Studienanfänger Gebühren schrecken ab

Studiengebühren und eine falsche Hochschulpolitik machen sich bemerkbar: In diesem Herbst haben erneut weniger Abiturienten ein Studium begonnen.

Die Zahl der Studienanfänger in Deutschland ist gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent zurückgegangen. Die Studienanfängerquote sank gleichzeitig von 38,9 Prozent eines Jahrgangs auf nur noch 35,5 Prozent im aktuellen Wintersemester, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Die Anfängerquote verringerte sich so zum dritten Mal in Folge, obwohl es auch 2006 erneut mehr Abiturienten gab.

Deutsches Studentenwerk, Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Studentenvertreter warfen Bund und Ländern vor, für die Entwicklung verantwortlich zu sein. „Die Hochschulpolitik der vergangenen Jahre hat das Ziel, mehr junge Menschen für ein Studium zu begeistern, verfehlt“, sagte Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Die Politik müsse endlich mit geeigneten Maßnahmen gegensteuern.

HRK-Präsidentin Margret Wintermantel sagte: „Wir entfernen uns immer mehr von dem Ziel, 40 Prozent eines Altersjahrgangs an die Hochschulen zu führen.“ Aufgrund der mangelnden Ausfinanzierung und der Einführung der betreuungsintensiven neuen Bachelor- und Masterstudiengänge hätten die Hochschulen immer häufiger keine andere Wahl, als die Zulassungen noch weiter zu beschränken. „Die gesamte Diskussion um Studiengebühren haben deutliche Spuren hinterlassen“, sagte Konstantin Bender vom Studierendenverband fzs.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht dagegen keinen direkten Zusammenhang zwischen den rückläufigen Erstsemester-Zahlen und den Studiengebühren. Dagegen spreche, dass „etwa Bayern und Hamburg Zuwächse verzeichnen, obwohl sie Gebühren einführen“, sagte Schavan dem Handelsblatt .

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) meint jedoch: „Der Zusammenhang mit den Gebühren ist nicht einfach von der Hand zu weisen, aber auch nicht der einzige Beweggrund, nicht zu studieren.“ Er fügte hinzu: „Ob ein Land Studiengebühren hat oder nicht: Es darf kein Abiturient aus rein wirtschaftlichen Gründen von einem Studium abgeschreckt werden.“

Auch die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) schließt nicht aus, „dass schon die Diskussion um die Studiengebühren junge Menschen verunsichert und sie von einem Studium abschreckt“. Ein weiterer Grund für die rückläufigen Zahlen „mag in Zulassungsbeschränkungen liegen“. Sie hoffe, dass der Hochschulpakt neue Impulse setzt.

Nach vorläufigen Ergebnissen sind zu Beginn des Wintersemesters 2006/2007 an deutschen Hochschulen rund 1,979 Millionen Studenten eingeschrieben gewesen, etwa genauso viele wie ein Jahr zuvor. Insgesamt nahmen rund 343.700 Erstsemester ein Studium auf. Der Rückgang fiel mit fünf Prozent an den Universitäten deutlich höher aus als an den Fachhochschulen (- 1 Prozent).

Besonders betroffen waren Sachsen (- 13 Prozent), Nordrhein-Westfalen (-1 0 Prozent) und Sachsen-Anhalt (- 10 Prozent). Hohe Zuwächse verzeichneten hingegen die Berliner Universitäten (+ 9 Prozent). Laut HRK liegt die unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Ländern daran, dass einige Länder ihre zulassungsfreien Studiengänge um bis zu 39 Prozent verringert hätten, während ihre Zahl in anderen Ländern wie Berlin, Rheinland-Pfalz oder Hamburg größer geworden sei.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte davor, nur auf Studienanfänger zu setzen. „Noch wichtiger ist es, die Absolventenquoten durch bessere Lehre und intensivere Betreuung deutlich zu steigern. Abbrecherquoten von rund 40 Prozent wie zum Beispiel in Informatik sind nicht akzeptabel.“

JMW

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Leser-Kommentare
  1. Hiess es nicht im August noch, es waeren in diesem Jahr mehr Studienanfaenger wie noch nie? Schon lustig wie es von Gestern auf Heute solch unterschiedliche Aussagen gibt. ^^,

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  • Quelle ZEIT Campus online, dpa, 30.11.2006
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