Im Fußball gewöhnte man sich schnell daran, dass altbekannte Stadien plötzlich die Namen von Sponsoren trugen. Über die Allianz-, die AOL- oder die Veltins-Arena regt sich niemand mehr auf. Im deutschen Hochschulbetrieb dagegen ist ein derartiges Sponsoring immer noch ungewöhnlich.
Uni-Finanzierung der Zukunft? Der Aldi-Max an der FH Würzburg.© Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt

Folglich klangen die Meldungen über die Förderung einer Hochschule durch einen Lebensmittelkonzern erst mal wie ein Witz. Doch es stimmt: Die FH Würzburg kooperiert mit Aldi Süd und der Sparkasse und benennt damit einhergehend zwei Hörsäle in "Aldi-Süd-Hörsaal" und "Sparkassen-Hörsaal" um. Eine Universitäts-Sprecherin bestätigte auf Nachfrage außerdem, dass noch vier weitere Räumlichkeiten zum "Verkauf" bereit stünden.  

Ein bisschen Amerika in Deutschland

In Amerika ist Firmensponsoring an Schulen Alltag und auch an Hochschulen bekannt. Bereits Mitte der 1990er Jahre gab der Telefonkonzern AT&T rund 150 Millionen Dollar aus, um Schulen an den "Information-Highway" anzuschließen, und Computerhersteller IBM investierte innerhalb von fünf Jahren 25 Millionen Dollar in Schulprojekte.

Auch in Deutschland gab es bereits Sponsoring von Bildungsstätten durch Firmen. So investierte die Telekom Mitte der 1990er Jahre umgerechnet rund 15 Millionen Euro, um Schulen ans Netz zu bringen, und 1998 stiftete Hasso Platter, Gründer des Software-Unternehmens SAP, ein nach ihm benanntes Institut für Informatik an der Uni Potsdam. Schreibgerätehersteller Staedler sponsert ebenfalls einen Hörsaal an der FH Nürnberg, allerdings über eine Stiftung mit konkretem Auftrag zur Hochschulförderung. Ähnlich wie die Sparkasse, die ihr Engagement an der FH Würzburg im Rahmen eines Förderauftrags für die Kommunen erledigt. Ein Hochschulsponsoring durch Firmen ohne einen solchen öffentlichen Auftrag wie im Falle Aldi Süd ist hingegen neu.

"Mit der Förderung möchten wir uns gerne bei den Studenten als Arbeitgeber bekannt machen", erklärt Axel Polossek von der Firma Aldi Süd das Engagement seines Unternehmens. "Schließlich sind wir immer auf der Suche nach Betriebswirtschaftlern und haben deshalb bereits in der Vergangenheit mit der FH zusammengearbeitet, beispielsweise durch die Vergabe von Praktikumsplätzen." Die jetzt beschlossene Förderung ist angelegt auf einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Förderungshöhe beziffert Aldi Süd auf "einen fünfstelligen Betrag". Das zur Verfügung gestellte Geld soll zur Erneuerung der Beleuchtung und Einrichtung des Hörsaals dienen.

Studenten, die befürchten, sie müssten künftig in orange-blau bzw. feuerrot gestrichenen Hörsälen lernen, brauchen sich jedoch keine Sorgen machen. "Die Kennzeichnung wird minimal ausfallen", verspricht Katja Klein, Pressesprecherin der FH Würzburg. "Neben der Eingangstür wird es Namensschilder und nahe des Hörsaals eine Werbetafel geben. Das ist alles."  

Rechtlich einzuwenden ist gegen eine derartige Zusammenarbeit nichts. Gewährleistet sein muss lediglich, dass der Geldgeber keinen Einfluss auf den Inhalt der Lehre nimmt. Im bayrischen Wissenschaftsministerium in München, das der Kooperation in Würzburg zustimmen musste, freut man sich sogar über das Engagement und das Interesse der Wirtschaft.

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