Auslandsstudium Werbung fürs Weggehen
Bislang nutzen zu wenige deutsche Studenten ihre Hochschulzeit für einen Auslandsaufenthalt. Eine Kampagne von Bildungsministerium und DAAD soll das ändern.
Zwar bieten Institutionen wie der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) Studenten mit Fernweh seit vielen Jahren Beratung und Hilfe an. Auch fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung diverse Studien- und Stipendienprogramme, etwa das innereuropäische Austauschprogramm ERASMUS. Doch offenbar schrecken die vermeintlichen Tücken eines Auslandsaufenthalts noch immer zu viele Studierende ab: Bislang machen erst knapp 27 Prozent von ihnen während der Hochschulzeit ein Praktikum im Ausland. Ein ganzes Semester jenseits deutscher Grenzen absolvieren gerade mal 16 Prozent.
Viel zu wenige seien das, lautet das Urteil von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). "Angesichts des globalen Wettbewerbs brauchen wir in Zukunft Führungskräfte in Wirtschaft und Wissenschaft, die sich auf der ganzen Welt auskennen", mahnte Schavan Ende September und appellierte an deutsche Studenten: "Nutzen Sie Ihre Chance und verbringen Sie einen Studienabschnitt im Ausland!" Zusammen mit dem Präsidenten des DAAD, Professor Theodor Berchem, hat die CDU-Politikerin daher die Informations- und Werbekampagne "go out! Studieren weltweit" ins Leben gerufen.
Inhaltlich setzt "go out!" die bereits vor fünf Jahren begonnene Initiative "go east - Studium, Forschung, Praktikum in Osteuropa in den Ländern der GUS" fort. Doch die aktuelle Kampagne will auch andere Regionen der Welt miteinbeziehen. Denn bei ihrem Weg ins Ausland bleiben deutsche Studenten am liebsten auf ausgetretenen Pfaden. So wies DAAD-Chef Berchem anlässlich des Starts von "go out!" darauf hin, dass es noch immer mehr als 90 Prozent der jährlich rund 70.000 im Ausland Studierenden an Hochschulen in Europa oder Nordamerika ziehe.
"Entgegen diesem Trend wollen wir die Studierenden besonders zu Auslandsaufenthalten in Ländern anregen, die nicht im üblichen Fokus liegen, aber ebenfalls attraktive Bedingungen für Studium, Recherchen für Abschlussarbeiten, Forschung und Praktika bieten", erklärt Claudius Habbich. Der Leiter des Referats "Information für Deutsche über Studium und Forschung im Ausland" beim DAAD in Bonn nennt Asien, Lateinamerika und Afrika als Alternativziele. "Angesichts der sozialen, ökonomischen und ökologischen Entwicklung weltweit sollten unsere zukünftigen Fach- und Führungskräfte mehr Erfahrungen im Ausland sammeln", fordert Habbich.
Auch Christian Herbst wird nicht müde, die enorme Bedeutung eines internationalen Forschungsaustauschs für den Wissenschaftsstandort Deutschland zu betonen. Herbst ist im Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem "go out!"-Projekt betraut. "Wichtig ist uns vor allem, dass die Naturwissenschaftler mobiler werden", sagt Herbst. Abgesehen von der "Erweiterung des individuellen Erfahrungshorizontes" dürfe Deutschland mittel- und langfristig nicht den internationalen Anschluss verpassen. Asien etwa werde enorm an Bedeutung gewinnen.
Erklärtes Ziel aller Beteiligten bei "go out!" ist es, den Anteil erfolgreicher deutscher Hochschulabsolventen mit längerem Aufenthalt im Ausland mittelfristig auf 50 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig soll auch die Zahl der Studenten, die zumindest ein Auslandssemester absolviert haben, auf 20 Prozent steigen.
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- Datum 12.06.2007 - 11:28 Uhr
- Quelle ZEIT Campus online, 24.10.2006
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