PlagiateKein echtes Bauteil, keine TÜV-Plakette

Gefälschte Kfz-Teile verursachen in Europa einen wirtschaftlichen Schaden von zehn Milliarden Euro im Jahr. Auch der Autobesitzer kann Ärger bekommen. von Marcel Sommer

Ob Handtasche, Fußballtrikot oder Uhr: Das Geschäft mit den billigen Plagiaten floriert. "Bring mir was Schönes mit – kann ruhig eine Fälschung sein" ist ein Satz, den mancher Fernreisender bei der Verabschiedung in den Urlaub mit auf den Weg bekommt. Der Schaden für die Originalhersteller ist immens, doch zumindest handelt es sich vielen der Produktfälschungen um Gegenstände, von denen keine direkte Gefahr für den Menschen ausgeht. Bei gefälschten Kfz-Teilen sieht das schon anders aus: Nachgemachte Felgen, Lenkkomponenten oder gar Bremsanlagen können zu einem schlimmen Unfall führen.

Warum das so ist, ist schnell erklärt. Die gefälschten Autoteile werden meist in Osteuropa und Asien billig produziert. Sicherheits- und Produktionsstandards spielen dabei keine Rolle, das Plagiat soll schließlich signifikant weniger in der Herstellung und anschließend auf dem Markt kosten. Die so gefertigten Teile können den Belastungen auf kurze Sicht zwar standhalten, fallen auf Dauer aber aus oder gehen kaputt, mit schwerwiegenden Folgen.

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"Gerade im Internet werden Bauteile angeboten, die im Neuzustand gerade eben die gesetzlichen Ansprüche erfüllen, aber nach schon geringer Laufzeit überhaupt keinen Anspruch mehr auf Qualität erheben", sagt Prüfingenieur Ludger Monz. Besonders die Verwendung von Billigbremsen birgt große Gefahren. Bei hoher Beanspruchung können sich die Bauteile zu stark erhitzen, auflösen oder sogar anfangen zu brennen. Selbst einfachste Sicherheitsvorschriften werden hier oft nicht eingehalten.

Dem, der ganz sicher gehen möchte, bleibt nur der Griff zur teureren Erstausrüsterqualität. Allerdings sind die Plagiate bisweilen kaum vom Original zu unterscheiden. Häufig sind gute Kopien nur noch mit Insiderkenntnissen als solche zu enttarnen. Selbst gefälschte Prüflogos sind keine Seltenheit mehr.

TÜV kann die Plakette verweigern

Daher sollte man auf bestimmte Papiere wie Teilegutachten und die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) achten, die bei zugelassenen Teilen Pflicht sind. Ebenso können spezielle Hologramme oder 2D-Codes auf ein Original hinweisen. "Auch ein Vergleich mit dem Originalprodukt kann helfen, zum Beispiel Farbabweichungen oder auffälligen Geruch bei Kunststoffteilen zu erkennen", empfiehlt Sandra Courant vom Verband der Automobilindustrie.

Die Plagiate verursachen allein in Europa einen Schaden von bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr. Aber nicht nur den Originalteilehersteller kommen die Billigkopien teuer zu stehen, auch der Halter kann Ärger bekommen. Mit dem Einbau eines nicht genehmigten Teils erlischt die Allgemeine Betriebserlaubnis des Fahrzeugs, und bei der nächsten Hauptuntersuchung erhält der Pkw keine Plakette mehr.

Fälle, in denen die Versicherung wegen eines nicht originalen Bauteils die Zahlung verweigert, sind hingegen eher die Seltenheit. Zum einen muss ein kausaler Zusammenhang zwischen dem entstandenen Schaden und dem kopierten Bauteil bestehen, und zum anderen würden die Nachforschungen und Gutachten den Versicherer meist mehr kosten als die Schadensregulierung. Das heißt, wenn ein originales Lenkgestänge bricht, sich unter der Haube aber gefälschte Zündkerzen und Ölfilter befinden, ist dies für die Versicherung nicht relevant.

Gleichzeitig verstößt die Verwendung von Plagiaten aber gegen Gesetze zum Markenschutz, und das ist strafbar. Daher muss jeder mit sich selbst ausmachen, ob es den Nervenkitzel – und die Geldersparnis – letztlich wert ist oder nicht. Sicher fährt nur derjenige, der sich beim Hersteller selbst über die benötigten Ersatzteile informiert.

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Leserkommentare
  1. Bitte erlauben sie folgende kleine Korrektur zum letzten Satz ihres Artikels:

    Sicher fährt nur derjenige >>AM TEUERSTEN<<, der sich beim Hersteller selbst über die benötigten Ersatzteile informiert.

    Vielen Dank.

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    Ich könnte dem noch hinzufügen:

    Ob das Teil am Ende nicht doch aus der selben Fabrik in Osteuropa oder Asien stammt ist damit allerdings auch noch nicht garantiert!

  2. Ich könnte dem noch hinzufügen:

    Ob das Teil am Ende nicht doch aus der selben Fabrik in Osteuropa oder Asien stammt ist damit allerdings auch noch nicht garantiert!

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  3. Ich kaufe seit jahre keine Markenersatzteile mehr (allerdings auch keine Fälschungen, sondern eben nur No-Name Produkte).

