Studenten-Umfrage Sicherheit, Familie, Freizeit - und bloß keine Karriere
Immer soll man so vernünftig sein! Früher nervten die Eltern mit diesem Spruch, heute treiben wir uns selber damit an - immer auf der Jagd nach dem perfekten Lebenslauf. Wir reihen Auslandssemester an Praktikum, Doktorarbeit an Nebenjobs - aber: Muss das eigentlich sein? Die Umfrage von ZEIT Campus zeigt, was Studenten heute wichtig ist.
Die ZEIT Campus-Studentenumfrage
Für die repräsentative Umfrage von ZEIT Campus wurden im Juli und August 2006 mehr als 3.000 Studenten in ganz Deutschland vom
Hochschul-Informations-System (HIS)
online befragt. Mit Hilfe des Online-Panels Hisbus erhebt HIS regelmäßig Situation und Meinungen von Studenten zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen.
Alle Ergebnisse der Umfrage (als PDF) »
Leben für den Lebenslauf?
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- Datum 04.12.2006 - 10:36 Uhr
- Quelle ZEIT Campus
- Kommentare 9
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@jamierose: Das ist sicherlich richtig. Leider geht es in der heutigen Zeit nicht mehr so sehr um das Erweitern des eigenen Horizonts, sondern eher um die Befriedigung der oberflächlichen Erwartungshaltung Außenstehender (namentlich der Unternehmen). Letztlich hat der "Krieg der Lebensläufe" zur Folge, dass nur noch ein Abhaken uniformer Kriterien der Unternehmen zur Grundlage einer etwaigen Einladung zu einem Vorstellungsgeprächs führt. Ich denke, dies macht es sehr wohl erforderlich, darüber zu diskutieren.
"Außerdem hat er einen Doppelstudiengang mit zwei Abschlüssen im Hauptfach Geschichte absolviert, abwechselnd in Tübingen und im französischen Aix-en-Provence."
Ja toll, man kann sich auch totstudieren! Studieren und daneben irgendwelche Nebentätigkeiten, die evt. sogar gar nichts mehr mit dem eigentlichen späteren Berufsfeld zu tun haben. Aber: Praktika und Nebenjobs sind nunmal ganz etwas anderes, als mehrere Jahre richtig im Berufsleben zu stehen. Da ist man am Ende seines (Über)Studiums ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Aber, was hat man dann davon?
"Aus Panik, dass dich auf dem Arbeitsmarkt keiner will, legst du immer noch was nach".
Vielleicht gerade eben wegen diesem Überstudiertsein will einen dann kein Arbeitgeber mehr!?!
Nein, das ist nicht mein Leben.
Ich habe einen handfesten Fachhochschulabschluss gemacht, bin in das Berufsleben eingestiegen und mache jetzt, nach mehreren Jahren praktischer Beruserfahrung eine Spezialisierung in meinem Berufsfeld: Einerseits praktisch direkt am Arbeitsplatz durch die Übernahme entsprechender Aufgaben, andererseits durch ein berufsbegleitendes Zusatzstudium an einer Universität in genau meiner Qualifizierungsrichtung. D.h. Reduktion meines Arbeitspensums auf 80% und 3 Tage im Block pro Monat Lehrveranstaltung an der Universität andernorts!
Die Kursteilnehmer sind dort alle ebenfalls Personen mit Berufserfahrung, das Studienklima und die Präsentation der Kursinhalte deswegen anders als bei einem Grundstudium.
Solche Postgraduate-Angebote nehmen, glücklicherweise, an den deutschen Hochschulen immer mehr zu, so dass Angebote, seinen Berufslebensweg so zu gestalten, durchaus vorhanden sind. Das grössere Problem scheint mir der Arbeitgeber zu sein, der einem den Freiraum (und vielleicht auch noch weitere Unterstützung: Beteiligung Kurskosten?) für diese Weiterentwicklung lassen muss.
Natürlich kostet ein solcher Kurs mehr als ein Grundstudium (selbst wenn das jetzt neuerdings 500,- EUR pro Semester sind, sind Postgraduate-Studien immer noch deutlich teurer), aber wer im Berufsleben steht und damit Lohnempfänger ist, sollte auch solche etwas grösseren Summen verkraften können.
Jedensfalls macht ein solcher Weg meineserachtens mehr Sinn, als sich erstmal einen dicken Brocken von Diplomen oder den Doktortitel aufzuhalsen und dann erst zu schauen, was man damit anfangen (=Anfang!) kann. Es braucht eben nicht ein überzogenes Studienleben vor der beruflichen Tätigkeit. Es braucht das ganze aktive Berufsleben hindurch, nach einer primären handfesten (akademischen) Grundausbildung, genug Chancen, sich akademisch passend zum praktischen Berufsweg weiterzuentwickeln.
Wenn wir schon immer wieder vom lebenslangen Lernen und Weiterqualifizieren zu hören bekommen...
Ist es wirklich vernünftig einer so beschriebenen Studienlaufbahn zu folgen?
