100km (real, nicht geschönte EU-Norm) habe ich aber auch 2013 bei keinem deutschen Premiumhersteller gesehen...

  3. in der Klasse.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ökobilanz?"
  4. Der Tesla ist ein Luxus, zeigt aber schon mal die Möglichkeiten, die wir leider überhaupt nicht auslosten. Zahlen:
    Jeder Verbraucher legt durchschnittlich pro Tag drei Wege zurück und ist 79 Minuten pro Tag unterwegs. Fast 20 Prozent aller zurückgelegten Wege erledigen wir für den Einkauf.
    Mütter in Haushalten mit Kindern unter sechs Jahren wenden 29 Prozent ihrer Wege zur Begleitung des Nachwuchses auf.
    Berufstätige Eltern zwischen 30 und 59 Jahren mit im Haushalt lebenden Kindern nutzen am meisten von allen Bevölkerungsgruppen das Auto.
    Bei fast zwei Dritteln aller Autofahrten sitzt nur der Fahrer im Fahrzeug. [Quelle: http://www.verbraucherfuersklima.de/cps/rde/xchg/projektklima/hs.xsl/zah... und UBA]. Es ist also Potenzial da. Wir müssen es nutzen. Wenn die Akkus mit Sonnen-/Windenergie aufgeladen werden, kämen wir der Zukunft schon recht nah.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • W4YN3
    • 08. Mai 2013 9:27 Uhr

    Hier liegt noch ein Potential, das man nicht oft genug benennen kann: die meiste Energie spart man, wenn man keine verbraucht. Immer die Frage im Hinterkopf behalten: muss ich überhaupt die Strecke fahren? Geht's vielleicht mit Fahrrad?

    2/3 aller Autofahrten mit nur einem Fahrer? Das ist crass.

    Zum Tesla: ein sehr gutes Auto, aber nicht perfekt. Das muss es aber auch nicht sein, es ist bereits konkurrenzfähig (sieht man an der hohen Nachfrage) und kann weiterentwickelt werden. Man muss nicht immer ewig entwickeln, bis man die eierlegende Wollmilchsau hat, hier wird auf den Markt gebracht, was heute geht und wirtschaftlich hergestellt werden kann.

    • W4YN3
    • 08. Mai 2013 9:27 Uhr
    5. Sparen

    Hier liegt noch ein Potential, das man nicht oft genug benennen kann: die meiste Energie spart man, wenn man keine verbraucht. Immer die Frage im Hinterkopf behalten: muss ich überhaupt die Strecke fahren? Geht's vielleicht mit Fahrrad?

    2/3 aller Autofahrten mit nur einem Fahrer? Das ist crass.

    Zum Tesla: ein sehr gutes Auto, aber nicht perfekt. Das muss es aber auch nicht sein, es ist bereits konkurrenzfähig (sieht man an der hohen Nachfrage) und kann weiterentwickelt werden. Man muss nicht immer ewig entwickeln, bis man die eierlegende Wollmilchsau hat, hier wird auf den Markt gebracht, was heute geht und wirtschaftlich hergestellt werden kann.

    9 Leserempfehlungen
  5. <em>Man hätte vielleicht auch mal die Frage nach der Ökobilanz eines solchen 2-Tonners stellen können. Diese Frage ist doch weitaus interessanter als Beschleunigung und Reichweite.</em>
    Die Frage interessiert Otto NormalSUVkäufer offensichtlich überhaupt nicht.

    <em>Könnte es vielleicht sein, dass ein moderner Verbrennungsmotor dann gar nicht mehr so schlecht dastehen würde?</em>
    25kWh sind ziemlich genau der Energieinhalt von 2,5l Benzin.
    Könnte es vielleicht sein, dass selbst deutsche Premiumhersteller kein Auto mit Größe und Leistung des Tesla S anbieten, das selbst bei sportlicher Fahrweise nur 2,5l/100km verbraucht?

