VerkehrsinfrastrukturRamsauer vergisst die Gleise

Der Verkehrsminister will mehr für den Erhalt von Verkehrswegen ausgeben und beim Neubau kürzen. Für das Schienennetz ist das nicht akzeptabel, kommentiert M. Breitinger. von 

Politiker sehen sich gern auf Fotos, auf denen sie ein rotes Band durchschneiden und damit eine neue Straße feierlich eröffnen. Umso bemerkenswerter ist darum die Entscheidung, die Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gefällt hat: Statt der bisher 45 Prozent seines Etats will er künftig 70 Prozent für den Erhalt der Verkehrsinfrastruktur aufwenden.

Das heißt aber umgekehrt: Nur noch ein Drittel des Verkehrsetats sollen in den Neubau fließen. Der Etat, das sind pro Jahr gut zehn Milliarden Euro. Sieben davon sollen für die Sanierung von Straßen und Brücken ausgegeben werden.

Anzeige

Das ist eine vernünftige Entscheidung. Weil seit Jahren zu wenig Geld in den Erhalt geflossen ist, sind inzwischen etwa 300 Brücken allein im deutschen Fernstraßennetz marode. Schon heute sind viele Überführungen nur noch mit Einschränkungen verkehrstauglich. Mal werden Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht nicht mehr darüber gelassen, mal wird die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erheblich gedrosselt.

Experten schätzen, dass für deren Instandsetzung über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren insgesamt rund sieben Milliarden Euro notwendig wären. Außerdem gelten fast 20 Prozent der deutschen Autobahnen und mehr als 40 Prozent der Bundesstraßen als dringend sanierungsbedürftig. Darum ist es richtig, die Ausgaben für den Erhalt zu erhöhen.

Das Schienennetz sollte ausgebaut werden

Ärgerlich ist aber, dass der Bund nicht den Verkehrsetat insgesamt aufstockt. Ramsauer kann die vorgesehenen zehn Milliarden nur umschichten. Wenn jetzt mehr Geld in die Sanierung fließt, fehlt es für den Neubau und hier besonders dringend für das Schienennetz, wo es dringend fehlt.

Matthias Breitinger
Matthias Breitinger

Matthias Breitinger ist Redakteur im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Die von den Verkehrsministern eingesetzte Kommission zur Zukunft der Verkehrsinfrastrukturfinanzierung kam Ende 2012 zum Ergebnis, dass für den Neu- und Ausbau des deutschen Schienennetzes pro Jahr 0,6 bis 0,8 Milliarden Euro zu wenig ausgegeben wird. Die Folge: Es fehlt an Geld, um zügig dringende Projekte wie den Ausbau der Rheintalstrecke zwischen Karlsruhe und Basel oder die Y-Trasse Hannover-Bremen/Hamburg fertigzustellen.

Es ist darum fatal, wenn Ramsauer nach dem Rasenmäherprinzip seine verfügbaren Mittel über alle Verkehrswege hinweg in gleichem Maße von Neubau auf Erhalt umschichtet. Im Schienennetz ist massiver Ausbau notwendig. Doch als Schienenverkehrsminister hat sich Ramsauer bislang kaum hervorgetan – und wenn man sich anschaut, wie er seine Etatpläne jetzt erläutert hat, dürften die Erwartungen für die Schiene erneut gering sein. Ramsauer wies darauf hin, dass wegen allgemeiner Kostensteigerungen sein Etat jährlich um rund drei Prozent, also etwa 300 Millionen Euro, entwertet werde: "Dafür könnten wir 300 Ortsumgehungen oder 30 Kilometer vierspurige Autobahn bauen." Von Gleisen war nicht die Rede.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. und Wasserstraßen wie den Kiel-Kanal kannte er auch nicht. Irgendwo las ich einmal, daß Peter Ramsauer sowieso nach der Bundestagswahl nicht mehr als Minister zur Verfügung steht. - Es ist schon ein Kreuz mit den Bundesverkehrsministern. -

    Eine Leserempfehlung
  2. Zuvor müsste man endlich diesen Ticket-Wahn beenden. Die Preise sind auch nicht gerade verlockend. Wenn ich alleine mit meinem Fahrzeug von Fürth nach Berlin fahren möchte, kostet mich das Benzin (für Hin- und Rückweg) weniger, als ein one-way ticket mit dem Zug.

    Ticket nach Berlin: 96 EUR

    Fürth - Berlin 400 km
    7l/100 km Benzinpreis: 1,60 EUR
    Kraftstoffverbrauch: 28l
    Preis Benzin: 1,60

    Kosten: 44,80 EUR
    (Und im Gegensatz zur Bahn, bin ich mit dem Auto noch flexibler)

    Beide Preise mal zwei:

    Bahn: 192 EUR
    Auto: 89,60 EUR
    ----------------------
    Dif. 102,40 EUR

    (Selbst der Verschleiß am Auto und der eventuell höhere Versicherungsbeitrag kommen an den Wert nicht hin).

    Wenn man bedenkt, dass man eventuell noch Passagiere mitnimmt und dafür ggf. 15 oder 20 EUR kassiert (15*3= 45 EUR).......

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    So kann man das nicht rechnen! Für das Kraftfahrzeug braucht man nicht nur Benzin. Da sollte man schon die Vollkosten zugrunde legen, die vom KFZ-Typ abhängen.
    Ein besonders wirtschaftliches Auto lässt sich vielleicht mit EUR 0,30/km betreiben. Dann wären es EUR 120 für die 400 km-Fahrt. Das bedeutet, für eine einzelne Person ist es teurer, mit dem Auto zu fahren. Fahren zwei Personen, ist es günstiger - voausgesetzt, beide Personen sind Vollzahler bei den Bahnfahrkarten.

