VerkehrssicherheitDie Gefahr vor der Haustür

Zwei von drei Verkehrsunfällen mit Verletzten passieren innerorts. Aufmerksameres Fahren hilft, die Zahl zu senken – aber auch Technik, an der die Autohersteller tüfteln. von Heiko Haupt

Wer die Gefahr sucht, muss nur vor die Haustür gehen. Der Verkehr innerhalb der Ortsgrenzen bietet das höchste Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden. Fast zwei Drittel aller Unfälle mit Personenschäden geschehen laut der Statistik in der Stadt. Einer der Gründe für die hohe Zahl ist so nahe liegend, dass er gern vergessen wird: "In der Stadt treffen alle aufeinander", sagt Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

Der Radfahrer wechselt zwischen Straße und Radweg, der Fußgänger kreuzt gern auch mal abseits des Zebrastreifens die Fahrbahn und dazu bewegen sich natürlich zahllose Autos und Motorräder zu ihrem Ziel. Passionierte Fußgänger kennen es gar nicht anders – aber gerade Autofahrer müssen sich, wenn sie von draußen in eine Stadt einfahren, umstellen.

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Anders als außerorts, wo ein Autofahrer selten Radfahrern und Fußgängern begegnet, muss er sich in der Stadt auf immer wieder neue Situationen einstellen. Mal befährt er eine Vorfahrtstraße, mal gilt rechts vor links und immer häufiger verlangen auch Kreisverkehre die Aufmerksamkeit. Darum findet Brockmann den hohen Anteil des Stadtverkehrs an Unfällen mit Personenschäden gar nicht mal überraschend hoch – es sei eher überraschend, dass der Anteil nicht noch höher liege, sagt er.

Denn zum genannten Grundproblem kommt eine weitere Besonderheit des Stadtverkehrs. Die Konzentration auf das eigentliche Verkehrsgeschehen wird noch durch unzählige weitere Dinge erschwert, welche Aufmerksamkeit auf sich ziehen: eine blinkende Werbetafel, Schaufenster und natürlich auch Menschen am Straßenrand, die das Interesse wecken. Das menschliche Gehirn ist im Stadtverkehr besonders beansprucht und einer regelrechten Reizüberflutung ausgesetzt. Anders als auf der Autobahn, wo auch niemand den Weg kreuzt.

Im Kreisverkehr den Radweg meiden

Zudem sind in der Stadt die Voraussetzungen für die Verkehrsteilnehmer denkbar unterschiedlich. Viele Städte sind auf eine möglichst staufreie Bewältigung des Autoverkehrs ausgerichtet, dem sich andere unterordnen müssen. Wenn es den Planern nicht passt, dann findet der Fußgänger eben keinen per Ampel geregelten Weg über eine mehrspurige Hauptverkehrsstraße. Er hat dann die Wahl, zu einem entfernten Überweg zu marschieren oder auf eine Lücke im Verkehr zu warten und dann loszurennen – nicht selten mit fatalen Folgen.

Auch Radfahrer spielen in der Hierarchie des Stadtverkehrs bestenfalls die zweite Geige. Das lässt sich daran erkennen, dass innerorts immer häufiger Kreisverkehre installiert werden. Die gelten zwar als geeignetes Mittel zur Staureduzierung und helfen dabei, Kreuzungsunfälle zu verhindern. Dem Radfahrer dagegen bringen sie rein gar nichts – im Gegenteil. Die UDV hat herausgefunden, dass Radler zwar gern auf den Radwegen unterwegs sind, die außen um den Kreisverkehr führen, häufig allerdings entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung. Das wird zum Problem, wenn sie über die Zebrastreifen der Zufahrtsstraßen rollen, während dort Autofahrer gerade die aus der anderen Richtung im Kreis näher kommenden Wagen beobachten und bei einer Lücke im Verkehr plötzlich losfahren.

Was die Forscher den Radfahrern daher raten, mag zunächst seltsam klingen: Sicherer ist die Sache, wenn sie an Kreisverkehren auf die Nutzung des Radwegs verzichten und im Kreisel auf der Fahrbahn der Autos radeln. "Grundsätzlich ist es tatsächlich sicherer, auf der Fahrbahn zu fahren", stimmt Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zu. "Die Radfahrer werden dort einfach besser wahrgenommen."

