VerkehrssicherheitMercedes lässt Autos miteinander sprechen

Autos, die sich vor Gefahren warnen: Die Car-to-X-Kommunikation gilt als wichtige Zukunftstechnik. Mercedes bietet sie schon ab Herbst an – zumindest fast. von Holger Holzer

Über die Car-to-X-Technik kann ein Mercedes-Fahrer andere vor einer Gefahr warnen.

Über die Car-to-X-Technik kann ein Mercedes-Fahrer andere vor einer Gefahr warnen.  |  © Daimler

Als weltweit erster Autohersteller bietet Mercedes-Benz ab Herbst die sogenannte Car-to-X-Technik in Serienfahrzeugen an. Autos können damit untereinander und mit Sendern am Straßenrand kommunizieren. Die Technik ermöglicht so schnelle Warnungen vor Stauenden oder Geisterfahrern.

Um für eine schnelle Verbreitung zu sorgen, hat Daimler ein technisch relativ simples System gewählt, welches das Smartphone des Fahrers als Sender und Empfänger nutzt. Das Gerät empfängt Warnmeldungen anderer Verkehrsteilnehmer, die über dasselbe System verfügen – zum Beispiel eine Unfallstelle. Zugleich sendet das Handy eine entsprechende Mitteilung auch an die anderen Autos im Umkreis, teilweise vollautomatisch, teilweise auf Knopfdruck des Fahrers. Dieser kann so etwa die Warnung vor verlorener Ladung auf der Fahrbahn absetzen.

Anzeige

Was der Fahrer dazu braucht, ist die Smartphone-Schnittstelle, die Mercedes Drive Kit Plus nennt, sowie eine Kommunikations-App. Drive Kit Plus steht zunächst als Optionsausstattung für die Kompakt-Modelle der A-, B- und CLA-Klasse zur Verfügung. Für alle anderen Modelle – mit Ausnahme der S-Klasse – will Mercedes noch im laufenden Jahr eine Nachrüstlösung anbieten. Wer die Technik in seinem Wagen haben möchte, muss rund 700 Euro aufwenden.

Bedient wird das System über den Zentralbildschirm in der Mittelkonsole des Cockpits. Beim Betrieb fallen möglicherweise Mobilfunkkosten an. Wer über das Handy mit dem Internet verbunden ist, muss allerdings nicht um das Überschreiten seiner maximalen Datenmenge bangen: Die einzelnen übertragenen Dateien sind lediglich 200 Byte groß. Im Monat kommen laut Daimler rund zwei Megabyte zusammen.

Daimler will Konkurrenten integrieren

Allerdings: Ganz der Car-to-X-Idee entspricht die Daimler-Technik nicht, denn die Fahrzeuge kommunizieren nicht direkt, sondern über den Umweg eines externen Servers, der Mercedes-Cloud. Außerdem fehlt die Kommunikation mit Infrastruktur am Straßenrand, etwa mit Ampeln. Das ist zwar mit dem System prinzipiell möglich, doch noch mangelt es an Sendern. Das Bundesverkehrsministerium testet zurzeit solche Systeme an Autobahn-Wanderbaustellen. Bereits möglich ist die automatische Kommunikation mit Einsatzfahrzeugen von Polizei und Feuerwehr: Mercedesfahrer können so frühzeitig vor herannahenden Blaulicht-Mobilen gewarnt werden.

Generell hängt der Erfolg der Car-to-X-Kommunikation davon ab, dass viele Autofahrer mitmachen. Für eine möglichst großflächige Verbreitung setzt Mercedes-Benz nicht nur auf den Einsatz in den Einstiegsmodellen A- und B-Klasse, den relativ niedrigen Preis und die Möglichkeit, sein Fahrzeug nachzurüsten. Daimler versucht auch, andere Autohersteller zur Teilnahme an dem System zu bewegen. Zumindest bieten die Stuttgarter der Konkurrenz an, sich einzuklinken – ob diese reagieren wird, ist noch offen.

In der Zwischenzeit arbeitet Daimler an der nächsten Entwicklungsstufe des Systems. Diese soll dann voll in die Bordelektronik integriert werden und unter anderem für die S-Klasse erhältlich sein. Ein genaues Datum nennt der Hersteller aber noch nicht. Bis dahin muss also ausgerechnet das Flaggschiff der Marke auf die neueste Technik verzichten.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. In unserer Umgebung werden reihenweise die Dreiecksfenster eingeschlagen und dann die Command-Navis ausgebaut. Bitte kümmert euch drum, integriert einen Diebstahlschutz und/oder ein manipulationssicheres Ortungssystem.

  2. Das mit den Mercedes-PR-Stories als "Auto"-Aufmacher mein' ich.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • RGFG
    • 17. Juni 2013 10:55 Uhr

    Wenn man gar nicht mehr drüber berichtet? Oder muss eine gewisse Anzahl von Monaten zur Pressemeldung verstreichen? Oder was?

    • B.B.
    • 17. Juni 2013 10:54 Uhr

    Super, dank Internetverbindung weiß der Geheimdienst immer meine GPS-Position, kennt meine Stimme und damit den Fahrer und kann direkt auf soziale Netzwerke im Fahrzeug zugreifen. Praktisch bei Geschwindigkeitsverstößen: Der Fahrer des Autos kann sofort anhand seiner Stimme zugeordnet werden.

