BrennstoffzelleDer Wasserstoff-Antrieb wagt sich in den Alltag

Hyundai geht bei der Mobilität mit Brennstoffzelle voran: Die ersten ix35 Fuel Cell sind schon ausgeliefert. Noch ist die Technik zu teuer. Aber wie fährt sich der Wagen? von Wolfgang Gomoll

Hyundai i35 Fuel Cell

Hyundai i35 Fuel Cell  |  © press-inform

Hyundai gefällt sich zunehmend in der Rolle des automobilen Machers. Während andere noch über die Brennstoffzelle diskutieren, schafft der südkoreanische Autohersteller schon Fakten: Seit ein paar Tagen rollen bereits die ersten 15 Hyundai-Autos mit Brennstoffzelle, das Modell ix35 Fuel Cell, über die Straßen Kopenhagens. 200 weitere sollen folgen, auf der Liste stehen Malmö, London und zwei norwegische Städte. Und Deutschland. Da will sich Christian Löer, Chef des Hyundai-Produktmarketings, noch nicht in die Karten schauen lassen: "Verhandlungen laufen, aber noch ist nichts spruchreif."

Als technische Basis fungiert der Hyundai-SUV ix35. Im Werk im südkoreanischen Ulsan laufen die SUV ganz normal vom Band und werden zum Schluss in einer kleinen separaten Halle von fünf Mitarbeitern von Hand mit den Elektrokomponenten bestückt. Insgesamt 1.000 Brennstoffzellen-SUV will Hyundai bis 2015 auf den Markt bringen.

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"Die wichtigsten Zielregionen sind Europa und Kalifornien", sagt Allan Rusforth, Vizepräsident von Hyundai Europa. Rund 900 der ix35 Fuel Cell sollen auf dem "alten Kontinent" fahren, die restlichen 100 gehen an die Westküste der USA. Schlägt der ix35 Fuel Cell ein, sollen bis zu 10.000 Modelle gebaut werden. Kaufen kann man den Wagen vorerst nicht: Hyundai bietet ihn nur per Leasing an, das maximal vier Jahre läuft. Kein Wunder, der ix35 Fuel Cell würde rund 100.000 Euro kosten. Die 1.000 Autos sind zudem nur für Flottenkunden und öffentliche Einrichtungen bestimmt.

Die Brennstoffzellentechnik im ix35 unterscheidet sich nicht maßgeblich von den anderen Vertretern dieser Zunft – auch Hyundai kann das Wasserstoff-Rad eben nicht neu erfinden. An der Unterseite des Fahrzeugs stecken zwei Wasserstofftanks, die 5,64 Kilogramm des Treibstoffs fassen. Bei der Brennstoffzelle verlassen sich die Koreaner auf sich selbst: Die Stacks werden von Hyundai-Mobis geliefert. Bei ersten Fahrttests funktioniert das System reibungslos. Sollte es auch, schließlich tüftelt Hyundai seit 15 Jahren an dieser Antriebsform herum.

Der Fahrer spürt das Mehrgewicht

Die Brennstoffzelle liefert den Strom, der in eine Lithium-Polymer-Batterie von LG mit 24 Kilowattstunden Kapazität fließt. In ihr wird auch der Strom gespeichert, der bei der Rekuperation durch das Bremsen anfällt. Angetrieben wird der Wagen schließlich von einem 100 kW (136 PS) starken Elektromotor.

Dank des Drehmoments von 300 Newtonmetern, das sofort zur Verfügung steht, zieht der ix35 Fuel Cell etwa an einer grün werdenden Ampel mit viel Elan los. Allerdings geht dem rollenden Kraftwerk auch schnell die Puste aus: Für den Spurt auf 100 km/h braucht der Brennstoffzellen-SUV 12,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Am Steuer spürt man halt die 200 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem herkömmlichen ix35 sowie den fehlenden Allradantrieb.

In Kurven schiebt der 1.830 Kilogramm schwere ix35 Fuel Cell über die Vorderräder. Die Lenkung fühlt sich ziemlich synthetisch an und gibt kaum Rückmeldung über den Zustand der Straße. Das übernimmt das straffer abgestimmte Fahrwerk. Vor allem die Hinterachse rapportiert zuverlässig Unebenheiten. Auch das ESP ist aufgrund der höheren Last anders abgestimmt und greift etwas früher als gewohnt ein.

Leserkommentare
  1. 8€ auf 100 km? Das bekomm ich mit meinem Auto auch hin. Aber ich finde der Ix35 ist auch eine ganz blöde Entscheidung für so ein Projekt.
    Die Kiste ist schwer und hat eine riesige Stirnfläche. Es macht also nicht im geringsten Sinn ein Projekt, bei dem es um Effizienz und Kostenersparnis geht mit einem SUV auszubremsen.

    2 Leserempfehlungen
  2. "schließlich tüftelt Hyundai seit 15 Jahren an dieser Antriebsform herum."

    Bei Volksdaimler hätte da gestanden: "forscht schon seit längerem" ...

