warum ich verschwunden bin aus dieser debatte

Es wurde mehrfach gefragt, warum ich aus der Debatte ausgestiegen bin, nachdem ich mich dreimal eingeschaltet hatte. Das will ich zum Abschluss gern erklären:

1. Der vorherrschende Ton hat sich nicht wesentlich geändert. Dieser Art des aggressiven, verächtlichen und denunzierenden Redens entziehe ich mich in jeder Art von Öffentlichkeit, sei es bei Podiumsdiskussionen, auf der Straße, in der Kneipe, weil mir das nichts bringt außer schlechter Laune.

2. Es ist unweigerlich so, dass einige Leser länger diskutieren können oder wollen. Für mich ist das Arbeitszeit, die irgendwann endet bzw von anderen Anforderungen verdrängt wird. Auch eine endlose Fortsetzung der Debatte würde indes nicht verhindern, dass einige denken, sie hätten immer noch ein Argument mehr.

3. Die Minderheit der argumentierenden Beiträge war für mich durchaus interessant und nachdenkenswert, allerdings fühle ich mich dadurch nicht widerlegt. Ich denke über die Sache, auch nach dem Parteitag der Piraten, noch genauso wie zuvor, was eben daran liegt, dass wir hier vorher sehr genau recherchiert und ausgiebig diskutiert haben. Ich wollte meine Argumente aber nicht wiederholen. Es kann gut sein, dass bei einem so spannenden und fluiden Gegenstand wie der Piratenpartei auch mein Denken sich nocheinmal ändert, aber wohl nicht innerhalb von 49 Stunden.

6. Juli 2009, verfasst zu:
Piratenpartei: Die Piraten werden politisch

Sie werden verstehen, dass

Sie werden verstehen, dass ich der Meinung bin, dass die Argumente der Befürworter von Internetsparren denen der Gegner angeblicher Zensur wie Sie es formulieren "haushoch überlegen" sind. Nach wochenlanger Diskussion und Recherche bin ich zu diesem Urteil gelangt, aber diese Differenz macht ja nichts, die geben wir einfach den demokratsichen Diskussionen und Mehrheitsbildungen anheim. Mein Vorwurf des "Linkssektiererischen" bezog sich ausschließlich auf den verächtlichen Ton und die erschütternde Intoleranz, die sich in dieser Debatte findet und auch das schon seit Wochen und leider auch auf Zeitonline. Ein Print-Kollege hat schon per Telefon eine Morddrohung bekommen. So kommt es dann, wenn sich eine kleine homogene Gruppe heißredet und die bürgerlich-zivilen Umgangsformen missachtet. Diese Kritik bezieht sich nur auf einen Teil – einen zu großen – der hier vertretenen Kommentare
Danke für Ihre ansführliche Argumentation, die auf jeden Fall die meine schärft

3. Juli 2009, verfasst zu:
Piratenpartei: Die Piraten werden politisch

Vielen Dank für Ihren

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es gab in der Tat auch sachliche Einwände. Zum Beispiel wurde gefragt, welches denn die Fehler der Piratenpartei gewesen sind. In der Tat habe ich nicht alle genannt und nicht so recht herausgestellt.

Der Name ist angesichts dessen, dass unter anderem deutsche Soldaten ihr Leben im Kampf gegen Piraten vor Somalia aufs Spiel setzen schlecht gewählt.

Gegen tatsächliche oder vermeitliche Zensur im Netz konnte und kann man bei vielen Gesetzesinitiativen aus dem Inneministerium, zu Felde ziehen. Bei Kinderpronografie sollte man der Regierung eher Hilfe anbieten.

Jemanden in der Partei willkommen zu heißen, der sich erwiesenermaßen kinderpornmografisches Material besorgt hat, ist sehr unklug. Man hätte damit warten sollen, bis das Verfahren beendet ist.

3. Juli 2009, verfasst zu:
Piratenpartei: Die Piraten werden politisch

Verehrte Leserinnen und Leser,

Lassen Sie mich ganz offen sein: Ich verstehe den dominierenden Stil einfach nicht, in dem hier über meinen Kommentar zur Piratenpartei diskutiert wird. Zahlreiche Leser äußern sich verächtlich und verletzend über mich und halten den Artikel für überflüssig, widerlich usw. Wenn Sie aber dieser Meinung sind, warum befassen Sie sich dann so ausgiebig damit?

Mich irritiert es schon sehr, dass so viele, die sich hier als Sympathisanten der Piratenpartei zu erkennen geben, so wenig Toleranz gegenüber einem Andersdenkenden an den Tag legen. Sie halten meine Auffassungen nicht nur für falsch, was völlig legitim ist, sondern Sie möchten offenbar, dass es solche Meinungen wie meine und solche Menschen wie mich gar nicht gibt. Gauben Sie denn wirklich, dass Sie andere Menschen von Ihrer Sache überzeugen können, wenn sie in diesem herabsetzenden Ton sprechen? Denken Sie nicht auch, dass dieser Ton Rückschlüsse auf die demokratische Kultur der Piratenpartei nahe legt?

Es hat nach meiner Erfahrung auch nicht viel Sinn, in Debatten immer so zu tun, als habe der, der eine andere Meinung äußert, schlicht keine Ahnung. Gehen Sie einfach mal davon aus, dass wir bei der Zeit recherchieren und diskutieren, gegenlesen und redigieren. Fehler passieren natürlich trotzdem, aber dass etwas rundweg falsch und komplett undurchdacht ist, kommt fast nie vor.

Das alles hier erinnert doch sehr stark an die linkssektierischen Debatte früherer Zeiten, nicht unbedingt vom Inhalt her, aber in der Zerstörungswut. Warum sind eigentlich in diesen Debatten so viele so wütend? Niemand hat Ihnen etwas getan, niemand hat Sie persönlich angegriffen.

Schließlich frage ich Sie, warum in einer solchen Debatte immerzu der Zeit-Online-Manager eingreifen muss, wenn der Ton endgültig abrutscht, und die anderen Leser diese Art des Diskutierens kaum anprangern.

mit nurmehr gebremster Debattenlust grüßt Bernd Ulrich

3. Juli 2009, verfasst zu:
Piratenpartei: Die Piraten werden politisch