    • RGFG
    • 17. Juni 2013 10:55 Uhr

    Wenn man gar nicht mehr drüber berichtet? Oder muss eine gewisse Anzahl von Monaten zur Pressemeldung verstreichen? Oder was?

  3. Ist ja ne schöne Idee, nur wozu braucht man dafür eine Schnittstelle zum Auto?
    Es sollte doch auch machbar sein, eine App für ein Smartphone zu schreiben, die die beschriebene Funkionalität besitzt, aber kein 700 Euro teures Interface zum Auto benötigt (und damit die Zielgruppe auch noch auf Besitzer der entsprechenden Wagentypen einschränkt).

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Kauri
    • 17. Juni 2013 12:44 Uhr

    Nach jahrelang immer teurer werden Original-Navis habe ich jetzt eine optisch durchaus annehmbare Smartphone-Halterung mit Bluetooth-Schnittstelle und damit der Verbindung zum Autolautsprecher. Immer preiswert neueste Navigaton, Blitzer-App. , die auch über die Aktivität der "Fangemeinde" temporäre Kontrollen meldet und verifiziert .
    Ich brauche keine markenspezifische Lösung, die mir teure Hardwarekosten oktroyiert.
    Wichtig wäre endlich mal das im europäischen Bürokraten- und Subventionsdschungel schlummernde GalileoSystem auf die Reihe zu bringen. Mit der cm-genauen Navigation wären doch dann zu Mindest die Geisterfahrer auszusortieren!
    Und man könnte zentral auch vor ihnen schneller warnen.
    Aber immer, wenn man für etwas eine staatliche Infrastruktur benötigt (z.B. GalileoSystem ) , dann dauert es ewig!
    Fabrikatssezifische Inselstationen taugen gar nichts! Mercedes soll seine Motoren- und Rostprobleme in den Griff bekommen, bevor sie zu den "Sternen" greifen!

    • Kauri
    • 17. Juni 2013 12:44 Uhr

    Nach jahrelang immer teurer werden Original-Navis habe ich jetzt eine optisch durchaus annehmbare Smartphone-Halterung mit Bluetooth-Schnittstelle und damit der Verbindung zum Autolautsprecher. Immer preiswert neueste Navigaton, Blitzer-App. , die auch über die Aktivität der "Fangemeinde" temporäre Kontrollen meldet und verifiziert .
    Ich brauche keine markenspezifische Lösung, die mir teure Hardwarekosten oktroyiert.
    Wichtig wäre endlich mal das im europäischen Bürokraten- und Subventionsdschungel schlummernde GalileoSystem auf die Reihe zu bringen. Mit der cm-genauen Navigation wären doch dann zu Mindest die Geisterfahrer auszusortieren!
    Und man könnte zentral auch vor ihnen schneller warnen.
    Aber immer, wenn man für etwas eine staatliche Infrastruktur benötigt (z.B. GalileoSystem ) , dann dauert es ewig!
    Fabrikatssezifische Inselstationen taugen gar nichts! Mercedes soll seine Motoren- und Rostprobleme in den Griff bekommen, bevor sie zu den "Sternen" greifen!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "wozu noch das Auto?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... das vor eineinhalb Jahren auf meinem HTC installierte "Wisepilot"-Navi schlägt jedes Festeinbau-System, wie ich immer wieder feststellen darf, wenn ich ein Flottenfahrzeug mit letzterem für eine Geschäftsreise "gezogen" habe, zmal eines, das aufs Ende seiner dreijährigen Nutzungsdauer zugeht.
    "Wisepilot" bietet für insgesamt rund 60 EUR eine "Lifetime"_Lizenz mit Kartenaktualisierungen, hat die Möglichkeit aktuelle Karten in den Telefonspeicher zu laden (was im Ausland zu vernachlässigbaren Roaming-Kosten führt), und lässt an Navigations- und Darstellungsqualität nichts zu wünschen übrig (Autobahn-Anschlußbilder, Wahl unterschiedlicher Vorgaben, Ziel- und Routenspeicher etc.).

  4. alles muß "schneller" sein, damit wir mehr Zeit haben vor dem PC zu sitzen :)

    Eine Leserempfehlung
  5. ... das vor eineinhalb Jahren auf meinem HTC installierte "Wisepilot"-Navi schlägt jedes Festeinbau-System, wie ich immer wieder feststellen darf, wenn ich ein Flottenfahrzeug mit letzterem für eine Geschäftsreise "gezogen" habe, zmal eines, das aufs Ende seiner dreijährigen Nutzungsdauer zugeht.
    "Wisepilot" bietet für insgesamt rund 60 EUR eine "Lifetime"_Lizenz mit Kartenaktualisierungen, hat die Möglichkeit aktuelle Karten in den Telefonspeicher zu laden (was im Ausland zu vernachlässigbaren Roaming-Kosten führt), und lässt an Navigations- und Darstellungsqualität nichts zu wünschen übrig (Autobahn-Anschlußbilder, Wahl unterschiedlicher Vorgaben, Ziel- und Routenspeicher etc.).

    Antwort auf "Richtig! "

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Mercedes-Benz | Daimler AG | Fahrzeug | Smartphone | Technik
Service