Studienhilfe IPod statt Hörsaal

In Großbritannien verteilen einige Universitäten iPods an ihre Studenten, damit diese versäumte Vorlesungen nachholen können. Eignet sich dieser Service auch für deutsche Unis?

Morgens halb elf im Audimax. Nur langsam kriecht der Minutenzeiger über das Ziffernblatt der Armbanduhr. Bereits mehrmals ist der Kopf gefährlich zur Seite gesackt. Vorne redet der Professor zum Thema "Höfische Kultur zu Zeiten Karls des Großen" und schiebt eine unleserliche Folie nach der anderen auf den Overheadprojektor. Nur die fleißigsten Banknachbarn schreiben auf Papierblöcken mit. Dies ist Alltag an mehr als einer deutschen Universität, wo bereits eine Power-Point-Präsentation vielen Professoren als technologisches Wunderwerk gilt. In solchen Momenten beschleichen jeden Studenten stille Sehnsüchte: Wenn man dem drögen Vortrag doch wenigstens vom Bett aus folgen könnte...

Könnte man. Jedenfalls, wenn man am South Kent College im englischen Dover eingeschrieben ist. Das College investierte kürzlich knapp 35.000 Euro, um MP3-Player der Marke iPod anzuschaffen. Zu Semesterbeginn im Oktober sollen die Geräte an 250 Studenten ausgegeben werden. Das Ziel: Unterricht per Podcast. Den Studenten soll mit den aufgezeichneten Lehrstunden die Möglichkeit gegeben werden, verpasste Vorlesungen nachzuholen. Die Geräte werden aber nur an jene Studenten verteilt, die auf ein makelloses Führungszeugnis in puncto Anwesenheit und Pflichterfüllung zurückblicken können. Alle Langschläfer, die sich schon auf ein gemütliches Lernen im Schlafanzug gefreut hatten, und all die Studenten, die das Semester eher ruhig angehen wollten, müssen weiterhin ganz klassisch in den Hörsaal gehen.

Das Experiment des South Kent College ist keinesfalls das erste seiner Art. Amerikanische Universitäten arbeiten bereits seit einiger Zeit mit den Mini-Playern. Bereits im Jahr 2003 vergab die Georgia College & State University in den USA iPods an Studenten. 2004 stattete die Duke University in North Carolina alle ihre 1650 Erstsemester mit dem Gerät der Firma Apple aus. Auf dem Datenträger sind Informationen rund um die Universität gespeichert. Die Studenten können unterrichtsbegleitendes Materialien hochladen und auf den neuen Studienbegleiter abspeichern.

Das elektronische Aufrüsten hat dem englischen South Kent College allerdings nicht nur Freunde geschaffen. Der Vorsitzende der Eltern-Lehrer-Arbeitsgemeinschaft "Campaign for Real Education", Nick Seaton, nannte die Anschaffung "eine skandalöse Verschwendung von Steuergeldern" sowie "Bestechung".

Vielleicht ist der Einsatz von iPods beim Studieren trotz mancher Ärgernisse mit Erziehungsinitiativen aber auch in Deutschland denkbar? "Über eine Anschaffung von MP3-Playern haben wir noch nicht nachgedacht, prinzipiell wäre so etwas natürlich denkbar", sagt Professor Christoph Markschies, Präsident der Humboldt Universität in Berlin. "Ich erinnere mich, dass nach der Einführung von Taschenrechnern diese ja auch klassenweise von Schulen gekauft wurden. Genau wie später fast jede Uni Computer angeschafft hat." Der Vorwurf der Verschwendung von Steuergeldern sei allerdings ein Problem. Nicht nur an Massenuniversitäten wäre ein solches Projekt aus einem normalen Etat kaum zu bestreiten. "Wenn aber ein Sponsor einspringen würden, warum nicht?", meint HU-Präsident Makschies.

Der Hersteller der iPods hält sich jedoch erst einmal bedeckt. "Apple betreibt kein Sponsoring in dem Sinne, dass wir unsere Produkte einfach verschenken", erklärt Georg Albrecht, Pressesprecher von Apple in Deutschland. Falls es eine konkrete Anfrage seitens einer Universität gebe, wolle er aber eine Kooperation auch nicht ausschließen. "Schließlich gibt es Studentenrabatte für unsere Produkte. Als technische Berater arbeiten wir bei der Erstellung von Vorlesungs-Podcasts bereits mit einigen Universitäten zusammen." Und in Zeiten überfüllter Hörsäle seien solche Projekte schließlich eine gute Idee.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    die Zeit online Bildredakteure haben "Recherche" wohl auch nur per podcast studiert...

  2. 2. Ups?

    Hat hier noch niemand gemerkt, dass das auf dem Bild keine iPod, sondern (ausgerechnet) ein Microsoft Zune ist?

  3. auf der Montage sondern ein Zune. Sollte das ein Joke sein oder hab ich was nicht verstanden?

  4. Das Foto zeigt keinen iPod von Apple, sondern einen Zune von Microsoft ...

    • Anonym
    • 09.11.2006 um 13:24 Uhr

    existieren solche Lösungen bereits an mehreren Stellen. Ganz definitiv kann ich das von der Uni Karlsruhe sagen - nur kauft man dafür keine iPods, sondern lädt sie sich einfach aus dem Internet.

    Das wirklich herausragende, außer der Umsatzsteigerung für Apple ist irgendwie für mich nicht recht erkennbar.

  5. 6. iPOD

    Die Abbildung zeigt keinen IPOD sondern einen Zune

  6. ein Artikel über den iPod, dann sollte zumindest auch das Bild eines iPods dort stehen - sonst kann der Redaktuer doch gleich gestehen, keine Ahnung über das Thema zu haben. Oder ist die Recherche bei der Zeit jetzt bald auf Spiegel-Niveau?

    • quasan
    • 09.11.2006 um 21:28 Uhr
    8. ipod?

    *augen reib*

    schöner MS-ZUNE Player.. aber ein Ipod ist das auf dem Foto trotzdem nicht ;)

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  • Quelle ZEIT Campus online, 8.11.2006
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