Generation Trainee Ausbeutung nach Ausbildung

Die ersten Schritte in den Job beginnen viele Absolventen mit einer Trainee-Stelle. Doch das Sprungbrett in die Karriere entpuppt sich oft als Arbeit zu Dumpingpreisen. Ein Kommentar von

Mit Protesten und Petitionen hat die so genannte Generation Praktikum in letzter Zeit von sich reden gemacht: Studentische Praktikanten, die als Billigkräfte von Unternehmen ausgebeutet werden. Doch das, was diese modernen Lohnsklaven derzeit erleben, könnte nur ein Vorgeschmack sein. Denn auch nach ihrem Studium finden sich viele Jung-Akademiker in einer ähnlichen Lage wieder - als Trainees.

Ein Trainee durchläuft verschiedene Bereiche eines Unternehmens und wird durch diese Art von Spezialisierung auf künftige Tätigkeiten vorbereitet. Es gibt jedoch einen Haken: Da ein Trainee zu Anfang nicht die volle Leistung erbringen kann, wird sein Gehalt von vielen Unternehmen auf ein für Akademiker - die schließlich ein halbes Jahrzehnt für ihre Ausbildung opfern - extrem niedriges Niveau heruntergedrückt. Auch wenn Anfang des Jahres der Spiegel noch berichtete, das durchschnittliche Jahreseinkommen beispielsweise eines BWL-Absolventen belaufe sich auf 44.525 Euro, so sieht die Realität allzu oft anders aus. 20.000 Euro Jahresgehalt als Trainee sind da oftmals schon das große Los. Vormals gut bezahlte Geisteswissenschaftler werden manchmal nicht besser entlohnt als Verkäufer an der Supermarktkasse.

So zahlt die angesehene Berliner Agentur Lab One Urban Marketing beispielsweise nach ihren eigenen Angaben während der ersten sechs Monate der Traineephase in den Bereichen Vertrieb, Projektassistenz und Grafik 600 Euro brutto pro Monat. Die zweite Jahreshälfte wird mit 1100 Euro vergütet. Der gängige Lockruf für Bewerber, sich zu solchen Konditionen zu verdingen, wird gleich mitgeliefert: "Eine Festanstellung wird angestrebt", heißt es auf der Homepage.

Wie man von solchen Gehältern leben soll? Daniel Beck* zuckt die Schultern. Der 28-Jährige arbeitet seit einem Jahr als Trainee in einem mittelständischen Unternehmen. Mit einem guten Diplom in der Tasche absolvierte er zunächst zwei Monate Praktikum in dem Unternehmen, für das er nun auch befristet angestellt ist. Eine Übernahme für die Zeit nach dem Auslaufen des Vertrages hat man ihm nicht garantieren wollen. "Eine Fünfzigstundenwoche allerdings", sagt er, "die ist mir dagegen sicher!" Trotz seines Alters lässt er sich finanziell von seinen Eltern unterstützen, anders könnte er sich momentan nicht über Wasser halten, argumentiert er. Die monatlichen Überweisungen seines Arbeitgebers belaufen sich lediglich auf rund 750 Euro. "Diese Summe braucht man fast schon, um den Dresscode einhalten zu können", sagt Beck.

Während große Konzerne in der Regel für eine Traineestelle, dem Grundgedanken entsprechend, ein vollständiges Gehalt und umfangreiche Schulungsmaßnahmen offerieren, sind es oftmals die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die das Prinzip Trainee verfremden.

