Uni-Wettbewerb Bochum, Bonn und Marburg am weltoffensten

Drei deutsche Unis machen es vor: Es kann ganz einfach sein, internationale Spitzenforscher anzulocken. Dafür werden die Hochschulen jetzt ausgezeichnet.

Vor knapp zwei Wochen sind die ersten deutschen Elite-Unis gekürt worden. Eines der Ziele der Exzellenz-Initiative: den Wissenschaftsstandort Deutschland attraktiver zu machen und damit international renommierte Spitzenforscher anzulocken.

Doch abseits des viel beachteten Elite-Gerangels führen drei deutsche Hochschulen vor, wie man ganz praktisch um Spitzenforscher aus aller Welt buhlt: Die Unis Bochum, Bonn und Marburg sind jetzt zu den Gewinnern des Welcome-Centres-Wettbewerb auserkoren worden. Unter den 32 teilnehmenden deutschen Universitäten konnten sie die überzeugendsten Konzepte vorweisen, wie sie ausländische Forscher künftig besser betreuen können.

Für Bayreuth und Braunschweig reichte es dagegen nicht zum Titel "Welcome Centre für international mobile Forscher", beide Universitäten wurden von den Juroren allerdings belobigt. Die siegreichen Hochschulen dürfen sich nun auf ein Preisgeld in Höhe von bis zu 125.000 Euro freuen. Damit sollen sie so genannte Welcome Center aufbauen, um ausländische Forscher besser betreuen zu können.

"Wir freuen uns über diese Auszeichnung, sie ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur internationalen Spitze", sagte Elmar Weiler, Prorektor für Struktur, Planung, Finanzen und künftiger Rektor der Ruhr-Uni Bochum. "Mit dem 'Welcome Centre' und der internationalen Research School werden wir künftig noch leichter Spitzenforscher nach Bochum holen." Jährlich begrüßt die Universität nach eigenen Angaben etwa 300 Gastwissenschaftler aus der ganzen Welt.

Ausgerichtet wurde der Wettbewerb, an dem sich etwa jede dritte deutsche Universität beteiligte, von einer Initiative der Humboldt-Stiftung, des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Telekom-Stiftung.

Ziel der Organisatoren ist es nach eigenen Aussagen, die Internationalisierung der deutschen Universitäten voranzutreiben. An der Internationalität einer Hochschule solle künftig auch deren wissenschaftliche Exzellenz gemessen werden können. "Zu einer wirklich exzellenten Universität gehört, dass sie international attraktiv ist und dass sich ausländische Forscher an ihr willkommen fühlen und gut betreut werden", sagte der Vorsitzende der Auswahl-Jury und Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Wolfgang Frühwald.

Zu den Willkommenskonzepten gehören vor allem ganz praktische Maßnahmen: So sollen Wissenschaftler beispielsweise vom Flughafen abgeholt und vom Rektor empfangen werden. Ihnen soll bei Wohnungssuche und Behördengängen geholfen werden, der eventuell mitreisenden Familie will man durch Sprachkurse und Unterstützung bei der Jobsuche die Integration erleichtern.

Die Universität Bonn punktete laut Humboldt-Stiftung im Wettbewerb außerdem damit, dass sie das geplante Welcome Centre mit weiteren in Bonn oder der Region angesiedelten Forschungseinrichtungen vernetzen will. Die Universität Bochum schreibt in ihrem Konzept die Betreuung der Forscher als universitätsübergreifende Aufgabe fest, die durch interne Verträge zwischen den einzelnen Abteilungen gesichert wird. Und Marburg plant, Betreuungsteams aus emeritierten Dozenten einzusetzen, die sich ganz persönlich um die Gäste kümmern sollen.

Der Wettbewerb habe bei einigen Teilnehmern einen Nachholbedarf offenbart, sagte Jurymitglied Heinz-Rudi Spiegel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. So hätten viele Universitäten erst anlässlich der Bewerbung die Anzahl ihrer ausländischen Forscher zentral erfasst. Dennoch zeigte sich die Auswahl-Kommission zufrieden: "Viele Bewerber begreifen den Service für internationale Forscher als Marketingvorteil im internationalen Wettbewerb", sagte Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung. "Wir hoffen, dass Vieles aus den Konzepten, die nicht prämiert werden konnten, dennoch umgesetzt werden wird."

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    • Quelle ZEIT Campus online, 26.10.2006
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