Ein Student sollte in der Lage sein zu unterscheiden zwischem dem, was vernünftig ist und dem was als vernünftig verkauft wird.
Andernfalls erliegt er nur seiner eigenen Unreife und bleibt unbrauchbar für einen potentiellen Arbeitgeber.
Studienabgänger leiden unter mangelnder Berufserfahrung gepaart mit einem selbstüberschätzenden Anspruch ihrer Fähigkeiten, die zwar hochqualifiziert aber weitab der Realität angesiedelt sind. Ein cleverer Abiturient mit einer Berufsausbildung ist im Zweifel billiger, genauso leistungsfähig und weniger statusorientiert.
Direkter Aufstieg ins Management? Fehlanzeige. 1. Sind diese Posten besetzt durch ihre Vorgänger. 2. deshalb wissen wir, dass eine solche Beförderung fast immer ein kapitaler Fehler in der Personalführung darstellt.
Zu wenig praktische Erfahrung, zu wenig know how über die realen häufig inoffiziellen Betriebsgesetzte und damit die wirklich entscheidenden Größen. Wegen der Selbstüberschätzung fehlt häufig auch die Fähigkeit dies zu erkennen oder sich daru m zu bemühen.
Wer wirklich glaubt, nur mit einem Studium besohlt einen Job in der heutigen Zeit zu bekommen, der weiß nicht, wie es momentan für frische Absolventen auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Durchaus sollte man nicht Praktikum an Praktikum reihen und dann noch zwei Nebenjobs machen und am Besten neben der Promotion noch einen Bachelor - nur um sicher zu gehen... Eine gewisse Auswahl sollte wichtig sein. Auf der anderen Seite kenne auch ich genügend Absolventen, die sogar nach dem Studium noch Praktikas absolvieren... weil sie ansonsten leider keinen Job bekommen haben. Und 1 Jahr zuhause sitzen? Was sage ich denn dann beim Vorstellungsgespräch? Ich wollte kein unbezahltes Praktikum machen... deshalb habe ich nix gemacht? Na, das probieren Sie mal!
Der Kapitalismus bzw. dessen Mechanismus beherrt inzwischen auch die gesamte Wissensbranche. Dem Einzelnen präsentiert sich ein unendliches Spektrum an Wissen, der Reiz im Idealfall alles zu besitzen wird gesendet und empfangen und dann beginnt das Streben ohne Verstand. Im besten Fall findet der Suchende, im Normalfall verirrt er sich.
Die überhängende Frage ist, was passiert, wenn in den größten Wirtschaftsunternehmen, die Leute arbeiten, die am meisten die Orientierung verloren haben?
Die Zeiten aendern sich, und damit die Anforderungen, die der Arbeitsmarkt an die Bewerber stellt. Der Unterschied zu damals und heute liegt einfach darin, dass bis zur Zeit des Internetbooms die weniger qualifizierten Hochschulabsolventen dennoch eingestellt wurden.
Vom Prinzip her halte ich es nicht fuer falsch, dass Unternehmen von den Bewerbern Leistung, Praxiserfahrung und Sprachkenntnisse fordern. Ich habe diese Kenntnisse zum Zeitpunkt der Bewerbung nach dem abgeschlossenen Hochschulstudium gehabt und immer sofort eine feste, unbefristete Anstellung gefunden. Allerdings habe ich meine Suche nicht auf Deutschland beschraenkt.
Abschliessend kann ich nicht von mir behaupten, mein Studium, meine Praktika oder meine Auslandsaufenthalte nur absolviert zu haben, um einen perfekten Lebenslauf vorweisen zu koennen. Es hat mir immer Spass gemacht, ich habe viel gelernt und Erfahrungen gesammelt.
Ist vielleicht schon mal einer auf den dummen Gedanken gekommen, dass Bildung den Menschen veredelt? Sie erweitert den Horizont, prägt den Charakter und lässt uns wachsen, befriedigt die natürliche Neugier auf das Leben selbst...
Geld verdienen kann man auf vielerlei Weisen.
Ich finde das ist eine der dämlichsten Diskussionen überhaupt!
1. Das System funktioniert nur, wenn jeder mitmacht.
2. Bildung die man nicht für sich selbst verinnerlicht ist wertlos - auch für ein Unternehmen.
3. Eine Gesellschaft, die so mit ihrem Nachwuchs umgeht ist eh zum Untergang verdammt. Also soll sie möglichst schnell das zeitliche segnen. Ich rate hiermit jedem unter 25 sofort das Land, den Kontinent oder gegebenfalls diesen Planeten zu verlassen, um ein einfaches glückliches Leben führen zu können!
4. Auf dieser Welt gibt es für jeden das richtige Plätzchen und das ist gar nicht so schwer zu finden, wenn man seinen eigenen Weg geht.
Und für jeden, der das jetzt mit nem Schmunzeln quitiert:
Ich kenne zahlreiche Bespiele von Studenten, die ohne das ganze Hickhack Karriere gemacht haben und sich wohl fühlen damit. Das sind nicht nur Ausnahmen!
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