Mit dem Scénic erfand Renault 1996 den Kompaktvan, und Familien hatten nun eine Alternativoption zum klassischen Kombi. Doch erst die zweite Generation, die 2003 auf den Markt kam, überzeugt nicht nur beim Platzangebot, sondern auch bei der Qualität.

Wer einen Scénic II als Gebrauchtwagen sucht, sollte vor allem nach Exemplaren aus den späten Baujahren Ausschau halten: Für Probleme sorgte eine ganze Reihe von Konstruktions- und Verarbeitungsmängeln, die mit fortschreitender Produktionszeit behoben wurden. Dazu zählen defekte Kurbelwellensensoren (bis 2007), anfällige Anlasser und Generatoren bei den Dieseln (bis 2006) oder defekte Zündspulen bei den 1,6-Liter-Benzinern (bis 2006). Fehlerfreie Autos sind am ehesten ab dem Baujahr 2008 zu finden.

Für Kleinfamilien bietet sich der Scénic an, Großfamilien wählen besser den 23 Zentimeter längeren Grand Scénic. Die Langversion hat nicht nur mehr Platz im Gepäckraum, sondern auch eine dritte Sitzreihe, die sich im Boden versenken lässt. Mit rund 4,50 Metern Länge bleibt der lange Van trotzdem noch ausreichend handlich für den Stadtverkehr. Beiden Modellvarianten gemeinsam sind die einzeln verschiebbaren und herausnehmbaren Sitze in der zweiten Reihe. Unter diesen findet sich zusätzlicher Stauraum für Kleinkram. Gewöhnungsbedürftig ist das Cockpit mit den mittig montierten Instrumenten und dem tief angebrachten Lenkrad.

Der Scénic ist alles andere als ein Leichtgewicht. Die aus der technisch verwandten Kompaktlimousine Mégane übernommenen Benzinmotoren haben es daher schwer mit dem massigen Van. Keiner der drei Benziner, mit Leistungswerten zwischen 72 kW (98 PS) und 99 kW (135 PS), ist eine wirklich gute Wahl – auch wegen des hohen Verbrauchs.

Scénic II mit Benziner nicht zu empfehlen

Besser bedient ist man mit einem der fünf Diesel. Der 1,5 Liter große Selbstzünder mit 76 kW (103 PS) hat einen vergleichsweise geringen Verbrauch; wer zusätzlich auf guten Durchzug Wert legt, nimmt den 1,9-Liter-Motor mit 96 kW (130 PS). Reicht die Leistung nicht, steht auch noch ein 2,0 Liter großer Diesel mit 110 kW (150 PS) zur Verfügung. Er erhielt aber erst 2007 einen Rußpartikelfilter. Entsprechend selten ist diese Variante auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden.

Normalerweise erweitern Autohersteller die Sicherheitsausstattung mit wachsender Lebensdauer eines Modells; beim Scénic ging Renault den umgekehrten Weg. Zum Marktstart hatte der Van noch acht Airbags, seit 2004 sind es nur noch sechs. Im Ausgleich gibt es zumindest serienmäßig ABS und das Sicherheitsversprechen von fünf Sternen beim EuroNCAP-Crashtest.

Das übrige Ausstattungsprogramm ist etwas unübersichtlich. Die Basisversion heißt Authentique, darüber rangierten zunächst vier weitere Ausstattungsstufen mit dem Topmodell Privilège; nach dem Facelift 2006 kamen noch zwei dazu. Außerdem brachte Renault einige Sondermodelle, die teils den Weg ins Serienprogramm fanden, etwa die Variante Exception. Für SUV-Fans interessant ist die 2007 eingeführte Variante Conquest, die im Offroad-Look daher kommt.

Im Hinblick auf die Langlebigkeit zeigt der Renault Scénic ein gemischtes Bild. In der ADAC-Pannenstatistik schneidet er gut bis sehr gut ab, doch die TÜV-Prüfer haben öfter Probleme mit dem Van. Liegenbleiben ist also eher unwahrscheinlich, Reparaturaufwand dagegen schon. Die bekanntesten Probleme bei der Hauptuntersuchung betreffen die Lenkung und die Achsen. Die Probefahrt sollte also am besten über Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster führen, um zu prüfen, ob der Wagen dann ungewöhnliche Geräusche macht.

Fazit: Wer ein gut gepflegtes und wenig gefahrenes jüngeres Exemplar mit ordentlichen Achsen erwischt, kann am Scénic Freude haben. Der französische Kompaktvan punktet mit viel Platz, hoher Variabilität, ansprechendem Fahrkomfort und fairen Preisen. Rund 2.500 Euro sind zu investieren.