Urlaub Rollende Schrotthaufen

Früher war es Luxus, sich im Urlaub einen Mietwagen zu nehmen. Heute müssen Verbraucher vor zu teuren oder mangelaften Angeboten aufpassen.

Heutige Urlaubsreisen sind mit denen vor 20 Jahren nur schwer zu vergleichen. Besonders deutlich verändert hat sich der Umgang mit Mietwagen: Einst galt es vielen Pauschaltouristen als Luxus, sich zum Beispiel auf Kreta oder Ibiza für einige Tage ein Auto zu leihen - heute ist das häufig eine Selbstverständlichkeit. Weil mit der Nachfrage auch die Fahrzeugflotten stark gewachsen sind, können Reisende vielerorts von Preiskämpfen der Anbieter profitieren.

Immer öfter entscheiden sich die Urlauber dabei schon in Deutschland für ihr Fahrzeug, was aus Sicht von Experten einige Vorteile hat. Ratsam ist es aber, beim Anmieten nicht nur auf die Tarife zu achten. Laut einer Studie des Autovermieters Europcar stellten im Jahr 2005 zwei Drittel der deutschen Reisebüros ein wachsendes Interesse ihrer Kunden an Leihwagen fest. Inzwischen werden etwa 40 Prozent der Urlaubermietwagen bei der Buchung im Reisebüro oder Internet gleich mitbestellt, schätzt Dorothea Mahnke vom Preisvergleichsportal «billiger-mietwagen.de» in Köln.

Meistens werden dazu die Dienste so genannter Mietwagen-Broker wie Holiday Autos, Auto Europe und Sunny Cars oder die Katalogangebote von Reiseveranstaltern genutzt. «Es entscheiden sich aber nicht nur mehr Kunden für ein Auto als früher, sondern sie mieten das Fahrzeug auch länger. Im Schnitt sind es heute gut acht Tage», sagt Nathalie Dörschuck, Mietwagenexpertin der TUI in Hannover.

Hinter dem Wunsch nach einer Buchung zu Hause stehe zum Teil die Angst, am Urlaubsort das Wunschauto nicht mehr zu bekommen: «Das gilt für ganz kleine Wagen ebenso wie für Cabrios und Jeeps, von denen in den Mietstationen nicht so viele vorhanden sind.» Der Boom der Billigflieger habe ebenfalls zum steigenden Interesse an Mietwagen beigetragen, sagt Kai Sannwald, Inhaber von Sunny Cars in München: Wer individuell reist und keinen Hoteltransfer eines Veranstalters nutzen kann, müsse schließlich zusehen, wie er vom Flughafen wegkommt. Heutige Touristen wollten zudem «in verkürzter Zeit möglichst viel erleben», sagt Sannwald - ein langes Abklappern der Vermieter am Ort für einen Preisvergleich ist da eher hinderlich.

Besonders auf Mallorca sei der Wunsch nach eigenen vier Rädern stark gestiegen, sagt Nathalie Dörschuck. Auf der liebsten Insel der Deutschen findet nach Beobachtungen von «billiger-mietwagen.de» auch einer der härtesten Preiskämpfe statt. Ein Opel Corsa mit Klimaanlage ist auf den Balearen zum Beispiel bei Holiday Autos aus München je nach Saison ab 155 Euro pro Woche zu haben - in Italien werden für das gleiche Auto beim gleichen Anbieter mindestens 233 Euro fällig.

Tendenziell günstiger als anderswo sind Urlaubermietwagen auch auf den Kanarischen Inseln und in Portugal, sagt Sannwald. Als teuer gilt dagegen die Türkei, wo laut Dorothea Mahnke das Fahrzeugangebot mit der Nachfrage nicht Schritt halten kann und die Versicherungen sehr teuer sind. «Preisliches Extrembeispiel ist Island, wo selbst die kleinste Wagenkategorie pro Woche etwa 500 Euro kostet», so Mahnke. Die besten Preise bekommen Interessenten «in der Regel bei den Brokern», ist die Erfahrung von «billiger-mietwagen.de».

