Die Nummer ist harmlos: Unter 1006-34 wird das Verkehrsschild geführt, das Autofahrer auf lästige Löcher hinweist: "Straßenschäden". Das klingt bisweilen untertrieben, sehen viele Straßen doch aus wie die Oberfläche des Mondes – vor allem nach einem so kalten Winter, wie er dieses Jahr hinter uns liegt.

Die Schlaglöcher sind allerdings nicht nur störend. Sie belasten auf Dauer das Fahrwerk, und ab einer gewissen Tiefe fügen sie Felgen Schäden zu. An spitzen Kanten von Schlaglöchern leiden die Reifen, selbst der Stahlgürtel im Reifengummi kann kaputtgehen. Für Motorrad- oder Fahrradfahrer können Schlaglöcher im schlimmsten Falle tödlich sein.

Wie sie entstehen, ist schnell erklärt. Durch rissig gewordene Stellen im Asphalt dringt Regenwasser unter die Fahrbahndecke. Bei stetigem Dauerfrost gefriert das Wasser zu Eis und dehnt sich aus, die Fahrbahndecke wölbt sich nach oben. Steigen die Temperaturen wieder, schmilzt das Eis. Es bleiben instabile Hohlräume zurück, die unter den hohen Fahrzeuggewichten in sich zusammenstürzen – der Schaden wird sichtbar.

Der ADAC schätzt, dass mehr als die Hälfte der Gemeindestraßen beschädigt ist. Der Verkehrsklub taxiert die Kosten, die zur Ausbesserung der kommunalen Schlaglöcher nötig sind, auf drei Milliarden Euro. Die Städte kommen mit den Straßenarbeiten kaum hinterher. Zum Beispiel Essen: Das Straßenbauamt weiß von aktuell mehr als 10.000 Schlaglöchern in der Ruhrstadt. Und es kommen immer wieder neue hinzu: Aufmerksame Bürger können der Stadtverwaltung ein entdecktes Loch per Post, E-Mail oder telefonisch melden.

40 Straßenbegeher für 1.600 Kilometer

Die telefonische Hotline ist 24 Stunden lang besetzt. Doch da beginnt schon das erste Problem, denn die Hotline ist für alles rund um die Straße zuständig: Defekte Ampelanlagen oder Straßenlaternen werden dort ebenso aufgenommen wie der Krater vor der Haustür. Je nach Dringlichkeitsstufe, sprich den Ausmaßen eines Schlaglochs, dauert es zwischen wenigen Stunden und zwei Tagen, bis sich das Straßenbegehungsteam des Lochs annimmt. In Essen gibt es 40 Straßenbegeher für das 1.600 Kilometer große Straßennetz. Ein Straßenbegeher überwacht demnach 40 Kilometer.

Dass sich einer der 40 Begutachter den Schaden anschaut, heißt aber noch lange nicht, dass er in Bälde auch behoben wird. Dazu ist die Zahl der Löcher schlicht zu groß. Wird ein Schlagloch für nicht verkehrsgefährdend erachtet, passiert daher erst einmal überhaupt nichts. Es wird irgendwann im Rahmen einer Straßenerneuerung beseitigt, wie Stefan Schulze, Pressereferent der Stadt Essen, erläutert. "Bis dahin gilt es, im Zick-Zack-Kurs um die Löcher herumzufahren."

Ist ein Loch gefährlich, werden Absperrungen errichtet. Und sollte die ganze Straße in absehbarer Zeit einer größeren Sanierung unterzogen werden, werden für eine Übergangszeit zusätzlich die erwähnten Schilder "Straßenschäden" aufgestellt. Die Löcher werden dann behelfsmäßig geflickt, damit die Straße bis zur Sanierung nutzbar bleibt.