Leserkommentare
    • Demo4
    • 13. Mai 2013 7:14 Uhr

    Wahnsinn wie an manchen Stellen 50 cm von Bordstein/ Kinderwagen und Kleinkindern 30 Tonnen-LKWs mit 50+ kmh vorbeirasen,

    Städte müssten viel besser in Haupt- und Nebenstraßen unterteilt werden,
    - Hauptdurchfahrtsstraßen mit Zäunen, die nicht nur Fussgänger abhalten sondern auch Autos aufhalten,
    - mittleren Straßen mit 30 km/h, immer noch versuchte erhöhte Sicherheit, für LKWs eher gesperrt, höchstens Sondergenehmigung direkte Fahrt zum anliegenden Betrieb,
    - und hauptsächtlich Nebenstraßen mit Schrittgeschwindigkeit, nur wenige hundert Meter von Haus zu einer mittleren Straße

    das geht natürlich fast nur in idealer Planung, in welcher auch jede Überlandstraße primär zwischen Orten führt statt mitten durch die Orte,
    aber schon merkwürdig, wie wenig doch umgesetzt wird,
    etwa LKW-Verbot bis auf Ausnahmegenehmigungen, paar Zäune am Straßenrand

    -------

    da ich schon bei wünsch-dir-was bin, noch ein anderer langjähriger Gedanke:
    möglichst alle Überlandstraßen zu Einbahnstraßen ändern, das würde manchen Gegenverkehr-Unfall vermeiden

    es gibt zahllose ungünstige Umwege-Beispiele, aber in ebenso zahllosen Fällen kann man auch von A nach B über C kommen..,
    Benzin-/ Zeit-Verbrauch vs. Unfälle

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    ...wäre die Kenntnis der StVO. Bspw. §9, Abs. 3 (Rechtsabbiegen)
    Hatte grad' wieder fast 'ne Stoßstange am Knie, weil ich geradeaus eine Straße überquerte, als aus der parallel zu meiner Laufrichtung in diese einmündenden Straße jemand in diese abbiegen wollte. Natürlich ohne groß zu bremsen und vor allem mit der vollen Überzeugung, Fußgänger hätten gefälligst devot 360° zu scannen und dann jedem Blech Vorrang einzuräumen...NIemand, den ich darauf ansprach, war davon zu überzeugen, im Unrecht zu sein, leider kennen auch die meissten Fußgänger die Regelung an Kreuzungen nicht und bleiben verstört stehen...
    Davon ab ist natürlich innerstädtisch in erster Linie der Nahverkehr zu verwenden (oder das Fahrrad, Stichwort Gesundheit), das schränkt die Unfallzahlen wohl am meissten ein. Keine Ahnung, warum man lieber 'ne halbe Stunde im Auto zur Arbeit fährt, an jeder Ampel wartend, Parkplatz suchend usw. usf., statt mit Bus und Bahn halbwegs entspannt und vllt. noch zeitungslesend zu pendeln. Ja, ich weiß, nicht immer optimal, aber das ist Autofahren auch nicht!

  1. ...wäre die Kenntnis der StVO. Bspw. §9, Abs. 3 (Rechtsabbiegen)
    Hatte grad' wieder fast 'ne Stoßstange am Knie, weil ich geradeaus eine Straße überquerte, als aus der parallel zu meiner Laufrichtung in diese einmündenden Straße jemand in diese abbiegen wollte. Natürlich ohne groß zu bremsen und vor allem mit der vollen Überzeugung, Fußgänger hätten gefälligst devot 360° zu scannen und dann jedem Blech Vorrang einzuräumen...NIemand, den ich darauf ansprach, war davon zu überzeugen, im Unrecht zu sein, leider kennen auch die meissten Fußgänger die Regelung an Kreuzungen nicht und bleiben verstört stehen...
    Davon ab ist natürlich innerstädtisch in erster Linie der Nahverkehr zu verwenden (oder das Fahrrad, Stichwort Gesundheit), das schränkt die Unfallzahlen wohl am meissten ein. Keine Ahnung, warum man lieber 'ne halbe Stunde im Auto zur Arbeit fährt, an jeder Ampel wartend, Parkplatz suchend usw. usf., statt mit Bus und Bahn halbwegs entspannt und vllt. noch zeitungslesend zu pendeln. Ja, ich weiß, nicht immer optimal, aber das ist Autofahren auch nicht!

