Ob Handtasche, Fußballtrikot oder Uhr: Das Geschäft mit den billigen Plagiaten floriert. "Bring mir was Schönes mit – kann ruhig eine Fälschung sein" ist ein Satz, den mancher Fernreisender bei der Verabschiedung in den Urlaub mit auf den Weg bekommt. Der Schaden für die Originalhersteller ist immens, doch zumindest handelt es sich vielen der Produktfälschungen um Gegenstände, von denen keine direkte Gefahr für den Menschen ausgeht. Bei gefälschten Kfz-Teilen sieht das schon anders aus: Nachgemachte Felgen, Lenkkomponenten oder gar Bremsanlagen können zu einem schlimmen Unfall führen.

Warum das so ist, ist schnell erklärt. Die gefälschten Autoteile werden meist in Osteuropa und Asien billig produziert. Sicherheits- und Produktionsstandards spielen dabei keine Rolle, das Plagiat soll schließlich signifikant weniger in der Herstellung und anschließend auf dem Markt kosten. Die so gefertigten Teile können den Belastungen auf kurze Sicht zwar standhalten, fallen auf Dauer aber aus oder gehen kaputt, mit schwerwiegenden Folgen.

"Gerade im Internet werden Bauteile angeboten, die im Neuzustand gerade eben die gesetzlichen Ansprüche erfüllen, aber nach schon geringer Laufzeit überhaupt keinen Anspruch mehr auf Qualität erheben", sagt Prüfingenieur Ludger Monz. Besonders die Verwendung von Billigbremsen birgt große Gefahren. Bei hoher Beanspruchung können sich die Bauteile zu stark erhitzen, auflösen oder sogar anfangen zu brennen. Selbst einfachste Sicherheitsvorschriften werden hier oft nicht eingehalten.

Dem, der ganz sicher gehen möchte, bleibt nur der Griff zur teureren Erstausrüsterqualität. Allerdings sind die Plagiate bisweilen kaum vom Original zu unterscheiden. Häufig sind gute Kopien nur noch mit Insiderkenntnissen als solche zu enttarnen. Selbst gefälschte Prüflogos sind keine Seltenheit mehr.

TÜV kann die Plakette verweigern

Daher sollte man auf bestimmte Papiere wie Teilegutachten und die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) achten, die bei zugelassenen Teilen Pflicht sind. Ebenso können spezielle Hologramme oder 2D-Codes auf ein Original hinweisen. "Auch ein Vergleich mit dem Originalprodukt kann helfen, zum Beispiel Farbabweichungen oder auffälligen Geruch bei Kunststoffteilen zu erkennen", empfiehlt Sandra Courant vom Verband der Automobilindustrie.

Die Plagiate verursachen allein in Europa einen Schaden von bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr. Aber nicht nur den Originalteilehersteller kommen die Billigkopien teuer zu stehen, auch der Halter kann Ärger bekommen. Mit dem Einbau eines nicht genehmigten Teils erlischt die Allgemeine Betriebserlaubnis des Fahrzeugs, und bei der nächsten Hauptuntersuchung erhält der Pkw keine Plakette mehr.

Fälle, in denen die Versicherung wegen eines nicht originalen Bauteils die Zahlung verweigert, sind hingegen eher die Seltenheit. Zum einen muss ein kausaler Zusammenhang zwischen dem entstandenen Schaden und dem kopierten Bauteil bestehen, und zum anderen würden die Nachforschungen und Gutachten den Versicherer meist mehr kosten als die Schadensregulierung. Das heißt, wenn ein originales Lenkgestänge bricht, sich unter der Haube aber gefälschte Zündkerzen und Ölfilter befinden, ist dies für die Versicherung nicht relevant.

Gleichzeitig verstößt die Verwendung von Plagiaten aber gegen Gesetze zum Markenschutz, und das ist strafbar. Daher muss jeder mit sich selbst ausmachen, ob es den Nervenkitzel – und die Geldersparnis – letztlich wert ist oder nicht. Sicher fährt nur derjenige, der sich beim Hersteller selbst über die benötigten Ersatzteile informiert.