Stell dir vor, du studierst und im Semesterplan stehen Seminare wie "Pflügen mit Kuh" und "Reisfeld bestellen". Was in Deutschland unwahrscheinlich ist, kann Studenten in den Philippinen durchaus passieren - vorausgesetzt, sie studieren dort Agrarwissenschaften. So wie die 21-jährige Ching. Ein Reisbauer bearbeitet mit seinem Pflug, vor den er einen Wasserbüffel gespannt hat, sein Reisfeld.© dpa BILD

Ching studiert im vierten und letzten Jahr an der jesuitisch geführten Xavier-Universität in Cagayan de Oro auf Mindanao, einer der insgesamt vier Universitäten in der 700.000-Einwohner-Stadt. Von diesen vier sind allerdings drei in privater Trägerschaft, nur eine davon ist staatlich. Dieses Verhältnis ist typisch für die Beziehung von öffentlicher und privater Bildung auf den Philippinen. Vom Kindergarten bis zu den Universitäten dominieren die privaten Einrichtungen - in Anzahl und Qualität. Weniger als 200 öffentlichen Universitäten stehen fast 1500 private gegenüber. In Deutschland gibt es gerade mal 61 Privat-Unis.

Ein weiteres Problem: Die öffentlichen philippinischen Unis geizen mit Studienplätzen. Es gibt nur wenige Plätze für zu viele Bewerber. Fast 2,5 Millionen Studenten waren 2004 an den Universitäten des Landes eingeschrieben. So büffeln angehende Studenten für die Eignungstests der privaten Hochschulen und sind bereit, eine stattliche Summe für ihr Studium zu bezahlen. Wie hoch die ist, hängt von der Attraktivität des Studienfaches ab. Doch auch ein Studium an einer staatlichen Universität ist nicht wirklich geschenkt. Je nach Studienfach fallen dort Gebühren an, die bei etwa einem Drittel der Kosten für ein privates Studium liegen.

Schlechte Noten, und das Stipendium ist weg

Ching hat Glück gehabt. Sie studiert mit einem staatlichen Stipendium an einer privaten Universität. Nachdem sie den Eignungstest bestanden hatte, wurde ihr ein fester Betrag pro Semester bewilligt, allerdings unter der Bedingung, Agrarwissenschaften, Biologie oder Chemie zu studieren. Eine Maßnahme der Regierung, den Zulauf zu den attraktiven Fächern wie Medizin und Pädagogik auszugleichen.

Die Regierung hat früh erkannt, dass Bildung wichtig ist, um ein Land voran zu bringen. So bietet sie neben der regulären Begabtenförderung verschiedene Stipendien für Schulabgänger aus sozial schwachen Verhältnissen an. Anders als das deutsche Bafög ist ein Stipendium jedoch an herausragende Leistungen des Studenten geknüpft. Der Notendurchschnitt wird in jedem Semester überprüft. Werden die Noten schlechter, gibt's kein Geld mehr. Hart, aber fair will man sein.