ICE-Unglück Verschlossene Fluchtwege, betrunkener Lokführer
Ein neuer Bericht belegt: Nach einem ICE-Unfall behinderte die Bahn die Rettungskräfte und schickte überforderte Helfer. Der Konzern weist die "Spekulationen" zurück
Durch den Zusammenprall im Landrückentunnel bei Fulda wurden 19 Fahrgäste verletzt. Jetzt kommt ein Untersuchungsbericht des Regierungspräsidiums Kassel zu dem Schluss: Das Katastrophenmanagement der Bahn war ein Desaster.
Der neunseitigen Bericht, der vor wenigen Tagen an Bahnchef Mehdorn ging, liegt ZEIT ONLINE vor. Abgesandt wurde er vom hessischen Innenministerium. "Die... Erkenntnisse sind bedenklich", heißt es in dem Begleitschreiben. Weder Landesregierung noch Regierungspräsidium Kassel wollen sich weiter zu dem Gutachten äußern. Sie verweisen auf die Staatsanwaltschaft Fulda: Sie ermittelt wegen des ICE-Unglücks im Landrückentunnel und hat das Gutachten aus Kassel mittlerweile in ihr Verfahren einbezogen.
Aus dem gleichen Grund nimmt auch die Bahn offiziell keine Stellung zu den Inhalten des neunseitigen Papiers aus dem Regierungspräsidium, wie ein Bahnsprecher in Frankfurt auf Nachfrage der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) erklärte. Gleichzeitig wies er "Spekulationen über das Notfallmanagement der Bahn und die Sicherheit in Tunnels" zurück.
Ein Ergebnis des Kasseler Berichtst: Die Hochgeschwindigkeitsstrecke bei Fulda ist schon aufgrund ihrer Bauart unsicher. "Zwingend erforderliche technische Ausstattungen, die heute Stand der Technik sind und bei allen Verkehrsprojekten eingebaut werden, fehlen auf der Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg", heißt es im Fazit. "Der Gleiskörper konnte an dieser gefährlichen Stelle durch Tiere betreten werden, ohne dass dieses durch die Bahn bemerkt wurde." Überwachungskameras und Zäune hätten das verhindert.
Zudem habe sich die ständige Versicherung der Deutschen Bahn, die baulichen Mängel könnten durch "organisatorische und technische Ersatzmaßnahmen" ausgeglichen werden, als falsch erwiesen.
Folgt man dem Bericht, hat die zuständige Notfallleitstelle des Konzerns gleich in mehreren Punkten versagt. Sie schätzte die Lage falsch ein, spielte das Unglück herunter, informierte die Rettungskräfte nicht ausreichend und behinderte schließlich sogar die Rettungsarbeiten: Sie verzögerte die Entsendung eines Rettungszuges, obwohl die Entscheidung über dessen Einsatz ihr gar nicht zustand.
Der vor Ort anwesende Notfallmanager der Deutschen Bahn habe außerdem fehlerhafte Informationen weitergegeben. Er und die Leitstelle des Konzerns kommunizierten, ohne die technische Einsatzleitung mit einzubeziehen. "Hieraus resultierten dann unterschiedliche Informationsstände, die zu unterschiedlichen Beurteilungen führten." Eine Konsequenz dieser unterschiedlichen Informationsstände war die verspätete Entsendung des Rettungszuges.
Zwei solcher Züge wurden nach dem Unglück eingesetzt. Doch sie waren keine große Hilfe: Der Fahrer des einen Rettungszugs war nicht nüchtern, der zweite konnte die Technik nicht bedienen. Erst nach einem Blick in die Bedienungsanleitung konnte der Zug im Tunnel eingesetzt werden. Zudem kamen beide Rettungsfahrzeuge später als nötig am Unglücksort an.
Die Arbeit der Feuerwehr wurde zusätzlich behindert. So hatte sie keine Schlüssel, um die Türen der Rettungsstollen des Tunnels von außen zu öffnen. Der Grund? "Die Herausgabe der Schlüssel an die Feuerwehr wird vonseiten der Bahn AG abgelehnt. ... Personen, die sich im Rettungsstollen aufhalten, und aufgrund einer Verletzung ... nicht den Ausgang erreichen können, ... kann nicht geholfen werden."
Zudem fehlten, so der Bericht, an der Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg weitere technische Einrichtungen, die Voraussetzung für eine schnelle Hilfe durch die Rettungskräfte wären:
Einzig der Einsatz der Rettungskräfte wurde gelobt.