    Nicht wert, weiter zu lesen ...

    3 Leserempfehlungen
  3. Kann mir mal jemand erklären, was an der Brennstoffzellentechnologie so teuer sein soll. Er ist überhaupt verwunderlich, was an dieser ganzen Elektroautogeschichte so teuer sein soll. Ein Elektromotor ist wesentlich einfacher als ein Ottomotor oder Diesel, und meines Wissens entfällt sogar das Getriebe. Und wenn jetzt mit der Brennstoffzellen das vorgeschobene Hauptargument gegen die Elektrofahrzeuge, nämlich die geringe Reichweite, entfällt, wo ist dann noch das Problem? Kann mir das mal jemand erklären?

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    verwenden zu wollen. Da gibt es massive Probleme z.B. bei den Tanks und der Infrastruktur. Die Verwendung von Methan wäre wesentlich einfacher zu handhaben, billiger und schneller umzusetzen. Aber Wasserstoff klingt besser, da gibts Forschungsgelder.

    Ich nehme mal schwer an das der treibende Kostenfaktor hier der manuele Umbau eines Serienfarzeugs ist. Würde das Teil in Serie am Band gefertigt dürfte der Preis spürbar nach unten gehen.

    Redaktion

    Teuer an der Brennstoffzelle ist vor allem das notwendige Platin, das als Katalysator dient.

  4. verwenden zu wollen. Da gibt es massive Probleme z.B. bei den Tanks und der Infrastruktur. Die Verwendung von Methan wäre wesentlich einfacher zu handhaben, billiger und schneller umzusetzen. Aber Wasserstoff klingt besser, da gibts Forschungsgelder.

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  5. 5. Preis

    Ich nehme mal schwer an das der treibende Kostenfaktor hier der manuele Umbau eines Serienfarzeugs ist. Würde das Teil in Serie am Band gefertigt dürfte der Preis spürbar nach unten gehen.

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  6. Redaktion

    Teuer an der Brennstoffzelle ist vor allem das notwendige Platin, das als Katalysator dient.

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    ... der ebenfalls reichlich Platin enthaltenden Abgaskatalysatoren für ein "Argument"?

    • Time24
    • 11. Juni 2013 13:34 Uhr

    "100 Kilometer kosten damit weniger als acht Euro, die gleiche Strecke im vergleichbaren ix35 mit 135-PS-Benziner beim aktuellen Spritpreis dagegen fast zehn Euro."

    Das bedeutet, mit einem Diesel wären es weniger als 7 €. Und bei Benzin und Diesel sind noch mächtig Mineralölstreuern drauf. Ich vermute bei dem Wasserstoff nicht.

    2 Leserempfehlungen
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    "Der Betrieb selbst ist wirtschaftlich: Bei einem Preis von rund acht Euro je Kilogramm Wasserstoff sind die Tanks des ix35 Fuel Cell zu Kosten von knapp 50 Euro wieder gefüllt. 100 Kilometer kosten damit weniger als acht Euro, die gleiche Strecke im vergleichbaren ix35 mit 135-PS-Benziner beim aktuellen Spritpreis dagegen fast zehn Euro."

    Ob der Betrieb tatsächlich wirtschaftlich ist, ist eine Frage der Betrachtung. Der Unterschied von nur 2 €/100 km gegenüber dem genannten Benziner kommt ja u.a. dadurch zustande, dass bisher auf Wasserstoff m.W. keine Energiesteuern erhoben werden. Das wird sich spätestens dann ändern, wenn Brennstoffzellenfahrzeuge zum Massenmarkt werden und so die Steuereinnahmen aus Benzin/Diesel zurückgehen.

  7. Wer hier an der Effizienz des Antriebes zweifelt, dem sei vor Augen geführt, dass den 15 Jahren Brennstoffzelle ca. 150 Jahren Entwicklungszeit für den Verbrennungsmotor entgegenstehen.

    Ich denke auch, dass der manuelle Umbau das teure an der Geschichte ist. Weiterhin gibt es das Problem, dass die E-Motoren mit dem besten Wirkungsgrad auf seltene Erden angewiesen sind.

    Zudem muss man beachten, dass die Nachfrage nach alternativen Antriebsformen zu klein ist (oder seitens der Industrie gehalten wird). Es ist ja kein Geheimnis, dass die deutschen Automobilhersteller deutlich innovativere Autos verkaufen könnten als sie es tun.

    Nur warum sollte man heute schon verkaufen was man auch morgen noch verkaufen kann, vor allem wenn der alte Scheiß weggeht wie warme Semmeln? ;-)

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    Auszug aus Wikipedia: "...Eine einfache Brennstoffzelle wurde 1838 von Christian Friedrich Schönbein erstellt, indem er zwei Platindrähte in Salzsäure mit Wasserstoff bzw. Sauerstoff umspülte und zwischen den Drähten eine elektrische Spannung bemerkte..."

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  • Schlagworte Hyundai | Elektrofahrzeug | Leasing | SUV
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