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Hauptstraßen"
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    Hallo,
    ich bin überzeugter Fußgänger und auch supergern per Rad unterwegs.
    Jedoch muss ich für meine Firma mit einem VW CADDY Maxi
    http://de.academic.ru/pic...
    unterwegs.
    Wenn ich rechts abbigene möchte, an belebten Ampeln, kann ich oftmals weder Radfahrer noch Fußgänger sehen, die von rechts hinten nach rechts vorne laufen.
    Ich wäre daher Ihrer Asicht wohl auch solch ein Rüpel, wenn ich mich langsam nach vorne tasten muss und Ihnen dabei die Vorfahrt/ Vorweg nehme?
    Falls ja, wie würden Sie sich verhatlten.
    Danke für Tips.

    • FZ
    • 16. Mai 2013 18:30 Uhr

    @2 Seldon-X: volle Zustimmung - StVO-Kenntnis schützt vor Aua.

    Hatte vorhin schon wieder beinahe ein Teenie-Mädel auf der Haube, weil die (nb verbotswidrig & deutlich beschildert!) in verkehrter Richtung auf dem Radweg unterwegs war und ich beim Rechtsabbiegen von der untergeordneten Straße schlicht in die einzige Richtung geschaut hatte, aus der Querverkehr zu erwarten war, nach links.

    Das Beispiel mit den Radfahrern im Artikel (Kreisverkehr) hat mir in dem Zusammenhang die Gänsehaut den Rücken hoch gejagt - werden die doch tatsächlich übersehen, wenn sie gegen die Fahrtrichtung unterwegs sind! Jede Wette - wenn ich 'nen Unfall hätte, weil ich, in falscher Richtung aus einer Einbahnstraße kommend, auf meine Vorfahrt im Sinn von Rechts vor Links poche (die ich ja da nicht habe), bin ich vermutlich voll schuld und bekomme kein Mitleid.

    Die StVO gilt durchaus für alle, nicht nur für die jeweils Anderen. Manche - egal ob mit Auto, Fahrrad oder zu Fuß - haben's leider noch nicht mitgekriegt.

    • porph
    • 13. Mai 2013 8:19 Uhr

    Die mit Abstand günstigste, sicherste, intuitivste und am einfachsten umzusetzende Massnahme ist wird schon seit Ewigkeiten diskutiert, aber immer wieder totgeschrieen: Tempo 30.

    Tempo 30 auf der Mehrzahl der innerstädtischen Strassen würde dazu führen, dass die Reizüberflutung der Autofahrer abnimmt, dass eine geringere Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den Verkehrsteilnehmern besteht, dass die Bremswege deutlich kürzer werden, dass die Umwelt durch weniger Abgasemissionen geschützt wird, dass die Anwohner durch deutlich weniger Lärmemissionen geschützt werden, dass die Schäden, wenn doch mal ein Unfall passiert, deutlich geringer wären, dass Raum dadurch gewonnen wird, dass die nötigen Sicherheitsabstände geringer werden können, dass vielleicht sogar manche Radwege abgeschafft werden können, weil die Gefährdung auf der Strasse nochmal deutlich geringer wird (auch dadurch Raumgewinn), und dass die Reisezeiten der Autofahrer nicht signifikant zunehmen, weil der Verkehr fliessender wird.

    Ähm, was spricht eigentlich für Tempo 50?

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    Trotzdem hat der ADAC mal wieder ein hanebüchendes Argument parat:

    "So sei Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit auch aus Umweltgründen abzulehnen. Das damit meist verbundene „Rechts vor Links“ abseits der Hauptverkehrsstraßen würde ein ständiges Abbremsen und Anfahren an Kreuzungen und Einmündungen bewirken und damit die Lärm- und Schadstoffemissionen unnötig in die Höhe treiben."

    stimmt lt. Untersuchungen wohl nicht, d.h. dass durch das Fahren in niedrigeren Gängen sogar geringfügig mehr Emissionen eines bestimmten Typs (womöglich Stickoxide, ich erinnere mich nicht mehr genau) ausgestoßen werden.