Die Broker arbeiten dabei nach folgendem Prinzip: Das Unternehmen nimmt mehreren Mietwagenfirmen jeweils größere Kontingente ab. Dadurch entsteht ein Fahrzeugpool, aus dem Broker und Kunde auswählen können, zum Beispiel über das Reisebüro. Partner sind meistens große Flottenanbieter wie Avis, Hertz, Europcar, Budget, Alamo und Sixt. «Wir kooperieren auch mit lokalen Anbietern, wobei es aber keinen Sinn hat, wenn einer uns nur 50 Autos zur Verfügung stellt», sagt Sunny-Cars-Chef Sannwald. Nach der Buchung erhält der Broker-Kunde seinen Voucher, in dem er auch erfährt, ob er am Flughafen zum Avis- oder Budget-Schalter gehen muss, erklärt Sannwald.

Sunny Cars vermittelt derzeit Mietwagen an gut 4900 Orten in mehr als 70 Ländern weltweit. Holiday Autos hat gut 4000 Mietstationen in rund 80 Ländern auf der Liste. Zum Teil arbeiten auch die großen Reiseveranstalter nach dem Broker-Prinzip: FTI in München zum Beispiel hat gerade erst die Zusammenarbeit mit Alamo, Avis, Budget und Hertz ausgebaut. Partner der TUI ist zwar oft Europcar. «Wir arbeiten aber auch mit lokalen Anbietern zusammen und zum Teil auch mit mehreren Firmen an einem Reiseziel», so Dörschuck.

Unterm Strich seien Mietwagen aus dem Reiseveranstalter-Katalog allerdings deutlich teurer als andere Angebote, gibt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) in Gronau in Westfalen zu bedenken. In einem Test in 13 Ferienregionen ermittelten die Verbraucherschützer, dass die Reiseveranstalter im Schnitt ein gutes Drittel teurer sind als die jeweils güstigsten Angebote von Brokern und lokalen Vermietern. Es lohnt sich also, die Preise genau zu vergleichen. Allein nach der Tariftabelle sollte die Entscheidung aber nicht getroffen werden. Auf jeden Fall sollte berücksichtigt werden, welche Versicherungen und welche Inklusivleistungen zu einem Paketpreis gehören - etwa ein kostenloser Kindersitz oder die Fahrerlaubnis für eine zweite Person.

Wer mit einem Broker oder Veranstalter einen Vertrag abschließt, kann außerdem eventuelle Streitfälle nach deutschem Recht klären lassen. «Wir empfehlen grundsätzlich neben einer hohen Haftpflicht- den Abschluss einer Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung», sagt Katrin Müllenbach-Schlimme vom ADAC in München. Auch aus Sicht des Automobilclubs ist die Mietwagenbuchung von Deutschland aus «meist billiger und vor allem sicherer». Denn bei den Anbietern großer Fahrzeugflotten würden «kritische Wagen» meist schnell aussortiert.

Was ein «kritischer Wagen» ist, erlebten ADAC-Tester, die in fünf Mittelmeerländern 58 Leihwagen unter die Lupe nahmen, die sie erst am Ort gebucht hatten. Während die Wagen von Avis, Hertz oder Europcar in der Regel gute Noten bekamen, waren bei lokalen Firmen zum Teil «rollende Schrotthaufen» zu haben, sagt Müllenbach-Schlimme. Oft seien die Reifen in schlechtem Zustand gewesen, Verbandskasten und Warndreieck fehlten. Zwingend erforderlich sei daher eine genaue Prüfung des Wagens. «Beim Rundgang ums Auto muss es heißen: Augen auf und Hirn einschalten», rät die ADAC-Expertin. Im Zweifel sollte nach einem anderen Wagen gefragt werden - unabhängig davon, ob das Auto vorbestellt war oder es spontan am Urlaubsort ausgesucht worden ist.

 
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    • Quelle ZEIT ONLINE/dpa, 23.05.2006
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