Elektroautos : Preis für Batterien soll sich bis 2017 halbieren

Batterien, das Herz jedes Elektroautos, sind noch teuer und zu leistungsschwach für lange Fahrten. Die Hersteller versprechen große Fortschritte. Zu recht?
Das Display in einem Elektroauto zeigt die Reichweite der geladenen Batterie an. © Regis Duvignau/Reuters

Doppelt so leistungsfähig, halb so teuer und halb so schwer: So einfach lässt sich zusammenfassen, was die Autobauer den Batterieherstellern ins Lastenheft schreiben. Genau diese drei Punkte beschreiben das Dilemma, in dem die Elektromobilität steckt. Die Energiedichte der meisten erhältlichen Akkus reicht noch nicht aus, einem Elektroauto die vom Benziner oder Diesel gewohnte Reichweite zu ermöglichen. Zudem sind die Batterien so teuer, dass ein elektrisch betriebener Kleinwagen kaum unter 20.000 Euro zu bekommen ist. Und dann wiegen die Akkus auch noch weit mehr als ein herkömmlicher Antrieb.

Was das in der Realität bedeutet, zeigt die angekündigte Elektroversion des VW Golfs. Das Golf Blue-e-motion genannte Modell wiegt laut Volkswagen 1.545 Kilogramm, das sind 205 Kilogramm mehr als ein vergleichbarer Golf Bluemotion TDI mit Dieselantrieb. Bei Verbrennungsmotoren gilt die Faustregel, dass 100 Kilogramm weniger Fahrzeuggewicht den Verbrauch um einen Liter je 100 Kilometer senken. Zwar hat niemand exakt ausgerechnet, wie sehr die elektrische Reichweite bei 100 eingesparten Kilogramm ansteigt – das Ergebnis dürfte merklich sein.

Karsten Kroos vom Technologiezulieferer ThyssenKrupp hält die Halbierung des Batteriegewichts jedoch nur für einen Teil der Entwicklung auf dem Weg zum leichteren Elektroauto. "Ist das Fahrzeug an sich leichter, kann auch die Batterie kleiner ausgelegt werden", sagt Kroos. Eine kleinere Batterie wiederum wäre ebenfalls leichter: Die Reichweite bliebe gleich, die Kosten aber sänken.

Noch fehlen die Skaleneffekte

Um das Fahrzeuggewicht zu reduzieren, könnten die Hersteller auf sogenanntes Multimaterialdesign zurückgreifen. Dabei werden Materialien ihren Eigenschaften entsprechend eingesetzt. Ein Beispiel sind Sandwichstrukturen aus Blech und Kunststoff: Das eine Material sorgt für die Stabilität, das andere für geringes Gewicht. Ein weiterer Werkstoff für die automobile Zukunft ist die immer noch teure Kohlefaser. Damit ließe sich laut Kroos das Gewicht um 150 Kilogramm im Vergleich zu Stahl oder Aluminium verringern.

Das größte Problem rund um die Batterie sind aber heute und auch in naher Zukunft noch die Kosten. Als aktueller Maßstab gilt: Ein Satz Lithium-Ionen-Batterien für ein Fahrzeug mit 100 Kilometern Reichweite kostet den Autohersteller so viel wie der Bau eines kompletten Kleinwagens mit allen nötigen Einzelteilen. Das liegt auch daran, dass solche Akkus für den Einsatz im Auto immer noch in vergleichsweise kleiner Stückzahl hergestellt werden – einfach, weil es keine Nachfrage für eine umfangreichere Produktion gibt.

Erst langsam fangen Zulieferer an, ihre Kapazitäten auszuweiten. Continental etwa hat sich mit dem südkoreanischen Unternehmen SK Innovation zusammengetan und das Gemeinschaftsunternehmen SK Continental e-motion gegründet. Es hat im Januar 2013 den Betrieb aufgenommen und entwickelt und produziert Lithium-Ionen-Batterien für Autos.

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Zukunft

E-Autos sind die Zukunft. Spätestens, wenn der Liter mal 3 Euro kostet, wird man sich das tanken zwei mal überlegen. Auch, wenn die Strompreise steigen - in der Form sicherlich nicht.

Analog kann man an die Entwicklung im Computerbereich denken. Noch vor 20 Jahren hatten wir Disketten, auf denen man vielleicht einige Bücher speichern konnte. Auf einem USB-Stick oder einer Festplatte vergleichbarer mechanischer Größe und Kosten kann man vermutlich sämtliche Bibliotheken dieser Erde speichern. Wenn sich die Autobranche auch in der Art entwickelt, kann man optimistisch sein.

Glaube, Liebe, Hoffnung

"E-Autos sind die Zukunft".

Mag sein, aber eben nicht mit den gegenwärtigen Energiespeichern, und genau um die geht es ja in diesem Beitrag. Es ist immer wieder fies, wie diese bösen Naturgesetze sich unseren Wünschen entgegenstellen. Batterien gibt es seit 2000 Jahren (Bagdad-Batterie). Akkumulatoren (und darüber reden wir hier) gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Seitdem wird hier laufend technologisch verbessert, aber gegen die zugrundeliegenden Naturgesetze können Sie nichts machen. Und auch den Seebeck-Effekt werden Sie durch gutes Zureden oder durch einen Parteitag nicht dazu bringen, plötzlich das 100-fache an Leistung abzuwerfen.

Ich bin kein Profi auf dem Gebiet, und ich bin absolut sicher, dass tausende Profis auf diesem Gebiet forschen und entwickeln. Aber mit BWL-Methoden über Stückzahlen die Kosten runterzurechnen kommen Sie nicht weiter.

Deswegen hatte ich in #1 den Begriff Technologiesprung gebraucht. Ob und wann der kommt, steht allerdings bislang aus.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Wenn man hier einen Kommentar abgibt, sollte man sich, wenn man sich schon nicht vorab informiert, wenigstens aufmerksam den Artikel durchlesen. Es wird audrücklich auf die möglichen Ladezeiten hingewiesen (je nach Stromanschluß)! Und der ewige Vergleich mit dem Handy ist fachlich unterirdisch. Wenn man das Auto dort lädt wo man parkt, fährt man nicht mehr extra an die Tankstelle. Man hat vor jeder Fahrt ein vollgetanktes Auto. Im täglichen Betrieb, innerhalb der möglichen Reichweite, verbringt man also 0 Minuten an einer Tankstelle. Vielleicht gewinnt man dadurch genug Zeit um sich ein Buch wie 'Elektrisch fahren für Dummies' durchzulesen und eventuell auch noch zu verstehen.

Natürlich

Zitat Artikel: >Doppelt so leistungsfähig, halb so teuer und halb so schwer: So einfach lässt sich zusammenfassen, was die Autobauer den Batterieherstellern ins Lastenheft schreiben.<

Es wird so kommen. Die Entwicklung ist da, hat das belächelte Babydasein abgestreift und entwickelt sich nach und nach zu einem Erwachsenen. So ist halt die natürliche Entwicklung, auch bei der Technik.

Am Anfang teuer, zu teuer, und leistungsschwach, zu leistungsschwach. Dann wird es besser und besser. Aber immer noch teuer. Dort stehen wir aktuell.

Bald wird verbesserte Leistung dann günstiger und günstiger, bis das Preis-/Leistungsverhältnis ausgereift zur Verfügung steht.

Ob aber bis 2017...es wäre schön. Aber ich darf auch leise Zweifel anmelden.