    Und zum Kommentar bzw. Artikel selber: Ramsauer vergisst nicht nur die Gleise. Er vergisst genauso die Wasserstraßen. Günstiger als auf dem Wasser lassen sich viele Güter überhaupt nicht transportieren.

    eine schlichte Rechnung, die Sie da aufmachen. Wenn man 0,30 Euro zugrunde legt (wie es auch das Steuergesetz macht), kosten 400 km 120 €. Und diese 30 Euro sind nicht zu hoch gegriffen.
    Und auch die Bahnfahrtkosten kann man reduzieren (Bahncard, Ticket 3 Tage vor Antritt kaufen etc.). In einer Sache haben Sie natürlich recht, die zeitliche Flexibilität steigt, wenn man mit dem Wagen fährt. Alles andere spricht aus meiner Sicht für die Bahn.

    sind die Anschaffungskosten fürs eigene KfZ. Rechnet man die Anschaffungkosten des KfZ mit ein, wird Auto Fahren teuer. Tut man das nicht, ist es im Vergleich zur Bahn recht günstig.

    Ob es sinnvoll ist, die Anschaffungskosten miteinzuberechnen oder nicht, hängt vom Einzelfall ab. In einer vergleichenden Gesamtrechnung dürfen diese natürlich nicht fehlen, aber es gibt Menschen, die fühlen sich nun einmal wegen Beruf, Wohnort und/oder Familiensituation für manche Strecken auf das eigene Auto angewiesen. Für diese Strecken wurde das Auto schon angeschafft und da es nun schon einmal in der Garage steht, kommt es für weitere, optionale Fahrten nur noch auf Verbrauchs- und Verschleißkosten an.

    Was noch dazu kommt: Nur ein Bruchteil der Kunden der DB fährt anscheinend mit Normalpreis - während eines Vortrags mal mitbekommen, dass anscheinend rund 90% der verkauften Tickets nicht zu Normalpreis verkauft werden. Und noch dazu lohnt sich bei vielen schon ab ein paar Fahrten im Jahr die Bahncard 25, die mit Sparpreisen kombiniert werden kann.

    Ich fahre zum Beispiel die rund 800km zwischen Hamburg und Passau im Schnitt für rund 40€/Strecke - natürlich mit zeitlicher Flexibilität und Bahncard 25. Da ist selbst Blabla-Car und ähnliches teurer...

    "Wenn ich alleine mit meinem Fahrzeug von Fürth nach Berlin fahren möchte, kostet mich das Benzin (für Hin- und Rückweg) weniger, als ein one-way ticket mit dem Zug."

    Welch Milchmädchenrechnung. Haben Sie das Auto in der Lotterie gewonnen, und es repariert sich selbst? Und von BahnCard auch noch nie gehört?

    Faustregel: Gesamtkosten Auto sind etwa doppelter Benzinpreis. Und die Reiseauskunft der DB liefert mir für Fürth-Berlin 72 EUR (BC25), bzw 49 EUR mit Sparpreis (nehme ich mal nur für die Rückfahrt an). Dann siehts so aus:

    Bahn: 121 EUR
    Auto: 179 EUR
    ----------------------
    Dif. 58 EUR, zugunsten der Bahn!

    Ach ja, im Auto müssen Sie arbeiten. Im ICE haben Sie Freizeit. Und was sie an Parkplatzzuche in Berlin "Flexibel" finden, frag ich mich auch.

    Also für mich kommt Ihre Rechnung schon irgendwie hin (auch, wenn ich mit 7l nicht hinkommen (will)).

    Das Auto ist sowieso da, die Versicherung und Steuern auch. Für mich zählt nur das Benzin.

    Und warum sind die Kosten für mich sowieso da? Weil ich nie auf die Idee kommen würde, momentan das Auto auf Verdacht abzuschaffen, da kein Fuhrunternehmen es schafft einsteigerfreundliche Preise zu gestalten. Wenn du irgendwie preislich rentabel öffentlich fahren willst, musst du ne Monatsfahrkarte (mindestens eine) kaufen. Eine Bahncard (mal lohnt sich ne 50er, mal ne 25er, weil die 50er eh net komplett angerechnet wird)

    Und wenn ich die Kosten für Steuern und Versicherung einrechnen muss, dann muss ich auch die MFG-Einnahmen gegenrechnen und das sind im Durchschnitt 7 - 10 € pro 100km. Außerdem ist Bahnfahren nicht gerade der angenehmste Zeitvertreib, wenn man (meistens) dann fährt, wenn ganz Deutschland fährt. Am Autofahren habe ich dagegen Spaß und das kann ich nach über 200.000km Bahnfahren nun fast überhaupt nicht behaupten.

    Wenn wir in einer Zeit leben, wo Busverbindungen günstiger und Umweltfreundlicher sind, darf man sich durchaus fragen, ob man das Schienennetz überhaupt ausbauen muss.

  3. sind diese Pläne nicht eh alle hinfällig, sobald eine Menge Geld Richtung Stuttgart umgeschichtet werden muss?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die "gesparten" Milliarden in neue Strecken stecken,
    von den 70% für Reparaturen den Anteil , der für Schienen vorgesehen ist, in die Sanierung des Stuttgarter Bahnhofs (Gleisvorfeld, etc) stecken.......

  4. die "gesparten" Milliarden in neue Strecken stecken,
    von den 70% für Reparaturen den Anteil , der für Schienen vorgesehen ist, in die Sanierung des Stuttgarter Bahnhofs (Gleisvorfeld, etc) stecken.......

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Umschichten"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Autobahn | Band | Brücke | Etat | Geld | LKW
Service