KlimaanlagenZehntausende Mercedes mit verbotenem Kältemittel unterwegs

Die EU verlangt von Autoherstellern, ein neues umweltfreundliches Gas in Klimaanlagen zu verwenden. Daimler hält dieses für gefährlich und widersetzt sich der Regel.

In Deutschland sind knapp 47.000 Pkw von Daimler mit dem seit Jahresbeginn in Neuwagen verbotenen Kühlmittel R134a unterwegs. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hervor.

Demnach wurden zwischen Januar und Ende Mai 46.817 Pkw neu zugelassen, obwohl die Klimaanlagen – entgegen einer EU-Richtlinie – mit dem klimaschädlichen Gas R134a befüllt wurden und nicht, wie vorgeschrieben, mit dem klimaschonenderen Gas R1234yf. Wegen Sicherheitsbedenken gegen das neue Kältemittel ignoriert Daimler die EU-Vorgaben seit Jahresbeginn als einziger Hersteller in Deutschland und wurde daher vom Kraftfahrtbundesamt bereits abgemahnt.

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Der Autobauer hatte im vergangenen Jahr bei simulierten Crash-Tests festgestellt, dass sich das neue Kühlmittel bei Leckagen der Klimaanlage im heißen Motorraum entzündet und beim Brand giftige und ätzende Dämpfe freiwerden. Daher wurde das Kühlmittel in den neuen Mercedes-Benz-Modellen der A- und B-Klasse sowie im Sportwagen SL nicht verwendet, obwohl die Verkaufszulassung die Befüllung der Klimaanlage mit dem neuen Kühlmittel zwingend vorsieht.

Opel hält neues Kältemittel für ungefährlich

Für das im kommenden Monat auf den Markt kommende neue Modell der Mercedes-Benz S-Klasse besorgte sich Daimler nachträglich eine geänderte Zulassung beim Kraftfahrtbundesamt, um das bisher übliche Kühlmittel weiter nutzen zu dürfen und keinen Verkaufsstopp zu provozieren.

Beim Kraftfahrtbundesamt war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Behörde will die Brandgefahr des umstrittenen Kältemittels selbst prüfen und Autos mehrerer Pkw-Marken Crashtests unterziehen. Anders als Daimler hält beispielsweise Opel das neue Kältemittel bei Unfällen für ungefährlich für Insassen und Rettungskräfte.   

Die EU-Kommission beobachtet Deutschland in dieser Sache kritisch und droht seit Monaten, gegen Staaten vorzugehen, in denen neue Fahrzeuge entgegen den Vorschriften weiter mit dem klimaschädlichen Kühlmittel zugelassen werden. Bis 2017 gelten Übergangsvorschriften, die die meisten Autobauer ausnutzen und damit das Daimler-Dilemma umgehen.

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Leserkommentare
  1. Komisch, warum viele Bürger gegen das EU Bürokratiemonster sind:
    "Der Autobauer hatte im vergangenen Jahr bei simulierten Crash-Tests festgestellt, dass sich das neue Kühlmittel bei Leckagen der Klimaanlage im heißen Motorraum entzündet und beim Brand giftige und ätzende Dämpfe freiwerden. Daher wurde das Kühlmittel in den neuen Mercedes-Benz-Modellen ... nicht verwendet,"

    4 Leserempfehlungen
    • DDave
    • 25. Juni 2013 20:35 Uhr

    Warum werden von der EU nur Kältemittel präferiert, die schädlich sind,
    entweder schädlich fürs Klima(,wie das alte, welches Daimler in die Klimaanlagen abfüllt,) oder schädlich für die Fahrer, so wie das Aktuelle.
    Statt dass die EU CO2 als Kältemittel vorschreibt(, welches keines der beiden Probleme hätte, ausser dass es eine stärkere Pumpe bräuchte), wird den Chemiecocktail-Panschern à la DuPont und anderen ein Geschenk gemacht.
    Natürlich hält Opel es für ungefährlich, weil ein US-Chemiekonzern mitmischt.

    8 Leserempfehlungen
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    • DDave
    • 25. Juni 2013 20:39 Uhr

    Honeywell ist der andere Chemiekonzern...

    gegenüber CO2 weil ihre Freunde bei DuPont und Honeywell, die lieben Lobbyisten von nebenan, nichts an CO2 als Kältemittel verdienen würden.

    und wenn die Konzerne nichts verdienen halten sie den Politikern auch keinen gut bezahlten Posten warm auf dem man dann ohne Arbeit seine Karriere ausklingen lassen kann.