Karin Stagelmann* (26) hat einen lupenreinen Lebenslauf vorzuweisen. Ihren Abschluss in Internationaler Betriebswirtschaft machte sie mit 1,9, war ein Jahr in Boston, sechs Monate in Madrid und hat während ihres Studiums mehr als ein Jahr lang ausschließlich Praktika absolviert. Bei Siemens, Kraft Foods Deutschland, Beiersdorf und einem Kleinunternehmen. Jetzt, drei Monate nach ihrem Diplom, macht sie bei einem weltbekannten amerikanischen Getränkehersteller ein weiteres auf ein halbes Jahr angelegtes Praktikum. Für gut 500 Euro monatlich. Eigentlich hätte Stagelmann als Trainee für 24.000 Euro im Jahr für ein bekanntes Internetportal arbeiten sollen. Doch nachdem sie mitsamt Freund über 300 Kilometer weit nach Berlin gezogen war, zog das Unternehmen die Offerte überraschend wieder zurück. Nach ihrem Praktikum wird Stagelmann voraussichtlich wieder auf der Straße stehen.

Gerade in strukturschwachen Regionen wird oft versucht, mit der Ausschreibung schlecht bezahlter Traineestellen für wenig Geld gute Arbeitskräfte zu gewinnen. Ein weiteres Beispiel ist da auch die Profil PR & Werbeagentur GmbH mit Sitz in Erfurt. Für eine achtzehnmonatige Traineestelle im Bereich "Text/Konzeption" bot die Geschäftsleitung Bewerbern mit Hochschulabschluss bis vor kurzem 1000 Euro monatlich an, gut ein Viertel des Durchschnittswerts. Inwiefern der Kern einer echten Trainee-Stelle - das Durchlaufen unterschiedlicher Abteilungen und fachspezifische Schulungen - dabei von solch einem kleinen Unternehmen überhaupt gewährleistet wird, ist fraglich. Gegenüber Bewerbern, die man zur unentgeltlichen Probearbeit nach Erfurt lädt, lässt man dieses Thema glattweg unter den Tisch fallen.

Doch die Studenten und Absolventen zwischen 20 und 30, allesamt aufgewachsen mit der Furcht ihrer Elterngeneration vor der Arbeitslosigkeit, nehmen hin, was man ihnen reicht. In diesen Zeiten, so der Tenor, kann man es sich nicht aussuchen. "Der Arbeitsmarkt sieht eben nicht gerade rosig aus", sagt Karin Stagelmann, die sich nach über 50 Bewerbungen und der mehr als ernüchternden Zeit der Jobsuche inzwischen einen Panzer aus beißendem Zynismus angelegt hat. "Durch eine Trainee-Stelle oder ein Praktikum kommt man wenigstens in ein Unternehmen rein und kann dort Kontakte knüpfen."

Es ist ein simpler Mechanismus: In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit können es sich Unternehmen leisten, die Angst der Absolventen vor dem Zurückbleiben auszunutzen. Diesen bleiben im Grunde vier Alternativen: schlechte Trainee-Posten annehmen, sich selbstständig machen, in die Arbeitslosigkeit oder ins Ausland gehen.

Wenn Aspiranten ersteres nicht wollen, bleibt das Problem, dass sie meist weder über eine tragfähige Geschäftsidee, ausreichend Startkapital noch über ausreichende Erfahrungen verfügen. Die mit großem Risiko behaftete Selbstständigkeit scheidet also meist von vornherein aus. Arbeitslos dagegen wollen selbst die Lethargischen nicht ewig bleiben. Bleibt der Gang ins Ausland. Doch damit ist vor allem der deutschen Wirtschaft am wenigsten zu helfen. Denn spätestens an dieser Stelle kommen auch die Unternehmen mit den trickreichsten Stellenangeboten nicht mehr zuverlässig an das, was sie dringend brauchen - klugen und hoch qualifizierten Nachwuchs.

* Name von der Redaktion geändert

Zum Thema
Andocken in der Chefetage - Unternehmen ziehen sich ihren Führungsnachwuchs immer gezielter heran (ZEIT 26/2005) »

Campus - Das Studentenmagazin auf ZEIT online »

 
Leser-Kommentare
    • th123
    • 25.09.2006 um 15:24 Uhr

    @ unheimliches Holg
    also ich lass meine Friseuse (oder sagt man jetzt Frisörin??)immer in der Mittagspause einfliegen, spart Zeit!