    Die selbe Untersuchung ergab aber weniger, und weniger folgenreiche Unfälle mit Personenschaden. Das sollte ein wichtiges Kriterium sein. Die Emissionsgeschichte ließe sich sicherlich mit deutscher Ingenieurskunst bessern - wenn man nur wollte.

    Ganz einfach, die Diskussion hatten wir eigentlich schoin einige male,
    ES IST ZUUU LANGSAM !

    Wenn wir alle eines Tages in niedlichen kleinen Plastikautos durch die Gegend fahren mag das vielleicht Sinn machen.
    Aber die Mehrzahl der Autos und z.B. auch mein Motor-Roller sind nicht dafür gebaut - Punkt

    Tempo 40 wäre, auch vor allem vom Schalten her, ein guter Kompromis !

  2. Leider scheint in Deutschland keiner zu wissen, wie man Radwege baut. Ich bin noch nicht in Freiburg oder Münster geradelt, aber in allen anderen Städten werden die Radwege von absoluten Laien gebaut.

    Tempo 30 auf allen Nebenstraßen, korrekt gebaute Radwege und vielleicht etwas öfter Kontrollen (Handy, Radfahrer auf dem Bürgersteig, Fußgänger die ohne kucken über die Straße rennen) und dann noch etwas mehr Toleranz und Gelassenheit bei ALLEN Verkehrsteilnehmern, und es könnte besser werden.

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    Freiburg ist sicherlich eine Fahrradstadt und hat größtenteils ein funktionierendes System, obwohl natürlich auch hier immer noch Verbesserungsbedarf besteht. Konkrete Maßnahmen, die in den letzten Jahren getroffen wurden:
    - so gut wie jede Vorfahrtsstraße hat ihren Fahrradstreifen, oder, was deutlich seltener ist, einen abgetrennten Fahrradweg.
    - Diverse Nebenstraßen mit parallel verlaufenden Alternativen wurden zu Fahrradstraßen umdeklariert. Dort dürfen Anwohner zwar auch mit dem PKW fahren, allerdings können Fahrradfahrer auf der ganzen Straße fahren...und zwar ihr Tempo.
    - Alle Einbahnstraßen sind für Radfahrer in beide Richtungen befahrbar.
    - Fahrradstreifen haben oft aufgepinselte Warnungen, nicht in falscher Richtung auf ihnen zu fahren.
    - Dynamopflicht, die ja sowieso schon überholt und kurz vor der Abschaffung ist, wird in Freiburg soweit ich weiß nicht kontrolliert, solange man eine ausreichend starke batteriebetriebene Beleuchtung dabei hat.

    Die vielen Radfahrer, v.a. die jungen, haben mit ihrer teilweise sehr sportlichen und z.T. auch rücksichtslosen Fahrweise dafür gesorgt, dass Autofahrer oft zurückstecken und allen möglichen Konfrontationen mit Radlern aus dem Weg gehen, wohl wissend, dass sie selbst im günstigsten Fall bei einem Unfall immer auch eine Teilschuld bekämen.

  3. "Ein Beispiel ist das System City Safety von Volvo, das bis zu einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde aktiv ist."

    Da es echten Seltenheitswert hat, dass sich ein Autofahrer an vorgeschriebenes Tempo 30 hält, dürfte dieses Feature absolut überflüssig sein.

    Wenn die Verkehrsteilnehmer sich ihrer potentiellen Gefährlichkeit, aber auch Gefährdung deutlich bewusster wären und ihr Verhalten entsprechend ausrichteten, wäre allen gedient. Aber solange beispielsweise Parkverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen von Autofahrern als bestenfalls zu diskutierende Fakultativa angesehen werden und entsprechende Bestrafungen (Knöllchen, Blitzen) als Gängelung oder Schikane angesehen werden, bleibt wohl nur das Prinzip Hoffnung.

    Kreisverkehre und Radfahrer: Am besten den Radfahrer im Kreis überholen und anschließend beim Verlassen des Kreises schneiden. Klappt immer.

