Wie man den Job nennt, den ich gemacht habe? Keine Ahnung, ob es dafür überhaupt eine offizielle Berufsbezeichnung gibt. Ich tippe mal auf "Erotik-SMS-Schreiber". Das beschreibt jedenfalls recht treffend, wofür ich bezahlt wurde. Ich sollte SMS schreiben und zwar an Leute, die ihrerseits bereits an Nummern aus eindeutigen Werbespots eine SMS geschickt hatten. Ihnen antwortete also nicht die Lackdame aus dem "Ruf-mich-an!"-Spot, sondern meine Wenigkeit. Sinn der Sache war natürlich, die Leute, so lange es geht, zum Weiterschreiben zu animieren, denn für jede SMS an uns, wurden ihnen rund zwei Euro berechnet.

An den Job bin ich ganz normal über eine Anzeige in einem Stadtmagazin gekommen. Nach drei Einlern-Sitzungen mit einem Kollegen wurde mir eine Schicht zugeteilt und dann ging es auch schon los. Geschrieben haben wir am Computer, nicht mit einem Handy.

Was man da so texten musste, hing stark von der Tageszeit ab. Nachts waren meist Männer dran und die wollten Sex, Hardcore, die ganz harte Nummer. Wer also Hemmungen hat, zu schreiben, dass er sich gerade mit Fäkalien einreibt oder es toll findet, sich anzupinkeln zu lassen, sollte sich vielleicht zweimal überlegen, ob er auf diese Weise sein Geld verdienen möchte. Es ist echt wunderlich, was Leute alles erregend finden. Die ersten Male war es noch recht seltsam, irgendwann aber denkt man gar nicht mehr darüber nach. Das läuft dann völlig automatisch. Auch dass man sich manchmal als Frau ausgeben musste, war schnell nicht mehr komisch. Da hieß es dann nur aufpassen, dass man die Nachrichten nicht durcheinander schmiss, wenn man mit mehreren Personen gleichzeitig Kontakt hatte.

Abbrechen mussten wir nur, wenn wir klar war, dass jemand nicht volljährig war bzw. auf pädophile Fantasien oder Sex mit Tieren hinauswollte. Das passierte gelegentlich. Schockierender fand ich allerdings die Frauen, die man nachmittags manchmal in der Leitung hatte und die auf der Suche nach der Liebe ihres Lebens waren. Manche schickten über Wochen hinweg jeden Tag 20 SMS. Deren Telefonrechnung will ich sehen!

Dass manche Menschen so naiv sind, habe ich davor nicht glauben wollen. Da kam man sich manchmal richtig schäbig vor. Vielleicht war das mit ein Grund, warum ich den Job nach nur drei Monaten geschmissen habe. Ein anderer Grund war aber ganz sicher das Geld. Gerechnet hat sich das nämlich nie. Bezahlt wurden wir pro SMS, die wir verschickten. Da das aber jeweils nur ein paar Cent und nie genug Leute in der Leitung waren, kamen selten mehr als vier bis fünf Euro pro Stunde zusammen.