Ein neues Gerichtsurteil könnte die Verbreitung von Fahrradhelmen erhöhen. Wie das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht (OLG) in Schleswig entschied, tragen Radfahrer bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Verkehrsteilnehmer eine Mitschuld, wenn sie keinen Helm getragen haben, der ihre Kopfverletzungen vermieden oder gemindert hätte. Dies gelte selbst dann, wenn sich der Unfallgegner verkehrswidrig verhalten hat, urteilten die Richter des siebten Zivilsenats (Az. 7 U 11/12).

In dem verhandelten Fall fuhr die Klägerin mit ihrem Fahrrad ohne Helm auf der Straße an einem am Straßenrand parkenden Auto vorbei. Unmittelbar vor ihr öffnete die Autofahrerin die Tür – die Radlerin konnte nicht mehr ausweichen und stürzte. Dabei zog sie sich eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung zu.

Zwar gibt es keine Helmpflicht für Radfahrer. Das Oberlandesgericht sieht sie im täglichen Straßenverkehr aber einem besonderen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Es sei unzweifelhaft, dass ein Helm vor Kopfverletzungen schütze, und auch die Anschaffung sei wirtschaftlich zumutbar.

Radfahrer sollten Helm tragen

"Daher kann nach dem heutigen Erkenntnisstand grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass ein verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens beim Radfahren einen Helm tragen wird", schlussfolgerten die Richter. Dass die Klägerin keinen Helm getragen hatte, bewerteten die Richter als Unterlassung von Schutzmaßnahmen zur eigenen Sicherheit. Dieses sogenannte Verschulden gegen sich selbst müsse sich die Betroffene anrechnen lassen.

Die gestürzte Radfahrerin war nach dem Unfall mehrere Wochen im Krankenhaus und musste danach zur Reha. Dafür verlangte sie Schadenersatz und Schmerzensgeld von der Autofahrerin. Die Richter des OLG setzten den Anteil der Mitschuld auf 20 Prozent an, die Radlerin erhält damit nur 80 Prozent der eingeklagten Summe.

Unter Radfahrern ist das Tragen eines Helms umstritten – manche halten ihn für unnütz oder das Tragen gar für gefährlich. Kritiker argumentieren, bei einer Helmpflicht würden Autofahrer und viele Radfahrer riskanter fahren, weil sie sich auf den Schutz des Helms verließen. Helmgegner verweisen außerdem auf Studien, die angeblich nachweisen, dass ein Helm nicht vor Hirnschäden schützt. Helmbefürworter führen Gegenstudien an, die den Nutzen der Kopfbedeckung belegen sollen.