Initiative Ein Kreis voller Wissenschaft
Ab Oktober erscheint die erste Ausgabe von "360°", einem Wissenschaftsjournal mit studentischen Beiträgen. Ein Gespräch mit Leonie Eilers, Redakteurin und Pressesprecherin von "360°" über die Idee, Kaufanreize und Finanzierung.
Campus online: Wie ist 360° entstanden, woher kommt die Idee?
Leonie Eilers: Die Idee stammt von unserem Chefredakteur Dominic Schwickert, der im vergangenen Jahr in Kalifornien zum Austausch war. Dort ist es üblich, dass Studenten ihre eigene Zeitung leiten, und so hat er diese Idee mit nach Deutschland gebracht. Im Oktober letzten Jahres hat er dann damit angefangen, Mitstreiter für sein Projekt zu suchen.
Campus online: Was für Mitstreiter?
Eilers: Vorwiegend natürlich Studenten aus dem eigenen Bekanntenkreis. Wir sind alle Kommilitonen, die hier in Münster gemeinsam ihr Politikstudium begonnen haben. Manche sind dann weggegangen, zum Beispiel nach Hamburg oder Tübingen, und so hat sich langsam ein bundesweites Netzwerk aufgebaut.
Campus online: Was genau heißt dann bundesweit? Wer macht denn nun alles bei euch mit?
Eilers: Studenten aus verschiedenen Universitätsstädten wie Münster, Hamburg, Marburg, Freiburg, Tübingen und Berlin. Im Prinzip haben wir in allen Städten die gleichen Aufgaben: eingesandte Artikel redigieren, unser Konzept publik machen und unsere erste Ausgabe im Oktober verkaufen.
Campus online: Und ihr seid alle Politikstudenten?
Eilers: Nicht nur. Wir haben den Anspruch, interdisziplinäre Artikel zu veröffentlichen, und deshalb sind wir eine recht heterogene Gruppe. Wir haben Anglisten, Romanisten, Geopolitikstudenten und vor allem Politikwissenschaftler mit unterschiedlichen Schwerpunkten, also zum Beispiel Schwerpunkt Wirtschaft, Kultur- oder Kommunikationswissenschaft.
Campus online: Wie haltet ihr denn euer Netzwerk zusammen?
Eilers: Unsere Kommunikation läuft vorwiegend übers Internet ab. Wir haben einen Mailverteiler eingerichtet und versuchen so bestmöglich, in Kontakt zu bleiben. Das ist natürlich ganz schön schwer, keine Frage. Aber bis jetzt klappt es eigentlich ganz gut. Wir sind seit unserer Gründung im letzten November konstant gewachsen und mittlerweile 25 Leute, aber das ist ja immer noch ein recht überschaubarer Kreis.
Campus online: Wie seid ihr auf den Namen 360° gekommen?
Eilers: Durch lange Diskussionen! Dominic hatte aus den USA zunächst einen englischen Namen mitgebracht, fand aber bei den weniger Anglophilen keinen großen Anklang. Außerdem haben wir zwar auch englische Texte in unserem Blatt, aber der Großteil ist auf Deutsch. 360° spiegelt unseren Anspruch wider, interdisziplinär zu sein und alle Bereiche, also 360 Grad auszuleuchten.
Campus online: Wer unterstützt euch fachlich?
Eilers: Fachlich werden wir zum einen von einem Kuratorium unterstützt, das als repräsentativer Überbau der Initiative dient. In diesem sind zum Beispiel Professor Risse vom Berliner Otto-Suhr-Institut oder Professor Woyke von der Uni Münster vertreten. Zudem steht uns ein vielfältig besetzter wissenschaftlicher Beirat bei allen Fachfragen zur Seite und gewährleistet durch Gutachten für die eingereichten Artikel so die Qualität des Journals.
Campus online: Wie finanziert ihr euch?
Eilers: Finanzen gestalten sich schwierig. Zahlen will natürlich niemand, obwohl wir immer auf gute Resonanz stoßen, wenn wir unser Projekt in Professorenkreisen oder Verlagen vorstellen. Kein Verlag oder Unternehmen möchte sich heutzutage langfristig finanziell binden, und auch mit einmaligen Anzeigenangeboten ist es nicht leichter. Im Prinzip produzieren wir deshalb jetzt gerade auf Pump, auf unser eigenes Risiko, auf unsere eigenen Kosten. Wir hoffen, dass wir durch den Verkauf der Zeitungen den Druck bezahlen können und sich unser Engagement im wahrsten Sinne des Wortes "auszahlen" wird.
