In der Mensa mit"Ihr habt genug gedacht!"

Der Regisseur Rosa von Praunheim hat erst sein Studium abgebrochen, sich dann selbst das Filmemachen beigebracht, und später wurde er Professor. Ein Gespräch über seine Hassliebe zu den Studenten, ABM-Stellen für Profs und den didaktischen Wert eines Domina-Studios. von 

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Rosa von Praunheim, 64, betritt die Mensa und bleibt erstaunt stehen. "Ach, hier sind die ganzen jungen Leute!" Als er Anfang der sechziger Jahre an der ehemaligen Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg mit dem Studium begann, blühte in dem Viertel die Subkultur. Dann ist sie weggezogen – nach Prenzlauer Berg oder Friedrichshain. Nur Rosa von Praunheim ist dageblieben. Außerhalb der Hörsäle trifft man in Charlottenburg seitdem kaum noch Studenten. "Wahrscheinlich werden die alle in Bussen hergebracht", sagt der Filmemacher, "und abends wieder abgeholt."

ZEIT Campus: Sechs tote Studenten heißt Ihr neuer Film. Wie sind die umgekommen?

Rosa von Praunheim: Die sind in Wirklichkeit gar nicht tot. Der Film ist eine Satire auf mich selbst als Professor an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam: Die Professorin, mein Alter Ego, schickt ihre Studenten auf eine Reise nach Kalkutta, damit die das richtige Leben kennen lernen. Aber die verarschen sie und bauen Kalkutta im Studio nach. Dort inszenieren sie den Tod von sechs Teilnehmern, um die Professorin zu schockieren und sich an ihr zu rächen.

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ZEIT Campus: Haben Sie so schlechte Erfahrungen als Hochschullehrer gemacht?

Praunheim: Ich hätte jedes Mal kotzen können, wenn ich am Anfang eines Semesters in die satten Gesichter der Studenten geschaut habe. Die kommen alle aus bequemen, bürgerlichen Elternhäusern und haben keine Notwendigkeit, kreativ zu sein. Aber wenn ich sie dann näher kennen lerne, verliebe ich mich immer in sie. Das geht mir beim Filmemachen genauso: Wenn ich jemanden interviewe, dann verliebe ich mich in ihn. Ich kann nicht anders. Wenn der mir seine Geschichte erzählt, bin ich begeistert. Da kommen so viele interessante Sachen raus, die kein Roman erfinden könnte.

ZEIT Campus: Sie selbst haben Ihr Studium der Malerei abgebrochen, um Filme zu drehen. Was hat Sie getrieben?

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