Bahn - Spitzelaffäre Mehdorn kämpft um seinen Job

Heute präsentiert die Bahn ihre Bilanz. Die guten Zahlen werden die Kritiker zum Schweigen bringen, hofft der Bahnchef. Doch Politiker fast aller Parteien fordern seinen Rücktritt

Unmittelbar vor der Präsentation der Konzernbilanz 2008 steht Bahnchef Hartmut Mehdorn wegen der Datenaffäre immer stärker unter Druck. Führende Politiker von SPD, FDP und Grünen forderten am Wochenende eine Abberufung aus dem Amt, und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will nicht mehr mit den Worten zitiert werden, sie stehe bedingungslos hinter Mehdorn.

Der Bahnchef selber sieht hingegen keinen Grund für einen Rückzug. Er verweist auf seine Erfolge und wirft den Kritikern politische Motive und "Stimmungsmache" vor.

Die Bundesregierung wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa noch in dieser Woche über eine mögliche Entlassung Mehdorn entscheiden. Wie am Sonntag aus Regierungskreisen in Berlin verlautete, soll damit nicht mehr bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung des Unternehmens gewartet werden. Dafür sei der öffentliche Druck in der Datenaffäre inzwischen zu groß geworden. Deshalb zeichne sich eine Entscheidung "innerhalb der nächsten Tage" ab.

Die Welt am Sonntag berichtet, es würden schon Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt und auch die Agentur Reuters weiß zu berichten, dass die Suche nach einem Nachfolger Mehdorns längst in vollem Gange sei. "Es werden die Fühler für einen Nachfolger ausgestreckt", zitiert die Agentur einen Regierungsvertreter. Man sei sich mit den Gewerkschaften einig, dass es angesichts der Wirtschaftskrise an der Spitze des Verkehrs- und Logistikonzerns "keine Übergangslösung geben" geben dürfe. Daher könne die Suche eine Weile dauern.

An anderer Stelle hieß es, die Abstimmung zwischen dem Kanzleramt und der SPD-Spitze laufe bereits. Die Entscheidung über personelle Konsequenzen soll nach dem Willen der Kanzlerin und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier in jedem Fall so schnell wie möglich fallen.

Das Präsidium des Bahn-Aufsichtsrats kommt voraussichtlich schon in den kommenden Tagen zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Am Mittwoch findet zudem eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses des Bundestags statt. Dort wird Mehdorn zum zweiten Mal Rede und Antwort stehen müssen.

In der SPD schwindet derweil der Rückhalt für Mehdorn. "Der Mann muss weg", forderte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit auf einer Tagung der Parteilinken. SPD-Vize-Fraktionschef Klaas Hübner sagte, "ein Politiker in dieser Position könnte sich nicht mehr halten".

SPD-Chef Franz Müntefering will dagegen - wie die Kanzlerin - erst den Untersuchungsbericht abwarten. Es sei inakzeptabel, was man über das Vorgehen der Bahn erfahre, sagte Müntefering am Sonntag.

FDP-Chef Guido Westerwelle betonte, die Vorgänge im Unternehmen könnten ´"nicht einfach mit Schulterzucken durchgewunken werden". Dietmar Bartsch von den Linken meinte: "Die Kanzlerin muss die unhaltbaren Zustände bei der Bahn endlich beenden und Bahnchef Mehdorn sofort entlassen." Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn, forderte, Merkel müsse "dafür sorgen, dass Mehdorn geht".

Am Freitag war bekanntgeworden, dass der Konzern über Jahre hinweg die E-Mails seiner Mitarbeiter kontrolliert hat. Mehdorn sagte jedoch: "Es gibt unverändert keine Hinweise, dass DB-Mitarbeiter in diesem Zusammenhang Straftaten begangen haben." Schon gar nicht habe man illegal den Streik der Lokführer behindert.

Der Spiegel hatte berichtet, dass die Bahn vor anderthalb Jahren durch das Zurückhalten einer E-Mail in den Lokführer-Streik eingegriffen hatte. Der Konzern habe zwei "Streikinformationsschriften" der Lokführer gelöscht, die deshalb nie bei ihren Adressaten ankamen.

Ein Bahnsprecher bestätigte den Bericht im Grundsatz, widersprach aber der Behauptung, die GDL-Mail sei durch ein internes Filtersystem aufgespürt worden. Vielmehr sei dies beim Absturz des überlasteten Mail-Servers geschehen. Man habe dann den weiteren Versand der GDL-Mail gestoppt, weil das Verschicken eines Streikaufrufs über das E-Mail-System der Bahn rechtswidrig gewesen sei.

Der Vorsitzende der Bahn-Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, bezeichnete es hingegen als illegal, die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Betriebsräten beziehungsweise Gewerkschaften zu kontrollieren. Er verlangte, dass alle Verantwortlichen für die Fehler das Unternehmen verlassen müssten, Mehdorn eingeschlossen.