    Gelassenheit. Liebe Autofahrer! Wenn wieder einmal in einer Tempo-30-Zone ein Radfahrer mit 25 km/h vor Ihnen herfährt und Sie mangels Platz nicht überholen können, dann entspannen Sie sich bitte und finden sich damit ab, dass Sie nun fünf Minuten lang "nur" 25 km/h fahren können. Es schadet Ihnen wirklich überhaupt nicht. Und der Radfahrer macht das nicht extra, um Sie zu ärgern. Er kann nur einfach nicht schneller, weil er mit eigener Kraft gegen eine Windstärke 4 anfährt.

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  4. Das kann aber auch unangenehm werden - wenn der Autofahrer nicht hinter dem Radler herfahren will, sondern im Kreisel überholt und dann noch schnell die Ausfahrt erwischen muss...

    Selbst schon erlebt, sprunghafter Anstieg der Herzfrequenz inclusive!

    Warum ständig Extraregeln und Sonderausnahmen für die Radler?
    Ganz einfach den Radweg benutzen, und zwar in der gleichen Richtung wie die Autofahrer, und schon wird's ganz einfach!

    Wer 100 Meter "Umweg" um der Kreisel herum meint sparen zu müssen, soll sich halt umfahren lassen - dann aber bitte ohne Mitschuld des Autofahrers!

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    "Warum ständig Extraregeln und Sonderausnahmen für die Radler?"

    Es werden keine Extraregeln verlangt.

    Ich als Radfahrer wäre ja schon zufrieden, wenn sich die anderen Verkehrsteilnehmer, insbesondere Auots, an die Verkehrsregeln und insbesondere an den §1 der STVO halten würden. Stichwort gegenseitige Rücksichtnahme. M.E. sind gerade diejenigen, die in anderthalb Tonnen beschleunigter Masse unterwegs sind, zu besonderer Rücksichtnahme verpflichtet, da ihr Gefährt im Zweifelsfall tödlich sein kann, während sie selbst (im Stadtverkehr) vergleichsweise sicher sind. Die Realität ist freilich eine ganz andere: Tempolimits werden nicht als verbindlich, sondern nach subjektiver Einschätzung als nach oben offen angesehen, der Mindestabstand beim Überholen wird nicht eingehalten (1 m), parken wo man will, gerne Radweg, Vorfahrt wird nur Autos gewährt, der Radfahrer hat gefälligst anzuhalten - simpel das Recht des Stärkeren.

    Und ja, ich halte mich an die Regeln, fahre nicht bei Rot, fahre nicht auf der falschen Seite, fahre nicht mit Musik im Ohr, "blinke", wenn die Situation es erfordert, und sehe mich vor irgendwelchen Manövern auch um. Mehr muss von den Autofahrern auch nicht verlangt werden - dass sie sich an die Regeln halten, Rücksicht üben und sich der potentiellen Gefährlichkeit ihrer Fahrzeuge bewusst sind.

    "wenn der Autofahrer nicht hinter dem Radler herfahren will, sondern im Kreisel überholt und dann noch schnell die Ausfahrt erwischen muss..."
    ist das kein Grund, die StVO zu mißachten...überholen und dann vor dem Radfahrer noch schnell rechts abbiegen geht halt nicht. Da muß der Autofahrer seine Ungeduld u.U. etwas drosseln, auf den paar Metern Kreisverkehr doch nun wahrlich keine Zumutung!

    "Warum ständig Extraregeln und Sonderausnahmen [im Kreisverkehr] für die Radler?"

    Ich stimme Ihnen vollkommen zu, komme dennoch zu einem diametral anderen Ergebnis.

    Ideal (schnell & sicher) ist es als Radfahrer _im_ Kreisel zusammen mit den Autos durchzufahren (anstatt auf dem Radweg außenrum).

    Warum?

    1. Vorfahr haben anstatt Vorfahrt geben ist sicherer. Wer im Kreisel drin ist hat Vorfahrt. Wer auf diesen "Radwegen um den Kreisel herum fährt muss Vorfahrt geben, also im Extremfall (270° rum + jeweils zweispurige Straße mit Mittelinsel) muss man als Radler 4x Vorfahrt achten (4x Konflikt) anstatt nur 1x Mal.

    2. Man ist da wo der Autofahrer hinschaut, nämlich auf der Fahrbahn.

    3. Will man schauen ob jemand kommt muss man, falls man außen herum fahren muss, sich um 270° umschauen. Das geht nicht, mein Kopf dreht sich nicht so weit. Sorry. Fährt man auf der Fahrbahn muss man den Kopf nur um maximal 90° drehen. Das ist kein Problem.