    Ob es Bremsscheiben, Auspuff, Elektronikteile oder sonstwas waren, bislang konnte ich keinen Unterschied, der nicht minimalst war feststellen.

    GERADE bei so Dingen, wie Zündkerzen und Co.

    Kurze Frage: Wieviel hat die Autoindustre für diesen Anstmacherartikel gezahlt - bitte nicht ernst nehmen.

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  4. Natürlich sollte man bei sicherheitsrelevanten Teilen nicht in jedem Fall auf Plagiate vertrauen. Der Artikel malt aber ein übertriebenes Bild von wegschmelzenden Billigschrott, der zudem noch strafbar macht und die TÜV Plakette kostet.

    Es wird in keinem Wort erwähnt, dass die Autokonzerne auch nicht-sicherheitsrelevante Ersatzteile unter dem Deckmantel des schwachsinnigen Markenschutztgesetzes zu horrenden Preisen anbieten.

    Verkleidungsteile fallen z.B. darunter. Das Design kommt vom Autokonzern, spielt aber einzig und alleine beim Autokauf eine Rolle. Bei Verkleidungsersatzteilen sollte es die freie Entscheidung des Käufers sein, ob er sich für das Original oder das Plagiat entscheidet. Dank des Markenschutzgesetzes haben wir heute die Situation, dass ein Auto nur Ersatzteile vom Hersteller bekommen kann, ihm also eine profitable Monopolstellung einbringt. Es ist nicht erstaunlich, dass originale Ersatzteilpreise in den letzten Jahren um 40 % gestiegen sind.

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  5. Anscheinend wird die Lobby der Automobilhersteller aktiv als de Forderung des ADAC, des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen und des Gesamtverbandes Autoteile-Handel nach der Lockerung Designschutzes für sichtbare Teile kam.
    Die Empfehlung des Autors:
    "Daher sollte man auf bestimmte Papiere wie Teilegutachten und die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) achten, die bei zugelassenen Teilen Pflicht sind." ist sinnvoll. Alles andere riecht mir jedoch nach der Lobbyarbeit für Atomobilhersteller, die Ihre Monopolstellung auzubauen versuchen!

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  6. Einerseits wird von Plagiaten gesprochen, wobei es sich im direkte "Kopien" von korrekten Teilen handelt. Daher wird empfohlen, Erstaursrüsterteile zu verwenden. Das ist nicht logisch, da meistens natürlich die teuren, Erstausrüsterteile kopiert werden.

    Des weiteren hat kein relevantes, nicht modifizerendes Teil heute mehr eine ABE oder ein Teilegutachten, sondern eingestanzte E-Prüfnummern (Bremsen, Beleuchtung, Felgen, Auspuff usw.)
    Diese auf Korrektheit zu überprüfen ist nahezu unmöglich.

    Das relativiert auch die Aussage, dass bei der Hauptuntersuchung keine Plakette vergeben werden kann. Ein Prüfer ist auch kein Roboter, der bei einer üblichen Prüfung ein Original von einem Plagiat unterscheiden kann.

    Der Absatz über Versicherungen und Schadensregulierung ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Es ist logisch, dass Versicherungen selten die Zahlung (dem Unfallopfer verweigern, da eine (Haftpflicht)Versicherung selbst bei (Teil)Erlöschung der BE keine Zahlung verweigern darf.
    Sie kann lediglich den Versicherten in Regress nehmen.

    Mal abgesehen davon, dass zwischen Kausalzusammenhang und Betriebserlaubnis/Originial/Kopie bei Ölfiltern und Zündkerzen nicht relevant für die Versicherung ist, da es sich dabei nicht um normvorgeschriebene Teile handelt.
    Sie können sich auch Olivenöl als Motoröl in den Motor kippen, es ist ihr Problem ob die Teile dem KFZ schaden oder nicht, im Gegensatz zu Normvorgeschriebenen sicherheitsrelevanten Teilen wie Bremsen, Felgen, Reifen usw.

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    • wauz
    • 16. Juni 2013 15:13 Uhr
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  7. Ich habe vor Jahren festgestellt, dass die deutschen Opel-Fahrzeuge in GB als Vauxhall verkauft werden - äüßerlich ist nur der Kühlergrill anders, er lässt sich leichtestens durch Lösen von 6 - 8 Schräubchen umbauen. Als ich mir so'n Ding auf dem offiziellen Wege in D-Land beschaffen wollte, gab es in der Folge einen Briefwechsel bis zum Opel-Vorstand, der mir dann ganz offiziell mitteilte, dass man mir in D-Land für einen "Opel" keinen Vauxhall-Grill verkaufen werde, denn ich solle/dürfe das Fahrzeug nicht verfälschen! Ich habe den Grill dann auf anderen Wegen - gut, wenn man Bekannte in GB hat - beschafft und umgebaut. Dann fiel mir auf, dass Opel auf der Fahrerseite einen Tote-Winkel-Spiegel anbietet, für die Beifahrerseite aber "ums Verrecken" nicht - nun haben die Engländer Linksverkehr und da sitzt der Fahrer wo? So habe ich mir auf Verdacht das Spiegelglas für die Fahrerseite eines Vauxhall gekauft - und saugend-schließend mit dem "Original" ausgetauscht!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Fälschung | PKW | Plagiat | Verband der Automobilindustrie | Versicherung
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