Es gibt etwas beleibtere Zeitgenossen, die mit T-Shirts herumlaufen, auf denen der durchtrainierte Oberkörper Wladimir Klitschkos zu sehen ist. Ähnlich ist es mit den sogenannten SUV, die nur Vorder- oder Heckantrieb haben. Sie machen optisch einen auf knallharten Geländewagen, bieten aber nur die Fahrleistungen eines Asphalt-Cowboys.

Namen oder Optik suggerieren die Querfeldein-Tauglichkeit: Modelle wie Fiat 500 L Trekking, Renault Captur oder auch der Peugeot 2008 bieten einen angedeuteten Unterbodenschutz, ein etwas höher gelegtes Fahrwerk und natürlich die erhöhte Sitzposition mit der entsprechend verbesserten Rundumsicht. Oft wird damit geworben, dass eine verbesserte Traktionskontrolle für zusätzlichen Grip sorge.

Die Realität schaut oft anders aus. Beim Peugeot 2008 entpuppt sich der Grip Control mehr als Marketing-Instrument denn als eine sinnvolle Fahrhilfe. Einen echten Allradantrieb kann sie bei Weitem nicht ersetzen. Auch beim Renault Captur ist die Kraftverteilung auf vier Räder ebenso wenig vorgesehen wie beim Fiat 500 L Trekking oder dem VW Cross Golf.

Hersteller verweisen aufs Mehrgewicht

Den Vogel schießt BMW ab. Der Autobauer bringt die nächste Generation des X5 auch als Variante s25d. Sie hat einen zwei Liter großen Vierzylinder-Diesel mit 218 PS – und Heckantrieb. So dürfte der eine oder andere der neuen BMW X5 bei Schneefall in der Garage stehen bleiben. Dass ein Luxus-SUV ausgerechnet aus dem Hause des Fahrdynamikexperten BMW auf glatten Straßen mit Problemen zu kämpfen hat, dürfte dem Image des Herstellers nicht gerade gut tun.

Zudem kommt der SUV-immanente Nachteil eines hohen Schwerpunktes beim reinen Heckantrieb noch stärker zum Tragen als beim Allradantrieb. BMW wie auch die anderen Verfechter der einen angetriebenen Achse verteidigen ihr Konzept gern damit, dass der 4x4-Antrieb den Wagen etwa 80 Kilogramm schwerer mache und damit der Verbrauch pro 100 Kilometer um rund einen halben Liter steige. So wurden auch schon die kleinen Crossover BMW X1 und X3 auf Wunsch auch mit nur einer Antriebsachse angeboten. Ähnliches gilt für den Audi Q3 und Mercedes GLA und GLK.

In Zeiten steigender Kraftstoffpreise und gebotener Abgasreduktion ist das sicher ein schlagendes Argument. Schließlich sind SUV ohnehin in der Regel schwerer und haben im Vergleich zu den flacheren Limousinen einen höheren Luftwiderstand. Da kommt jedes Mittel zur Verbrauchssenkung gerade recht. Schließlich verlangt die EU, dass bis 2020 der Flottenverbrauch im Durchschnitt auf 95 Gramm CO2 je Kilometer sinkt. Für die einzelnen deutschen Hersteller gelten jeweils individuelle Werte, die jeweils etwas über den 95 Gramm liegen – doch auch davon sind sie im Moment noch weit entfernt.