    Zur Überschrift: Vielleicht geschehen die meisten Unfälle in der Stadt weil die meisten Leute meistens in der Stadt sind? Klar, am Wochenende fahre ich "mal" ins Grüne, aber den Rest der Woche fahre ich da wo alle anderen auch fahren, nämlich in der Stadt. Also passieren da auch die meisten Unfälle, ist doch logisch, oder? Sensory Overload hin oder her.

    • 15thMD
    • 13. Mai 2013 14:33 Uhr

    "Warum ständig Extraregeln und Sonderausnahmen für die Radler?
    Ganz einfach den Radweg benutzen, und zwar in der gleichen Richtung wie die Autofahrer, und schon wird's ganz einfach!"

    Ganz einfach wird das! Und es sterben dabei auch nur ganz wenige Leute!

    Mal im Ernst, wenn Sie Radfahrer wären, würden Sie wissen, wie gefährlich solche Situationen werden können, wenn Radfahrer und Autofahrer sich nicht im Blick haben. Und wenn man auf der Straße fährt, wird man wenigstens nicht übersehen.

  5. Trotzdem hat der ADAC mal wieder ein hanebüchendes Argument parat:

    "So sei Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit auch aus Umweltgründen abzulehnen. Das damit meist verbundene „Rechts vor Links“ abseits der Hauptverkehrsstraßen würde ein ständiges Abbremsen und Anfahren an Kreuzungen und Einmündungen bewirken und damit die Lärm- und Schadstoffemissionen unnötig in die Höhe treiben."

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Tempo 30"
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    "So sei Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit auch aus Umweltgründen abzulehnen. Das damit meist verbundene „Rechts vor Links“ abseits der Hauptverkehrsstraßen würde ein ständiges Abbremsen und Anfahren[...] bewirken"

    Mmmh, interessant in diesem Zusammenhang ist aber dass sich Verkehrsteilnehmer oft weniger an die formalen Regeln sondern komischerweise an den gesunden Menschenverstand halten: So gibt es hier einige Straßen in denen formal rechts vor links gilt (Verkehrsberuhigung) aber trotzdem alle Verkehrsteilnehmer der Meinung sind dass die Durchgangsstraße nun mal die Durchgangsstraße ist und deshalb Vorfahrt hat, auch wenn die Schilder formal etwas anderes sagen. Klappt wunderbar. Ist ja auch kein Wunder sind schließlich einige der formal vorfahrtsberechtigten Straßen keine 15 Meter lange Sackgassen.

  6. "Warum ständig Extraregeln und Sonderausnahmen für die Radler?"

    Es werden keine Extraregeln verlangt.

    Ich als Radfahrer wäre ja schon zufrieden, wenn sich die anderen Verkehrsteilnehmer, insbesondere Auots, an die Verkehrsregeln und insbesondere an den §1 der STVO halten würden. Stichwort gegenseitige Rücksichtnahme. M.E. sind gerade diejenigen, die in anderthalb Tonnen beschleunigter Masse unterwegs sind, zu besonderer Rücksichtnahme verpflichtet, da ihr Gefährt im Zweifelsfall tödlich sein kann, während sie selbst (im Stadtverkehr) vergleichsweise sicher sind. Die Realität ist freilich eine ganz andere: Tempolimits werden nicht als verbindlich, sondern nach subjektiver Einschätzung als nach oben offen angesehen, der Mindestabstand beim Überholen wird nicht eingehalten (1 m), parken wo man will, gerne Radweg, Vorfahrt wird nur Autos gewährt, der Radfahrer hat gefälligst anzuhalten - simpel das Recht des Stärkeren.

    Und ja, ich halte mich an die Regeln, fahre nicht bei Rot, fahre nicht auf der falschen Seite, fahre nicht mit Musik im Ohr, "blinke", wenn die Situation es erfordert, und sehe mich vor irgendwelchen Manövern auch um. Mehr muss von den Autofahrern auch nicht verlangt werden - dass sie sich an die Regeln halten, Rücksicht üben und sich der potentiellen Gefährlichkeit ihrer Fahrzeuge bewusst sind.

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