    • Yoann
    • 25.09.2006 um 16:11 Uhr

    Der Bericht fasst in der Tat das zusammen, was heute am Arbeitsmarkt als Trainee-Stellen angeboten wird. Ich selbst bin auch als promovierter Akademiker über eine Trainee-Stelle an meinen ersten festen Arbeitsvertrag gekommen. Es ist natürlich wie überall mit befristeten Verträgen ein ziemlicher Eierlauf. Nach 10 Jahren Studium und Promotion kommt einem das schon etwas komisch vor, trotzdem sollte man nicht von vornherein alle Traineeprogramme über einen Kamm scheren.
    Da gibt es die "echten" Trainees, die mit quasi auf einen betimmte Funktion regelrecht trainiert werden und meistens mit einer vertraglichen Bindung an das Unternehmen verbunden sind. Das ist eher die Ausnahme.
    Dann gibt es die "standard" Trainees, wo man zumeist in grossen Unternehmen als Praktikan durch mehrere Abteilungen läuft. Am Ende der Traineezeit steht hier auch oft die Festanstellung, weil in grossen Unternehmen die Fluktuation entsprechend ist.
    Dementgegen sollte man sich bei den "fake" Traineeangeboten von kleinen Unternehmen etwas vorsehen, weil man hier Gefahr läuft wirklich nur als Praktikant missbraucht und dann gegangen zu werden.

  1. Da fällt mir brühheiß ein, dass ich mal wieder zu meinem Friseur nach London jetten muss!

  2. Sehr geehrter Herr Rabitt,

    mit Interesse haben wir Ihre Bewerbung gelesen.

    Dabei ist uns aufgefallen, das Sie jede Menge negative Wellen ausstrahlen und ziemliches Blech fabulieren.

    Aus diesem Grunde Ablage "P"!

    i.V. Heuschrecke

  3. "Akademiker" mögen vor vielleicht 30 Jahren noch ein wenig "elitär" gewesen sein aber üppige Anfangsgehälter gab es da auch blos nicht.

    Was sich geändert hat ist die Anspruchshaltung. Wenn da jemand meint er brauche monatlich 750 € um den "Dress Code" einzuhalten, der spinnt einfach! Natürlich kann dass auch als Witz gemeint gewesen sein, dann ziehe ich meine Aussage zurück und behaupte das Gegenteil.

  4. Interessanterweise streift der Artikel lediglich den Kern des Problems: Studierte wären nicht gezwungen, wenig seriöse Traineestellen anzunehmen, würden ausreichend reguläre Stellen für Hochschulabsolventen angeboten werden. Die Realität dagegen sieht so aus, dass auf dem Arbeitsmarkt fast nur Trainee- oder Praktikantenstellen für universitäre Berufseinsteiger zu finden sind. Ansonsten werden mehrere Jahre Berufserfahrung gefordert, die die wenigsten aufweisen können. So ist die Zusage für eine (schlecht honorierte)Traineestelle auch bei guten Leistungen und Erfahrungen oft schon ein Glücksfall.

  5. ** SIE STINKEN VOM KOPF UND DER GANZE ARMSELIGE RUMPF IST VON FÄULNIS BEDECKT! ** ;)

    Nach einen jahrelangen Studium, besten Abschlüssen und breitgefächertem Know-How würde ich doch nicht irgendwelchen dahergelaufenen "Nur-Geld-Eliten" meine innovativsten Ideen schenken, nur um für ein Monatsgehalt eines normalen Auszubildenden der E-Technik hinter der vom Bossi suggerierten Idee hinterherzulaufen, das es eventuell eine Festanstellung gibt!

    So "dumm" sind Bossi´s nicht wenn sie fett und faul aus fremden Taschen leben wollen, auch wenn in diesen "modernen Zeiten" zu viele von ihnen zu "dumm" fürs reale Leben scheinen!