Nach dem Unglück im Landrückentunnel hatte das Eisenbahnbundesamt ein Gutachten in Auftrag gegeben, das den Unfall untersuchen sollte. Doch die Ursachenforschung ist noch nicht abgeschlossen. Fertigstellung und Abgabe des Gutachtens verzögerten sich mehrfach. Informationen der HNA zufolge liegt die Verzögerung daran, dass derselbe Gutachter mit der Herstellung der Expertise beauftragt worden war, der später auch die Untersuchung des Unfalls eines ICE im Kölner Hauptbahnhof übernahm.
Im Regierungspräsidium Kassel beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe schon seit 1999 mit der Sicherheit auf der Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg. Auslöser für ihre Gründung waren verschiedene Schadensfälle, vor allem ein Brand in einem Tunnel.
Mitarbeit: Fritz Vorholz
- Datum 14.11.2008 - 12:04 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, 14.11.2008
- Kommentare 32
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.... wird Mehdorn endlich rausgeworfen?
... begründen ihre hohen Gehälter doch immer mit der großen Verantwortung die sie tragen. Aber wann wird diese Verantwortung auch mal defacto übernommen?
Mehdorn, Tiefensee, ect., etc. .... alle in einen großen Sack, oben zu binden und dann ...
es ist schön und angenehm zu lesen wie die deutsche bahn kritisiert wird und das auch durch unfälle bestätigt wird. die fehler der bahn werden offensichtlich, ohne dass bisher jemand zu tode gekommen ist- und das trotz hochgeschwindigkeitszügen.
ich denke, dass die bahn bisher sehr sehr viel falsch gemacht hat. es ist allzu einleuchtend, dass der infrastrukturwechselwechsel von normalschnellen zügen auf hochgeschwindigkeit sehr kostenintensiv sein würde. nicht nur die züge sind teurer und müssen sehr viel häufiger gewartet werden, sondern auch die strecken und dessen wartung! es ist deshalb auch einleuchtend, dass die bahn das geld auch wieder reinbekommen muss. dafür müssen dann auch die kunden herhalten. aber nicht nur die, auch an lärmschutzwänden wird gespart.
falls das jemand nicht verstanden haben sollte: schauen sie sich mal die wartungsintervalle von einem kampfflugzeug (ca. 1500km/h) und einem passagierflugzeug (950 km/h) an und dann schauen sie mal was eine wartungsstunde kostet.
Am 3. Juni 1998 entgleiste auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Eschede der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ und brachte die Brücke der Rebberlaher Strasse zum Einsturz. Beim ICE-Unglück von Eschede kamen 101 Menschen ums Leben. Auslöser für die Katastrophe war ein abgerissener Radreifen. (In WIKI steht es)
..... Ihr Kommentar ....
..... ohne dass bisher jemand zu tode gekommen ist ....
Und was im Hauptbahnhof Köln ... der ICE ist entgleist .... was wäre gewesen wenn das bei Tempo 200 passiert wäre.
Wenn die Bahn Hochgeschwindigkeitszüge einsetzt, dann muss sie auch dafür sorgen, dass diese Züge regelmäßig gewartet werden.
Ihr Kommentar ist absurd!
1. Wurde das deutsche Hochgeschwindigkeitsnetz nicht von der Bahn bezahlt - sondern vom STEUERZAHLER! Jahrelang wurde in die Bahn Milliarden Euro vom Staat investiert.
Die Bahn AG ist nur dem Namen nach ein normaler Konzern - er befindet sich aber zu 100% in Staatsbesitz.
Und das bedeutet, daß alle Bürger für dieses Unternehmen zwangsweise bezahlen - nicht nur die Kunden der Bahn.
2. Ihr Vergleich einer zivilen Linienmaschine und einem militärischen Kampfjet ist absurd.
Denn wäre das vergleichbar, würde jeden Tag eine Linienmaschine vom Himmel fallen - so ist das nämlich bei Kampfjets.
Denn diese operieren immer am Maximum und haben viel geringere Sicherheitsspielräume als die zivile Luftfahrt.
Am 3. Juni 1998 entgleiste auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Eschede der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ und brachte die Brücke der Rebberlaher Strasse zum Einsturz. Beim ICE-Unglück von Eschede kamen 101 Menschen ums Leben. Auslöser für die Katastrophe war ein abgerissener Radreifen. (In WIKI steht es)
..... Ihr Kommentar ....
..... ohne dass bisher jemand zu tode gekommen ist ....
Und was im Hauptbahnhof Köln ... der ICE ist entgleist .... was wäre gewesen wenn das bei Tempo 200 passiert wäre.
Wenn die Bahn Hochgeschwindigkeitszüge einsetzt, dann muss sie auch dafür sorgen, dass diese Züge regelmäßig gewartet werden.
Ihr Kommentar ist absurd!