    Etwas weniger performance-orientiert läßt sich der Tesla S auch mit 15-18kWh/100km fahren, aber das ist den Testern sicher schwergefallen ;-)

    Sie dürfen gerne die Quelle-Rad-Gesamtökobilanz von Verbrennern und E-Autos vergleichen, sollten dabei aber nicht vergessen dass der Sprit nicht aus der Zapfsäule kommt.

    Ein Verbrenner müßte unter 4l/100km verbrauchen, um in der Gesamtbilanz inkl. Akkuherstellung besser zu sein als ein E-Auto:
    http://www.empa.ch/plugin/template/empa/*/99073/---/l=1
    Die Studie basiert allerdings auf dem EU-Strommix von (vermutlich) 2008, inzwischen ist gerade in Deutschland der EE-Anteil deutlich gewachsen.

    Premium-Limousinen mit einem Benzinverbrauch von 4l/100km (real, nicht geschönte EU-Norm) habe ich aber auch 2013 bei keinem deutschen Premiumhersteller gesehen...

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ökobilanz?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tja, das ist eben ein Trugschluss. Ja, 2,5 Liter Benzin entsprechen in ihrem Energieinhalt etwa 25 kWh. Aber diese 25 kWh kann man nicht komplett in mechanische Arbeit umwandeln. Der entsprechende Wirkungsgrad liegt nämlich weit niedriger. Und es wird auch nie möglich sein, die 2,5 Liter Benzin komplett in mechanische Energie umzuwandeln, ohne das Verlustwärme entsteht. Da setzt die Physik, in dem Fall die Thermodynamik als Teilgebiet ebendieser, Grenzen.

    Der Teil, der vom Benzin wirklich für mechanische Arbeit genutzt werden kann, ist der exergetische Anteil. Im Gegensatz dazu hat die Umwandlung elektrischer Energie in mechanische Energie einen Wirkungsgrad nahe 100%. Strom ist also nahezu komplett Exergie (Verluste durch den Widerstand von Leitungen respektive geringe Reibungsverluste im Motor). Jedoch muss die elektrische Energie selbst vorher erzeugt werden. So dass der Primärenergieeinsatz über den 25 kWh liegt. Aber große Kraftwerke haben wiederum einen bedeutend höheren Wirkungsgrad als die im Verhältnis dazu kleinen Verbrennungsmaschinen im Auto. In Summe ist also der Primärenergieeinsatz für Elektromobile geringer als für herkömmliche Automobile.

    • Hazzl
    • 08. Mai 2013 9:32 Uhr

    Ich gebe zu, englische Begriffe haben im Deutschen kein fest definiertes Genus. Es ist also nicht unbedingt falsch "Das Model S" oder "der Hightech" zu schreiben. Üblicher wären allerdings "Der Tesla Model S" und "die Hightech".

  6. Tesla ist ein Start-up Unternehmen. Das ist ihr erstes richtiges Automodell und ihre erste Serienproduktion. Und schon mit dem Model S haben sie eine ganze Industrie vorgeführt. Vor Tesla kann man nur den Hut ziehen. Dieses Automodell wird die Welt nicht retten. Aber ab heute gibt es keine Ausreden mehr. Auf 360° gesehen ist das vielleicht wirklich die angekündigte Revolution: Leistungsstark, schön, effizient, umwelschonend, sehr geräumig, wartungsarm und mit hoher Garantieleistung, Und nicht zuletzt das hochmoderne Touch-Informatiksystem. Der Tesla S ist ein Luxusprodukt. Aber sehr wahrscheinlich auch das beste Auto der Welt.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tobmat
    • 08. Mai 2013 16:42 Uhr

    "Aber ab heute gibt es keine Ausreden mehr. "

    Schauen sie sich einfach mal den Preis des Autos und die Bilanz von Tesla an. Gesund sieht anders aus.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Elektroantrieb | Elektroauto | Tesla Motors
Service