    Meint hier jemand EvK wäre überhaupt in der Position diesen Lobbyismusskandal auszulösen wenn er nicht vorher dafür gesorgt hat dass die Leute bei Daimler ihn ganz doll lieb haben?

    Weil Lobbyisten mal wieder ganze Arbeit geleistet haben (https://www.lobbycontrol.de/tag/lobbyisten-in-ministerien/).
    Genauso ist es ja auch der guten, alten Glühbirne passiert, die durch die umweltschädliche - weil Sondermüll - "Energiesparbirne" verdrängt wurde.

    Weil es die eierlegende Wollmilchsau, die für sich selbst nichts beansprucht, nicht gibt bzw. nur in den Köpfen grüner Ideologen.
    Kommentar 14 spricht ansatzweise die Probleme an, die sich aus der Verwendung von CO2 als Kältemittel ergeben. Höheres Gewicht der Komponenten und höherer Energieverbrauch beim Betrieb, also Spritverbrauch, von den strengen Vorschriften für Gasdruckbehältern und deren Wartung ganz zu schweigen. Und das in einer Zeit, wo mit der EU über neue Abgasrichtlinien gestritten wird.

    • DDave
    • 25. Juni 2013 20:39 Uhr

    Honeywell ist der andere Chemiekonzern...

    Antwort auf "Eine Frage..."
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    • bms166
    • 26. Juni 2013 13:57 Uhr

    Und Honeywell fährt Opel, zumindest in Deutschland.

  2. Daimler hat zusammen mit anderen Konzernen r1234yf als Kältemittel vorrangetrieben und sich gegen Co2 ausgesprochen. Sich jetzt als das Opfer der europäischen Verwaltung hinzustellen ist einfach nur scheinheilig.

    5 Leserempfehlungen
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    Nach dem Daimler ohne Not aus der CO2 Entwicklung ausgestiegen ist sollen sie jetzt nicht jammern. Und Gesetze sind nun mal für alle da.
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kaeltemittel-streit-bei-daimler...
    Aber war Daimler nicht auch der Konzern, der meinte, in der Formel 1 gelten für sie andere Regeln für Tests als für die Konkurenz? Scheint in dem Konzern ja System zu haben ...

    "Es gehört manchmal mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben."

  3. Wenn bei den ersten Unfällen Fluorwasserstoff und Flusssäure freigesetzt werden dürften wohl noch andere Hersteller zurückrudern.

    3 Leserempfehlungen
  4. Auch wenn Daimler r1234yf vorangetrieben hat ist es lobenswert wenn sie es nicht einsetzen falls es bei einem Unfall gefährlich sein sollte. Und vielleicht hat sich dieses "Brandverhalten" auch erst recht spät bei einer Erprobung gezeigt. Dann sollte sich die EU-Kommision und das KBA der Sache nochmals annehmen und die Sache ergebnisoffen nochmals nachprüfen.
    Zeit bis die Übergangsfristen ablaufen wäre ja noch vorhanden.

    7 Leserempfehlungen
  5. Ich übersetze den Artikel mit
    "bei der A-, B- und SL-Klasse versäumte Mercedes eine
    nachträgliche Änderung der Zulassung zur Nutzung von R134a".
    Dieser bürokratische Frefel ist unverzeibar!
    Ob das neue R1234yf nun brangefährlich ist und dadurch Menschen gefährdet
    ist erst einmal nicht so wichtig......

    3 Leserempfehlungen
  6. Nach dem Daimler ohne Not aus der CO2 Entwicklung ausgestiegen ist sollen sie jetzt nicht jammern. Und Gesetze sind nun mal für alle da.
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kaeltemittel-streit-bei-daimler...
    Aber war Daimler nicht auch der Konzern, der meinte, in der Formel 1 gelten für sie andere Regeln für Tests als für die Konkurenz? Scheint in dem Konzern ja System zu haben ...

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, zz
  • Schlagworte Europäische Union | Mercedes | Opel | Mercedes-Benz | Brand | Daimler AG
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