Campus online: Wer soll denn 360° kaufen und warum? Schließlich gibt es doch beispielsweise mit Foreign Affairs oder International Politics bereits sehr gute politikwissenschaftliche Fachzeitschriften.
Eilers: Unser Format ist bislang in Deutschland einzigartig. Foreign Affairs wird von Professoren geschrieben, unsere von Studenten. 360° steht damit an der Schnittstelle zwischen Universität und Gesellschaft, wir können also zeigen, wie die Studenten schreiben und mit welchen Themen sie sich befassen. Die 360° -Redaktion gibt halbjährlich ein Oberthema vor, das dann auch auf unserer Homepage bekannt gegeben wird und die Studenten können dann ihre Artikel einreichen, die - sofern sie unseren Ansprüchen entsprechen - auch veröffentlicht werden.
Campus online: Also ein Journal von und für Studenten?
Eilers: Unser Leserkreis wird sicherlich vor allem aus Studenten bestehen. Es ist ja allein schon interessant zu sehen, wie andere Studenten schreiben, und auch die Literaturangaben sind sehr hilfreich. Wir hoffen natürlich, dass sich unser Journal bewähren wird und sich die Leserschaft irgendwann nicht ausschließlich auf das studentische Milieu beschränkt, sondern in verschiedenen Bereichen, in denen wissenschaftlich gearbeitet wird, gelesen wird.
Das Thema der nächsten "360°"-Ausgabe lautet: "Migration- Entfesselung neuer Kräfte?" Einsendungen werden bis zum 1. 12. 2006 entgegengenommen. Das Journal kann über das Internet bezogen werden oder direkt an den Verkaufsständen in den Städten, in denen "360°" vertreten ist.
Die Fragen stellte:
Cornelia Laufer
Campus
- Das Studentenmagazin auf ZEIT online »
- Datum 05.12.2006 - 10:42 Uhr
- Quelle ZEIT Campus online, 30.08.06
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Eilers: Unser Format ist bislang in Deutschland einzigartig. Foreign Affairs wird von Professoren geschrieben, unsere von Studenten.
Glaube ich nicht:
"Politik und Gesellschaft - Forum für junge Politikwissenschaft e.V.": Bei PuG handelt es sich um eine neue wissenschaftliche Zeitschrift von und für Studierende, die die "Crème de la crème" des Bonner PoWi-Hauptstudiums (später auch anderer gesellschaftswissenschaftlicher Fächer) präsentieren soll. Die fünf besten Arbeiten aus allen Hauptseminaren eines Semesters werden in einem langwierigen Prozess ausgewählt, bevor die fünf herausragenden schließlich veröffentlicht werden.
Damit bietet PuG Nachwuchs-Akademikern bereits vor dem Examen die Möglichkeit eines wissenschaftlichen Publikationsforums, allen Interessierten (Studierenden, Dozenten...) eine anregende Lektüre und nicht zuletzt jüngeren Semestern Orientierung zum Verfassen ordentlicher Hausarbeiten.
Der dritte PuG-Band ist am Ende des Sommersemesters 2006 erschienen und in der Institutsbibliothek (Am Hofgarten 15) erhältlich.
Versucht man, etwas über ein Journal der Bonner Universität übers Internet herauszufinden, wird man leider nicht fündig: Lediglich die Seite der Bonner Fachschaft verweist mit einem Link auf die Zeitung Politik
und Gesellschaft aus Bonn. Die Website selbst läuft (noch) nicht. Veröffentlichen darf bei Politik und Gesellschaft ohnehin nur die Crème de la Crème der Bonner Politikwissenschaftsstudenten. Was das sein soll, muss jeder selbst beurteilen. Zu haben ist die Zeitschrift jedenfalls auch nur in Bonn.
Einem Vergleich mit 360° kann die Zeitschrift darum nur schwer standhalten:
Hier können Studenten ALLER DEUTSCHSPRACHIGEN Universitäten, aus JEDER FACHRICHTUNG veröffentlichen und dies zudem noch auf Englisch.
Die erste Ausgabe ist bereits im Internet zu lesen. (Ach ja, die Seite funktioniert!) Ab Oktober wird es die zweite Ausgabe in vielen Universitätsstädten zu kaufen geben (an Unis und übers Netz).
Es stimmt also, [das] Format ist bislang in Deutschland einzigartig.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren