Elite-Wettbewerb Exzellenz und Elite

München und Karlsruhe ganz weit vorn: Die deutsche Hochschullandschaft hat ihre drei Elite-Unis nominiert. Ein Schwerpunkt.

Die deutsche Hochschullandschaft ist im Umbruch , Universitäten, Studenten und Forscher stehen vor neuen Herausforderungen und Diskussionen . Was planen Sieger und Verlierer? Welche Zukunft erwarten die Geisteswissenschaften? Was bedeutet die Exzellenz-Initiative für die Fachhochschulen? Und können sich die Elite-Unis vor einem baldigen Studentenansturm kaum mehr retten?

Unser Schwerpunkt lässt Politiker-Pläne, die wichtigsten Argumente und die Ergebnisse der ersten Wettbewerbsrunde Revue passieren. Sieger und Verlierer kommen zu Wort - kurz nach Verkündung der Ergebnisse führte ZEIT Campus online Kurzinterviews mit ihnen. Darüber hinaus zeigen ausgewählte Reportagen und Berichte die Situation im Ausland und an deutschen Unis.

DIE ERSTE RUNDE

Am Freitag, den 13. Oktober war es soweit: Drei Elite-Unis und die Gewinner der Förderlinien "Graduiertenschulen" und "Exzellenzcluster" standen fest. Die Entscheidung wurde anscheinend nicht ohne Unbehagen getroffen - die Politiker waren unzufrieden und meldeten Protest gegen das Verfahren .

Inzwischen üben sich Politik und Wissenschaft aber in einem überraschenden Schulterschluss: Sie wollen für die Zukunft einen ständigen Elite-Wettbewerb .

Im ersten Durchgang der Exzellenzinitiative wurden 18 Graduiertenschulen, 17 Exzellenzcluster und 3 Zukunftskonzepte - die Elite-Unis - ausgezeichnet. Die Ergebnisse im Detail lesen Sie hier.

Schon als in einem allerersten Schritt verkündet wurde, welche Hochschulen überhaupt für die erste Runde zugelassen werden, zeichnete sich ein deutliches Bild der deutschen Forschungslandschaft : Der Norden und Osten kommt gegen einen starken Süden der Republik nicht an.

SIEGER UND VERLIERER

In München herrschte Jubel, in Heidelberg herbe Enttäuschung und in Sachsen freute man sich zumindest über die kleinen Erfolge - die Technische Universität Dresden wurde für eine Graduiertenschule und ein Exzellenzcluster ausgezeichnet.

Die exzellenten Hochschul-Standorte in München und Karlsruhe tanken Selbstbewußtsein. Doch von der Wahl können letztendlich alle Universitäten profitieren - die deutsche Bildungspolitik erlebte einen historischen Tag . Ein Kommentar.

Hier die Stimmen zum Ergebnis des Elite-Wettstreits:

Ernst-Ludwig Winnacker , DFG-Präsident , im Gespräch mit der ZEIT: "Uns fehlt die Fantasie"

Peter Strohschneider , Vorsitzender des Wissenschaftsrats : "Wir hatten ein kleineres Verfahrensproblem."

Bernd Huber , Rektor der LMU München : "Jetzt stellen wir neue Professoren ein."

Jochen Tröger , Pro-Rektor der Uni Heidelberg : "Wir sind tief enttäuscht."

Eva-Maria Stange , Bildungsministerin von Sachsen : "Wir haben Glück gehabt."

DIE ELITE IM AUSLAND

Spricht man in Deutschland von Elite-Unis, Spitzenforschung oder einer wahrlich exzellenten Hochschullandschaft, dann ist das Vorbild USA in aller Munde. Auch ZEIT Reporter sind dieser Spur nachgegangen und haben sich die amerikanischen Elite-Unis in Kalifornien, New York City oder Chicago näher angeguckt.

Manuel J. Hartung etwa besuchte die renommierte Stanford University und beschreibt, was die deutschen Hochschulen von der kalifornischen Elite-Universität lernen können.

Vergleicht man die Lern- und Lehrsituation zwischen Harvard und Heidelberg, Berkeley und Berlin kommt man schnell zu dem Schluss: Die deutschen Unis müssen sich ändern - schnell und radikal !

Der Blick über den großen Teich macht in der derzeitigen Diskussion aber auch Mut , denn dort hat es eine staatliche Hochschulreform nie gegeben, sie verdanken ihren Erfolg allein dem Wettbewerb.

Auch neuere Ergebnisse aus der Hochschulforschung geben allen Grund zur Hoffnung: Deutsche Unis schneiden im Vergleich mit amerikanischen besser ab als lange vermutet .


Auch im europäischen Ausland gibt es eine Elite. So rekrutieren sich die führenden Vertreter der Politik, Wirtschaft und Kultur in Frankreich vor allem aus einer einzigen Kaderschmiede: der ENA. Allerdings ist auch diese Elite-Einrichtung in der Kritik . Nun versucht sie sich an einer Modernisierung.

Als Europas beste Universität gilt derzeit Cambridge - ehrwürdig, elitär und hoch angesehen. Doch mit diesem Ruf will sich die Universität nicht zufrieden geben. Mit der Energie einer Riesin prescht sie voran - und bringt damit auch Großbritannien ganz weit nach vorn im europaweiten Ringen um exzellente Forscher und Studenten.

EIN BLICK IN DEUTSCHE UNIVERSITÄTEN

Schon die Ergebnisse der ersten Runde wurde bei den betroffenen deutschen Hochschulen mit Spannung erwartet.  So rechnete die Uni Heidelberg fest damit, im Elitewettbewerb zu reüssieren. Sie schwebte lange zwischen Aufstiegshoffnung und der harten Realität des Eliten-Anspruchs: Das humboldtsche Ideal der Voll-Universität geht verloren .

Im Gegensatz zu den Favoriten-Unis in Süddeutschland - neben der Uni Heidelberg sind dies die Hochschulen in Aachen, Freiburg, Karlsruhe, Tübingen, Würzburg und München - träumt man im Osten der Republik noch nicht einmal von Eliteförderung. An den ostdeutschen Unis herrschen Abbruchsstimmung, Sparzwang und Melancholie.

Egal, ob im Süden, Norden, Westen oder Osten Deutschlands - die Unis sind im Wandel. Adam Soboczynski begab sich auf die Spuren dieses Umbruchs an der Uni Bonn , eine der vielen hochschulpolitischen Reformwerkstätten. Eine Reportage .

POLITIKER-PLÄNE

Die deutsche Politik und Forschungslandschaft hat Großes vor mit den Universitäten dieses Landes. Sie wollen die Leistungen von Studenten und Professoren auf die Spitze treiben und verändern diese mit dem Elitewettbewerb mehr als jedes Gesetz.

Ob diese Pläne immer gut sind für Studenten und Schüler, darüber lässt sich trefflich streiten . Thomas Kerstan und Martin Spiewak kommentieren die Bildungspolitik der Großen Koalition und den deutschen Bildungsföderalismus - kontrovers und zugespitzt.

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