Luftqualität : Ratlos in der Umweltzone

Nicht nur Deutschland versucht, mit Umweltzonen die Luft in Städten zu verbessern. Der Erfolg ist gering: Die EU droht einer Reihe von Ländern mit Klagen.

Die jüngste Umweltzone in Deutschland ist gerade einmal neun Wochen alt. Seit Anfang April dürfen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde Wendlingen, südöstlich von Stuttgart am Neckar gelegen, nur noch Fahrzeuge mit grüner Umweltplakette fahren. Dadurch hat sich die Zahl der Umweltzonen in der Bundesrepublik auf 47 erhöht. In elf Bundesländern finden sich solche Fahrbeschränkungen; die größte Zone liegt im Ruhrgebiet, wo gleich in 13 Städten Fahrzeuge mit hohen Abgaswerten nicht unterwegs sein dürfen.

Mit den Umweltzonen versucht Deutschland seit 2008, das Problem der gesundheitsschädigenden Luftbelastung in den Griff zu bekommen. Vor fünf Jahren setzten die ersten bundesdeutschen Städte in ihren Zentren Fahrverbote für Autos durch, die bestimmte Emissionsstandards nicht erfüllen. Das war eine Reaktion auf eine Anordnung aus Brüssel – genauer gesagt: auf die Richtlinie 2008/50/EG der Europäischen Kommission.

Schon vor einigen Jahren hat die Behörde die Qualität der Luft auf ihre Agenda gesetzt. Seit 2005 gelten Grenzwerte für den Feinstaub und den Stickstoffdioxidgehalt der Luft. Feinstaub (PM10) findet sich insbesondere in Emissionen aus Industrie, Verkehr und privaten Heizungsanlagen und kann – wie etliche Studien belegt haben – Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs verursachen. In der Richtlinie verpflichtet die Kommission die EU-Mitgliedstaaten zum Schutz ihrer Bürger vor diesen Partikeln.

Die Richtlinie definiert einen Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter und einen Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter. Letzterer darf nicht häufiger als 35-mal pro Kalenderjahr überschritten werden. Wie die EU-Staaten die Zielvorgaben umsetzen, liegt in ihrem Ermessen: Die einzelnen Staaten entscheiden selbst, mit welchen Maßnahmen sie die von Brüssel festgelegten Grenzwerte einhalten.

Umweltzonen auch außerhalb Deutschlands

Die Deutschen sind nicht die einzigen, die auf die Zonenregelung setzen. Die weltweit größte Umweltzone hat Großbritannien im Großraum London eingerichtet. Allerdings gelten die Fahrverbote dort nur für Lkw, Busse, Kleinbusse und Transporter, die die Euro-Abgasnorm 3 beziehungsweise 4 nicht erfüllen.

Auch andere EU-Mitgliedstaaten versuchen, dem Luftproblem mit Umweltzonen Herr zu werden. Belgien, die Niederlande, Dänemark, Schweden, Italien, Ungarn, Tschechien und Portugal weisen teils in mehreren, teils in nur einer Stadt Zonen mit emissionsabhängigen Zufahrtsbeschränkungen aus. Auch das Nicht-EU-Land Norwegen erwägt, in Oslo, Trondheim und Bergen Umweltzonen zu schaffen.

Fest steht aber: Die Qualität der Luft ist in vielen EU-Mitgliedstaaten immer noch schlecht. Die Lage ist sogar so ernst, dass die Kommission gegen 17 Staaten mit anhaltend schlechter Luftqualität klagt. Die PM10-Grenzwerte werden überschritten in Belgien, Bulgarien, Tschechien, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Lettland, Ungarn, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowenien, der Slowakei – und Deutschland.

Zahlreiche Staaten und Kommunen, unter anderem mehrere deutsche Städte, haben wegen der Nichteinhaltung der Grenzwerte eine Fristverlängerung beantragt. Wird die nicht genehmigt, drohen Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof und drastische Geldstrafen.

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Es ist schon hauptsächlich der Verkehr

Der Verkehr ist Hauptursache für den Feinstaub (und viele andere gesundheitsschädliche Einflüsse). Wie schon mehrfach erwähnt, sind es auch die Reifen und Aufwirbelungen vom Boden, die die Feinstaubbelastung erhöhen. Ursache ist also schon der Verkehr auch wenn nicht alles aus dem Auspuff stammt.
Ich persönlich habe noch die neumodischen Kaminöfen im Verdacht, die in jeder besser sanierten Wohnung nicht fehlen dürfen. Da nützt die modernste Heizungsanlage nichts wenn man noch manuell nebenher "heizt".