    Wir leben leider noch im Jahrzehnt der Heuschreckenplage und einer wissentlich oder meinetwegen auch unwissentlich unfähigen Politkaste zum Wohle dieser Wirtschaftsschmarotzer und der Einzelne kann sich nur dadurch schützen, das Er oder Sie sich am Arbeitsplatz am besten gleich geistig "Tod" stellt, wenn Er oder Sie bemerkt, das der "Wallach" in die falsche Richtung galoppieren möchte! :)

    Von der Heuschreckenplage hat doch der kreative und mit hoher Wahrscheinlichkeit unterbezahlte Mitarbeiter(in) nichts, sondern nur der- oder diejenige, die mit aus der Volkswirtschaft geklautem Kapital als Vorgesetzte(r) die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt hemmungslos ausnutzt um irgendwie für sich selber fett vorzusorgen, weil man anscheinend weiß, wie unzulänglich man selber ist und von Geldern a´la Arbeitslosengeld II nie würde existieren können!

    Wenn wir uns auf dem aktuellen Arbeitsmarkt umsehen, so treiben auch da Heuschrecken im billigen Abfischen von Ideen ihr Unwesen, denn wer kennt keine Arbeitsangebote im CAD-Bereich als Entwickler am "LowCost-Kreativ-Fließband" unter Zeitarbeitsbedingungen, mit dem Resultat das die Industrie nur noch wertvolle Ideen für lau kassiert und diese dann in Fernost fertigen läßt, um die jährlichen Millionengehälter ihrer selbsternannten aber lebensunfähigen "Eliten" zu ermöglichen!

    Vielleicht sollte sich einfach nur jeder der Arbeitsuchenden einprägen, das im heutigen Jahrzehnt viel Geld nichts mit realer Intelligenz zu tun hat und schon kann Er oder Sie die Augenwischerei der Heuschrecken viel besser durchschauen!

    In der Wildnis ist auch nicht das Tier das schlaueste, das den größten Haufen kackt, das größte "Männchen" machen kann und am Tag Tonnen an Nahrung verschlingt und an sonsten jeden Tag an den gleichen Felsen rennt! :)

    Übrigens kann man auch Auswandern, denn es gibt immer noch Länder mit einer geistig gesunden Mehrparteien Politik, in denen Innovation, Kreativität und Fleiß zum Fortbestand einer gesunden Volkswirtschaft einen höheren Stellenwert haben!

    So, wir könnten jetzt bei Charles Darwin und der Evolution weitermachen um zu sehen, wann lebensunfähige sogenannte Intelligenz zum Erhalt von sogenannten Systemen aus reiner Selbstverblödung ganz von allein ausstirbt ... aber man will ja unseren chicen Eliten, die sich jedes Jahr einen neuen Sportwagen für den erkrankten Seelenvogel leisten müssen und von 100.000 Euro nicht mehr Leben können, auch nichts verraten was sie ohnehin nicht verstehen könnten! :)

    ES IST GUT DAS ES EINE UNBESTECHLICHE EVOLUTION GIBT! ;)

  6. @Dasunheimlicheholg: Mindestens vier Anzüge (natürlich Dreiteiler), plus zwei leichtere Sommerausführungen, plus anständige Hemden, Krawatten, Wäsche, und das alles BITTE IMMER PICCOBELLO...(erzeugt die entsprechenden Reinigungs- und Bügel-Folgekosten, denn bei einer 50-Stunden-Woche schrumpfen die Vorstellungen von selbstgemachter Hausarbeit ganz schnell zusammen, von der "Schnäppchenjagd" nach Sonderangeboten ganz zu schweigen). Natürlich hat der Bericht übertrieben, aber das war dem Statement auch zu entnehmen. Aber für einen anständigen Anzug kommen eben mal locker 500-1000 Euro zusammen...

    Ich bin verdammt froh, in einer Firma gelandet zu sein, die nicht allzu strenge Maßstäbe an den Dresscode anlegt, obwohl man es verlangen könnte.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT Campus online, 25.9.2006
  • Kommentare 10
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service