Mehrdorn hält die Rücktrittsforderungen jedoch für politisch motiviert: "Offensichtlich haben einige das Ziel, den eingeschlagenen Kurs der DB zu torpedieren und damit einen politischen Linkskurs durchzusetzen." Trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise sei der Konzern unter seiner Führung gut aufgestellt.

Wenn am Montag die Geschäftsbilanz 2008 vorgestellt wird, werden von Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack auch Aussagen über die aktuelle Lage des Konzerns erwartet. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres waren Umsatz und Gewinn der Bahn noch deutlich gestiegen. Seit Oktober leidet aber vor allem der Güterverkehr unter der Konjunkturflaute. In den ersten sechs Wochen dieses Jahres sank der Auftragseingang nach Unternehmensangaben um rund ein Drittel.

 
Leser-Kommentare
  1. nur haben alle weggeschaut.
    Mehdorn hat die Immobilientocher an Hochtief verramscht. Es würde mich nicht wundern, wenn er persönlich irgendwie am Preisvorteil profitiert hat. Ähnlich ist es ja bei Thomas Middlhoff gelaufen, der als Karstadt-Vorstand alle Karstadt-Immobilien an einen Fonds verkauft hat, der Sa. Oppenheim und ihm selbst gehört. Karstadt zahlt also an den eigenen Vorstand Miete.

    Dann ist da das Problem mit den ungeeigneten Achsen des ICE3. Erst nachdem ein Gutachten der BAM an die Öffentlichkeit gelangt ist, hat sich Mehdorn mal bequemt, die ICE3 aus dem Verkehr zu ziehen.

    Die Bahn ist seit Mehdorn eine einzige Service-Wüste.

  2. Wundert mich schon, dass Hartmut Maildorn die Streikaufrufe der Gewerkschaft (per E-Mail !!!) persönlich gelöscht hat. Scheinbar hat Bahnchef Maildorn doch nicht so viel um bzw. zwischen den Ohren

  3. Dieser Mann wird schlicht zu einer Zumutung. Nicht nur für die Bahn, sondern auch für alle, die versuchen, einen fairen Umgang miteinander zu pflegen.
    Irgendwann muss mal Schluss sein, daß jeder grad so rumwurchtelt, wie es ihm passt.
    Zumwinkel kann nicht mehr gefeuert werden, aber bei Mehdorn kann zumindest mal ein Anfang gemacht werden, endlich mal aufzuräumen.
    Dieser Mann schert sich einen Dreck, was er anrichtet. Gewissen scheint dieser Mann ohnehin keines zu haben. Dann sollte er zumindest im vorgezogenen Ruhestand sich mal Gedanken machen, ob da mal so alles in Ordnung war, was er angerichtet hat.
    Schämen sollte er sich. Und Merkel und Tiefensee gleich mit, wenn sie nicht in der Lage sind, mal Kante zu zeigen.

  4. Es werden unbewiesene Behauptungen aufgestellt. Es wird gemobbt was das Zeug hält. Vor einer Verurteilung durch die Judiskative ist der Mann unschuldig! Wer hat denn da wirtschaftliche Interessen, den Herrn Mehdorn auszutauschen? Ist er jemandem Korruptem zu Nahe gekommen? Oder sieht irgenteine Seilschaft ihre Felle schwimmen?

  5. ..
    (Anmerkung: Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion/jk)

  6. Das war´s wohl. Tschüss, Herr Mehdorn.

    Ich wünsche Ihnen für Ihren bestimmt auch weiterhin einträglichen Lebensweg alles Gute und verbleibe als Miteigentümer der Deutschen Bahn mit der Hoffnung, in absehbarer Zeit wieder häufiger mit diesem Unternehmen reisen zu können,

    Hochachtungsvoll
    Kai Hamann

  7. ...den Pöbel aus dem Mittelalter, der dumm und unwissend mit Forke, Fackel & Co. durch die dunklen Gassen zieht und einfach nach mehr schreit; mehr Köpfe rollen sehen, mehr Geld in ihre eigenen Taschen - zündet die Häuser an!...

    So, kehren wir mal zurück aus der Polemik und kommen zum Sachlichen.

    Wurdet dieser verdächtige Mann vor einem deutschen Gericht verurteilt? Nein.
    Solange ist dieser Mensch unschuldig. Basta.

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    Mehdorn hat nichts gewusst .... Wenn es so ist, dann muss er erst recht seinen Sessel räumen. Der Chef dieses Unternehmens muss wissen was in seinem Unternehmen geschieht. Er hat als Unternehmer versagt. Das hat mit einer Verurteilung nichts zu tun. Basta!

