Traumberuf? Um 9.30 Uhr beginnt die Traumzeit

Was macht ein Theater-Intendant den ganzen Tag? Armin Petras vom Berliner Gorki-Theater gibt Auskunft

Ich stehe um 8 Uhr auf und höre den Anrufbeantworter ab. Ich habe zum Glück kein Handy, das ist absoluter Luxus.

Um 8.30 Uhr arbeite ich zu Hause an der Strichfassung des Prinzen von Homburg. Ich streiche das Stück auf 50 Seiten zusammen, lasse Szenen oder Charaktere weg. Das Original hat 110 Seiten – das würde auf der Bühne etwa fünf Stunden dauern.

Um 9.30 Uhr fahre ich mit dem Mountainbike zur Probebühne in Weißensee. Die Zeit auf dem Fahrrad ist meine Traumzeit: Hier habe ich Ideen.

Von 10 bis 13 Uhr leite ich dann die Probe für Die Frau vom Meer. Wir überarbeiten drei Szenen und einen langen Monolog. Als Regisseur bin ich absoluter Autokrat. Ein Regisseur muss denken: »Ich, ich, ich!« Es geht um meine Ideen, mein Stück, meine Leistung. Diese Rolle abzulegen ist schwer. Mein Sohn sagt im Urlaub manchmal: »Du bist nicht der Bestimmer!« Zwischen den Proben, als Intendant, bin ich aber Demokrat: Ich muss einen Schutzraum für alle Mitarbeiter bieten und die Leistungen aller optimieren.

Von 13 bis 14 Uhr schaue ich bei einer anderen Bühne vorbei, bei der eine junge Regisseurin das Märchen Die feuerrote Blume probt. Dann fahre ich zu einer Fotositzung, Beginn 14.30 Uhr. Hier wird festgelegt, mit welchen Bildern sich das Theater öffentlich präsentiert. Eine Stunde muss für eine Entscheidung reichen; keine Sitzung dauert länger.

Um 15.30 Uhr ist Besprechung für ein Theaterstück. Ich entscheide, dass wir das Bühnenbild komplett ändern müssen. Für die Bühnenbildnerin ist das hart. Manchmal bin ich auch Seelsorger.

Um 18 Uhr gebe ich ein Seminar »Szenisches Schreiben« an der Universität der Künste, das bis 22 Uhr dauert. Dann fahre ich zurück ins Theater, wo die Vorstellung gerade zu Ende ist. Ich spreche mit den Schauspielern.

Kurz vor 24 Uhr bin ich zu Hause und zappe ein Medium durch: ein Stück, ein Buch, einen Film.

Um 1 Uhr gehe ich ins Bett. Ich brauche meine sieben Stunden Schlaf.

Armin Petras, 42, ist Intendant des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin und einer der bekanntesten deutschen Regisseure.

Protokoll: Manuel J. Hartung.

Noch ein Traumberuf?
Um 12 Uhr kommt Guido - Was macht ein Chefredakteur den ganzen Tag?

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Serie -
    • Quelle ZEIT Campus, 01/2007
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service