1. Wurde das deutsche Hochgeschwindigkeitsnetz nicht von der Bahn bezahlt - sondern vom STEUERZAHLER! Jahrelang wurde in die Bahn Milliarden Euro vom Staat investiert.
Die Bahn AG ist nur dem Namen nach ein normaler Konzern - er befindet sich aber zu 100% in Staatsbesitz.
Und das bedeutet, daß alle Bürger für dieses Unternehmen zwangsweise bezahlen - nicht nur die Kunden der Bahn.
2. Ihr Vergleich einer zivilen Linienmaschine und einem militärischen Kampfjet ist absurd.
Denn wäre das vergleichbar, würde jeden Tag eine Linienmaschine vom Himmel fallen - so ist das nämlich bei Kampfjets.
Denn diese operieren immer am Maximum und haben viel geringere Sicherheitsspielräume als die zivile Luftfahrt.
Am 3. Juni 1998 entgleiste auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Eschede der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ und brachte die Brücke der Rebberlaher Strasse zum Einsturz. Beim ICE-Unglück von Eschede kamen 101 Menschen ums Leben. Auslöser für die Katastrophe war ein abgerissener Radreifen. (In WIKI steht es)
..... Ihr Kommentar ....
..... ohne dass bisher jemand zu tode gekommen ist ....
Und was im Hauptbahnhof Köln ... der ICE ist entgleist .... was wäre gewesen wenn das bei Tempo 200 passiert wäre.
Wenn die Bahn Hochgeschwindigkeitszüge einsetzt, dann muss sie auch dafür sorgen, dass diese Züge regelmäßig gewartet werden.
DB = DeBil?
Am Dienstag lief auf Arte ein Bericht über den TGV:
Seit 25 Jahren 1.000.000.000 Fahrgäste und KEIN einziger Toter; bei einer vor wenigen Jahren stattgefundenen Entgleisung mit 300 (!!!) km/h nur zwei Leichtverletzte,und die Kiste blieb stehen; dazu eigene Hochgeschwindigkeitstrassen, eingezäunt und mit Sensoren ausgestattet uswusw..
Kann es sein, das unsere Nachbarn ein etwas besseres Konzept (und nebenbei den schnellsten Zug der Welt - gepimpt bis zu 574km/h*) haben?
*Vorsicht: Klugscheisserei: :-)
Weltrekord eines Schienenfahrzeugs: 581km/h - >>> japanische Magnetschwebebahn
Beide Konzepte ICE vs. TGV haben Vor - und Nachteile.
Insbesondere möchte ich anmerken, daß der TGV - im Gegensatz zum ICE - nicht wirtschaftlich fährt.
Das dürfte meiner Ansicht nach vor allem in extrem aufwendigen Strecken und deren Wartung begründet liegen - was eben in Deutschland nicht so der Fall ist.
Ähnlich wie in Frankreich sieht übrigens auch die Situation in Japan aus. Der Shinkansen ist jedoch aufgrund der extrem hohen Fahrpreise wirtschaftlich - trotz höchsten Sicherheitsstandarts.
Beide Konzepte ICE vs. TGV haben Vor - und Nachteile.
Insbesondere möchte ich anmerken, daß der TGV - im Gegensatz zum ICE - nicht wirtschaftlich fährt.
Das dürfte meiner Ansicht nach vor allem in extrem aufwendigen Strecken und deren Wartung begründet liegen - was eben in Deutschland nicht so der Fall ist.
Ähnlich wie in Frankreich sieht übrigens auch die Situation in Japan aus. Der Shinkansen ist jedoch aufgrund der extrem hohen Fahrpreise wirtschaftlich - trotz höchsten Sicherheitsstandarts.
Ihr Kommentar .... auch an lärmschutzwänden wird gespart ....
Fahren Sie doch mal auf der Autobahn von Frankfurt nach Köln. Man sieht die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke sehr gut. Mehr als 3/4 der Lärmschutzwälle wurde wieder entfernt. Grund - Sie stehen zu dicht an den Gleisen und dadurch enstehen unkontrollierbare Luftwirbel und -staus. Hier wurden Millionen Euro verbrannt.
Siehe mein Kommentar 1
möglicherweise fehlt noch was ...
möglicherweise fehlt noch was ...
möglicherweise fehlt noch was ...
... war einst in der Technik führend.
Durchgeknallte Manager haben diesen Status zerstört.
... war einst in der Technik führend.
Durchgeknallte Manager UND völlig realitätsbefreite Politiker haben diesen Status zerstört.
(siehe Transrapid et al.)
... war einst in der Technik führend.
Durchgeknallte Manager UND völlig realitätsbefreite Politiker haben diesen Status zerstört.
(siehe Transrapid et al.)
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