    > SPD-Vize-Fraktionschef Klaas Hübner sagte, "ein Politiker in dieser Position könnte sich nicht mehr halten".<

    So ist es.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Mehdorn hat nichts gewusst .... Wenn es so ist, dann muss er erst recht seinen Sessel räumen. Der Chef dieses Unternehmens muss wissen was in seinem Unternehmen geschieht. Er hat als Unternehmer versagt. Das hat mit einer Verurteilung nichts zu tun. Basta!

    > SPD-Vize-Fraktionschef Klaas Hübner sagte, "ein Politiker in dieser Position könnte sich nicht mehr halten".<

    So ist es.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    • landab
    • 30.03.2009 um 2:07 Uhr

    Dies ist hoffentlich das allerletzte mal, daß wir von den unsäglichen Machenschaften des Herrn Mehdorn hören. Schade nur, daß er warscheinlich nicht in vollem Maße für seine Ignoranz und Inkompetenz zur Rechenschaft gezogen wird, mit der er die Deutsche Bahn an den Rand des Abgrunds und seine Kunden so manches mal in den Wahnsinn geführt hat. Ein Paradebeispiel des gewissenlosen Machiavellisten, einzig und allein interessiert an dem allerhöchsten Gut renditegetriebenen Unternehmertums, der wundersamen Geldvermehrung. Nichts hat er unversucht gelassen, Personal und Fahrgäste gegeneinander auszuspielen, sicherheitstechnische Einsparungen auf Kosten von Menschenleben, sowie Überwachungsmethoden, die einer modernen Diktatur durchaus würdig sind. Mögen sie schnell fallen, Herr Mehdorn und möge ihr Fall tief sein. Hoch genug haben sie ja lange genug gesessen. Ich freue mich jetzt schon auf eine neue Bahn im alten Geiste, ohne prestigeträchtige Supra-Hochgeschwindigkeitszüge für Besserverdiener und Wucherpreise für einen Service, der keiner ist. Eine Bahn, die dank eines gut ausgebauten Streckennetzes und intelligenter Logistik eine wirkliche und wirtschaftliche Alternative zum Auto darstell. Eine Bahn, die für den Kunden und nicht für die Aktionäre fährt. Kurz gesagt, eine staatliche Bahn, denn öffentlicher Transport gehört nicht in die Hände renditegieriger "Investoren", sondern ist die Aufgabe einer Regierung, die ihren Bürgern wirkliche Mobilität ermöglicht. An dieser Stelle einen schönen Gruß in die Schweiz und Hut ab für eine Bahn, die das schon lange erreicht hat. Sie fährt sogar rentabel und investiert erwirtschaftetes Kapital wieder in sich selbst, um auch in Zukunft zu bestehen. Kein Traum, auch nicht Sozialismus, sondern wahrhaftige Demokratie.

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    Inkompetenz würde ich Mehdorn nicht bescheinigen. Sehr wohl aber Ignoranz und Arroganz.
    Aber man muss halt eben auch sehen, was ihm da in der Regierung gegenüber sitzt. Zwei Wachsfiguren namens Tiefensee und Merkel. Tiefensee kriegt ohnehin nichts so recht gebacken und mauschelt sich argumentatorisch durch Klippen der Verkehrspolitik (Siehe GDL-Streik u.ä.). Und die Cheffin? Na die hat ohnehin noch nie etwas entschieden, bei dem das Endergebnis nicht von vorn herein bekannt war. Merkel spielt erst ein Blatt, wenn sie weiß, was am Schluss raus kommt. Vorher kommen stets nur Dampfblasen. Ist ja nun hinlänglich bekannt.
    Wenn man solche Gegenüber hat, baut man halt sein eigenes Weltbild zusammen. Deshalb darf die Ignoranz auch nicht wirklich verwundern.

    Inkompetenz würde ich Mehdorn nicht bescheinigen. Sehr wohl aber Ignoranz und Arroganz.
    Aber man muss halt eben auch sehen, was ihm da in der Regierung gegenüber sitzt. Zwei Wachsfiguren namens Tiefensee und Merkel. Tiefensee kriegt ohnehin nichts so recht gebacken und mauschelt sich argumentatorisch durch Klippen der Verkehrspolitik (Siehe GDL-Streik u.ä.). Und die Cheffin? Na die hat ohnehin noch nie etwas entschieden, bei dem das Endergebnis nicht von vorn herein bekannt war. Merkel spielt erst ein Blatt, wenn sie weiß, was am Schluss raus kommt. Vorher kommen stets nur Dampfblasen. Ist ja nun hinlänglich bekannt.
    Wenn man solche Gegenüber hat, baut man halt sein eigenes Weltbild zusammen. Deshalb darf die Ignoranz auch nicht wirklich verwundern.

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