Im Streit um das möglicherweise gefährliche Kältemittel R1234yf für Autoklimaanlagen geht dem Hersteller DuPont die Geduld aus. "Wir hätten gern Klarheit", sagte Thierry Vanlancker, Präsident des Bereichs Chemikalien und Fluorprodukte bei dem US-Unternehmen. "Müssen wir Deutschland in unsere Planungen einbeziehen oder nicht?" Die Diskussion um das Kältemittel werde in Deutschland sehr emotional und wenig faktenbasiert geführt, sagte Vanlancker.

Seit Monaten herrscht Streit darüber, welches Klimaanlagen-Kältemittel Autohersteller künftig verwenden sollen. Die Europäische Union hatte 2006 den Einsatz des bisher genutzten R134a in neuen Fahrzeugtypen von 2011 an verboten, weil es dem Klima schadet. Die Substanz ist 1.430-mal so klimaschädlich wie das Treibhausgas CO2, die EU erlaubt nur noch Chemikalien mit einem Treibhauspotenzial von maximal 150. Für R1234yf liegt der Wert bei 4. Es wird weltweit nur von DuPont und Honeywell produziert.

Nach der EU-Entscheidung hatte sich die Autoindustrie auf R1234yf geeinigt. Daimler verweigert aber den Einsatz, seitdem sich das Klimamittel in hauseigenen Crashtests entzündet hat. Dabei kann sich die Substanz in ätzende Flusssäure verwandeln. Die Stuttgarter setzen gegen den Widerstand der Politik weiterhin auf den verbotenen Vorgängerstoff und haben deshalb Ärger mit der EU und dem Kraftfahrtbundesamt (KBA).

DuPont hält Debatte für hysterisch

"Der Mercedes-Test war kein realer Aufpralltest", wehrt sich DuPont-Manager Vanlancker. "Das Mittel wurde auf den heißesten Teil des Motors gespritzt – es war klar, dass das brennen wird." Dass das Mittel leicht entflammbar ist, sei kein Geheimnis. Mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen lasse es sich trotzdem sicher im Auto verwenden.

Zu diesem Ergebnis seien auch die Autohersteller gekommen, als man sich auf 1234yf geeinigt habe, sagte Vanlancker. "Es gibt 400 Gramm davon im Auto. Diese 400 Gramm sind weniger leicht entflammbar als die 80 Liter Sprit, die sich ebenfalls im Auto befinden." Mit Staunen nehme man bei DuPont die Hysterie zur Kenntnis, die sich in Deutschland um das Thema entwickelt habe.

Trotzdem hat DuPont laut Vanlancker die Diskussion zum Anlass genommen, das Brandrisiko von R1234yf zu untersuchen. Herausgekommen sei, dass beigemischtes Schmiermittel Auslöser für einen Brand sein könne. Daimler sieht das auf Nachfrage anders: "Das Kältemaschinenöl ist nach unseren Erkenntnissen nicht der Auslöser, es brennt mit", sagte ein Sprecher. Bei Tests mit unterschiedlichen Ölen habe es keinen Unterschied in der Entzündung gegeben.

Es gibt bereits verschiedene Untersuchungen, die Ergebnisse widersprechen sich. Klärung könnte ein Gutachten des KBA bringen. Es wird aktuell im Auftrag der Bundesregierung erstellt. Daimler, Volkswagen, Porsche, Audi und BMW haben sich bereits auf CO2 als künftiges Kältemittel in Klimaanlagen verständigt. Die Autobauer benötigen aber noch Zeit für die Entwicklung passender Klimaanlagen. Denn während R1234yf mit den bestehenden Systemen kompatibel ist, müssen die Hersteller für CO2 – als Kältemittel auch unter der Bezeichnung R744 bekannt – die Konstruktion der Klimaanlagen verändern.